Mae West (Mary Jane West) wurde am 17. August 1892 im New Yorker Stadtteil Brooklyn als Tochter des amerikanischen Preisboxers Jack West (bekannt als "Battlin" Jack West; 1865 – 1935) und der deutschen Matilda Doelger (Matilda "Tillie" Delker-Doelger, 1870 – 1930) geboren; später betrieb der Vater einen Mietstall, die Mutter stammte aus einer bayerischen Bierbrauerfamilie und arbeitete vor der Heirat als Fotomodell. Mae West hatte zwei Geschwister, Mildred Katherine, genannt "Beverly" (1898 – 1982) und Bruder John Edwin (1900 – 1964). Getrieben von der ehrgeizeigen Mutter, stand Mae West schon mit fünf Jahren auf Bühnen von Vaudeville-Theatern, sie imitierte Schauspieler, spielte klassische Kinderrollen, darunter auch den "kleinen Lord". Sie begann mit sieben Jahren in der "Hal Clarendon's Stock Company" und durch mehrere Tourneen wurde sie als "Baby Vamp" bekannt; eine öffentliche Schule besuchte sie nur zeitweise, sie bekam Privatunterricht und mit 13 Jahren schloss sie die Ausbildung ab.

Foto: Mae West im Jahre 1973
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Mae West im Jahre 1973; Quelle: commons.wikimedia.org bzw. Wikipedia; Urheber: Allan Warren (www.allanwarren.com);  Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert.
Ihr Broadwaydebüt in der Revue "A la Broadway and Hello, Paris" war 1911 ein durchschlagender Erfolg. In den Folgejahren blieb die schlanke Schönheit eine vielbeschäftigte Darstellerin an verschiedenen Variete-Bühnen und Vaudeville-Theatern. 1918 erschien sie als erste weiße Tänzerin im "Shuberts Theater" und wurde ein Star; ihr erstes Rollenangebot von der großen französischen Filmfirma "Pathé Frères" lehnt sie allerdings ab. 
Als "Jane West" schrieb sie in den 20er Jahren zahlreiche, meist umstrittene Broadway-Bühnenstücke, darunter "Sex" (1926), das ihr wegen "Obszönität auf der Bühne" einen mehrtägigen Aufenthalt im Gefängnis bescherte. Früh setzte sie sich auch für die Rechte von Homosexuellen ein, unter anderem in ihrem zweiten Bühnenstück "Drag", das wegen expliziten Inhalts vom Broadway verbannt wurde und in New Jersey aufgeführt werden musste. notiert Wikipedia. "Drag", das die Probleme eines Homosexuellen thematisierte, hatte sie dem Deutschen Karl Heinrich Ulrichs1) (1825 – 1895) gewidmet, der schon früh die "Liebe zum eigenen Geschlecht" propagiert und 1867 auf dem Deutschen Juristentag die Abschaffung aller gegen Homosexuelle gerichteten Paragraphen gefordert hatte. Weitere Stücke von Mae West waren unter anderem "The Wicked Age", "Pleasure Man" und "The Constant Sinner", 1933 entstand "Diamond Lil" über eine feurige, leichtlebige Dame Ende des ausgehenden 19. Jahrhunderts, mit dem sie am Broadway zwei Jahre lang  riesigen Erfolg hatte.

Erst mit knapp 40 Jahren startete Mae West ihre Hollywood-Karriere als Leinwanddarstellerin, ihre erste Rolle bekam sie in dem Streifen "Night After Night" (1932) von der "Paramount Pictures Corporation". Ein Jahr später spielte sie neben Cary Grant die Hauptrolle in dem von ihr nach dem Stück "Diamond Lil" verfassten Film "Sie tat ihm unrecht"1) (1933, She Done Him Wrong), mimte die Nachtklub- Besitzerin Lady Lou und erhielt eine Oscar-Nominierung. "Ich bin keineswegs ein kleines Mädchen aus einer Kleinstadt, das sich die Großstadt erobern will. Ich bin ein großes Mädchen aus der Großstadt, das sich eine Kleinstadt erobert", kommentierte sie selbstbewusst ihren Durchbruch in Hollywood. Ihre Rollennamen "Lady Lou", "Frisco-Doll", "Mademoiselle Fifi" oder "Flower Belle Lee" sprachen für sich. In hautengen Kleidern aus Samt und Seide, mit Federboas und Riesenhüten mimte die Filmdiva häufig die Rolle der lasziven Verführerin. Dabei beherrschte sie perfekt die Inszenierung des Körperlichen durch Licht, Kleidung, Gesten und Bewegung und bewies ihr komisches Talent. Mae West zog das Publikum, vor allem die prüde Männerwelt in die Lichtspielhäuser. Filme wie "Ich bin kein Engel" (1933, I'm No Angel), die Geschichte von "Mademoiselle Fifi", einer Art weiblichen Robin-Hood-Figur und ihrer Musketiere (erneut mit Cary Grant), "Die Schöne der Neunziger" (1934, Belle of the Nineties), "Klondike Annie" (1936) oder "Auf in den Westen" (1936, Go West Young Man) waren Kassenschlager und retteten die "Paramount"-Studios vor dem Bankrott.
1936/37 jedoch wurde die Schauspielerin die Zielscheibe einer Hetzkampagne des Pressemoguls William Randolph Hearst. Als der Film "Every Day's A Holiday"1) (1938) von der Kritik verrissen wurde, trennte sich die Filmgesellschaft "Paramount" im gleichen Jahr von ihrem Star. In den 1940ern drehte Mae West nur noch zwei Filme, für "Universal" stand sie mit W.C. Fields2) in der Westernkomödie "Mein kleiner Gockel" (1940, My Little Chickadee) vor der Kamera, das Drehbuch hatten Mae West und W.C. Fields geschrieben → www.filmzentrale.com; die musikalische Komödie "The Heat's On" (1943) entstand bei der "Columbia".
Sie kehrte zum Theater zurück, brachte 1944 das von ihr verfasste Stück "Katharina die Große" in New York auf die Bühne und ging ein Jahr später damit auf Tornee. Mitte der 1950er Jahre gab sie in den USA Gastspiele, außerdem war sie Gaststar in TV-Serien und spielte Schallplatten ein; ihre besten Songs veröffentlichte sie 1955 mit dem Album "The Fabulous Mae West".

