Fred Astaire
Fred Astaire wurde am 10. Mai 1899 als Frederick Austerlitz und Sohn österreichischer Einwanderer in Omaha (Nevada) geboren. Aufgewachsen in einer wohlhabenden Familie im provinziellen Omaha, lernte Fred Astaire bereits als fünfjähriges Kind zu tanzen. Er besuchte zwei Tanzschulen und erlangte noch vor seinem 20. Geburtstag an der Seite seiner Schwester Adele Astaire1) (1896 – 1981) auf Kabarett-, Vaudeville- und Konzerthausbühnen in der ganzen Welt eine enorme Popularität.
Erste Erfahrungen mit dem Film machten die Astaire-Geschwister bereits 1915 in dem Mary-Pickford-Film "Fanchon the Cricket", zwei Jahre später gelang den beiden ein riesiger Broadway-Erfolg mit dem Stück "Over The Top". Danach landeten die tanzenden und singenden Geschwister in New York und London einen Bühnen-Hit nach dem anderen. Als Adele am 9. Mai 1932 den britischen Lord Charles Cavendish (1905 – 1944) heiratete, musste Fred Astaire erstmals in seinem Leben als Solist auftreten.

Seine Filmkarriere begann zunächst mit einem niederschmetternden Urteil; nach ersten Probeaufnahmen wurde er mit den Worten "Can't act. Slightly bald. Can dance a little" (etwa: Kann nicht singen, kann nicht schauspielern, hat eine leichte Glatze, aber kann ein wenig tanzen) wieder nach Hause geschickt. Dennoch ließ sich Astaire nicht entmutigen, ging mit seiner frisch angetrauten, damals 25-jährigen Frau Phyllis Livingston Potter (1908 – 1954), die er am 12. Juli 1933 geheiratet hatte, nach Hollywood und ergatterte einen Vertrag von den RKO Studios. Sein Leinwanddebüt gab er wenig später in der musikalischen Komödie "Ich tanze nur für dich"1) (1933, Dancing Lady) neben Joan Crawford und Clark Gable. Astaire spielte sich selbst und wurde als der "Tänzer von New York" vorgestellt. Auch in dem nächsten Streifen "Carioca"1) (1933, Flying Down to Rio) mit Hauptdarstellerin Dolores Del Rio wurde er nur als Tänzer und Sänger besetzt, doch hier kam es zu einer Begegnung, die seine Karriere verändern sollte. Als Tanzpartnerin hatte man ihm die junge Ginger Rogers2) (1911 – 1995) zur Seite gestellt, die beiden waren die ideale Besetzung und sollten in den kommenden Filmen zum Traumpaar werden. Auch die Produzenten erkannten die enorme Ausstrahlungskraft, die von Fred Astaire und Ginger Rogers ausging, mit "The Gay Divorcee"1) (1934, Scheidung auf amerikanisch) avancierten sie zu Stars der Leinwand. Der Streifen wurde ein Riesenerfolg, neun weitere Kinohits sollten in den 1930er Jahren folgen, ihren letzten gemeinsamen Auftritt hatte das Duo 1949 in "Der Tänzer vom Broadway"1) (The Barkleys of Broadway). Dazwischen lagen Kassenschlager wie "Roberta"1) (1935), "Top Hat"1) (1935, Ich tanz mich in dein Herz hinein), "Follow the Fleet"1) (1936, Marine gegen Liebeskummer), "Swing Time"3) (1936, Walzer aus Amerika) oder "Shall We Dance"1) (1937, Tanz mit mir).  
Der Film "Top Hat"3), der 1936 vier Oscar-Nominierungen in den Kategorien: "Bester Film", "Bestes Szenenbild", "Beste Musik" und "Beste Choreographie" abräumte, gehört zu den schönsten Musicals der 1930er Jahre. Die Verwechslungskomödie sprüht nur so von witzigen Dialogen und enthält viele elegante Tanz- und Gesangsnummern, darunter den Ohrwurm "Cheek to Cheek". Der große Komponist Irving Berlin hatte zahlreiche Evergreens für den Film geschrieben, so "Isn't This a Lovely Day" und die Titelmelodie "Top Hat, white Tie and Tails". Das Musical gilt als Höhepunkt der Zusammenarbeit von Fred Astaire und Ginger Rogers. Die Handlung ist schnell erzählt: Der amerikanische Musical-Star Jerry Travers (Fred Astaire) kommt nach London, um in Horace Hardwicks neuer Revue mitzuwirken. Dabei verliebt er sich in die attraktive Dale Tremont (Ginger Rogers). Doch dann kommt es zu einem schwerwiegenden Missverständnis: Dale glaubt, Jerry sei der Ehemann ihrer besten Freundin Madge (Helen Broderick), der Frau des Revue-Chefs. Jerry versucht nun alles, um diese Verwechslung aus der Welt zu schaffen und so sein Glück zu retten …
  
