Paul Otto wurde am 8. Februar 1878 als Paul Otto Schlesinger in Berlin geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre – nebenher nahm er Schauspielunterricht – gab der erst 17-Jährige 1895 sein Bühnendebüt. Über Halle, Wiesbaden und Hannover kam Paul 1906 nach Berlin, wo er sich als Charakterdarsteller einen Namen machte und bis zu seinem Tode an fast allen bedeutenden Theatern wirkte.
Zum Film kam der Schauspieler in den 10er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, erschien erstmals in Viggo Larsens stummen Kurzgeschichte "Entsühnt" (1910) neben Wanda Treumann sowie dem dänischen Regisseur selbst auf der Leinwand. In den folgenden zwei Jahrzehnten spielte Paul in zahlreichen stummen Melodramen, Lustspielen, Kriminalgeschichte und Abenteuern Haupt- und prägnante Nebenrollen, avancierte zu einem vielbeschäftigten bzw. beliebten Darsteller. Doch nicht nur als Schauspieler war er in der frühen Stummfilm-Ära aktiv und erfolgreich, er zeichnete selbst für rund 20 Produktionen als Regisseur verantwortlich, oft nach eigenen Drehbüchern. Als Regisseur legt er bereits 1912 seinen ersten eigenen Film "Selbstgerichtet" (1912) vor. Fast 20 Filme wird er selbst inszenieren. In mehr als 160 Filmen steht er vor der Kamera. Sein Spiel prägt sich ein. Paul Otto wird ein beliebter Darsteller, der mit besonderer Vorliebe den Gentlemen verkörpert. Er gibt mit Sachlichkeit Offiziere und Diplomaten, spielt mit überzeugender Eleganz skrupellose Verführer, stellt gerechte und nüchterne Richter genauso dar wie allwissende Professoren.1)  

Foto: Paul Otto um 1920
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder2) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Photochemie-Karte Nr. 174
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Paul Otto um 1920; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Photochemie-Karte Nr. 174
Zu seinen frühen Filmen zählen unter anderem die von Urban Gad mit Ehefrau Asta Nielsen gedrehten Streifen "Die Filmprimadonna"2) (1913, nur noch fragmentarisch erhalte) und "Vordertreppe und Hintertreppe"3) (1915), wo er als Leutnant von Hammeln ein Techtelmechtel mit der Flickschneiders-Tochter Sabine Schulze (Asta Nielsen) beginnt. In Victor Jansons Krimi "Das Skelett des Herrn Markutius"3) (1920) mit Curt Goetz als Detektiv Joe Deebs war er der Attaché van der Velden, den eine dunkle Vergangenheit einholt, in Lupu Picks ergreifendem Drama "Scherben"2) (1921) der skrupellose Bahninspektor, der die naive Tochter (Edith Posca) des pflichtbewussten Bahnwärters (Werner Krauß) verführt und damit die gesamte Familie ins Unglück stürzt.
 
Nach rund 100 stummen Produktionen schaffte Paul Otto den Übergang zum Tonfilm problemlos und blieb für ein weiteres Jahrzehnt in weiteren knapp 60 Filmen ein vielgefragter Mime, auch wenn es nicht mehr die ganz großen Rollen waren. Mit der Machergreifung der Nationalsozialisten konzentrierte sich der Schauspieler wieder verstärkt auf seine Arbeit am Theater, seine jüdischen Wurzeln blieben zunächst unentdeckt. 1937 wurde Otto aufgrund seiner von den Nationalsozialisten geschätzten Bühnenarbeit an Heinz Hilperts "Deutschem Theater" sogar zum "Staatsschauspieler" ernannt, 1942 übernahm er auf Wunsch von Propagandaminister Josef Goebbels die Leitung der "Fachschaft Bühne" der "Reichstheaterkammer".
Als im September 1943 bekannt wurde, dass Paul Otto jüdischer Abstammung war  – ein Kollege soll ihn "enttarnt" haben –, fürchtete er die Deportation in ein Konzentrationslager und entzog sich dieser drohenden Gefahr am 30. November 1943 in seiner Berliner Wohnung durch Freitod – gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Schauspielerin Charlotte Klinder2) (1891 – 1943).
Die letzte Ruhe fand das heute vergessene Schauspieler-Paar auf dem Berliner Friedhof Wilmersdorf; die Grabstätte ist inzwischen nicht mehr erhalten.
 
Quellen: Wikipedia, www.cyranos.ch sowie www.film-zeit.de
Fotos bei www.virtual-history.com
Quelle: 1) www.film-zeit.de
Link: 2) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung
Lizenz Foto Paul Otto (Urheber: Alexander Binder): Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
Kinofilme (als Darsteller)
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Links: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)
Stummfilme (Auszug) Noch: Stummfilme (Auszug)
  • 1927: Die Jagd nach der Braut
  • 1927: So küsst nur eine Wienerin
  • 1927: Primanerliebe
  • 1927: Höhere Töchter
  • 1927: Grand Hotel…!
  • 1927: Die rollende Kugel
  • 1927: Die geheime Macht
  • 1927: Die Studentengräfin
  • 1927: Die Frauengasse von Algier
  • 1927: Die Sandgräfin
  • 1928: Die Rothausgasse
  • 1927: Die Lorelei
  • 1927: Die Achtzehnjährigen
  • 1927: Der Kampf des Donald Westhof
  • 1927: Das Schicksal einer Nacht
  • 1927: Benno Stehkragen
  • 1928: Spelunke
  • 1928: Der Zarewitsch
  • 1928: Der Raub der Sabinerinnen
  • 1928: Achtung Mitgiftjäger/Oberleutnant Noszty
  • 1929: § 173 St.G.B. Blutschande
  • 1929: Trust der Diebe
  • 1929: Heilige oder Dirne, Nebenbulerinnen
  • 1929: Flucht vor der Liebe
  • 1929: Die Liebe der Brüder Rott. Irrlichter
  • 1930: Tänzerinnen für Süd-Amerika gesucht
  • 1930: Einbruch im Bankhaus Reichenbach
Tonfilme
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