Am 7. Mai 2000 starb mit Douglas Fairbanks jr. (geboren am 9.12.1909 in New York City) im Alter von 90 Jahren ein Schauspieler, dessen Name Assoziationen mit der Stummfilmzeit Hollywoods wachruft. Denn sein Vater war der Stummfilmstar und Filmpionier Douglas Fairbanks sr.1) (1883 – 1939), in dessen Schatten der Sohn sein Leben lang stand, dessen Namen er aber auch zu seinem Vorteil zu nutzen verstand: "Ich habe niemals meinem Vater nachgeeifert. Jeder, der das versucht hätte, wäre als zweitklassige Kopie geendet. Ich war entschlossen, mein eigenen Mann zu stehen, obwohl das Tragen des Fairbanks-Namen es leichter machte, in ein Büro zu kommen, um jemanden zu sprechen." Dabei war die Beziehung zwischen den Beiden nie besonders eng. Douglas Fairbanks gab offen zu, er habe für seinen Sprössling keine größeren "väterlichen Gefühle als ein Tiger im Dschungel für sein Kleines." Vom zehnten Lebensalter an musste Douglas jr. seinen Vater dabei sowieso meist entbehren, da dieser sich von seiner Frau Anna Beth Sully trennte, die den Jungen nun allein aufzog.
Fairbanks jr. gab 1923 sein Leinwanddebüt in mit der Titelrolle in dem stummen Streifen "Stephen Steps Out", einem erfolglosen Produzentenversuch, am großen Namen des Vaters mitzuverdienen. Douglas jr. musste sich in den Zwanzigern mit kleinen und Kleinst-Rollen über Wasser halten, schrieb sogar die Zwischentitel für Stummfilme und trat gelegentlich in Los Angeles im Theater auf. 
 

Foto: Douglas Fairbanks jr. in London im Jahre 1973
Urheber: Allan Warren*) (www.allanwarren.com)
Lizenz: CC BY-SA 3.0;
Quelle: Wikimedia Commons
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Douglas Fairbanks jr. in London im Jahre 1973; Urheber: Allan Warren*) (www.allanwarren.com); Lizenz: CC BY-SA 3.0; Quelle: Wikimedia Commons
Erst nachdem er 1929 den Leinwandstar Joan Crawford1) (1905 – 1977) geheiratet hatte, wurde er ehrgeiziger und erlebte in den Dreißigern seine beste Phase als Leinwanddarsteller. Er spielte verschiedene Hauptrollen, so an der Seite seiner Frau in "Moderne Mädchen"2) (1929, Our Modern Maidens), in Howard Hawks' erstem vielbeachtetem Tonfilm "Start in die Dämmerung"2) (1930, The Dawn Patrol), in dem Gangsterstreifen "Der kleine Cäsar"2) (1930, Little Caesar) tauchte er als Joe Massara bzw. Partner von Edward G. Robinson auf. In dem Drama "Morning Glory"2) (1933) war Katherine Hepburn seine Partnerin, die ein Jahr später für ihre Darstellung einen Oscar in der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin" gewann. In nachhaltiger Erinnerung ist Fairbanks jr. auch mit seiner Verkörperung des russischen Zaren Peter III. in Paul Czinners Biopic "Katharina die Große"2) (1934, The Rise of Catherine the Great) geblieben, in dem die unvergessene Elisabeth Bergner1) (1897 – 1986) die titelgebende Figur der Katharina gab. Regisseur John Cromwell besetzte ihn in dem Abenteuer "Der Gefangene von Zenda"2) (1937, The Prisoner of Zenda), Tay Garnett in der Komödie "Joy of Living"2) (1938) und George Stevens in der abenteuerlichen Geschichte "Aufstand in Sidi Hakim"2) (1939, Gunga Din). Es folgten Produktionen wie "Die grüne Hölle"2) (1939, Green Hell) oder "Angels Over Broadway"2) (1940), aber trotz seines guten Aussehens und sympathischer Ausstrahlung erlangte Fairbanks jr. niemals die Popularität von Errol Flynn oder die seines Vaters. Dies schien ihm aber auch gar nicht so wichtig gewesen zu sein.
 
