Karlheinz Böhm wurde als einziges Kind der Sopranistin Thea Linhard1) (1903 – 1981) und des berühmten Dirigenten Karl Böhm1) (1894 – 1981) am 16. März 1928 im hessischen Darmstadt1) geboren. Sein Vater war geborener Grazer, seine Mutter Münchnerin, Böhm selbst fühlte sich als Weltbürger, lebte seit Jahrzehnten in Österreich, dessen Staatsbürgerschaft er inne hatte, sowie lange Jahre in Äthiopien1), dessen Ehren-Staatsbürgerschaft ihm 2003 als erstem Ausländer zuteil wurde.
Böhm verbrachte seine Jugend in Darmstadt, Hamburg und Dresden, in Hamburg besuchte er die Volksschule und das Gymnasium; ein gefälschtes ärztliches Attest verhalf ihm 1939 zur Ausreise in die Schweiz, wo er ein Internat, das "Lyceum Alpinum Zuoz", besuchte. 1946 zog er mit seinen Eltern nach Graz, dort machte er im selben Jahr das Abitur. Er wollte ursprünglich Pianist werden, studierte aber auf Drängen seines Vaters Anglistik und Germanistik und anschließend in Rom ein Semester Kunstgeschichte. Böhm brach hier jedoch sein Studium ab, um Schauspielunterricht zu nehmen, ließ sich in Wien von Albin Skoda1) (1909 – 1961) und an der "Schauspielschule Krauss"1) ausbilden.
Sein Bühnendebüt gab Böhm 1948 als Georg Rottenkirch in dem Stück "Junger Herr von vierzig Jahren" von Bruno Schuppler (Regie: Ulrich Bettac1)) am Wiener "Burgtheater"1), wo er anfänglich Theatererfahrungen als jugendlicher Liebhaber sammelte. Unter anderem sah man ihn 1949 als Fludribus in der Nestroy-Posse "Der böse Geist Lumpacivagabundus"1) (Regie: Josef Gielen1)). Anschließend gehörte bis 1953 zum Ensemble des "Theaters in der Josefstadt"1).
 
1948 begann Böhms Filmkarriere bei Karl Hartl Karl Hartl1) (1899 – 1978): Böhm war dessen Regieassistent und spielte eine winzige Rolle in der Literaturadaption "Der Engel mit der Posaune"1) (1949), auch vier Jahre später in dem ebenfalls von Hartl in Szene gesetzten Liebesmelodram "Haus des Lebens"1) (1952) war sein Part nicht größer. Doch bereits sein nächster Film "Alraune"1) (1952) verdiente Aufmerksamkeit, nicht nur wegen der ersten Hauptrolle oder des Sujets – es ging um die Verfilmung des Schauerroman "Alraune. Die Geschichte eines lebenden Wesens"1) von Hanns Heinz Ewers1) – sondern wegen der Besetzung: Hildegard Knef als "Alraune" und Erich von Stroheim als Wissenschaftler, der sie erschuf.

Porträt Karlheinz Böhm, Werbung/Plakat zum Film
im Wiener "Metro-Kino"1) (04.04. – 12.12.2004)
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB)1)
Körperschaft: Filmarchiv Austria / Perndl + Co; Datierung 2004
© ÖNB/Wien / Filmarchiv Austria / Perndl + Co
Bildarchiv Austria (Inventarnummer PLA16394190)

