Bela Lugosi als "Dracula" (1931); Urheber: Unbekannter Fotograf; Quelle: Wikimedia Commons (Universal Studios)

Der Schauspieler Bela Lugosi machte sich vor allem durch seine Darstellung des Grafen Dracula in der ersten offiziell zugelassenen Verfilmung von Bram Stokers gleichnamigem Roman1) im Jahre 1931 unsterblich und erlangte durch den von Tod Browning in Szene gesetzten Horror-Streifen "Dracula"1) internationalen Ruhm. Schon zuvor hatte Lugosi mit dieser Rolle am Broadway in dem Bühnenstück "Dracula"1) von Hamilton Deane und John L. Balderston" Erfolge feiern können.
Geboren wurde Bela Lugosi am 20. Oktober 1882 als Béla Ferenc Dezső Blaskó und jüngstes von vier Kindern im damals zu Österreich-Ungarn gehörenden Lugos (heute Rumänien). Als sein Vater, der erfolgreich als Geschäftsmann tätig war, ihn 1893 auf ein Gymnasium schicken wollte, riss er von zu Hause aus, um seinen Traum, Schauspieler zu werden, zu verwirklichen. Zunächst tingelte der junge Béla durch die Provinz und spielte an verschiedenen ungarischen Bühnen, 1917 kam er mit dem Film in Berührung und wurde – unter dem Pseudonym Arisztid Olt – in verschiedenen ungarischen Stummfilm-Produktionen vornehmlich als jugendlicher Liebhaber besetzt.

 
Foto: Bela Lugosi als "Dracula" (1931)
Urheber: Unbekannter Fotograf
Quelle: Wikimedia Commons (Universal Studios); Angaben zur Lizenz siehe hier

Während des 1. Weltkriegs diente er nach eigener Auskunft als Leutnant der Infanterie in der österreichisch-ungarischen Armee. Da er als Schauspieler vom Kriegsdienst befreit war, meldete er sich freiwillig für den Fronteinsatz und war Hauptmann einer Ski-Patrouille. Wegen zahlreicher Verwundungen und seiner Tapferkeit wurde Lugosi mit mehreren Orden geehrt; nach Kriegsende schloss sich Lugosi der Kommunistischen Partei Ungarns an. Als einem der bekanntesten Schauspieler Budapests war es ihm möglich, eine Schauspielergewerkschaft zu gründen. Als Gründer dieser Gewerkschaft führte er mehrfach Protestmärsche gegen die Republik unter Graf Mihály Károlyi1) an. Weil es für Lugosi und seine damalige Ehefrau Ilona Szmik wegen seiner politischen Aktivitäten in Ungarn zusehends gefährlicher wurde, mussten sie das Land verlassen.
Zunächst emigrierte das Paar nach Wien, ging dann 1919 nach Berlin, wo Lugosi, wie er sich nun in Anlehnung an seinen Geburtsort nannte, in der Stummfilmszene, wenn auch nur mit Nebenrollen, Fuß fassen konnte. So spielte er unter anderem in den frühen Karl May-Verfilmungen "Die Todeskarawane"1) (1920) und "Die Teufelsanbeter"1) (1920) mit, zeigte sich in Arthur Wellins zweiteiligen "Lederstrumpf"1)-Adaption (1920) neben dem Titelhelden Emil Mamelok als dessen Freund Chingachgook. Er gehörte auch zur Besetzung des als verschollen geltenden Films "Der Januskopf"1) (1920), gedreht von Friedrich Wilhelm Murnau nach der Geschichte von "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" von Robert Louis Stevenson, womit dieser Film zugleich Lugosis ersten Kontakt mit dem Horror-Genre darstellte.
 
