Jean Harlow
Jean Harlow wurde am 3. März 1911 als Harlean Harlow Carpenter und Tochter eines begüterten Zahnarztes in Kansas City (Missouri) geboren. Nach der Scheidung der Eltern zog das kleine Mädchen mit ihrer Mutter Mont Clair Carpenter (1877 – 1974), die selbst immer von einer Karriere als Filmstar geträumt hatte, nach Hollywood, wo Harlean später die "Hollywood School for Girls" besuchte, die sie jedoch vorzeitig verließ. 1927 gab ihr Hal Roach1) einen Filmvertrag und wenig später übernahm sie als Komparsin und Darstellerin erste kleinere Aufgaben beim Stummfilm. Sie trat in komischen kurzen Streifen auf, unter anderem neben Stan Laurel & Oliver Hardy in "Liberty"1) (1929, Die Sache mit der Hose). Nach einer kleineren Rolle in Ernst Lubitschs Tonfilm-Komödie "The Love Parade"1) (1929, Liebesparade) erhielt sie 1930 als Schauspielerin erstmals Anerkennung mit der Rolle der Soldatenbraut Helen in Howard Hughes' Fliegerfilm "Hell's Angels"1)  (Höllenflieger), der zugleich Harlows erster größerer Tonfilm war. 1931 spielte sie an der Seite von James Cagney die Geliebte des Gangsterkönigs in William A. Wellmans Gangster-Drama "The Public Enemy"1)  (Der Öffentliche Feind) sowie die Titelrolle, die der wohlhabenden Society-Lady Ann Schuyler, in Frank Capras Komödie "Platinum Blonde"1) (Vor Blondinen wird gewarnt), die ihr fortan das Image der emanzipierten, erotisch unabhängigen Blondine einbrachte. Ab 1932 war Jean Harlow bei "Metro-Goldwyn-Mayer" (MGM) unter Vertrag und zählte zeitweise zu den populärsten US-Stars der Branche. Als gewissenloser Vamp tauchte sie in Jack Conways Komödie "Red-Headed Woman"1) (1932, Feuerkopf) auf, an der Seite von Clark Gable machte sie in Victor Flemings Liebesdrama "Red Dust"1) (1932, Dschungel im Sturm2)) Furore.

1933 mimte sie die Kitty in George Cukors Gesellschaftskomödie "Dinner At Eight"1) (Dinner um acht) sowie die Lola Burns in Flemings turbulenten Satire "Bombshell"2) (Sexbombe). Gleich in einer dieser ersten großen Rollen durfte sie als Lola Burns nicht nur sich, sondern die ganze Filmbranche aufs Korn nehmen und ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellen: Da sind die skurrilen Produzenten, die Stars und Manager und all die lieben Verwandten und Freunde, die etwas vom Ruhm der Filmstars mitbekommen wollen. Lola ist Star und möchte gerne ein ruhiges Familienleben als Ehefrau und Mutter führen, doch damit hat sie kein Glück, am Ende gibt sie ihre bürgerlichen Illusionen auf und kehrt in die Traumfabrik zurück. In hautengen Kleidern mit tiefem Dekolletee und ohne Büstenhalter räkelt sich Burns vor der Kamera, "Born for Men" steht auf einem Poster, das im Film für ihre Filme wirbt.3)
Doch das Studio bekam Ärger mit dem "Sexbomben"-Film, die Frauenvereine rebellierten, die Moral schaltete sich ein, Pressekampagnen wurden gegen das "blonde Gift" gestartet. Durch das Negativ-Image ihrer Filmfiguren, aber auch durch ein skandalreiches Privatleben, geriet der Star häufig ins Schussfeld konservativer puritanischer Frauenvereine.
 
