Der Schauspieler und Regisseur Paul Henreid wurde am 10. Januar 1908 als Paul Georg Julius Freiherr von Hernried Ritter von Wasel-Waldingau in der damals zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gehörenden Stadt Triest (heute Italien) geboren. Aufgewachsen in einem behüteten Elternhaus in Wien, studierte der Sohn eines Bankiers nach dem Besuch der exklusiven "Theresianischen Militärakademie" an der "Akademie der bildenden Künste", ließ sich gleichzeitig am "Konservatorium Wien" sowie an dem "Max-Reinhardt-Seminar"1) zum Schauspieler ausbilden; schon während seiner Studien gab er dort sein Bühnendebüt als Schüler in Goethes "Faust". Noch bevor er Engagements an Wiener Bühnen wie dem "Volkstheater" und dem "Theater in der Josefstadt" annahm, wo er vornehmlich als jugendlicher Liebhaber brillierte, arbeitete er vier Jahre lang als Verlagsangestellter.
Von Otto Preminger1) in Wien für den Film entdeckt, spielte Henreid eine erste winzige Leinwandrolle in Gustav Ucickys U-Boot-Drama "Morgenrot"1) (1933), bereits in Erich Engels Offiziers- und Liebesgeschichte "Hohe Schule"1) (1934) erhielt er an der Seite des Hauptdarstellers Rudolf Forster als Sohn des General von Ketterer (Hans Homma) eine größere Aufgabe. Es folgte die Rolle des Fritz in Johannes Riemanns Liebeskomödie "Eva"2) (1935) mit Magda Schneider, Hans Söhnker, Heinz Rühmann und Hans Moser sowie Erich Engels anti-faschistischer Streifen "…nur ein Komödiant"1) (1935).
 
Henreids Pläne, in Deutschland bei der Ufa im Filmgeschäft Fuß zu fassen, zerschlugen sich, da er "in dem seit geraumer Zeit für in Deutschland tätige Filmkünstler obligatorischen Fragebogen seine "arische" Abstammung in einem für die NS-Reichsfilmkammer nicht zufrieden stellenden Umfang nachweisen konnte."*) Henreid nahm daraufhin 1935 ein Angebot aus London an, trat unter anderem am "The Gate Theatre" und "The Lyric Theatre" auf. Erste Aufmerksamkeit erregte er mit der Rolle des Prinzen Albert in dem Stück "Victoria Regina", einer "dramatischen Biographie" von Laurence Housman über die legendäre britische Queen Victoria. Im Film erhielt er kleinere Aufgaben in Produktionen wie dem von Herbert Wilcox gedrehten Biopic "Königin Viktoria" (1937, Victoria the Great), Sam Woods Drama "Auf Wiedersehen, Mr. Chips"1)  (1939, Goodbye, Mr. Chips!) oder zuletzt, vor seiner Emigration in die USA, in Carol Reeds Anti-Nazi-Thriller "Gestapo" (1940, Night Train to Munich), wo er an der Seite von Rex Harrison und Margaret Lockwood den Gestapo-Agenten Karl Marsen mimte.
Wenig später schiffte sich Henreid von Liverpool aus in die USA ein und kam am 12. August 1940 in New York an. Hier spielte er in Broadway-Produktionen und arbeitete für den Rundfunk, ging dann Ende 1941 nach Hollywood. Eine erste Hauptrolle erhielt er neben dem französischen Star Michčle Morgan als heroischer französischer R.A.F.-Pilot Paul Lavallier in Robert Stevensons Kriegsstreifen "Joan of Paris" (1942), mit Irving Rappers melodramatischen Literatur-Adaption "Reise aus der Vergangenheit"1) (1942, Now, Voyager) konnte er sich als Partner von Bette Davis endgültig in der Hollywood-Szene etablieren, "setzte sich im Rollentypus "Continental lover" und kultivierter Gentleman der "alten Schule" durch."*) "Reise aus der Vergangenheit" erzählt von Charlotte, dem glücklosen Kind einer schrecklichen Mutter, das von einem väterlichen Psychiater (Claude Rains) aus der Lethargie gerissen wird und sich vom hässlichen Entchen in ein schönes Mädchen verwandelt. Auf einer Ozeanreise verliebt es sich unsterblich in einen verheirateten Mann (Paul Henreid). Sie kehrt jedoch zurück und gibt sich die Schuld, als die tyrannische Mutter stirbt. Wieder im Sanatorium von Dr. Jaquith, freundet sie sich mit einem gestörten Kind an, das sich als versteckte Tochter ihres Geliebten herausstellt. Nach einem Schauerroman von Olive Higgins Prouty hat Irving Rapper das triefende Melodram verfasst, das aber – dank der hervorragenden Besetzung – immer wieder fasziniert. Bette Davis, vom Aschenputtel zur Prinzessin, und Paul Henreid als Geliebter sind so hinreißend, dass man über Strecken die Kolportage vergisst. kann man bei prisma.de lesen.
Noch im gleichen Jahr kam mit "Casablanca"1) (1942) eine Produktion in die Kinos, die Filmgeschichte schreiben und auch Paul Henreid unsterblich machen sollte. In dem Oscar-prämierten, von Michael Curtiz in Szene gesetzten Klassiker spielte er neben Humphrey Bogart und Ingrid Bergman den verzichtbereiten, empfindsamen Widerstandskämpfer und KZ-Ausbrecher Victor László, der das Herz seiner Frau Ilsa Lund (Bergman) an Rick Blaine (Bogart) verliert. "Henreids Laszlo war ein aufrechter Charakter mit Stolz und Würde, ein Kämpfer für die Freiheit und gegen den Nazismus. Der Part des Victor László – schauspielerisch alles andere als facettenreich – brachte Henreid Ruhm über Nacht… und wurde zugleich zum Fluch für den Interpreten, denn all seine folgenden Filmauftritte wurden an dieser Rolle, die die seines Lebens werden sollte, gemessen." notiert Kay Weniger.*)
 
