Charles Boyer 
Charles Boyer wurde am 28. August 1899 in Figeac im Südwesten Frankreichs als einziger Sohn von Maurice und Louise Boyer geboren. Nach dem Studium in Toulouse sowie einem Philosophie-Studium an der Pariser "Sorbonne" besuchte er das Pariser Konservatorium, da er schon früh seine Liebe zum Theater entdeckt hatte. Boyer begann seine Theaterarbeit unter anderem am "Theatre Sarah Bernhardt" in Paris. Hier wurde er von Regisseur Marcel L'Herbier1) (1888 – 1979) engagiert und begann ab 1920 mit der Arbeit für den Film. Größere Erfolge hatte er jedoch erst in der frühen Tonfilmzeit bzw. in französischen und zum Teil auch englischen Versionen deutscher oder amerikanischer Filme, so 1932 als Herzog von Campo-Formio in "Moi et l'imperatrice", der französischen Fassung von "Ich und die Kaiserin1) mit Lilian Harvey; siehe auch Filmbeschreibung der Murnau-Stiftung. 1934 erhielt Boyer die Titelrolle in der Molnár-Adaption "Liliom"1), Fritz Langs einzigem französischem Film.
 
Ab Ende 1934 bekam er durch die Vermittlung von Erik Charell1) (1894 – 1974) ein dauerhaftes Engagement in Hollywood, wurde in den folgenden Jahren wegen seines französischen Akzents häufig als französischer Charmeur und Liebhaber besetzt, die er mit ausgesuchtem Flair und großer Distinguiertheit mimte. So überzeugte er als Oberarzt Dr. Monet in dem Melodram "Private Worlds"1) (1935) neben Claudette Colbert, als Partner von Marlene Dietrich agierte er als entlaufener Trappistenmönch Boris Androvsky in dem ersten, von Richard Boleslavskis in Technicolor aufwendig in Szene gesetzten Melodram "The Garden of Allah"1) (1936, Der Garten Allahs). Mit Danielle Darrieux als Mary Vetsera1) zeigte er sich in Anatole Litvaks Drama "Mayerling"1) (1936) und verkörperte den Kronprinz Rudolf von Habsburg, der mit seiner Geliebten Mary seinem Jagdschloss Mayerling in den Tod geht. I
m gleichen Zeitraum spielte er neben Greta Garbo den französischen Kaiser Napoléon in Clarence Browns Romanze "Conquest"1) (1937, Maria Walewska2)), einer Liebesgeschichte zwischen einer polnischen Gräfin und Napoléon Bonaparte.
Glänzende Kritiken erhielt Boyer als Protagonist Pépé le Moko, berüchtigster Juwelendieb von Algier, in John Cromwells Oscar-nominiertem Streifen "Algiers"1) (1938), in "Love Affair"1) (1939, Ruhelose Liebe) spielte er erstmals mit Irene Dunne in einer Hauptrolle und auch dieses Melodram geriet zum Kassenschlager. Das Gespann Boyer/Dunne drehte anschließend die Romanze "When Tomorrow Comes"1) (1939), ein Jahr später folgte ein Film mit einem anderen Kassenmagneten Hollywoods: In dem Historien-Drama "All This and Heaven Too"1) (1940, Hölle, wo ist dein Sieg) mimte Boyer den Herzog de Praslin an der Seite von Bette Davies. Mit Olivia de Havilland drehte er "Hold Back the Dawn"1) (1941, Das goldene Tor), es folgte der starbesetzte Episodenfilm "Tales of Manhattan"1) (1942, Sechs Schicksale).
Einen großen Erfolg verzeichnete der stets nobel wirkende Boyer 1944 an der Seite Ingrid Bergmann in dem Film "Gaslight"1) (Das Haus der Lady Alquist2)), einem im viktorianischen Zeitalter angesiedelten Psychokrimi, in dem er als scheinbar charmanter Gregory Anton seine Ehefrau Paula (Bergman) in den Wahnsinn treibt. In der Komödie "Together Again"1) (1944, Modell wider Willen) gab es ein erneutes Wiedersehen mit dem beliebten Leinwandpaar Irene Dunne und Charles Boyer. In der von Ernst Lubitsch witzig inszenierten Geschichte "Cluny Brown"1) (1946, Cluny Brown auf Freiersfüßen) konnte der Schauspieler als polnischer Professor Adam Belinski bzw. Nazi-Widerstandskämpfer schließlich das Herz von Jennifer Jones erobern.
 
