Hans (Ferdinand) Junkermann wurde am 24. Februar 1872 als Sohn des Hofschauspielers August Junkermann1) (1832 – 1915) und dessen zweiten Ehefrau, der Schauspielerin und Sängerin Rosa Le Seur (1846 – 1920)2), in Stuttgart geboren. Eine Schwester sowie der Mitte Oktober 1942 von den Nazis wegen seiner Homosexualität in einem Konzentrationslager ermordete Schauspieler Fritz Junkermann1) (1883 – 1942)3) stammten ebenfalls aus dieser Verbindung, der Halbbruder und Schauspieler Karl Junkermann (1860 – 1926), zeitweise Direktor des "Deutschen Theaters" in London, aus einer ersten Ehe seines Vaters.2)
Nach dem Abitur begann Sohn Hans zunächst ein Studium an einem Berliner Militär-Pädagogium, das er jedoch wieder abbrach, schloss sich dann wie Bruder Fritz dem väterlichen "Junkermann-Ensemble" an. Gastspiele führten ihn mit dieser "Wanderbühne" durch halb Europa und sogar in die USA.
Vater August Junkermann war berühmt geworden durch seine Rezitationen, aber auch der Interpretation der Werkfiguren des niederdeutschen Humoristen Fritz Reuter1) (1810 – 1874), als Paraderolle gilt die des "Onkel Bräsig" ("Abendteuer des Entspekter Bräsig"). 

Hans Junkermann, gezeichnet von Emil Stumpp1) (1886–1941)
Quelle: www,cyranos.ch;
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Hans Junkermann, gezeichnet von Emil Stumpp1) (1886–1941); Quelle: www,cyranos.ch
Sein Bühnendebüt gab Hans Junkermann am 31. Oktober 1893 in eben dieser "Entspekter Bräsig"-Dramatisierung am Berliner " Zentral-Theater", dessen Leitung Vater August zu dieser Zeit innehatte.
Weitere Stationen wurden 1895 das Hamburger "Thalia-Theater", die Theater in Weimar und Wiesbaden sowie ab 1896 das "Thalia-Theater" in Berlin. Seit 1902 gehörte Hans Junkermann zum Ensemble des Berliner "Trianon-Theaters". Wegen attraktiver Filmangebote löste er seinen Vertrag jedoch vorzeitig auf und trat in den folgenden Jahren nur noch sporadisch an Berliner Bühnen als Schauspieler in Erscheinung.
Bereits 1911 hatte Junkermann in dem kurzen, stummen Streifen "Vater und Sohn"4) erste Erfahrungen vor der Kamera gesammelt, zwei Jahre später betraute ihn Filmpionier Max Mack1) (1884 – 1973) mit der Hauptrolle des Detektivs Jean Coletti in der Komödie "Wo ist Coletti?"1) (1913). 
Werner Fuetterer (oben links) als Graf Casimir Conjak und Hans Junkermann als Kriegsminister Fürst Tinnefka in dem Stummfilm "Durchlaucht Radieschen" (1927) von Richard Eichberg ("Eichberg-Film"); Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2006-a_0000865); aus "Vom Werden deutscher Filmkunst/1. Teil: Der stumme Film" von Dr. Oskar Kalbus (Berlin 1935, S. 134) / Sammelwerk Nr. 10 bzw. Ross-Verlag 1935; Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Unbekannter Fotograf; Quelle: www.deutschefotothek.de Von da ab trat Junkermann in zahlreichen stummen Lustspielen, Literaturadaptionen, Melodramen und Abenteuern auf, mimte die unterschiedlichsten Figuren und wurde vornehmlich als Charakterkomiker besetzt. Der schlaksig wirkende Schauspieler, dessen Markenzeichen sein Schnauzbart bzw. seine ihm ureigene Gestik war, avancierte rasch zu einem vielgefragten, beliebten Darsteller, übernahm meist prägnante Nebenrollen an der Seite der Stars jener Zeit. So zeigte er sich unter anderem als Polonius in dem Kassenschlager "Hamlet"1) (1921) neben Asta Nielsen in der Titelrolle, in Fritz Langs Klassiker "Dr. Mabuse, der Spieler"1) (1922) gehörte er ebenso zur Besetzung wie in dem ganz auf Ossi Oswalda zugeschnittenen Streifen "Der blinde Passagier"4) (1922).
Junkermann arbeitete in den 1920er Jahren mitunter für mehr als zehn Produktionen, gab meist Adelige jeglicher Couleur, hochrangige Militärpersonen, Direktoren oder Minister. Zu seinen wenigen Hauptrollen zählt die Doppelrolle des Dienstmanns Heßdörfer bzw. des Großherzogs Christians in Max Neufelds heiteren Verwechslungsgeschichte "Die beiden Seehunde" (1928, auch: Seine Hoheit der Dienstmann).
 
