Gary Cooper
Gary Cooper erblickte als Frank James Cooper am 7. Mai 1901 in Helena (Montana) als zweiter Sohn englischer Einwanderer das Licht der Welt. Sein Vater, Charles Henry Cooper1) (1865 – 1965), war um 1885 in die USA ausgewandert und hatte sich in der ehemaligen Minenstadt Helena vom einfachen Gerichtsschreiber zum Rechtsanwalt und schließlich zum Richter am Obersten Gerichtshof des US-Bundesstaates Montana hinaufgearbeitet und betrieb zudem eine Farm; die Mutter Alice Cooper (1873 – 1967) war Schauspielerin. Neben einem Stadthaus in Helena besaßen die wohlhabenden Coopers eine 600 Morgan Ranch außerhalb Montanas mit Namen "Seven-Bar-Nine" wo Frank gemeinsam mit seinem älteren Bruder Arthur Le Roy (1895 – 1982) große Teile seiner Kindheit verbrachte.
In dieser ursprünglichen Gegend kam Frank schon von frühester Jugend an mit all dem in Berührung was die damals gerade zu Ende gegangene Ära des "Wilden Westens" ausgemacht hatte. Er lernte jagen und reiten, traf auf Cowboys, Indianer und Büffeljäger.
Weil sie befürchtete, sie könnten "verwildern" schickte Alice Cooper ihre Söhne zwischen 1910 und 1913 auf das konservative englische "Dunstable College" in der Gragschaft Bedfordshire, wo Ihnen britischer "Schliff" und Manieren beigebracht werden sollten. Dort wurden die Jungen aufgrund ihres Akzents und ihrer Kleidung eine Zeit lang von ihren Mitschülern gehänselt. Schließlich jedoch gewöhnten sie sich an die dortigen Gegebenheiten und wurden zu kleinen, wohlerzogenen Gentlemen. Kurz vor Beginn des ersten Weltkrieges kehrten die Brüder nach Hause zurück, Arthur, der bereits alt genug war, trat in die Armee ein, Frank dagegen unterstützte seine Mutter auf der Farm, nachdem kriegsbedingt die meisten männlichen Arbeitskräfte eingezogen worden waren und Vater Charles Cooper aus geschäftlichen Gründen in Helena arbeitete.
 
Während seiner Schulzeit an der "Gallatin Valley High School in Bozeman" erlitt der damals 15-jährige Frank zusammen mit einem Freund einen Autounfall, bei dem er sich die Hüfte brach. Der behandelnde Arzt stellte jedoch eine falsche Diagnose und riet ihm, die Hüftschmerzen mit exzessivem Reiten auszukurieren, was er auch tat. Durch diese "Rosskur" (im wahrsten Sinne des Wortes) wurde er zu einem perfekten Reiter was ihm bei seinen späteren Rollen zugute kam, Zeit seines Lebens litt Cooper jedoch immer wieder unter Schmerzen, weil der Bruch in Wirklichkeit nie richtig verheilt war. 
Nach dem Krieg nahm der junge Frank seine abgebrochene Schulausbildung wieder auf und besuchte ab 1919 das "Wesleyan College" für Agrarwirtschaft in Bozeman (Montana). Er galt nicht unbedingt als herausragender Schüler, tat sich weder in sportlicher noch in akademischer Hinsicht hervor. Bald entdeckte er sein Interesse und auch ein gewisses Talent für das Zeichnen und beschloss, Karikaturist zu werden. Nach seinem College-Abschluss wechselte er deshalb 1922 auf das "Grinnell College" in Iowa, um Kunst zu studieren.