Porträt Karlheinz Böhm, Werbung zum Film im Wiener "Metro-Kino" (04.04. – 12.12.2004); Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Körperschaft: Filmarchiv Austria / Perndl + Co; Datierung 2004; Copyright: ÖNB/Wien / Filmarchiv Austria / Perndl + Co; Bildarchiv Austria (Inventarnummer PLA16394190)
Böhm hatte sich für die Rolle des jungen Frank Braun, der sich in das geheimnisvolle Wesen verliebt, beworben, er war jedoch bei den Probeaufnahmen durchgefallen. Doch der Knef gefiel sein Gesichtsausdruck und sie überredete Regisseur Arthur Maria Rabenalt1) und Produzentin Ilse Kubaschewski dem jungen Böhm die Rolle zu geben. Der Film brachte an den Kinokassen zwar nicht den erhofften Erfolg, doch für Böhm bahnte sich der Durchbruch zum anerkannten Filmdarsteller an. Noch im selben Jahr zeigte er sich neben Gertrud Kückelmann in der Komödie "Der Weibertausch"1), 1953 unter der Regie von Viktor Tourjanski in dem Zirkusstreifen "Salto mortale"2), der ihn auch als Partner von Johanna Matz in dem Erfolgssteifen "Arlette erobert Paris"2) (1953) besetzte. Erneut für Rabenalt mimte er den Dorfschullehrer, der in dem erfolgreichen Remake "Der unsterbliche Lump" (1953; → Filmlexikon) ein musikalisches Genie ist, sowie in "Die Sonne von St. Moritz" (1954; → Filmlexikon) einen Arzt zwischen zwei Frauen.
Karlheinz Böhm avancierte zum Leinwandhelden und Liebhaber Nummer Eins, wie neben Ulla Jacobsson in den Melodramen "…und ewig bleibt die Liebe"1) (1954) und "Die heilige Lüge"2) (1955); Regie führte bei beiden Produktionen Wolfgang Liebeneiner1). Böhm zeigte sich beispielsweise in der nach einem Drehbuch von Johannes Mario Simmel gedrehten Literaturadaption "Die Hexe"2) (1954), zusammen mit Sonja Ziemann und Dieter Borsche in der Liebeskomödie "Ich war ein hässliches Mädchen"2) (1955) nach dem Roman von Annemarie Selinko1), mit Maj-Britt Nilsson1) in der schwedisch-deutschen Produktion "Schwedenmädel"1) (1955, "Sommarflickan") oder neben Eva Bartok als Fähnrich Mitja in Josef von Bákys Melodram "Dunja"1) (1955), dem Remake der Puschkin-Erzählung "Der Postmeister"1) aus dem Jahre 1940 mit Heinrich George in der Titelrolle → "Der Postmeister"1) (1940); in der Neuverfilmung spielte nun Walter Richter diesen Part.
Mit Ernst Marischkas Sissi-Filmen gab es dann "das" neue Liebespaar des deutschen Films – Romy Schneider und Karlheinz Böhm. Böhm war der liebenswerte Kaiser Franz-Josef an der Seite von Romy Schneiders Figur der Sissi. Mit Romy verkörperte er das brave, saubere Idol der 1950er Jahre. Insgesamt kamen drei dieser rührseligen, dennoch bis heute noch beliebten Streifen in die die Lichtspielhäuser, Auftakt war 1955 "Sissi"1), zwei Jahre Jahr später folgte "Sissi – Die junge Kaiserin"1),  mit "Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin"1) fand die Trilogie 1957 ihren tränenreichen Abschluss.
 
Sissi
Genre: Melodram, 1955
Regie und Drehbuch: Ernst Marischka
Musik: Anton Profes
Kamera: Bruno Mondi
Darsteller/-innen:
Romy Schneider: Prinzessin Elisabeth, Karlheinz Böhm: Kaiser Franz Joseph,
Magda Schneider: Herzogin Ludovika, Uta Franz: Prinzessin Helene,
Gustav Knuth: Herzog Max, Vilma Degischer: Erzherzogin Sophie,
Josef Meinrad: Gendarmeriemajor Boeckl, Erich Nikowitz: Erzherzog Franz Karl,
Karl Fochler: Graf Grünne, Peter Weck: Erzherzog Karl-Ludwig,
Hilde Wagener: Baronin Wulffen, Egon von Jordan: Minister,
Otto Treßler: Marschall Radetzky, Franz Böheim: Johann Petzmacher,
Richard Eybner: Postmeister von Ischl, und andere
(Fremde Links: Wikipedia)
  
Mit sechzehn Jahren spielt Romy Schneider zum ersten Mal die Sissi-Rolle. Sie spielt die naturverbundene, tierliebe, unaffektierte, sportliche, einfallsreiche strahlende junge Schönheit – eine glückliche Vatertochter ihres geliebten "Pappili", den Gustav Knuth in der Rolle des jovialen Königs von Bayern darstellt. Magda Schneider, Romys Mutter, ist auch ihre Filmmutter, eine warmherzige Matrone…