Hans Junkermann (rechts) als Kriegsminister Fürst Tinnefka
mit Werner Fuetterer (oben links) als Graf Casimir Conjak
in dem Stummfilm "Durchlaucht Radieschen" (1927) → filmportal.de
von Richard Eichberg1) ("Eichberg-Film")
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2006-a_0000865)
aus "Vom Werden deutscher Filmkunst/1. Teil: Der stumme Film"
von Dr. Oskar Kalbus (Berlin 1935, S. 134) / Sammelwerk Nr. 10 bzw. Ross-Verlag 1935
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Unbekannter Fotograf
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
Den Sprung zum Tonfilm schaffte Junkermann problemlos, blieb auch hier ein unverzichtbarer Nebendarsteller. Nach seinem ersten Tonfilm "Liebeswalzer"4) (1930), von Wilhelm Thiele mit den Kassenmagneten Willi Fritsch und Lilian Harvey in Szene gesetzt, erhielt er von MGM ein Filmangebot und reiste nach Hollywood. Unter der Regie von Jacques Feyder agierte er in deutschen Versionen amerikanischer Produktionen, unter anderem auch neben Greta Garbo in dem Melodram "Anna Christie" (1931). Zurück in Deutschland wurde Junkermann von Harry Piel5) (1892 – 1963) für mehrere Produktionen engagiert, spielte unter anderem eine tragende Rolle in dessen Abenteuer "Schatten der Unterwelt" (1931, Ombres des bas fonds).
In Carl Lamacs Verfilmung der Strauss-Operette "Die Fledermaus" (1931) glänzte er an der Seite von Anny Ondra (Adele) und Georg Alexander (Gabriel von Eisenstein) als Gefängnisdirektor Frank, in Conrad Wienes "So lang' noch ein Walzer vom Strauß erklingt" (1931) mimte er den Vater Johann Strauss, dessen Sohn, Walzerkönig Johann Strauss, wurde von Gustav Fröhlich dargestellt.
Auch im Unterhaltungskino der 1930er Jahre waren es immer wieder Personen der gehobenen Gesellschaft, denen Junkermann Kontur verlieh. Zu Beginn der 1940er Jahre bis zu seinem Tod zeigte er sich in verschiedenen Produktionen, so beispielsweise als Generalfeldmarschall Wrangel in Wolfgang Liebeneiners Biopic "Bismarck"1) (1940, mit Paul Hartmann), als Diener Windel in Erich Engels, ganz auf seinen Hauptdarsteller Emil Jannings zugeschnittenen Lustspiel "Altes Herz wird wieder jung"1) (1943) oder als Kapellmeister in dem opulenten Farbfilm "Münchhausen"1) mit Hans Albers. Seinen letzten Auftritt hatte er als Direktor in Wolfgang Staudtes Regiedebüt "
Akrobat Schö-ö-ön"1) (1943) neben dem berühmten Clown Charlie Rivel5).
 
Während seiner umfangreichen Arbeit für den Film stand der 1940 zum "Staatsschauspieler" ernannte Junkermann zwischendurch immer wieder mal auf der Bühne, unter anderem am "Theater am Schiffbauerdamm". Zwischen 1932 und 1934 war er Intendant des traditionsreichen "Schlossparktheaters" in Berlin- Steglitz, 1933 Mitbegründer des Film- und Bühnenclubs "Kameradschaft der deutschen Künstler".
Hans Junkermann, der im Laufe seiner Karriere in rund 180 Filmproduktionen mitwirkte, starb am 12. Juni 1943 im Alter von 71 Jahren in Berlin; die Trauerfeier fand am 18. Juni 1943 in der Berliner "Volksbühne" ("Theater in der Saarlandstraße") in Anwesenheit der Angehörigen sowie unter anderem dem Generalintendanten der "Volksbühne" Eugen Klöpfer5) (1866 – 1950) und dem Schauspieler bzw. Präsidenten der Reichs-Theaterkammer, Paul Hartmann5) (1889 – 1977), statt. Seine letzte Ruhestätte fand Hans Junkermann auf dem Berliner Waldfriedhof Heerstraße (Charlottenburg-Wilmersdorf); das Grab wurde inzwischen eingeebnet.
Hans Junkermann war seit 1911 mit seiner österreichischen Kollegin Julia Serda5) (1875 – 1965) verheiratet, Stieftochter Charlotte Serda1) (1910 – 1965), ebenfalls Schauspielerin bzw. Fotografin, stammte aus der Beziehung ihrer Mutter zu dem "Odol"-Fabrikanten Karl August Lingner1) (1861 – 1916).   
Quellen (unter anderem): www.cyranos.ch sowie Wikipedia,
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 4) Murnau Stiftung, 5) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Quelle:
2) www.deutsche-biographie.de zu August Junkermann (Theobald, Rainer: "Junkermann, August" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 695)
3) Artikel von Dr. Gottfried Lorenz zu Fritz Junkermann bei www.dr-lo.de
Lizenz Zeichnung Hans Junkermann (Urheber: Emil Stumpp): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
  
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(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
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