Ab 1924 arbeitete Cooper nicht unbedingt erfolgreich als politischer Karikaturist und Vertreter in Los Angeles, nachdem er sich als Komparse und Stuntman bei den "Paramount Studios" beworben hatte, übernahm er ab 1925 kleinere Rollen in Stummfilmen, vor allem in Western. Sein erste größere Rolle hatte er in Henry Kings noch stummen Western "Entfesselte Elemente" (1926, The Winning of Barbara Worth). Es folgten Aufgaben in Filmen wie in Clarence Badgers "Das Gewisse Etwas" (1927, It) oder Frank Lloyds "Kinder aus geschiedenen Ehen" (1927, Children of Divorce), mit der Titelrolle in Victor Flemings frühen Tonfilm-Western "Der Mann aus Virginia"1) (1929, The Virginian) gelang Cooper der Durchbruch auf der Leinwand und er avancierte zum populärsten und bestbezahlten Star des amerikanischen Filmes, glänzte fortan in der Rolle des wortkargen, vom Schicksal gezeichneten Helden.
 
Der stets etwas linkisch wirkende Cooper arbeitete mit den besten "Paramount"-Regisseuren zusammen, seine bevorzugten Partnerinnen waren Marlene Dietrich, Jean Arthur und Claudette Colbert. Ob in Dramen, Komödien oder Western, der Schauspieler wirkte mit jeder seiner oft unterschiedlichen Leinwandfiguren authentisch, machte in Uniform, Wester-Outfit oder elegantem Anzug stets eine gute Figur. So überzeugte er unter der Regie von Josef von Sternberg als Fremdenlegionär Tom an der Seite von Marlene Dietrich (die er nicht nur vor der Kamera bezirzt haben soll) in dem romantischen Liebesmelodram "Marokko"2) (1930, Marocco) oder als britischer Leutnant Alan McGregor in Henry Hathaways Abenteuer "Bengali"1) (1935, The Lives of a Bengal Lancer). In Frank Borzages Hemingway-Verfilmung "In einem anderen Land"1) (1932, A Farewell to Arms) verkörperte er eindringlich den Leutnant Frederic Henry, in Frank Capras Komödie "Mr. Deeds geht in die Stadt"1) (1936, Mr. Deeds Goes to Town) gab er den Provinzler mit Politikerambitionen Longfellow Deeds und erhielt für seine darstellerische Leistung eine "Oscar"-Nominierung. In den beiden elegant-frivolen Lubitsch-Lustspielen "Serenade zu dritt"1) (1933, Design for Living) und "Blaubarts achte Frau"1) (1938, Bluebeard's Eighth Wife; mit Claudette Colbert) konnte er sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen, ebenso wie als zerstreuter Professor Bertram Potts und Partner von Barbara Stanwyck in Howard Hawks' Screwball-Comedy "Die merkwürdige Zähmung der Gangsterbraut Sugarpuss"1) (1941, Ball of Fire).
In Cecil DeMilles Western "Der Held der Prärie"1) (1937, The Plainsman) brillierte Cooper als legendärer Revolverheld Bill Hickok1) (1837 – 1876), der als "Wild Bill" nicht gerade eine rühmliche Geschichte geschrieben hatte. Für seine darstellerische Leistung als Kriegsheld wider Willen bzw. hochdekorierter Soldat Alvin C. York1) in Howard Hawks' Biopic "Sergeant York"2) (1941) wurde Cooper mit seinem ersten "Oscar" in der Kategorie "Bester männlicher Hauptdarsteller" ausgezeichnet. Ein weiteres Kino-Highlight mit Gary Cooper war "Wem die Stunde schlägt"1) (1943, For Whom the Bell Tolls), das Sam Wood nach dem Roman von Ernest Hemingway in Szene gesetzt hatte. In dieser Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Spanischen Bürgerkrieges im Jahre 1937 agierte er als amerikanischer Idealist und Sprengstoffexperte Robert Jordan an der Seite von Ingrid Bergman, beide Stars wurden für ihre grandiose Darstellung für einen "Oscar" nominiert → siehe auch prisma.de.