Die Geschichte:
Erzherzogin Sophie (Vilma Degischer) sucht für ihren Sohn Franz Josef (Karlheinz Böhm), den jungen österreichischen Kaiser, eine Ehefrau. Die Wahl fällt auf Prinzessin "Nene" Helene (Uta Franz), die älteste Tochter ihrer Schwester, Herzogin Ludovika von Bayern (Gustav Knuth).
Damit die Reise nach Bad Ischl den Anschein eines privaten Besuches hat, kommt auch die erst 16-jährige Prinzessin "Sissi" Elisabeth (Romy Schneider) mit.
Sissi, völlig ahnungslos, begegnet dort dem Kaiser und nimmt seine Einladung auf die Pirsch gerne an. Franz Josef ist hingerissen von ihrer Anmut und Schönheit. Als Sissi jedoch von der geplanten Verlobung mit Nene erfährt, will sie deren Glück nicht im Wege stehen. Beim großen Empfang hat der Kaiser nur noch Augen für Sissi und verkündet – zum Entsetzen seiner Mutter – die Verlobung mit der bayerischen Prinzessin Elisabeth. Die Hochzeit naht, und Sissi fährt nun die Donau abwärts, erwartet von Kaiser Franz Josef und den Wienern, die ihr einen prächtigen Empfang bereiten.
 
Auszeichnung:
Bambi für den geschäftlich erfolgreichsten ausländischen Film 1956

Filmkritiken:
Lexikon des internationalen Films: Romantisch-gefühlvolle Unterhaltung im Stil anspruchsloser Heimatfilme.
Kölner Stadt-Anzeiger: Ein anspruchsloses, aber charmantes Melodram.
 
Quelle: Dirk Jasper FilmLexikon (Seite nicht mehr verfügbar)
Siehe auch Wikipedia, prisma.de, filmportal.de

Was und mit wem Böhm danach auch immer drehte – Romy Schneider fehlte. Da konnten weder die attraktive Martine Carol in Ralph Habibs Georges Simenon-Adaption "Nächte auf Tahiti" (1958, Passager Clandestin), die reizende Johanna Matz in "Man müsste noch mal zwanzig sein"1) (1958) und in "Das Dreimäderlhaus"1) (1958) noch die "femme fatal" Jayne  Mansfield in "Zu heiß zum Anfassen" (1959, Too Hot to Handle) von Bond-Regisseur Terence Young1) als Ersatz dienen.
Böhm versuchte, dem Image des "ewigen Kaisers" zu entfliehen, 1960 überraschte er als gefährlicher psychopatischer Serienmörder in Michael Powells Thriller "Peeping Tom"1) ("Augen der Angst"3)). Doch auch hier war Böhm nicht das Böse schlechthin, sondern das Opfer: Die Kindheit, der permanente psychische Terror des Kindes haben ihn zum Ungeheuer gemacht, das der Kinozuschauer bedauern kann wie Boris Karloff als Frankensteins Monster in James Whales poetisch schönen Horror-Filmen. Und mit dem Skandal um diesen Film – der von Zuschauern und Kritikern einhellig boykottiert wurde, um 20 Jahre später als Meisterwerk gefeiert zu werden – begann auch der Abstieg von Karlheinz Böhm als Kinoliebling. Weil er sich im deutschen Schnulzenfilm unterbewertet fühlte, ging Böhm nach der Krimikomödie "Der Gauner und der liebe Gott"1) (1960) für vier Jahre ins Ausland., eine Zeit, die er selbst als "Exil" bezeichnete. Danach spielte er wieder Theater, unter anderem in Wien, Zürich, München und Berlin.