Die üppige Blondine verkörperte den lebenslustigen, leicht aggressiven Vamp als Kontrast zur prüden amerikanischen Gesellschaft. Tabus akzeptierte sie nicht, mit Zensoren und Frauenvereinen stand sie stets auf Kriegsfuß, dennoch verdiente sie 1935 das zweitgrößte Privateinkommen, direkt nach dem Verleger und Medien-Tycoon William E. Hearst1). Denn Mae West, neben Theda Bara1) und Jean Harlow2) "der" Vamp des amerikanischen Kinos, war ein Kassenmagnet, gewiefte Geschäftsfrau und einfallreiche Autorin. Sie selbst bezeichnete sich als die größte Leinwandpersönlichkeit seit Rudolph Valentino2), die Amerikaner nannten sie respektlos die "Statue of Libido" und die amerikanischen Fernsehausstrahlungen ihrer Filme aus den 1930er, 1940er Jahren brachten bis ins hohe Alter Fan-Post von 200 Briefen pro Woche.
1970 trat sie 78-Jährig noch einmal in dem Transvestitendrama "Myra Breckenridge" (Myra Breckinridge –  Mann oder Frau?) auf, einem unglaublichen Filmdesaster von Michael Sarne, laut Kritikermeinung einer der schlechtesten Filme aller Zeiten. Mit 85 Jahren kehrte die trotz des hohen Alters immer noch jugendlich wirkende Mae West in "Sextette" (1978) an der Seite von Tony Curtis, Timothy Dalton und den Rockstars Keith Moon und Alice Cooper erneut auf die Leinwand zurück und parodierte sich in diesem Streifen, der an der Kinokasse zum Flop wurde, selbst.

Neben Buchausgaben ihrer Stücke veröffentlichte sie 1959 ihre Memoiren "Goodness Had Nothing to Do With It" und 1967 "The Wit and Wisdom of Mae West". Von Emily Wortis Leider stammt das umfassende, reich illustrierte Buch "Mae West. I'm no Angel. Eine Biographie", Michael Bavar publizierte im Heyne Verlag "Mae West. Ihre Filme – Ihr Leben".
Mae West, das Sex-Symbol der 1930er Jahre, starb am 22. November 1980 im Alter von 88 Jahren in ihrem Heim in Hollywood an den Folgen eines Schlaganfalls. Bereits im Spätsommer 1980 hatte sie, bedingt durch einen Sturz mit einer schweren Gehirnerschütterung einen ersten Schlaganfall erlitten. Die letzte Ruhe fand sie auf dem "Cypress Hill Cemetery" in New York City → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Von Mitte April 1911 bis Mitte Juli 1942 war Mae West offiziell mit ihrem Gesangs- und Tanzpartner bzw. dem Jazz-Sänger Frank Wallace (eigentlich Frank Szatkus) verheiratet. Die Ehe bestand jedoch nur auf dem Papier, bereits nach einer Tournee hatte sich das Paar getrennt, Mae West selbst bestritt lange Jahre, verheiratet zu sein, Ende 1913 oder Anfang 1914 "verlobte" sie sich mit dem italienischen Vaudeville-Star Guido Deiro3) (1886 – 1950), der bis 1920 an ihrer Seite war. Zuletzt lebte die ehemalige Hollywood-Diva rund ein Viertel Jahrhundert mit dem polnischstämmigen, dreißig Jahre jüngeren Sportler und Bodybuilder Chester Ribonsky zusammen, der sich später "Chuck Krauser" bzw. "Paul Novak" nannte. 

Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
Siehe auch Wikipedia (deutsch) sowie den englischsprachigen Wikipedia-Artikel;
Filmografie bei der Internet Movie Database
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Wikipedia (englisch)
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