  
Bis Ende der 1940er Jahre folgten Produktionen wie das Abenteuer "Spiel mit dem Schicksal"1) (1945, Saratoga Trunk), der Western "Die Unbesiegten"1) (1947, Unconquered), die Literaturadaption "Ein Mann wie Sprengstoff"2) (1949, The Fountainhead) oder der Kriegsstreifen "Sturm über dem Pazifik"1) (1949, Task Force). Seine wohl berühmteste Rolle spielte Cooper in Fred Zinnemanns mit vier "Oscars" prämierten Kultwestern "Zwölf Uhr mittags"2) (1952, High Noon). Hier verkörperte der Hollywoodstar den einsamen Sheriff Will Kane, der an seinem Hochzeitstag vergeblich versucht, von seinen Mitbürgern Hilfe bei der Bekämpfung von vier gefährlichen Banditen zu bekommen. Schließlich muss er sich den Bösewichtern alleine stellen, am Ende unterstützt durch seine Braut, gespielt von Grace Kelly. Für seine eindrucksvolle Darstellung eines aufrechten Kämpfers für Recht und Gesetz erhielt Cooper seinen zweiten "Oscar".
"High Noon" bedeutete für das Westerngenre eine Zäsur, der Film wertete dieses Genre, dem bisher künstlerische Anerkennung versagt war, auf. "High Noon" bzw. "Zwölf Uhr mittags" gehört inzwischen zu den großen Film-Klassikern, sowohl in den Augen der internationalen Kritik als auch der Publikumsgunst. In den Besten-Listen des "American Film Institute" steht "High Noon" auf Platz 33 unter den 100 besten englischsprachigen Filmen, Gary Cooper besetzt Platz 11 unter den besten 25 männlichen Stars, in den "Top 50" der größten Kinohelden nimmt Sheriff Will Kane gar die fünfte Stelle ein. Für Gary Cooper war die Rolle des Sheriffs Will Kane Höhepunkt seiner Schauspielkarriere.3)
  
Ein weiterer Kassenschlager wurde in den 1950er Jahren Robert Aldrichs Western "Vera Cruz"2) (1954) mit Coopers Rolle des im mexikanischen Bürgerkrieg kämpfenden  Abenteurers Benjamin Trane an der Seite von Burt Lancaster als seinem Rivalen Joe Erin. Nach William Wylers preisgekröntem Westerndrama "Lockende Versuchung"2) (1954, Friendly Persuasion) und Henry Hathaways Goldgräberdrama "Der Garten des Bösen"1) (1954, Garden of Evil) schlüpfte Cooper in Billy Wilders Romanze "Ariane – Liebe am Nachmittag"2) (1957, Love in the Afternoon) in die Rolle des zynischen Millionärs und Lebemanns Frank Flannagan, der sich in die bezaubernde Musikstudentin Ariane alias Audrey Hepburn verliebt. Western-Spezialist Anthony Mann gab ihm die Hauptrolle in "Der Mann aus dem Westen"1) (1958, Man of the West), in Delmer Daves Romanverfilmung "Der Galgenbaum"1) (1958, The Hanging Tree) wurde er als Doc Frail von Maria Schell vor dem Galgen bewahrt.
Zu Coopers letzten Arbeiten für das Kino zählen der Western "Sie kamen nach Cordura"1) (1959, They Came to Cordura) und der Krimi "Die den Tod nicht fürchten"2) (1959, The Wreck of the Mary Deare), die Premiere des Thrillers "Ein Mann geht seinen Weg"1) (1961, The Naked Edge) mit seiner Rolle eines potentiellen Mörders erlebte der Star nicht mehr, ebenso wenig wie die Tatsache, dass dieses Experiment eines Rollenwechsels nicht funktioniert hatte und der Film an den Kinokassen floppte.