Karlheinz Böhm um 1960
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB)1)
Urheber/Autor: Alfred Cermak → Bildarchiv Austria
© ÖNB/Wien / Alfred Cermak; Datierung: um 1960
Bildarchiv Austria (Inventarnummer CE 38/18)

Karlheinz Böhm um 1960; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber/Autor: Alfred Cermak; Copyright ÖNB/Wien / Alfred Cermak; Datierung: um 1960; Bildarchiv Austria (Inventarnummer CE 38/18)
Zwischen 1969 und 1972 wirkte Böhm erneut am "Theater in der Josefstadt", er nahm verschiedene Gastengagements, unter anderem auch bei den "Bad Hersfelder Festspielen"1) an. Bereits 1964 hatte er als Opernregisseur mit der Richard Strauss-Oper "Elektra"1) an der "Staatsoper Stuttgart"1) (Musikalische Leitung: Karl Böhm1)) debütiert, es folgten in Graz "Tosca"1) (1968) von Giacomo Puccini1) (Musikalische Leitung: Bruno Amaducci4)) und in München ams "Staatstheater am Gärtnerplatz"1) die Operette "Der Zigeunerbaron"1) (1970) von Johann Strauss1). An der Berliner "Freien Volksbühne"1) brillierte er im Dezember 1973 als Jörgen Tesman in dem Drama "Hedda Gabler"1) von Henrik Ibsen1) an der Seite von Protagonistin Margit Carstensen und darauffolgenden Jahr am Frankfurter "Theater am Turm"1) als idealistischer Arzt Dr. Astrow  in "Onkel Wanja"1) von Anton Tschechow1) – jeweils in Inszenierungen von Rainer Werner Fassbinder1). Böhm glänzte am Kölner "Theater am Dom"1) mit der Titelrolle in "Don Juan in der Hölle" von George Barnard Shaw1) aus dessen Komödie "Mensch und Übermensch" (1975, Regie: Günther Büch1)), an der Pariser "Opéra Garnier"1) konnte man ihn ebenfalls 1975 als Bassa Selim in der Mozart-Oper "Die Entführung aus dem Serail"1) (Regie: Günther Rennert1)) bewundern. Zur Spielzeit 1975/76 trat Böhm am "Stadttheater Basel"1) auf, gestaltete den Fabrikanten Friedrich Hofreiter in "Das weite Land"1) von Arthur Schnitzler1) und den Rittmeister in "Der Vater"1) von August Strindberg1) (Regie jeweils Horst Zankl1)). Am "Düsseldorfer Schauspielhaus"1) erlebte man ihn mehrfach, so als Ben Butley in "Butley" (1977) von Simon Gray1) (Regie: Joachim Preen1)), als Immanuel Kant1) in "Immanuel Kant"1) (1978) von Thomas Bernhard1) (Regie: Volker Hesse1)), erneut als Friedrich Hofreiter in Schnitzlers "Das weite Land" (1978, Regie: Michael Gruner1)), mit der Titelrolle in dem Shakespeare-Drama "König Lear"1) (1979, Regie: Erik Vos), als J. Robert Oppenheimer1) in dem Schauspiel "In der Sache J. Robert Oppenheimer"1) (1980) von Heinar Kipphardt1) (Regie: Heinz Engels1)) sowie als Herzog Senior/Herzog Frederick in dem Shakespeare-Stück "Wie es euch gefällt"1) (1980, Regie: Robert Sturua). Das Publikum des "Theaters in der Josefstadt" erfreute er als der Ehegatte in der Leseaufführung von Schnitzlers "Reigen"1) (1981, Regie: Otto Schenk). Mit der Figur des Paco Hernandes bzw. der Tragödie "Gottes Utopia" von Stefan Andres1) ging Böhm 1982 auf Tournee (Regie: Dieter Kümmel), bei den "Bregenzer Festspielen"1) gab er im Sommer 1983 den Hans Karl Bühl in dem Lustspiel "Der Schwierige"1) von Hugo von Hofmannsthal1), einer Inszenierung von Ernst Haeusserman1) am "Theater in der Josefstadt" (Premiere: 08.09.1983) → chronik.bregenzerfestspiele.net.5) Zudem trat Böhm mit Lesungen bzw. Rezitationsabenden in Erscheinung.
Karlheinz Böhm in "Martha";  Copyright Einhorn-Film In den 1970er Jahren holte Rainer Werner Fassbinder den einstigen Star des deutschen Kinos auf die Leinwand zurück und besetzte ihn in den Filmen "Fontane Effi Briest"1) (1974) und "Faustrecht der Freiheit"1) (1974) sowie in "Mutter Küsters' Fahrt zum Himmel"1) (1975), wo er einen zwielichtigen Bourgeois und Homosexuellen darstellte. In dieser Zeit wirkte Böhm auch in mehr als einem Dutzend Fernsehfilmen mit, darunter auch 1974 in Fassbinders zunächst für das Fernsehen realisierten Verfilmung "Martha"1)
1983 erhielt Böhm das "Filmband in Gold"1) für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film".
 