Doch Fred Astaire wollte es auch ohne Partnerin Ginger Rogers versuchen und drehte mit Joan Fontaine als Partnerin unter der Regie von George Stevens "A Damsel in Distress"1) (1937, Ein Fräulein in Nöten), ein Film mit einem wirklich guten Gershwin-Soundtrack. Leider kam der Streifen beim damaligen Publikum nicht an und so mussten Astaire und Rogers wieder gemeinsam vor die Kamera. Doch nach den beiden Filmen "Carefree"1) (1938, Sorgenfrei durch Dr. Flagg) und "The Story of Vernon and Irene Castle"1) (1939) entschied sich Astaire endgültig für einen weiteren Alleingang.
Nach einigen weniger kassenträchtigen Filmen traf er auf Rita Hayworth – die er später als seine Lieblingspartnerin auswies – , mit der er "You'll Never Get Rich"1) (1941, Reich wirst du nie) und "You Were Never Lovelier"1) (1946, Du warst nie berückender) drehte. Obwohl Astaire auch mit Partnerinnen wie Eleanor Powell (Broadway Melodie 19401) /  Broadway Melodie of 19403)), Lucille Bremer, Judy Garland, Betty Hutton, Jane Powell, Barrie Chase oder der unwiderstehlichen Cyd Charisse tanzte, werden ihn die Kinogänger wohl immer mit Ginger Rogers in Verbindung bringen.
  
Als Fred Astaire mit Bing Crosby, mit dem er bereits in dem Tanzfilm "Holiday Inn"1) (1942, Musik, Musik) auf der Leinwand erschienen war, die musikalische Romanze "Blue Skies"1) (1946, Blau ist der Himmel) abgedreht hatte, verkündete er zum Entsetzen der Produzenten und des Publikums, er wolle sich vom Filmgeschäft zurückziehen, um mehr Zeit für seine Familie und seine Hobbys zu haben. Gemeinsam mit seiner Frau Phyllis lebte Astaire in einer schönen Villa in Beverly Hills, zur Familie gehörte Sohn Peter aus der ersten Ehe seiner Frau, sowie die gemeinsamen beiden Kinder; Fred Jr. war 1936 geboren worden, Tochter Ava hatte 1942 das Licht der Welt erblickt.
Doch nach nur knapp zwei Jahren Kamera-Abstinenz ließ sich Astaire überreden, eine Hauptrolle in dem Film "Easter Parade"1) (1948, Osterparade) als Partner von Judy Garland zu übernehmen: Ein berühmter Revue-Tänzer bemüht sich auf Grund einer Wette, ein Mädchen vom Ballett zu seiner Tanzpartnerin heranzubilden. Er verliebt sich in sie und während eines Osterspaziergang kommt es zum Happy-End.
Die belanglose Handlung diente lediglich als Vorwand für brillante Tanznummern und einige Gesangsduette zwischen Fred Astaire und Judy Garland, die hier das einzige Mal gemeinsam auftraten In diesem kurzweiligen Unterhaltungsfilm sollte eigentlich Gene Kelly die Rolle spielen, die Fred Astaire übernahm, aber Kelly hatte wegen einer Verletzung absagen müssen.
 
Nach dem Riesenerfolg dieses inzwischen zum Klassiker gewordenen Films war an einen Rückzug nicht mehr zu denken. Astaire drehte in den 1950er Jahren viele weitere Kinohits, darunter "Three Little Words"1) (1950, Drei kleine Worte), "The Belle of New York" (1952, Die Schönste von New York), "Daddy Long Legs"1) (1955, Daddy Langbein), "Funny Face"1) (1957, Ein süßer Fratz3)) und "Silk Stockings"1) (1957, Seidenstrümpfe.
Der große Fred Astaire zeigte auch im fortgeschrittenen Alter noch Glanzleistungen wie etwa seine Tanznummer an Wand und Decke eines Zimmers in "Royal Wedding"1) (1951, Königliche Hochzeit3)), oder die Mickey Spillane-Tanz-Nummer in "The Band Wagon"1) (1953, Vorhang auf!3)). Seine Popularität blieb ungebrochen, im reiferen Alter verzichtete Astaire jedoch darauf, das Tanzbein zu schwingen und konzentrierte sich auf die reine Schauspielerei. So war er beispielsweise an der Seite von Gregory Peck und Ava Gardner in Stanley Kramers Science-Fiction-Film "On the Beach"1) (1959, Das letzte Ufer3)) zu sehen, mit Debbie Reynolds drehte er die witzige Bühnenadaption "The Pleasure of His Company"1) (1961, In angenehmer Gesellschaft), mit Kim Novak und Jack Lemmon die Krimikomödie "The Notorious Landlady"1) (1962, Noch Zimmer frei), stand für Francis Ford Coppolas zweifach Oscar-nominiertes Musical "Finian's Rainbow"1) (1968, Der goldene Regenbogen) vor der Kamera. Danach wirkte Fred Astaire nur noch in wenigen Kinoproduktionen mit, für die Figur des Harlee Claiborne in dem Karastrophenfilm "Flammendes Inferno"1) (1974, The Towering Inferno3)) erhielt Astaire eine Oscar-Nominierung als "Bester Hauptdarsteller"; in der Familienkomödie "The Amazing Dobermans" (1976, Mit Dobermännern spaßt man nicht) drehte er noch mal so richtig auf.