In den nachfolgenden Jahren zeigte sich Henreid mit Hauptrollen in weiteren Melodramen, Abenteuern und Thrillern, mimte oft elegante, aristokratische Typen, aber auch sensible Künstlernaturen als Partner der weiblichen Publikumslieblinge jener Ära. In "Zwischen zwei Welten" (1944, Between two Worlds) verlieh er dem jungen Pianisten Henry Bergner Kontur, der – wie Henreid selbst – vor den Nazis nach England flieht, um dort auf ein Schiff nach Amerika zu warten. Sein Filmpart begeht nach Scheitern der Flucht allerdings Selbstmord und findet sich auf einem Schiff zwischen den Welten zusammen mit Opfern des letzten Fliegerangriffs wieder.3) Mit Hollywood-Schönheit Hedy Lamarr agierte er in Jean Negulescos spannendem Spionage-Thriller "Der Ring der Verschworenen" (1944, The Conspirators) und verhinderte als geflohener niederländischer Widerstandskämpfer Vincent Van Der Lyn in Lissabon eine internationale Verschwörung. Eine Liebesgeschichte mit der Frau (Lamarr) des deutschen Botschafters gab dem Streifen eine melodramatische Note. Dem Anti-Nazi-Image entfloh er dann in Frank Borzages Piraten-Abenteuer "Die Seeteufel von Cartagena"1) (1945, The Spanish Main) und tauchte als athletischer, flotter holländischer Kapitän Laurent Van Horn auf, der auf Umwegen das Herz der schönen Francisca (Maureen O'Hara) erobert. Edmund Goulding besetzte ihn als Philip Carey, der in der Somerset Maugham-Verfilmung "Of Human Bondage" (1946) von der attraktiven, flatterhaften Mildred (Eleanor Jean Parker) besessen ist; Goulding hatte hier ein Remake des gleichnamigen Films1) aus dem Jahre 1934 realisiert. Irving Rapper konnte für das Musiker-Melodram "Trügerische Leidenschaft"2) (1946, Deception) erneut Bette Davis als Partnerin Henreids gewinnen, diesmal war Davis eine junge Konzertpianistin, die kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs in New York ihre große Jugendliebe, den Cellisten Karel Novak (Henreid) wiedertrifft. Mit allen Mittel will sie nun verhindern, dass Karel von ihrer Liaison mit dem wohlhabenden, aber sadistischen Dirigenten Alexander Hollenius (Claude Rains) erfährt. Nach der Heirat mit Karel kommt es durch den eifersüchtigen Alexander zur Katastrophe … Ebenfalls im Künstler-Milieu angesiedelt war das Biopoc "Clara Schumanns große Liebe"1) (1947, Song of Love), mit dem Regisseur Clarence Brown das Leben der Pianistin Clara Schumann1) nachzeichnete. Katharine Hepburn verkörperte die Titelfigur, Henreid deren Ehemann, den Komponisten Robert Schumann1). Das "Lexikon des internationalen Films" schreibt, der Film sei ein "biografischer Film über Clara Schumann, der allerdings frei mit den historischen Daten" umgehe und mit "Hollywood-Klischees belastet" sei. Die Inszenierung sei zudem "leichthändig inszeniert, mit humorvollen Sequenzen, jedoch Robert Schumanns Leben sentimental verklärend." Für prisma.de ist der Streifen ein "schönes Schwarzweiß-Melodram um berühmte Leute, Kunst und Liebe, Eifersucht und Herzeleid, Hollywood-Kitsch, den man sich gerne gefallen lässt."
 