Foto mit freundlicher Genehmigung von Einhorn-Film
© Einhorn-Film/Weltlichtspiele Kino GmbH
Anfang/Mitte der 1980er Jahre beendete Böhm seine Karriere als Filmschauspieler, nach seiner Rolle des Bernie Artenberg in der 2. Staffel der ORF-Serie bzw. Familiensaga "Ringstraßenpalais"1) (1983) zeigte er sich lediglich 1996 noch einmal in einer Episode des Quotenrenners "Der Bergdoktor"1) (Folge: Tropenfieber) auf dem Bildschirm. Auch wenn Böhm sich nie mehr als Darsteller auf der Leinwand präsentierte, konnte man in jüngerer Zeit zumindest seine Stimme in dem mit dem "Trickfilm-Oscar" ausgezeichneten computeranimierten 3D-Spielfilms "Oben"1) (2009, Up) hören, er lieh dem verrückten Wissenschafter Charles Muntz seine Stimme, im Original gesprochen von Christopher Plummer → Übersicht Filmografie.

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.  
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Karlheinz Böhm 1981; Copyright Virginia Shue
Karlheinz Böhm um 1975 zu Hause mit Ehefrau Barbara Lass und Hund; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber/Autor: Alfred Cermak: Copyright ÖNB/Wien / Alfred Cermak; Datierung: um 1975; Bildarchiv Austria (Inventarnummer CE 118/13) Böhm hatte in erster Ehe 1954 die Stewardess Elisabeth Zonewa geheiratet, trotz der 1955 geborenen Tochter "Sissy" Beatrix Draga Marie Therese (Mutter von Schauspieler Florian Böhm) wurde die Ehe 1957 geschieden. Anschließend gab er seiner Kollegin Gudula Blau1) das Ja-Wort, Tochter Kristina1) erblickte 1959 das Licht der Welt, ein Jahr später folgte Sohn Michael, Tochter Daniela wurde 1961 geboren. Katharina Böhm1) (geb. 1964), heute eine ebenfalls populäre und renommierte Schauspielerin, ist die Tochter aus Böhms dritten, 1963 geschlossenen Ehe mit der polnischen Filmschauspielerin Barbara Kwiatkowska-Lass1) (1940 – 1995). Die Ehe zerbrach 1980, danach war die junge Eva Hess eine Zeit lang Böhms Lebensgefährtin.
 
1976 wurde Böhm zum erstenmal mit der Armut in Afrika konfrontiert. Um einen Bronchialkatarrh auszukurieren, empfahlen ihm die Ärzte einen Aufenthalt in Kenia. Von einem einheimischen Hotel-Angestellten ließ er sich die Kehrseite der Luxusfassade zeigen. Armut und Elend der Menschen sollten ihn nie mehr loslassen. Sein größtes "Engagement" nahm er dann 1981 an, als er die Hilfsorganisation "Menschen für Menschen"1) zugunsten Hungernder in Afrika gründete. Ausschlaggebend war die ZDF-Sendung "Wetten, dass …?"1): Böhm wettete, dass nicht jeder dritte Zuschauer eine Mark, einen Franken oder sieben Schilling für Menschen in der Sahelzone spenden würde. Wenn er die Wette verliere, gehe er selbst nach Afrika, um zu helfen.