1921 zog es Bela Lugosi, der sich kurz zuvor von seiner Frau Ilona Szmik hatte scheiden lassen, nach Amerika, da er sich dort bessere Chancen als Schauspieler versprach. Er erhielt Angebote am Broadway und konnte sich trotz anfänglicher Sprachschwierigkeiten als Bühnendarsteller etablieren. 1927 erhielt er mit der Figur des "Dracula" in dem gleichnamigen Stück von Hamilton Deane und John L. Balderston eine Rolle, die seine weitere Karriere prägen sollte. Als "Dracula" war er in 265 Aufführungen zu sehen und faszinierte das Publikum mit seiner erotischen Ausstrahlung, mit der er die Rolle zu interpretieren wusste. Als er dann Anfang der 1930er Jahre den Titelpart in der "Dracula"-Verfilmung angeboten bekam, avancierte Lugosi über Nacht zum gefeierten Hollywood-Star. "Bela Lugosi ist Dracula. Und wie sein Alter ego, so hat Bela Lugosi etwas erreicht, was ein untrügliches Kennzeichen für Vampire ist: Unsterblichkeit. Die Haare streng nach hinten gelegt. Mit Pomade auf schwarzglänzend getrimmt. Das Make-up aristokratisch-blass, die Kontraste ausdrucksstark. Der Blick aus schattigen Augen, der Mund diplomatisch neutral. Statt Dracula das Gesicht eines monsterähnlichen Untoten zu geben, erscheint Bela Lugosi als charmanter Adeliger, der mit schwarzem Anzug und gutem Benehmen auf jeder Dinnerparty ein gern gesehener Gast wäre. Er ist sympathisch, besitzt eine finstere Würde und man hat beinahe Mitleid mit dem übermächtigen Fürst der Finsternis, der nur auf eines aus ist: rotpulsierende Halsschlagadern unter blasser Frauenhaut." notiert www.prisma.de.
 
Festgelegt auf das Horror-Image drehte Lugosi eine Reihe weiterer Streifen, in denen er zumeist als Bösewicht oder Monster zu sehen war. In "Mord in der Rue Morgue"1) (1932, Murders in the Rue Morgue), nach der Erzählung "Der Doppelmord in der Rue Morgue" von Edgar Allan Poe, mimte er mit dem Dr. Mirakle einen Charakter, der eigens für die Verfilmung neu geschaffen worden war. In dem Grusel-Streifen "The White Zombie"1) (1932) tauchte er als Besitzer einer Mühle auf, der auf Wunsch eines Nachbarn (Robert Frazer) die Verlobte (Madge Bellamy) eines Freundes in einen Zombie verwandelt. Mit "Die schwarze Katze"1) (1934, The Black Cat) und "Der Rabe"1) (1935, The Raven) kamen zwei weitere Edgar Allan Poe-Adaptionen in die Kinos, in denen Lugosi mit einem anderen Horror-Spezialisten spielte und neben Boris Karloff2) (1887 – 1969) in Erscheinung trat. Wenig später agierte Lugosi erneut in der Paraderolle eines blutrünstigen Vampirs und schlich in "Das Zeichen des Vampirs"1)  (1935, Mark of the Vampire) als Graf Mora durch das Schloss eines tot aufgefundenen Barons. Wie bereits bei "Dracula" (1931) hatte Tod Browning1) die "hervorragend gespielte Mischung aus Krimi und Grusel"3) in Szene gesetzt. Das Gespann Lugosi/Karloff schockte das Publikum in "Tödliche Strahlen"1) (1936, The Invisible Ray) sowie in "Frankensteins Sohn"1) (1939, Son of Frankenstein), hier mimte Lugosi den buckligen Gehilfen Ygor, der für Frankensteins Sohn Wolf (Basil Rathbone) arbeitet, Karloff einmal mehr die vom alten Baron Frankenstein geschaffene, unglückselige Kreatur.
 
