Reggie Nalder wurde am 4. September 1907 als Alfred Reginald Natzler in Wien in eine jüdische Künstlerfamilie hineingeboren. Sein Vater war der Schauspieler und Kabarettist Siegmund Natzler1) (1862 – 1913), seine Mutter, Ida Natzler, stand ebenfalls auf der Bühne und wirkte auch in einigen stummen Kinoproduktionen mit. Der Onkel Leopold Natzler1) (1860 – 1926) feierte Erfolge als Gesangskomiker, gründete 1906 gemeinsam mit Bruder Siegmund das Kabarett "Die Hölle"1), ein kleines Theater im Souterrain des "Theaters an der Wien", das sich großer Beliebtheit erfreute. Auch Reginalds, später in die USA emigrierten Cousinen Grete Natzler1) (in den USA "Della Lind"; 1906 – 1999) und Lizzi Natzler1) (1909 – 1993) waren ebenfalls Schauspielerinnen bzw. Sängerinnen.
Bevor Reginald Natzler seine Filmkarriere startete, arbeitete er in den 1920er Jahren zunächst als Kulissenmaler und betätigte sich als Journalist, ging dann unter dem Namen "Reggie Riffler" an verschiedene Wiener Theater (u.a. auch Kabarett "Die Hölle"), wo er als Schauspieler und Tänzer erste Bühnenerfahrungen sammelte; mit seinem Bruder bildete er zeitweilig die Tanznummer "Nalder Brothers"*).
1930 zog es den jungen Mann nach Paris, hier trat er am Theater und im Kabarett auf, nahm gleichzeitig bei dem gefeierten Charaktermimen Louis Jouvet1) (1887 – 1951) Schauspiel-Unterricht. Zurück in Wien, gab Natzler mit dem winzigen Part eines Fußballspielers sein Leinwanddebüt in der österreichisch-ungarischen Produktion "3:1 a szerelem javára" (1938). Der Streifen war ein musikalischer Fußballschwank, gedreht mit Rosy Barsony nach einer Paul Abraham-Operette, die Aufführung der deutschen Operettenversion erfolgte unter dem Titel "Roxy und das Wunderteam".
Mit dem "Anschluss" Österreichs bzw. der De-facto-Annexion Österreichs durch das nationalsozialistische Deutsche Reich am 13. März 1938 wurde die Situation für den angehenden Schauspieler mit jüdischen Wurzeln in seiner Heimat zunehmend lebensbedrohlicher, im August 1938 emigrierte er nach Frankreich und hielt sich auch während der gesamten deutschen Besatzungszeit in Paris auf, musste sich allerdings versteckt halten und lebte im Untergrund. Laut CineGraph zog er sich während dieser Zeit eine durch Säure oder Feuer verursachte schwere Gesichtsverletzung zu, die später sein makabres "Markenzeichen" wurde.2)
 
Seit Ende der 1940er Jahre konnte sich Reggie Nalder, wie er sich nun nannte, im Filmgeschäft Fuß fassen, drehte zunächst in Frankreich und wurde mit kleineren unsympathischen Rollen wie der eines Mörders in Maurice Tourneurs kriminalistischem Drama "Impasse des deux anges" (1948) neben Paul Meurisse und Simone Signoret besetzt. Doch es solle noch einige Zeit dauern, bis Nalder, der zwischenzeitlich in Großbritannien als Sprecher beim deutschsprachigen Sender der BBC tätig war, auch international Aufmerksamkeit erregte. Nach verschiedenen französischen Produktionen sowie einem ungenannten Auftritt in dem US-amerikanischen Spionagefilm "Verraten"3) (1954, Betrayed), erlangte er über Nacht mit der Schlüsselrolle des kaltblütigen Auftragskillers Rien in Alfred Hitchcocks spannendem Thriller "Der Mann, der zuviel wusste"1) (1956, The Man Who Knew Too Much) an der Seite von James Stewart und Doris Day nachhaltigen Ruhm. Legendär wurde die Szene, in der Rien, der während einer Opernaufführung in der Londoner "Royal Albert Hall" sein Attentat auf den Premierminister ausführen will, sein Ziel verfehlt und dabei von der Empore stürzt.
In den nachfolgenden Jahren arbeitete Nalder in Frankreich, Deutschland, Hollywood und Italien, wurde aufgrund seiner Physiognomie auf den Typus des finsteren, abstoßend-furchteinregenden Mannes festgelegt, spezialisierte sich zunehmend auf sadistische Charaktere im Horror-Genre. "Fortan bleibt Nalder festgelegt auf zynische Mörder und Sadisten, die diabolisch grinsend und mit kalten Augen abwechselnd lüstern oder vollkommen gefühllos um sich blicken und ungerührt ihre Verbrechen begehen." notiert CineGraph2).
In dem aufgrund der leichtgeschürzten Protagonistin (Marion Michael) Aufsehen erregendem Abenteuer "Liane, das Mädchen aus dem Urwald"1) (1956; Regie: Eduard von Borsody) kam er als der skrupellose Geschäftsmann Viktor Schöninck daher, mimte den Mörder Dédé in Gilles Grangiers Krimi "Polizeiaktion Dynamit"1) (1957, Échec au porteur). In Harald Reinls neuerlichem Dschungel-Abenteuer "Romarei, das Mädchen mit den grünen Augen"1) (1958) tauchte Nalder als Sekretär Dewitz auf, um dann mit Rock Hudson für ein weiteres Abenteuer, dem in Sumatra angesiedelten Melodram "Am schwarzen Fluss" (1962, The Spiral Road), als martialischer Medizinmann Burubi vor der Kamera zu stehen.
 
