John Gilbert etwa 1927; Urheber: Ruth Harriet Louise (1903 - 1940); Quelle: Wikimedia Commons John Gilbert wurde am 10. Juli 1897 als John Pringle in Logan (Utah) geboren. Der Sohn englischer Schauspieler, die mit Wanderbühnen durchs Land zogen, war bereits im Kindesalter mit den Eltern auf Tournee. Nach dem Besuch einer Militärschule in Kalifornien wurde er 1914 Inspizient bei der "Baker Stock Company" Ein Jahr später unterschrieb er einen Komparsen-Vertrag bei der "Thomas H. Ince's Triangle"-Filmgesellschaft und gab 1916 sein Filmdebüt als "Jack Gilbert"; gleichzeitig hatte er als Autor an dem Film mitgearbeitet. 1919 erhielt er dann von Filmpionier Maurice Tourneur1) (1873 – 1961) einen Vertrag als Schauspieler, Autor und Regie-Assistent, interessierte sich für fast alle Bereiche der Filmproduktion, arbeitete am Drehbuch mit, zeichnete für Regie, Schnitt und Zwischentitel verantwortlich und übernahm als Darsteller Aufgaben in zahlreichen stummen Streifen.
1921 wechselte der attraktive Gilbert zur "Fox Film Corporation" und übernahm Rollen als romantischer Liebhaber, wie beispielsweise neben Renée Adorée die Titelrolle in Emmett J. Flynns stummen Alexandre Dumas-Adaption "Monte Christo" (1922) oder in John Fords "Cameo Kirby" (1924, Der Feindliche Gast).
1924 ging Gilbert dann zu MGM und stieg wenig später mit Liebhaberrollen an der Seite der Hollywood-Diven zum Idol der stummen Leinwand auf. Mit Norma Shearer beispielsweise drehte er "He Who Gets Slapped" (1924, Der Mann, den man ohrfeigt…) und "The Snob" (1924, Der Mann ohne Charakter).
1925 mimte er den Prinzen Danilo in Erich von Stroheims dekadentem Film "The Merry Widow"1) (Die lustige Witwe), einen durchschlagenden Erfolg konnte er auch mit der Rolle des James Apperson in King Vidors Antikriegsfilm "The Big Parade"1) (1925, Die Parade des Todes) erzielen. 

John Gilbert etwa 1927
Urheber: Ruth Harriet Louise1) (1903 – 1940)
Quelle: Wikimedia Commons; Angaben zur Lizenz siehe hier

Mit Lillian Gish als Partnerin erlebte man ihn als "Rodolphe "in King Vidors "La Boheme" (1926, Das Hohelied der Liebe), mit "Flesh and the Devil"1) (1926, Es war) folgte ein weiterer Kassenschlager – keine geringere als Greta Garbo war seine Partnerin in diesem Melodram. Mit der Garbo stand Gilbert auch für den stummen Streifen "Anna Karenina"1) (1927, auch: Love) von Edmund Goulding und den Tonfilm "A Woman of Affairs"1) (1927, Eine Schamlose Frau) von Regisseur Clarence Brown vor der Kamera; Gilbert und die Garbo sollen sich auch privat nahe gestanden haben. Zuvor hatte er mit Joan Crawford die stummen Dramen "Twelve Miles Out"1) (1927) und "Four Walls"1) (1928) abgedreht.
Den Übergang zum Tonfilm schaffte der Star zwar relativ problemlos, dennoch begann sein Stern zu sinken, da sein Typus des romantischen Liebhabers auf der Leinwand nicht mehr ganz so gefragt war. Er drehte nur noch wenige Filme, zu den bekanntesten zählt Rouben Mamoulians sentimental-pathetisches Biopic "Queen Christina" (1933, Königin Christine) und seine Figur des Don Antonio de la Prada, erneut an der Seite von Greta Garbo in der Titelrolle der Christina von Schweden1). Letztmalig erschien Gilbert in der Komödie "The Captain Hates the Sea" (1934) auf der Leinwand und mimte einen alkoholkranken Journalisten.
 
John Gilbert starb am 19. Januar 1936 mit nur 38 Jahren in Los Angeles an einem Herzinfarkt. In der Presse wurde damals berichtet, dass Gilberts Alkoholkonsum an dem frühen Tod nicht ganz unschuldig gewesen sein dürfte.
Alle vier Ehen Gilberts endeten vor dem Scheidungsrichter, zwischen 1917 und 1922 war er mit Olivia Burwell verheiratet, wenig später folgte die Ehe mit dem Stummfilmstar Leatrice Joy1) (1893 – 1985), die trotz der am 22. September 1924 geborenen gemeinsamen Tochter Leatrice nur zwei Jahre hielt; Tochter Leatrice Gilbert Fountain veröffentlichte Mitte der 1980er Jahre eine Biografie über ihren Vater mit dem Titel "Dark Star: The Untold Story Of The Meteoric Rise And Fall Of The Legendary John Gilbert". Anfang Mai 1929 ehelichte der Leinwandliebhaber die Schauspielerin Ina Claire1) (1893 – 1985), 1931 erfolgte die offizielle Trennung. Seine 1932 geschlossene letzte Ehe mit dem Filmstar Virginia Bruce1) (1910 – 1982) zerbrach nach zwei Jahren.
Im Februar 2013 erschien von der Autorin Eve Golden die Biografie "John Gilbert: The Last of the Silent Film Stars".
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia
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Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
bei Wikipedia (englisch)
(Link: Wikipedia, englisch/deutsch)
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