Bela Lugosi konnte sich von seinem Image des blutsaugenden Vampirs bzw. den Monster-Rollen nicht lösen, nur einmal durchbrach er dieses Klischee und spielte in Ernst Lubitschs Komödie "Ninotschka"1) (1939) an der Seite der legendären Greta Garbo die kleine, dennoch prägnante Rolle des russischen Geheimdienst-Kommissars Razinin. Mit dem Abebben des Horrorfilm-Genres neigte sich auch Lugosis glanzvolle Karriere dem Ende zu, in den folgenden Jahren hielt er sich und seine Familie – mittlerweile war er in vierter Ehe mit Lillian Arch verheiratet – mit einschlägigen Rollen in B-Movies bzw. Low-Budget-Filmen wie "Frankenstein trifft den Wolfsmenschen"1) (1943, Frankenstein Meets the Wolf Man) oder "Der Leichendieb"4) (1945, The Body Snatcher) über Wasser und konnte nicht mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen. Lediglich in der Groteske bzw. der Parodie auf die Horror-Filme "Abbott und Costello treffen Frankenstein"1) (1948, Bud Abbott Lou Costello Meet Frankenstein) machte er mit seiner Paraderolle des Grafen Dracula an der Seite des Komikerduos Abbott und Costello2) noch einmal Furore, indem er sich selbst persiflierte. 
Danach ging es mit dem einstigen Star sukzessive abwärts, gezeichnet von seiner Alkoholsucht bzw. Morphium-Abhängigkeit sowie Depressionen aufgrund privater Ehe-Probleme, begab sich Lugosi 1955 freiwillig in eine Klinik, um gegen seine Sucht anzukämpfen. Dies sorgte für Schlagzeilen in der Presse, womit Lugosi nach jahrelanger Abwesenheit wieder im Gespräch war. Auf diese Tatsache begründete er seine neue Hoffnung, wieder ins Filmgeschäft einsteigen zu können. In "Die Rache des Würgers"1) (1955, Bride of the Monster) setzte Lugosi-Fan bzw. Regisseur Ed Wood Bela Lugosi, "den er zuvor schon bei Glen or Glenda1) (1953) beschäftigt hatte, als wahnsinnigen Wissenschaftler Dr. Vornoff ein und hoffte diesmal, dank Lugosis immer noch hohem Bekanntheitsgrad einen Treffer zu landen. Lugosi war von seiner Abhängigkeit und seinem Alter geschwächt. In mehreren Actionszenen wurde er deshalb durch ein Double ersetzt. Es war die letzte Hauptrolle für den Mann, der durch den Film "Dracula" einst Weltruhm erlangt hatte. Trotz der dilettantischen Machart des Films gelang es Lugosi, eine Spur seines alten Glanzes für seine Rolle zu erhalten."5)
Danach stand Lugosi für die Horrorstreifen "Die Schreckenskammer des Dr. Thosti"1) (1956, The Black Sleep) und "Plan 9 aus dem Weltall"1)  (1959, Plan 9 from Outer Space; Regie: Ed Wood) letztmalig vor der Kamera. In "Die Schreckenskammer des Dr. Thosti" wurde seine Rolle des Casimir, Lakai von Sir Joel Cadman (Basil Rathbone) in die eines Stummen geändert, da er seinen Text nicht mehr behalten konnte, noch während der Dreharbeiten zu "Plan 9 aus dem Weltall", wo er lediglich einen Mini-Auftritt hatte, verstarb Bela Lugosi.
 
"Zum Ende seines Lebens ist der ehemals charismatische, ungarische Schauspieler nur noch ein Schatten seiner selbst. Er tritt als "Dracula" in Las Vegas auf und gibt Interviews während er in einem Sarg hockt." vermerkt prisma.de. Am 16. August 1956 wurde der 73-jährige Lugosi von seiner fünften Frau Hope Lininger in seinem Haus in Los Angeles (Kalifornien) nach einem Herzinfarkt tot aufgefunden. Seine letzte Ruhe fand Lugosi, der seit 1931 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besaß, auf dem "Holy Cross Cemetery" in Culver City (Kalifornien); Frank Sinatra soll die Kosten für die Beerdigung übernommen haben → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons sowie knerger.de.
Entgegen populärer Gerüchte wurde Lugosi nicht auf eigenen, sondern auf Wunsch seines Sohnes und seiner vierten Ehefrau in einem "Dracula"-Kostüm aufgebahrt. Weiteren Gerüchten zufolge soll Vincent Price am Grab des Schauspielers dem ebenfalls anwesenden Boris Karloff angesichts des Vampirkostüms zugeflüstert haben: "Man sollte ihm vorsichtshalber einen Pfahl durch das Herz treiben." Auf dem "Hollywood Walk of Fame" erinnert heute ein Stern an den charismatischen Schauspieler, der bis heute als "Dracula"-Darsteller Kultstatus genießt.
 