Er war z. B. der den Capt. Allan Morley (Stuart Whitman) in der Pariser Metro verfolgende Gestapo-Agent in dem von René Clément gedrehten Résistance-Drama "Nacht der Erfüllung"3) (1963, Le jour et l'heure)", ein in ein Gehirnwäscheprogramm zum Nachteil amerikanischer Kriegsgefangener in der Mandschurei verwickelter Sowjet-Spezialist in dem konstruierten Politthriller "Botschafter der Angst"1) (1962, The Manchurian Candidate) und der über Jahrhunderte treue Leibdiener Graf Draculas (Michael Pataki) in dem amerikanischen Billigst-Grusel "Zoltan, Draculas Bluthund" (1978, Zoltan, Hound of Dracula).*)
Dazwischen lagen Filme wie Dario Argentos Krimi "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe"1) (1970, L'uccello dalle piume di cristallo) als gelb-ummantelter Amokläufer, der in Österreich gedrehte und international besetzte deutsche Horror- bzw. Trash-Streifen um Hexenjagden in Mitteleuropa zur Barockzeit "Hexen bis aufs Blut gequält"1) (1970) mit der Figur des wollüstigen Hexenjägers Albino, sowie Adrian Hovens reißerischer "Hexenjäger"-Aufguss "Hexen – geschändet und zu Tode gequält"1) (1973), wo er als gefühlskalter Hexenjäger Natas in Erscheinung trat. Den "Höhepunkt" seiner einschlägigen filmischen Karriere erreichte Nalder als der an "Nosferatu" erinnernde leichenhafte Vampir Mr. Barlow an der Seite des geheimnisvollen Antiquitätenhändlers Richard Straker (James Mason) in dem von Tobe Hooper nach dem gleichnamigen Horror-Roman1) von Stephen King gedrehten TV-Zweiteiler "Brennen muss Salem"1) (1979, Salem's Lot). Dass der italienische Star-Regisseur Federico Fellini ihn in seinem Film "Fellinis Casanova"1) (1976, Il Casanova di Federico Fellini) mit der kleinen Aufgabe des Herrn Faulkircher, Haushofmeister auf Schloss Dux, betraute, soll Nalder sehr gefreut und stolz gemacht haben. 
In "Zum Teufel mit Max" (1981, The Devil and Max Devlin) zeigte er sich zur Abwechslung mal in einer Fantasy-Komödie, konnte aber auch hier seinem Image nicht entfliehen und mimte an der Seite von Elliott Gould und Bill Cosby den Vorsitzenden des höllischen Tribunals. Noch kurz vor seinem Tod spielte er in dem im frühen 16. Jahrhundert angesiedelten venezolanischen Dschungel- und Historiendrama "Jericó" (Jericho; Regie: Luis Alberto Lamata) einen alten deutschen "Conquistador"; die Erstaufführung Ende April 1993 in Frankreich erlebte er nicht mehr.
Auch im Fernsehen konnte der hagere Schauspieler seit den 1960er Jahren in zahlreichen Produktionen Beschäftigung finden, zur Filmografie zählen Episodenrollen in populäre Serien wie "77-Sunset-Strip", "Gauner gegen Gauner", "Solo für O.N.K.E.L." oder "Ihr Auftritt, Al Mundy". In der Geschichte "Reise nach Babel" (1967, Journey to Babel) aus der Kultserie "Raumschiff Enterprise" erlebte man ihn als (optisch stark verfremdeten) galaktischen Botschafter Shras.
 
Reggie Nalder, der seit Anfang der 1960er Jahre dauerhaft in Kalifornien lebte und seit dem 20. Mai 1966 die amerikanische Staatsbürgerschaft besaß, erlag am 19. November 1991 im Alter von 84 Jahren in einem Pflegeheim in Santa Monica seinem Knochenkrebsleiden.
Der Privatmann Reggie Nalder soll entgegen seinem Rollen-Klischee ein äußerst kultivierter Mensch gewesen sein, der den schönen Künsten verbunden war und vor allem die Oper liebte.
Quellen (unter anderem)*) **): Wikipedia sowie
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 29***)
*) Kay Weniger: "Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945" (Metropol, Berlin 2008, S. 261 f)
**) Kay Weniger: Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben … Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. (ACABUS Verlag, Hamburg 2011, S. 356/357)
***) mit den Quellen:
  • Tim Lucas: "Reggie Nalder, The Forgotten Idol. An Appreciation"
  • David Del Valle: "Face to Face with Reggie Nalder, Memoir and Interview"( In: Video Wach Dog, Nr. 3, 1992)
Link: 1) Wikipedia, 3) prisma.de
2) Quelle: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 29
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia (deutsch/englisch), prisma.de)
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