Auch das Fernsehen machte sich die Beliebtheit des Stars zu nutze. Neben zahlreichen TV-Shows übernahm der Star Parts in Fernsehspielen und Serien. Hier ist vor allem seine Dauerrolle als Vater des Meisterdiebs Al Mundy alias Robert Wagner in dem TV-Quotenrenner "It Takes a Thief"2) (1968 – 1970) zu nennen, der bei uns als "Ihr Auftritt, Al Mundy" lief. Darüber hinaus war Astaire als Schallplattenproduzent bei "Choreo Records" tätig, eine Zeit lang leitete er auch die "Fred Astaire Dance Studios Corporation", die inzwischen in den USA zahlreiche Tanzstudios unterhält.
1981 wurde Fred Astaire vom amerikanischen Filminstitut mit dem "Oscar" für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Im selben Jahr hatte er seinen letzten Leinwandauftritt in John Irvins Horrorstreifen "Ghost Story"1) (Zurück bleibt die Angst), wo er mit weiteren Alt-Stars wie Melvyn Douglas und Douglas Fairbanks jr. vor der Kamera stand. Danach zog er sich der inzwischen über 80-jährige, vielfach geehrte Astaire endgültig vom Filmgeschäft zurück → Übersicht der Auszeichnungen bei Wikipedia.
 
Nach dem Lungenkrebs-Tod seiner erst 46 Jahre alten Frau Phyllis am 13. Dezember 1954 hatte der Künstler lange Jahre alleine gelebt. Am 27. Juni 1980 heiratete er erneut und fand ein spätes Glück mit der 45 Jahre jüngeren Robyn Smith. Die junge Dame war wie Fred Astaire eine begeisterte Pferdenärrin, hatte als weiblicher Jockey erfolgreich Pferderennen bestritten
Fred Astaire starb am 22. Juni 1987 im Alter von 88 Jahren in Los Angeles an den Folgen einer Lungenentzündung. Ehefrau Robyn war bis zuletzt an seiner Seite. Seine letzte Ruhe fand der legendäre Schauspieler und Tänzer auf dem "Oakwood Memorial Park"-Friedhof in Chatsworth (Kalifornien) → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
  
Der Tänzer, Sänger und Schauspieler ist mit seinem unnachahmlichen Stil zur Legende der Leinwand geworden. Mit seiner natürlichen Grazie, seiner unverwechselbaren Stimme, seiner tänzerischen Leichtigkeit und nicht zuletzt mit seiner Eleganz schrieb Fred Astaire Filmgeschichte. Er bot in einer großen Menge von Filmen wunderbar-elegante, gazellengleiche Tanz- und Step-Einlagen, die bis heute als einzigartig gelten.
Die Choreographie seiner virtuosen Vorträge erarbeitete er zusammen mit dem amerikanischen Tänzer und Choreografen Hermes Pan1) (1909 – 1990) meist selbst, wobei sein kreativer Ideenreichtum schier unerschöpflich schien. Dabei verlangte Astaire auch häufig den Einsatz trickreicher Kamerafahrten. Dass Astaire auch dem authentischen Jazz nicht abgeneigt war, bewies er, als er im Dezember 1952 mit der Band von Oscar Peterson das umfangreiche Werk "The Astaire Story" aufnahm; siehe auch den Artikel bei der englischsprachigen Wikipedia.  

Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
Siehe auch Wikipedia, www.djfl.de, www.whoswho.de
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1)  Wikipedia, 2) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, 3) www.prisma.de
    
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, in Klammern: prisma.de)
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