1951 gründete Boyer mit David Niven3) (1910 – 1983) und Dick Powell1) (1904 – 1963) die TV-Gesellschaft "Four Star Television", die beispielsweise Mitte der 1960er die 30-teilige vergnügliche Serie "The Rogues"3) (Gauner gegen Gauner) produzierte, in der Niven und Boyer mit Hauptrollen auftraten. In den 1950er Jahren ging Charles Boyer mit Shaws "Don Juan in Hell" erfolgreich auf Welttournee, ab 1953 trat er gelegentlich wieder in europäischen Filmproduktionen auf. Seine Rollen waren nun häufig die des eleganten, lebensweisen Herrn, der ein Faible für Affären hat. In nachhaltiger Erinnerung ist er mit der Figur des Kneipiers César in dem ganz auf Leslie Caron zugeschnittenen Musical "Fanny"1) (1961) geblieben, oder als Film-Ehemann von Lilli Palmer in Alfred Weidenmanns Somerset Maugham-Adaption "Julia, Du bist zauberhaft"1) (1962). In dem Filmspaß "How to Steal a Million"1) (1966, Wie klaut man eine Million?) zeigte er sich an der Seite von Audrey Hepburn und Peter O'Toole, in der Bond-Parodie "Casino Royale"1) (1967) trug er als Geheimdienstchef "Le Grand" zum Erfolg des Films bei. Danach stand Charles Boyer nur noch wenige Male vor der Kamera, so für die Komödien "Barefoot in the Park"1) (1967, Barfuß im Park) und "The April Fools"1) (1969, Ein Frosch in Manhattan). Für die Darstellung des Barons Jean Raoul in Alain Resnais' Biopic "Stavisky"1) (1974) mit Jean-Paul Belmondo als Hochstapler Alexandre Stavisky1) erhielt er im gleichen Jahr bei den Filmfestspielen in Cannes eine Auszeichnung als "Bester Hauptdarsteller" sowie den "New York Film Critics Circle Award"1) als "Bester Nebendarsteller".
  
Zwei Tage nach dem Krebstod seiner Frau, der britischen Schauspielerin Patricia Patterson4) (1910 – 1978), mit der er seit 1934 verheiratet war, nahm sich Charles Boyer zwei Tage vor seinem 79. Geburtstag am 26. August 1978 in Phoenix (Arizona) mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben. Die letzte Ruhe fand er auf dem auf dem "Holy Cross Cemetery" in Culver City (Kalifornien) an der Seite seiner Frau → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Sein einziger, 1943 geborener Sohn Michael war am 22. September 1965 beim Russischen Roulette ums Leben gekommen.
1942 hatte Boyer die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen und setzte sich während dieser Zeit für einen intensiveren Kulturaustausch zwischen den USA und Frankreich ein. Dieses Engagement sowie die Gründung der "French Research Foundation" wurde 1942 in Los Angeles mit einem "Ehrenoscar"1) gewürdigt → Übersicht der Auszeichnungen bei Wikipedia.
Heute erinnert ein Stern auf dem auf "Hollywood Walk of Fame"1) (Höhe 6300 Hollywood Boulevard) an den einstigen Leinwandstar.
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2) prisma.de, 3) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, 4) Wikipedia (englisch)
 
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, in Klammern: prisma.de)
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