Jean Harlow, wie sie sich seit 1935 nach dem Mädchennamen ihrer Mutter nannte, drehte eine Reihe weiterer Filme, mit Lionel Barrymore drehte sie "The Girl from Missouri"1) (1934, Millionäre bevorzugt), mit William Powell agierte sie in dem Musical "Reckless" (1935, Die Öffentliche Meinung), in Tay Garnetts Abenteuer "China Seas"1) (1935, Abenteuer im gelben Meer2)) mimte sie als Partnerin von Clark Gable ein leichtes Mädchens namens China Doll; ein Jahr später sah man sie an der Seite von Spencer Tracy in dem Thriller "Riffraff". Mitte der 1930er Jahre änderte MGM das Image der Harlow zur sportlich betonten "guten Kameradin", 1937 trat sie beispielsweise als arme Witwe in W. S. Van Dykes "Personal Property" (Der Mann mit dem Kuckuck) auf, zu ihren letzten Arbeiten für das Kino zählt zudem der Streifen "Libeled Lady"1) (1936, Lustige Sünder). Während der Dreharbeiten zu ihrem 24. Film, der Rennbahn-Komödie "Saratoga"1) (1937) musste Jean Harlow wegen eines alten Nierenleidens in Los Angeles ins Krankenhaus gebracht werden, wenig später starb die Hollywood-Blondine dort überraschend mit nur 26 Jahren am 7. Juni 1937 an Nierenversagen bzw. einem Gehirnödem, nachdem sie einen medizinischen Eingriff (angeblich auf Betreiben ihrer streng religiösen Mutter) abgelehnt hatte; die Produktion "Saragota" wurde mit einem Double beendet. Die letzte Ruhe fand sie auf dem "Forest Lawn Memorial Park" in Glendale (Kalifornien) → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
 
Wie Marlene Dietrich4), Greta Garbo4) und Mae West4) war auch Jean Harlow einer der großen weiblichen Kino-Stars der 1930er Jahre. Als das "platinblonde Sexsymbol" ist sie auch über ihren Tod hinaus ein Begriff geblieben. Dennoch ist Jean Harlow – zumindest in Europa – im Gegensatz zu anderen großen Stars der Filmgeschichte in Vergessenheit geraten und ihre Filme werden kaum noch gezeigt. Ihr früher Tod kann wohl kaum eine Ursache hierfür sein, denn Marilyn Monroe4) und James Dean4) haben noch nach Jahrzehnten ihren legendären Ruhm bewahrt. Vielleicht fehlte der Harlow – wie manche Filmchronisten schreiben – das romantische Flair, der Mythos des zeitlosen Schönheitsidols.
Bei aller schauspielerischen Qualität, bei aller Faszination und Strahlkraft ihres Gesichtes, gibt es keinen eigentlichen Jean-Harlow-Film, der allein von ihr, ihrer Figur, ihrem Image geprägt ist: sie war eine brillante Ensemble-Schauspielerin, eine von mehreren markanten Figuren in Gesellschaftskomödien und -dramen: Das blonde Dummchen, mit dem der ungehobelte, reiche Geschäftsmann Wallace Beery in George Cukors "Dinner um acht" verheiratet ist, hat die Macht, ihren Mann und seine politisch intriganten Absichten zu durchkreuzen.
Das Leben der Jean Harlow behandelten Gordon Douglas' Biopic "Harlow" (1965) mit Caroll Baker1) und die Filmaufzeichnung einer TV-Liveshow mit Carol Lindley1).

In ihrem kurzen Leben war Jean Harlow drei Mal verheiratet; die 1927 überstürzt geschlossene Ehe der damals 16-Jährigen mit dem sieben Jahre älteren, wohlhabenden Geschäftsmann Charles Fremont McGrew endete bereits 1929 vor dem Scheidungsrichter, Anfang Juli 1932 ging sie die zweite Verbindung mit der "rechten Hand" des Produzenten Irving Thalberg, dem mehr als doppelt so alten deutschstämmigen Drehbuchlektor und Regisseur Paul Bern1) ein, der wenige Monate später am 5. September 1932 seinem Leben mit nur 43 Jahren durch Selbstmord ein Ende setzte. Am 13. September 1933 folgte mit dem Kameramann Harold Rosson1) (1895 – 1988) Ehemann Nummer 3, von dem sie sich bereits am 11. März 1934 wieder offiziell trennte. Die große Liebe ihres Lebens soll der Filmstar William Powell4) (1892 – 1984) gewesen sein, der sie jedoch nicht heiratete, mit dem sie aber bis zu ihrem frühen Tod liiert war. 

Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
Sie auch die offizielle (englischsprachige) Jean Harlow-Website
sowie Wikipedia
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) prisma.de, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Quelle: 3)   www.wdr.de, Artikel zum 70. Todestag
   
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Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, in Klammern: prisma.de)
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