Der US-amerikanische Stummfilmstar Bebe Daniels erblickte am 14. Januar 1901 als Phyllis Virginia Daniels in Dallas (Texas) das Licht der Welt. Das einzige Kind des aus Schottland stammenden Theaterdirektors Danny Daniels (eigentlich Melville Daniel MacMeal) und dessen Ehefrau Phyllis, einer spanischstämmigen Schauspielerin, spielte schon als Kind erste Rollen auf der Bühne. Im Alter von vier Jahren war sie mit einer Wandertruppe unterwegs und wirkte in dem Shakespeare-Drama "Richard III."1) mit, als 7-Jährige soll sie ihr Leinwanddebüt bei der "Selig Polyscope Company"1) in einem Streifens namens "A Common Enemy" gegeben haben.
Ihr nachweisbar frühester Film war die 13-minütige Adaption des Kinderbuchklassiker "Der Zauberer von Oz"1) (The Wonderful Wizard of Oz) von Lyman Frank Baum1), wo sie im März 1910 als die kleine Dorothy Gale in Erscheinung trat, eine Rolle, mit der später Judy Garland2) Furore machen sollte → "Der Zauberer von Oz"1) (1939).
Mitte der 1910 Jahre stieß sie zu der von Hal Roach1) (1892 – 1992) und dem Komiker Harold Lloyd2) (1893 – 1971) gegründeten, auf kurze Komödien, sogenannte "One-Reeler"1) spezialisierte Firma "Rolin" (Roach/Linthicum). Hier wirkte sie an der Seite des Protagonisten Lloyd in den zahllosen kurzen Streifen mit, bis 1919 sollte sie neben Lloyds späteren Ehefrau Mildred Davis1) (1901 – 1969) sowie Snub Pollard1) (1889 – 1962) wichtigste Partnerin des legendären Komikers bleiben – Daniels war in den Slapstick-Geschichten das Mädchen, das es zu erobern galt, Pollard oftmals der Gegenspieler. Zwischen 1915 und 1919 soll sie bei den "Hal Roach Studios" in mehr als 200 Produktionen an der Seite von Lloyd mitgewirkt haben, die meisten davon waren Teile von Serien wie "Lonesome Luke" oder die in Deutschland einfach als "Er als …" bezeichneten Filme, von denen viele als verschollen gelten. Auch privat wurde dem Leinwandpaar eine enge Beziehung nachgesagt, in Hollywood waren sie einfach als "The Boy" and "The Girl" bekannt.
 

Bebe Daniels fotografiert von Albert Witzel (1879 – 1929)
"Witzel Studios", Los Angeles
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Bebe Daniels fotografiert von Albert Witzel (1879 – 1929)n "Witzel Studios", Los Angeles; Quelle: www.cyranos.ch
Bebe Daniels 1920 fotografiert von Albert Witzel (1879 – 1929); "Witzel Studios", Los Angeles Da Harold Lloyds künstlerisch Entwicklung in den Augen von Daniels nur schleppend voranschritt, trennte sie sich 1919 von ihm, wechselte zu den "Paramount Pictures"1) und avancierte zum Protegée von Cecil B. DeMille1). Sie erschien in dessen Salonkomödien "Zustände wie im Paradies" (1919, Male and Female3)) und "Irrwege einer Ehe"1) (1920, Why Change Your Wife?) neben Gloria Swanson2), spielte unter anderem mit Wallace Reid1) in Sam Woods amüsanten Romanze "The Dancin' Fool"3) und in Cecil B. DeMilles Tragikomödie "The Affairs of Anatol"3) (1921), gedreht nach dem Schnitzler-Schauspiel "Anatol"1) mit Wallace Reid in der Titelrolle und Gloria Swanson als dessen Frau. Auch wenn Bebe Daniels den Sprung vom unbekümmert netten Mädchen in das Erwachsenenfach schaffte – beispielsweise als Partnerin von Frauenschwarm Rudolph Valentino2) in dem opulent ausgestatteten Streifen "Monsieur Beaucaire, der königliche Barbier"1) (1924, Monsieur Beaucaire) – blieb sie doch auf leichte Unterhaltungskost beschränkt und hatte nur selten Gelegenheit, auch ihr dramatisches Talent zu zeigen. Mitte der 1920er Jahre begann ihr Stern zu sinken, nicht zuletzt durch neue Gesichter wie Clara Bow1), aber auch Stummfilmdiva Pola Negri2), die mit einem lukrativen Vertrag bei der Filmgesellschaft "Paramount" in den USA aufgetaucht war.