Dass Henreid nicht nur kultiviert-edle, lässig-elegante, sympathische Charaktere zu verkörpern wusste, bewies er mit der Rolle des Verbrechers John Muller bzw. vermeintlichen Dr. Victor Emil Bartok in Steve Sekelys Film noir "Der Mann mit der Narbe"1) (1948, Hollow Triumph). Sein Part als korrupter Polizeikommandant Paul Vogel, an dem sich Großwildjäger Mike Davis (Burt Lancaster) in William Dieterles Abenteuer "Blutige Diamanten" (1949, Rope of Sand) rächen will, wies sogar sadistische Züge auf; weitere tragende Parts spielten seine "Casablanca"-Kollegen Peter Lorre und Claude Rains. In "Der letzte Freibeuter"1) (1950, Last of the Buccaneers), einem "kurzweiligen Mantel-und-Degen-Abenteuer auf hoher See"4), zog Henreid als berühmter französischer Freibeuter Jean Laffite1) noch einmal alle Register seines Charmes, um dann in dem düstereren, psychologisch-gesellschaftskritischen Krimi "Grausame Richter"1) (1952, For Men Only) als Hauptdarsteller, Regisseur und Produzent in Personalunion zu fungieren.
Seine nachfolgenden Arbeiten als Schauspieler bleiben überwiegend eher zweitrangig und sind Hollywood-Produktionen, die bei uns weitgehend unter "ferner liegen" ins Kino kamen und Henreid keinen nachhaltigen Ruhm bescherten. So beispielsweise die Titelrollen in den Abenteuern "Abu Andar, Held von Damaskus" (1952, The Thief of Damascus), "Zaubernächte des Orients" (1953, Siren of Bagdad) und "Die Piraten von Tripolis" (1955, Pirates of Tripoli). Eine bemerkenswerte Rolle war noch einmal die des US-amerikanischen Theater- und Filmproduzenten Florenz Ziegfeld Jr.1) in Stanley Donens musikalischem Biopic "Tief in meinem Herzen" (1954, Deep in My Heart) über das Leben des Operettenkomponisten Sigmund Romberg1) (1887 – 1951), dargestellt von José Ferrer.
Zwischen all seinen Hollywood-Verpflichtungen zog es Henreid Anfang der 1950er Jahre auch wieder nach Europa, in Großbritannien drehte er mit Regisseur Terence Fisher den Film noir "Stolen Face" (1952 → der-film-noir.de), stand in Deutschland für Willi Forsts, im Wien zur Zeit der Jahrhundertwende angesiedelten musikalisch-gefühlvollem Drama "Diese Lied bleibt bei Dir"5) (1954, auch "Kabarett") als Komponist und stadtbekannter Frauenheld Conrad Hegner vor der Kamera, der sich in Choristin Leonie (Eva Kerbler) verliebt; das Drehbuch stammte von dem späteren Bestseller-Autor Johannes Mario Simmel. Henreids einziger Auftritt in einem deutschen Nachkriegsfilm blieb jedoch ohne besonders nachhaltige Wirkung.
 
Zurück in Hollywood folgten bis Ende der 1960er Jahre Produktionen, in denen Henreid verstärkt in die zweite Reihe rückte, etwa die von Richard Thorpe inszenierte Dean Martin-Komödie "10.000 Schlafzimmer"5) (1957, Ten Thousand Bedrooms), John Sturges' Kriegsfilm "Wenn das Blut kocht"2) (1959, Never So Few) mit Frank Sinatra und Gina Lollobrigida oder Vincente Minnellis episches Familien-Melodram "Die vier apokalyptischen Reiter"1)  1962, The 4 Horsemen of the Apocalypse) mit Glenn Ford, Charles Boyer und Ingrid Thulin. In Michael Andersons hochkarätig besetztem Spionagethriller "Geheimaktion Crossbow"1) (1965, Operation Cross-Bow) tauchte er als General Ziemann auf, spielte in Bryan Forbes' Jean Giraudoux-Adaption "Die Irre von Chaillot" (1969, The Madwoman of Chaillot) an der Seite der brillanten Protagonistin Katharine Hepburn den kleinen Part des Generals. Letztmalig trat Henreid als Kardinal in dem Horrorstreifen "Exorzist II – Der Ketzer"1) (1977, Exorcist II: The Heretic) in einem Kinofilm in Erscheinung.
 