Der Schwerenöter, dem Affären mit Marlene Dietrich1) (1901 – 1992) und Gertrude Lawrence2) (1898 – 1952) nachgesagt wurden, und von dem es hieß: "Das Problem von Douglas Fairbanks jr. ist, dass er alles mag, was er sieht – und er sieht alles", hielt sich ohnehin öfter in seiner Lieblingsstadt London auf als in den Filmstudios Hollywoods.
In der Hauptstadt des Vereinigten Königreichs studierte er auch Malerei und Bildhauerei und gab 1934 sein britisches Theaterdebüt im West End in "Moonlight Is Silver". Fairbanks jr. war im Zweiten Weltkrieg auch der erste US Navy-Offizier gewesen, der eine britische Flotte in den Angriff führte. Die Briten verliehen ihm zahlreiche Auszeichnungen und Medaillen. 1949 wurde er wegen seiner Verdienste um die "Anglo-amerikanische Freundschaft" sogar "ehrenhalber" in den Adelsstand erhoben.
Bis Anfang der 1950er Jahre übernahm Fairbanks noch sporadisch Aufgaben als Darsteller, wie beispielsweise Hauptrollen in den Abenteuern "Sindbad der Seefahrer"2) (1947, Sinbad the Sailor) oder "Auf Leben und Tod" (1949, The Fighting O'Flynn), zu dem er auch das Drehbuch geschrieben hatte. Zu seinen letzten Arbeiten für das Kino zählte vorerst Ernst Lubitschs Filmmusical "Die Frau im Hermelin"2) (1948, That Lady in Ermine). Mit Gastauftritten in Fernsehserien oder TV-Shows blieb er weiterhin, wenn auch eher selten, im Showbusiness präsent. Seine beruflichen Aktivitäten beschränkte er auf das Fernsehen, von 1953 bis 1957 war er der Gastgeber einer in London produzierten Fernsehreihe mit Geschichten für das amerikanische Fernsehen, in den Sechzigern präsentierte er und spielte auch gelegentlich in der britischen TV-Reihe "Douglas Fairbanks Presents". Des weiteren produzierte er 1958 und 1960 zwei britische Filmproduktionen, war aber als Geschäftsmann auch noch in ganz anderen Branchen tätig, beispielsweise der Herstellung von Kugelschreibern. 1981 feierte er ein kleines Comeback in dem mit Hollywood-Veteranen besetzten Horrorstreifen "Zurück bleibt die Angst"2) (Ghost Story).
Douglas Fairbanks jr. in in London im Jahre 1987;  Quelle: commons.wikimedia.org bzw. Wikipedia;  Urheber: Allan Warren; diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert. Nach über 70 Filmen lebte der Schauspieler viele Jahre lang ausschließlich in London mit seiner zweiten Frau Mary Lee Epling, die er 1939 sechs Jahre nach seiner Scheidung von Joan Crawford geheiratet hatte. Der Schauspieler soll sich sogar mit dem britischen Königspaar angefreundet haben, dass er in seinem Londoner Haus empfing. Bald hieß es, es sei "hundert Mal schwieriger, Eintritt in das Fairbank'sche Haus zu bekommen als Karten für die Krönung." Fairbanks wurde so eine prominente Figur des englischen Gesellschaftslebens, mit Verbindungen bis hinauf in die hohe Politik. Später verkaufte er sein Londoner Heim und zog mit seiner Frau nach Palm Beach, Florida, wo diese 1988 verstarb; aus der Verbindung mit Ehefrau Mary Lee stammen drei Töchter, Daphne, Victoria und Melissa.
1991 heiratete Fairbanks im Alter von 81 Jahren zum dritten Mal, die Journalistin Vera Shelton. Schon 1989 zog er eine zufriedene Lebensbilanz: "Ich habe ein unglaublich glückliches Leben geführt. Ich habe gemacht, was ich machen wollte. Ich habe hart gearbeitet und viel gespielt, und all das hat sich unheimlich gelohnt. Ich wünschte einfach, ich könnte ewig so weitermachen."

Foto: Douglas Fairbanks jr. in London im Jahre 1987
Urheber: Allan Warren*) (www.allanwarren.com); Lizenz: CC BY-SA 3.0
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Sein Wunsch ist nicht in Erfüllung gegangen – Douglas Fairbanks jr. starb am 7. Mai 2000 90-jährig an Herzversagen; die letzte Ruhe fand er an der Seite seines Vaters auf dem "Hollywood Forever"-Friedhof → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons
Noch anlässlich seines 90. Geburtstages hatte die "Welt am Sonntag" am 9. Dezember 1999 unter anderem geschrieben: Auch im hohen Alter noch "Junior" zu heißen ist ein janusköpfiges Geschenk. Denn da ist immer ein Senior im Hintergrund. Douglas Fairbanks jr. nimmt es mittlerweile mit der Gelassenheit des ehemaligen Abenteurers. Vor drei Jahren sagte er: "Die Leute schreiben mir und verwechseln meine Filme immer noch mit denen meines Vaters. Ich habe vor so langer Zeit begonnen, dass ich mir selber wie ein antikes Stück vorkomme." So überträgt sich der Mythos des Stummfilmstars Douglas Fairbanks auf den Sohn, der nicht ganz das kraftvoll Heldenhafte verkörperte, dafür auf der Leinwand sprechen durfte.
 
Seine Memoiren veröffentlichte der Filmstar unter dem Titel "The Salad Days", 1993 folgten weitere unter dem Titel "A Hell of a War".
Auch auf verschiedenste Auszeichnungen konnte der Hollywood-Star stolz sei, bereits 1949 war ihm der britische Verdienstorden "Order of the British Empire" verliehen worden. In Deutschland erhielt er 1982 das "Bundesverdienstkreuz" für seine Mitarbeit an den von "CARE International" organisierten Hilfslieferungen nach Deutschland ("CARE-Pakete"); zwischen 1945 und 1950 war Fairbanks Präsident dieser weltweit agierenden Hilfsorganisation. Der Star hat zwei Sterne auf dem "Hollywood Walk of Fame", einen für seine Spielfilmkarriere, einen für seine Fernsehkarriere, außerdem kam in den 1970er Jahren in den USA eine Briefmarke heraus, die Fairbanks als "Sindbad" zeigt.
Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de;
siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia
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Foto Douglas Fairbanks jr. (Urheber Allan Warren): Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert. Es ist erlaubt, die Datei unter den Bedingungen der GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation, zu kopieren, zu verbreiten und/oder zu modifizieren; es gibt keine unveränderlichen Abschnitte, keinen vorderen und keinen hinteren Umschlagtext. Der vollständige Lizenztext ist im Kapitel GNU-Lizenz für freie Dokumentation verfügbar.
  
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