Bebe Daniels 1920 fotografiert von Albert Witzel (1879 – 1929)
"Witzel Studios", Los Angeles
Quelle: Wikimedia Commons; Angaben zur Lizenz siehe hier

Erst mit Aufkommen des Tonfilms konnte Bebe Daniels wieder an frühere Erfolge anknüpfen, sie löste ihren Vertrag bei "Paramount" und ging zu den "RKO Radio Pictures"1), wo sie gleich mit ihrem ersten Tonfilmen, den musikalischen, nach populärer Broadwayshows gedrehten Komödien "Rio Rita"3) (1929) und "Dixiana"3) (1930) auch mit ihrer schönen Gesangsstimme positive Kritiken einheimste und zu einer der ersten Musicalstars avancierte. Weitere Produktionen schlossen sich an, doch ab Mitte der 1930er Jahre nahm die Zugkraft des Leinwandstars erneut ab und sie wechselte zunächst zu "Warner Brothers"1). Hier besetzte man sie unter anderem mit Ricardo Cortez1) in dem Krimi "Der Malteser Falke" (1931, The Maltese Falcon3)) nach dem gleichnamigen Bestseller1) von Dashiell Hammett1) und mit Warner Baxter1) in dem Drama "Die 42. Straße"1) (1933, 42nd Street). Zu ihren letzten großen Rollen zählte bei den "Universal Studios"1) William Wylers Drama "Der Staranwalt von Manhattan" (1933, Counsellor at Law3)) an der Seite von John Barrymore2) sowie bei der "20th Century Fox"1) das Musical "Music is Magic" (1935).
 
Danach zog sich Bebe Daniels (vorerst) vom Filmgeschäft zurück, ging 1936 mit ihrem Ehemann, dem Schauspieler Ben Lyon1) (1901 – 1979), den sie 1930 geheiratet hatte, nach England bzw. London. Hier konnte sie als Schauspielerin Fuß fassen und feierte Erfolge in Revuen sowie in Music Halls als Partnerin bei den Gesangs- und Tanzeinlagen ihres Mannes. Zudem war das Paar in den 1940er Jahren bei der  BBC mit einer eigenen Radioshow präsent. Nach einer kurzzeitigen Rückkehr nach Hollywood, wo Lyons als Manager für die "20th Century Fox" tätig war, kehrte das Paar 1948 endgültig nach England zurück. Eine neue Radioshow bzw. Sitcom "Life with the Lyons"3) (1950–1961) mit der ganzen Familie Lyons – Bebe Daniels, Ben Lyon, Tochter Barbara und Adoptivsohn Richard – wurde so populär, dass man in den 1950er Jahren die beiden Kinostreifen "Life with the Lyons" (1953) und "The Lyons in Paris " (1955) mit Daniels und Lyons drehte; zudem wurde zwischen 1955 und 1960 eine gleichnamige TV-Serie ausgestrahlt.

Nach einem schweren Schlaganfall Anfang der 1960er Jahre zog sich Bebe Daniels ins Privatleben zurück. Am 16. März 1971 starb der einstige Publikumsliebling in London (England) im Alter von 70 Jahren an den Folgen einer Hirnblutung – nur 8 Tage nach dem Tod ihres früheren Filmpartners Harold Lloyd. Die Urne mit ihren sterblichen Überresten wurde auf dem "Hollywood Forever Cemetery" in Los Angeles beigesetzt (Chapel Columbarium, Nische 7–8). Als Ben Lyon am 22. März 1979 während einer Kreuzfahrt durch den Pazifik nahe Honolulu (Hawaii) an einem Herzanfall starb, fand auch er seine letzte Ruhe ganz in der Nähe seiner ersten Frau → Foto bei www.findagrave.com. Nach Bebe Daniels Tod hatte er 1974 die Schauspielerin Marian Nixon (1904 – 1983) geheiratet.
Die am 9. September 1931 in Hollywood (Kalifornien) geborene Tochter Barbara Lyon machte später in England Karriere als Schlagersängerin und Schauspielerin; sie starb am 10. Juli 1995 im Alter von 63 Jahren in London.
 