  
Gary Cooper, neben John Wayne4) einer der charismatischsten Western-Idole aller Zeiten, erlag am 13. Mai 1961, sechs Tage nach seinem 60. Geburtstag in Beverly Hills seiner Krebserkrankung, die man ein Jahr zuvor bei ihm diagnostiziert hatte. Den "Ehren-Oscar", der ihm im April 1961 für sein Lebenswerk verliehen wurde, hatte er bereits nicht mehr persönlich in Empfang nehmen können; sein enger Freund James Steward nahm den Preis stellvertretend für ihn entgegen. Die letzte Ruhe fand legendäre Schauspieler auf dem "Sacred Hearts of Jesus & Mary Cemetery" in Southampton auf Long Island bei New York, wo später auch seine Ehefrau beigesetzt wurde → Foto der Grabstelle bei knerger.de
Die Filmlegende war seit Mitte Dezember 1933 mit der aus deer New Yorker High Society stammenden Veronica Balfe1) (1913 – 2000) verheiratet, die unter dem Pseudonym Sandra Shaw ebenfalls vor der Kamera stand, sich aber auch als Sportschützin einen Namen machte; aus der Verbindung stammt die 1937 geborene Tochter Maria Veronica Cooper, die später den Konzerpianisten bzw. Komponisten Byron Janis1) ehelichte.
Coopers Mitte der 1950er Jahre veröffentlichte Autobiografie "Well, it was this way" kam in Deutschland unter dem Titel "Gib dem Glück die Sporen. Die Geschichte meines Lebens" auf den Markt.
Insgesamt spielte Cooper in 110 Tonfilm-Produktionen und verkörperte in den meisten die Hauptrolle; die Zahl seiner weniger bekannten Stummfilme beläuft sich auf mehr als 20. Heute erinnert ein "Stern" auf dem "Hollywood Walk of Fame" an das Leinwand-Idol → Übersicht der Auszeichnungen bei Wikipedia
Siehe auch Wikipedia, www.prisma.de, www.cyranos.ch
Fotos bei film.virtual-history.com
Textbausteine des Kurzportraits von Sabine Scharfenberger (die domain "www.sabines.de" ist nicht mehr existent.)
Link: 1) Wikipedia, 2) prisma.de, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Quelle: 3) www.br.de (Seite nicht mehr abrufbar)
    
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link Wikipedia, in Klammern: prisma.de)
Stummfilme (Auszug)
  • 1925: Dick Turpin, der galante Bandit (Dick Turpin)
  • 1925: The Thundering Herd
  • 1925: Wild Horse Mesa
  • 1925: The Lucky Horseshoe
  • 1925: The Vanishing American
  • 1926: Pass auf deine Frau auf (Watch Your Wife)
  • 1926: Entfesselte Elemente (The Winning of Barbara Worth)
     → Wikipedia (englisch)
  • 1925: Der Adler (The Eagle)
  • 1927: Children of Divorce → Wikipedia (englisch)
  • 1927: Arizona Bound → Wikipedia (englisch); verschollen
  • 1927: Wings
  • 1927: Nevada → Wikipedia (englisch)
  • 1927: The Last Outlaw → Wikipedia (englisch)
  • 1928: Der weiße Harem (Beau Sabreur) → Wikipedia (englisch)
  • 1928: The Legion of the Condemned → Wikipedia (englisch)
  • 1928: Doomsday → Wikipedia (englisch)
  • 1928: Half a Bride → Wikipedia (englisch)
  • 1928: Vier Herren suchen Anschluss (Red Hair)
  • 1928: Zeit des Flieders (Lilac Time) → Wikipedia (englisch)
  • 1928: The First Kiss → Wikipedia (englisch)
  • 1928: Liebeslüge (The Shopworn Angel) → Wikipedia (englisch)
  • 1929: Wolf Song → Wikipedia (englisch)
  • 1929: Aschermittwoch (Betrayal) → Wikipedia (englisch)
Tonfilme
Noch: Tonfilme
Um zur Seite der Leinwandstars zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de