Der mitunter als "König des Horrors" bezeichnete Bela Lugosi führte zu seinen Glanzzeiten einen luxuriösen Lebensstil und hatte ein Faible für schöne, wesentlich jüngere Frauen. Insgesamt war er fünf Mal verheiratet: Seine erste, Ende Juni 1917 geschlossene Ehe mit der erst 16-jährigen Ilona Szmik hielt nur bis 1920, danach gab er im September 1921 der Schauspielerin Ilona von Montágh das Ja-Wort, auch diese Ehe endete im Februar 1924 vor dem Scheidungsrichter. Der nach kurzer Beziehung Ende Juli 1929 geschlossenen Ehe mit der 32 Jahre alten reichen Witwe des Architekten und Galeristen Charles Peter Weeks aus San Francisco, Beatrice Woodruff-Weeks, war auch kein dauerhaftes Glück beschieden, die offizielle Trennung erfolgte bereits nach wenigen Tagen, als Scheidungsgrund wurde Lugosis Affäre mit der US-amerikanischen Schauspielerin Clara Bow1) genannt. Länger dagegen hielt die Verbindung mit der rund 20 Jahre jüngeren Lillian Arch, am 31. Januar 1933 trat Lugosi mit seiner ehemaligen Sekretärin vor den Traualtar, am 17. Juli 1953 wurde diese vierte Ehe offiziell geschieden; einige Quellen geben 1931 als Hochzeitsjahr bzw. 1951 als Scheidungsjahr an. Lillian Arch hatte Lugosi wegen dessen Alkoholsucht mit dem am 5. Januar 1938 geborenen, gemeinsamem Sohn Béla Lugosi Jr. (Béla George Lugosi6)) verlassen; 1966 ehelichte Lillian Arch (verstorben 1981) den Schauspieler Brian Donlevy1) (1901 – 1972).
Bis zu Lugosis Tod war dann die Cutterin Hope Lininger (1919 – 1997) an seiner Seite, am 25. August 1955 hatte er die damals 36-Jährige geheiratet.
Bela Lugosis Sohn Béla Lugosi Jr. arbeitete in Hollywood als Anwalt, der sich auf die Vertretung von Schauspielern zur Wahrnehmung ihrer Marketingrechte spezialisiert hatte.
Quellen (unter anderem): Wikipedia, www.vampyrbibliothek.de, www.prisma.de
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 4) prisma.de, 6) Wikipedia (englisch)
Quelle: 3) prisma.de (Artikel zu "Das Zeichen des Vampirs"),  5) Wikipedia (zu "Die Rache des Würgers")
Lizenz Foto Bela Lugosi (Universal Studios/Urheber unbekannt): Dieses Medium (Bild, Gegenstand, Tondokument, …) ist gemeinfrei, da das Urheberrecht abgelaufen ist und die Autoren unbekannt sind. Das gilt in der EU und solchen Ländern, in denen das Urheberrecht 70 Jahre nach anonymer Veröffentlichung erlischt.
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie bei Wikipedia (englisch)
(Link: Wikipedia, in Klammern: prisma.de)
Stummfilme
  • 1917: Az Ezredes
  • 1917: Leoni Leo (Leoni Leó)
  • 1917: A Régiséggyűjtő
  • 1917: Nászdal
  • 1917: Der Maskenball (Álarcosbál)
  • 1917: Dorian Gray (Az élet király)
  • 1918: Der Leopard (A leopárd)
  • 1918: Tavaszi vihar
  • 1918: Lulu 
  • 1918: Küzdelem a Létért
  • 1918: Az élet királya
  • 1918: Die Gefahrvolle Wette
  • 1919: Lili
  • 1919: Casanova (bis hier unter dem Namen "Arisztid Olt")
  • 1920: Der Fluch der Menschheit
    • Teil 1: Die Tochter der Arbeit
    • Teil 2: Im Rausche der Milliarden
  • 1920: Der Januskopf
  • 1920: Der Tanz auf dem Vulkan
    • Teil 1: Sybil Young
    • Teil 2: Der Tod des Großfürsten
  • 1920: Die Frau im Delphin, oder 30 Tage auf dem Meeresgrund
  • 1920: Lederstrumpf
    • Teil 1:  Der Wildtöter und Chingachgook
    • Teil 2:  Der letzte Mohikaner
  • 1920: Sklaven fremden Willens
  • 1920: Die Sklavenhalter von Kansas-City
  • 1920: Die Todeskarawane
  • 1920: Nat Pinkerton im Kampf, Teil 1: Das Ende des Artisten Bartolini
  • 1921: Die Teufelsanbeter
  • 1921: Apachenrache, Teil 3: Die verschwundene Million
  • 1922: Ihre Hoheit die Tänzerin
  • 1923: The Silent Command
  • 1924: The Rejected Woman
  • 1924: Der Mann, der die Ohrfeigen bekam (He Who Gets Slapped)
  • 1925: Daughters Who Pay
  • 1925: The Midnight Girl
  • 1926: Punchinello
  • 1929: Prisoners (mit Tonsequenzen)
  • 1929: The Veiled Woman (mit Tonsequenzen)
  • 1930: Such Men Are Dangerous (mit Tonsequenzen)
Tonfilme
Noch: Tonfilme
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