Ellen Richter 1928; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 3360/2 (Ausschnitt) Ellen Richter wurde am 21. Juli 1891 als Käthe Weiß in Wien geboren. Ihre Eltern bzw. Vorfahren stammte aus Ungarn und waren jüdischen Glaubens, Tochter Käthe das jüngste von fünf Kindern. Sie besuchte eine Volksschule, anschließend ließ sich das junge Mädchen an der "k.u.k. Akademie für Musik und darstellende Kunst"1) von dessen damaligen Leiter (1901–1910), Ferdinand Gregori1) (1870 – 1928), zur Schauspielerin ausbilden. Die Prüfung legte sie mit Auszeichnung ab, ein erstes Engagement erhielt Ellen Richter, wie sie sich nun mit Künstlernamen nannte, 1908 am Stadttheater in Brünn. Weitere Verpflichtungen führten sie nach Wien an die "Residenzbühne" (1910), an die "Künstlerbühne" (1911) nach München sowie an das Berliner "Nollendorf-Theater" (1912), wo sie unter anderem als Orestes in Jacques Offenbachs Operette "Die schöne Helena" glänzte.
Anfang/Mitte der 10er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wandte sich Ellen Richter dem noch jungen Medium Film zu und stand erstmals für den stummen Streifen "Rechte des Herzens" (1913) zusammen mit Paul Otto vor der Kamera. Nach "Der Eremit" (1915) und der Rolle einer berühmten Sängerin war sie in dem Krimi  "Das Gesetz der Mine"1) (1915) aus der "Joe Deebs"-Reihe1) neben Max Landa die weibliche Hauptdarstellerin, weitere stumme Melodramen und vor allem Abenteuer schlossen sich mit Ellen Richter als Protagonistin in rascher Folge an, die Mimin avancierte zur populären Stummfilm-Diva.
  
Foto: Ellen Richter 1928
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 3360/2 (Ausschnitt)
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Am 19. Juni 19153) hatte sie den promovierten (Dr. med. dent., Dr. phil.) Drehbuchautor, Filmregisseur und Filmproduzenten Willi Wolff1) (1883 – 1947) geheiratet, nach Ende des 1. Weltkrieges bildete das Paar auch beruflich ein Gespann. 1920 gründete sie mit ihm die Produktionsfirma "Ellen Richter Film GmbH", Ehemann Wolff fungierte zugleich als Drehbuchautor und Regisseur ihrer Filme, in denen sie stets im Mittelpunkt stand. Wolff baute die Schauspielerin kontinuierlich zu einem weiblichen Harry Piel4) (1892 – 1963) auf, seine Filme waren künstlerisch gänzlich bedeutungslos, jedoch spannende und recht kurzweilige Abenteuer- und Sensationsgeschichten mit exotischen Spielorten und einigen sportiven Einlagen.5)
  
Es entstanden ganz auf ihre Protagonistin zugeschnittene Streifen mit so publikumsträchtigen Titeln wie der Drei-Teiler "Die Abenteuerin von Monte Carlo" (1921), "Das Rätsel der Sphinx" (1921), "Lola Montez, die Tänzerin des Königs" (1922), "Die tolle Herzogin" (1926) oder die heitere Geschichte "Die Dame mit dem Tigerfell"2) (1927). Auch im beginnenden Tonfilm konnte die attraktive, stets elegante Brünette anfangs Erfolge feiern und wäre voraussichtlich nicht nur ein, wenn auch heute vergessener Stummfilm-Star geblieben, doch es waren ihr bis 1933 nur noch vier Produktionen vergönnt, unter anderem die Komödie "Die Abenteurerin von Tunis"2) (1931) mit Georg Alexander sowie zuletzt das romantische Abenteuer "Manolescu, der Fürst der Diebe" (1933) mit Iván Petrovich und Mady Christians.