Über Bebe Daniels wird folgende Anekdote erzählt: Der Gangster Al Capone war ein großer Fan von ihr. Als ihr in den 1920er Jahren in einem Hotel in Chicago Schmuck im Wert einiger Tausend Dollar gestohlen wurde, kümmerte sich Capone persönlich darum. Er verkündete, dass der Schmuck innerhalb von 24 Stunden wieder im Besitz von Miss Daniels sein sollte, andernfalls … Am nächsten Tag tauchte der Schmuck wieder auf.
Quelle (unter anderem): Wikipedia, www.cyranos.ch
Siehe auch Wikipedia (englisch) sowie www.goldensilents.com (englisch)
Fotos bei www.virtual-history.com, Wikimedia Commons
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Wikipedia (englisch)
Lizenz Foto Bebe Daniels (Urheber Albert Witzel): Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database, sowie
Wikipedia (englisch, Auswahl)
(Link: Wikipedia (englisch/deutsch), Kurzportrait innerhalb dieser HP)
Stummfilme (Auszug)
  • 1910: The Courtship of Miles Standish
  • 1910: Der Zauberer von Oz (The Wonderful Wizard of Oz)
  • Kurzfilme mit Harold Lloyd (Auswahl)
    • 1915: Giving Them Fits
    • 1915: Fresh from the Farm
    • 1915: Tinkering with Trouble
    • 1915: Lonesome Luke, Social Gangster
    • 1917: Over the Fence
    • 1917: 1917: Bliss
    • 1917: All Aboard
    • 1917: Move On
    • 1918: Hey There!
    • 1918: Der Unaufhaltsame (The Non-Stop Kid)
    • 1918: Er als Photograph (Look Pleasant, Please)
    • 1918: Gussie mit den zwei Pistolen (Two-Gun Gussie)
    • 1918: Er als Feuerwehrmann (Fireman Save My Child)
    • 1918: Der gelackte Städter (The City Slicker)
    • 1918: Er bei den Türken (Somewhere in Turkey)
    • 1918: Sind Gauner unehrlich? (Are Crooks Dishonest?)
    • 1918: Why Pick on Me?
    • 1918: Take a Chance
    • 1918: Er fängt Bären (An Ozark Romance)
    • 1918: Bride and Gloom
    • 1919: Er als Marathonläufer (The Marathon)
    • 1919: Frühlingsgefühle (Spring Fever)
    • 1919: Zwei gute Nachbarn (Just Neighbors)
    • 1919: Going! Going! Gone!
    • 1919: Er als Kulissenschieber (At the Old Stage Door)
    • 1919: Mir kann keiner! (Never Touched Me)
    • 1919: Er als verliebter Gummiknüppel (Chop Suey & Co.)
    • 1919: Er als Präriejäger (Heap Big Chief)
    • 1919: Er – Träume sind Schäume (The Rajah)
    • 1919: Pleite am Broadway (Bumping into Broadway)
    • 1919: Captain Kidds Kinder (Captain Kidd's Kids)
Noch: Stummfilme (Auszug)
  • 1919: Zustände wie im Paradies (Male and Female)
  • 1920: The Dancin' Fool → Wikipedia (englisch)
  • 1920: Irrwege einer Ehe (Why Change Your Wife?)
  • 1920: Sick Abed
  • 1921: The Affairs of Anatol → Wikipedia (englisch)
  • 1923: His Children's Children
  • 1924: Monsieur Beaucaire, der königliche Barbier (Monsieur Beaucaire)
  • 1925: Miss Bluebeard
  • 1925: Die Liebesinsel (Lovers in Quarantine)
  • 1926: Volcano
  • 1927: Die Tochter des Scheichs (She's a Sheik)
  • 1928: Feel My Pulse
  • 1928: Das Mädel mit der Kamera (Hot News)

Tonfilme (Auszug)

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