Seit Mitte der 1950er Jahre hatte sich Henreid als Darsteller, vor allem aber als Regisseur dem Fernsehen zugewandt. Er trat sporadisch als Schauspieler in verschiedenen Serien auf, setzte Episoden von populären Serien und Reihen wie "Alfred Hitchcock Presents" (ab 1955, über 80 Episoden), "Maverick" (1959), "Bonanza" (1966), "Big Valley" (1965–1968), "Die Leute von der Shiloh Ranch" (1966) oder zuletzt "The Man and the City" (1971) in Szene. Für das Kino realisierte er Filme, die "sehr präzise, sensibel und eigenwillig" waren, wie www.spiegel.de in einem kurzen Nachruf schrieb. Neben dem erwähnten Krimi "Grausame Richter" (1952) entstand der Streifen "Unter Mordverdacht" (1956, A Woman's Devotion) mit sich selbst in der Rolle eines verständnisvollen mexikanischen Polizeichefs: Es projiziert die fatalen Nachwirkungen des Krieges auf das Schicksal einer jungen Frau, deren Glück mitten im Frieden jäh erschüttert wird. Trevor und Stella Stevenson (Janice Rule, Ralph Meeker) sind ein glückliches Paar. Der begabte Maler scheint sich gerade von seinem Kriegstrauma erholt zu haben. Im Granatenfeuer hatte er einen schweren Nervenzusammenbruch erlitten. Der erste gemeinsamer Urlaub soll für ihn auch eine Erholungsreise sein. Doch ausgelöst durch die Motorengeräusche auf der Schiffs- und Flugreise brechen die Verwirrungen wieder durch. Erschreckt und hilflos muss Stella mitansehen, wie ihr Mann nach und nach den Verstand verliert. Für Momente klinkt er aus, wird zum Mörder und schließlich selbst getötet…6)
Es folgten das B-Movie "Live Fast, Die Young"7) (1958), der spannende Gangster-Film "Asphalt-Hyänen" (1958, Girls on the Loose), der Psychothriller "Der schwarze Kreis"1) (1963, Dead Ringer → www.krimifilme.de) mit Bette Davis, Karl Malden und Peter Lawford sowie zuletzt der Musikfilm "Ballad in Blue"7) (1964, Halt die Tasten heiß) mit Blues-Legende Ray Charles, der sich selbst spielte.
Gelegentlich war Henreid auch als Theaterschauspieler aktiv, so ging er zur Spielzeit 1972/73 zusammen mit Agnes Moorehead1) mit dem Stück "Don Juan in der Hölle" (Don Juan in Hell) auf Tournee, dem dritten Akt aus der Komödie "Mensch und Übermensch" von George Bernard Shaw.

Paul Henreid, der seit den 1940ern die amerikanische Staatsbürgerschaft besaß sowie Mitglied der "Academy of Motion Picture Arts and Sciences"1) wer, starb am 29. März 1992 im Alter von 84 Jahren in einem Krankenhaus in Santa Monica (Kalifornien) an Herzversagen bzw. den Folgen einer Lungenentzündung; seine letzte Ruhes fand er auf dem dortigen "Woodlawn Cemetery" → Foto der Grabstätte bei Wikipedia (englisch).
Er war seit 1. Januar 1936 mit Elizabeth "Lisl" Camilla Julia Gluck verheiratet, die ihn nur um elf Monate überlebte und am 22. Februar 1993 starb. Aus der Verbindung gingen die Töchter Mimi Duncan und Monika Henreid hervor; Tochter Monika trat in die Fußstapfen ihres Vaters und wurde Schauspielerin.
Seine gemeinsam mit Julius Fast (1919 – 2008) verfasste Autobiografie "Ladies' Man" hatte Henreid 1984 veröffentlicht. Auf dem "Hollywood Walk of Fame" erinnern gleich zwei Sterne an den Schauspieler und Regisseur, einer für seine Leinwanderfolge, einer für sein TV-Wirken.

Quellen (unter anderem)*): Wikipedia, www.prisma.de
*) Kay Weniger: Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben … Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. (ACABUS Verlag, Hamburg 2011, S. 237 ff)
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2) prisma.de, 7) Wikipedia (englisch)
Quellen:
3) Wikipedia, 4) Lexikon des internationalen Films, 5) film.at, 6) prisma.de
Kinofilme (Auszug) als Darsteller
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia (deutsch/englisch),  film.at)
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