Foto: Ellen Richter vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Ellen Richter vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch
Die Machtergreifung der Nazis beendete abrupt sowohl Ellen Richters Karriere als auch die ihres Ehemannes. Bereits 1933 wurde die Jüdin Ellen Richter mit einem Spielverbot belegt und 1938 aus der Reichsfilmkammer1) ausgeschlossen. Willi Wolff konnte noch bis 1934 für den Film weiterarbeiten, zuletzt als Produzent für seine eigene Firma "Riton-Film". Nach einer Zwangs-Auflösung der "Riton-Film, ließ sich das Paar 1935 in Wien nieder, Wolff arbeitete als Zahnarzt, außerdem gründete er in der österreichischen Hauptstadt eine Aktiengesellschaft, die sich auf die Herstellung von Zahnprothesen spezialisierte. Ellen Richter arbeitete in dieser Firma als Prokuristin.5)
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich bzw. der De-facto-Annexion am 12. März 1938 emigrierten beide noch im selben Monat zunächst nach Paris, wo Wolff erneut eine Zahnarzt-Praxis betrieb. Während des 2. Weltkrieges gelang es dem Ehepaar wenige Monate nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich bzw. der Besetzung von Paris (08.06.1940) erneut zu fliehen, über Lissabon kamen sie am 3. Dezember 1940 in New York City an.
Wolff nahm dort wieder ein Studium auf, um auch den US-amerikanischen Doktorgrad zu erwerben, als Künstler bzw. für den Film traten beide nicht mehr in Erscheinung.
 
Nach dem plötzlichen Tod ihres Ehemannes – Willi Wolff starb am 6. April 1947 während einer gemeinsamen Europa-Reise in einem Hotel in Nizza an einem Herzinfarkt – lebte Ellen Richter, die seit Mai 1946 die amerikanische Staatsbürgerschaft besaß, noch mehrere Jahre in New York bzw. im Westen Hollywoods. Später zog sie nach Düsseldorf, da dort ein Neffe ihres verstorbenen Mannes lebte. Ellen Richter starb dort am 11. September 1969 im Alter von 78 Jahren. Auf eigenen Wunsch fand sie ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Nizza an der Seite ihre Ehemannes.
Quelle (unter anderem): Wikipedia; siehe auch www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Quelle:
3) Heiratsdatum nach 5) Kay Weniger: "Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben…"; Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945 (ACABUS Verlag, Hamburg 2011, S. 549). Bei Wikipedia (Artikel zu Willi Wolff) wird als Heiratsdatum das Jahr 1923 angegeben.
Lizenz Foto Ellen Richter (Urheber: Alexander Binder): Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.

  

Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Links: Murnau Stiftung,
Wikipedia
Stummfilme Noch: Stummfilme
  • 1921: Die Abenteuerin von Monte Carlo
    • 1. Die Geliebte des Schahs
    • 2. Marokkanische Nächte
    • 3. Der Mordprozeß Stanley
  • 1921: Das Rätsel der Sphinx
  • 1922: Lola Montez, die Tänzerin des Königs
  • 1923: Die Frau mit den Millionen
    • 1. Der Schuss in der Pariser Oper
    • 2. Der Prinz ohne Land
    • 3. Konstantinopel – Paris
  • 1923: Bride of Vengeance
  • 1924: Die große Unbekannte
    • 1. Kakadu und Lebertran
    • 2. Die Dame aus Lissabon
  • 1925: Schatten der Weltstadt
  • 1925: Der Flug um den Erdball
    • Teil 1: Indien, Europa
    • Teil 2: Paris bis Ceylon
  • 1926: Die tolle Herzogin
  • 1926: Wie einst im Mai (Episodenfilm)
  • 1927: Die Dame mit dem Tigerfell/Die Gefahren des Karnevals
  • 1927: Die schönsten Beine von Berlin
  • 1927: Kopf hoch, Charly!
  • 1927: Der große Unbekannte
  • 1928: Unmoral / Die sieben Abenteuer der Frau Venus
  • 1928: Moral
  • 1929: Carnival of Crime
  • 1930: Polizeispionin 77
  • 1930: Die Frau ohne Nerven
Tonfilme
  • 1931: Die Abenteurerin von Tunis
  • 1932: Strafsache von Geldern. Willi Vogel, der Ausbrecherkönig
  • 1932: Das Geheimnis um Johann Orth/Ein Liebesroman im Hause Habsburg
  • 1933: Manolescu, der Fürst der Diebe/Der bezaubernde Betrüger
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