Karlheinz Böhm um 1975 zu Hause mit Ehefrau Barbara Lass und Hund
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB)1)
Urheber/Autor: Alfred Cermak → Bildarchiv Austria
© ÖNB/Wien / Alfred Cermak; Datierung: um 1975
Bildarchiv Austria (Inventarnummer CE 118/13)

Mit umgerechnet über 870.000 Euro flog er nach dieser Sendung bzw. schicksalhaften Wette im Oktober 1981 erstmals nach Äthiopien1) und rief am 13. November 1981 "Menschen für Menschen" ins Leben. Warum gerade Äthiopien? Karlheinz Böhm antwortete auf diese Frage so: "Ich habe meine Hilfe auch dem Tschad und dem Sudan angeboten, doch Äthiopiens Botschafter in Bonn reagierte als erster." Anfang 1982 startete das Ansiedlungsprojekt für Flüchtlinge in Äthiopien.
Seitdem widmete sich Karlheinz Böhm dem Kampf gegen Hunger und Lethargie in äthiopischen Flüchtlingslagern. Mehrere Monate pro Jahr lebte er unter einfachsten Bedingungen in Äthiopien, die restliche Zeit war er in Europa unterwegs auf Vortragsreisen. Mit großem Einsatz widmete sich Böhm zusammen mit seiner vierten Frau, der Äthiopierin Almaz Teshome – er lernte sie 1987 im Erertal, wo sie als landwirtschaftliche Beraterin tätig war, kennen – ganz der Hilfe zur Selbsthilfe für die Ärmsten der Welt. Seit 1986 für die Organisation tätig, wurde Almaz Böhm1) im Jahre 1999 einstimmig zur stellvertretenden Vorsitzenden, 2008 zur geschäftsführenden Vorsitzenden und im November 2011 zur Vorstandsvorsitzenden der Stiftung gewählt. Im Dezember 2013 legte sie ihr Vorstandsmandat nieder, um sich um ihren schwerkranken Ehemann zu kümmern, wirkt jetzt als Schirmherrin der Stiftung. Das erste gemeinsame Kind von Almaz und Karlheinz Böhm, Nikolas, kam im Dezember 1990 in Addis Abeba zur Welt. Daraufhin folgte die Hochzeit am 16. November 1991 in Graz; die Tochter Aida wurde im Februar 1993 geboren. 
Böhm selbst sagte über sein Engagement: "Meine Motivation ist nicht falsch verstandenes Christentum, sondern Wut. Wut über das, was wir alle wissen, und dennoch nichts dagegen tun. Wir sollten nicht alles hinnehmen, sondern etwas ändern – als Menschen für Menschen."
Inzwischen ist das Spendenaufkommen auf mehr als 150 Mio. Euro gewachsen. "Hilfe zur Selbsthilfe" war bis zuletzt Böhms Lebensaufgabe geblieben, Äthiopien wurde ihm zur zweiten Heimat. Für dieses Engagement veröffentlichte er das Buch "Nagaya – ein Dorf in Äthiopien".
Im Mai 2001 konnte in Berlin das 20-jährige Bestehen der "Menschen für Menschen-Stiftung" gefeiert werden, fünf Monate später wurde Karlheinz Böhm für seine humanitären Leistungen mit dem "Bundesverdienstkreuz"1) (Großes Verdienstkreuz mit Stern) ausgezeichnet. Seit 2003 besaß er die äthiopische Ehren-Staatsbürgerschaft, die ihm als bisher einzigem Ausländer anlässlich der Einweihung des "Alem Katema Enat Krankenhauses" im Distrikt Merhabete vom damaligen äthiopischen Staatschef Meles Zenauwi1) verliehen wurde. Für sein einzigartiges Engagement als Gründer der Organisation "Menschen für Menschen" aber auch sein Wirken im deutschen Film erhielt Böhm am 13. Februar 2008 anlässlich der 58. Internationalen Filmfestspiele in Berlin die "Berlinale Kamera"1), die seit 1986 an Filmpersönlichkeiten oder Institutionen vergeben wird, denen sich die "Internationalen Filmfestspiele" besonders verbunden fühlen und denen sie mit dieser Ehrung ihren Dank ausdrücken möchten – Frank Elstner1) hielt die Laudatio. Wenige Wochen zuvor hatte Böhm Anfang Januar bei einem Festakt in München den internationalen "Hundertwasser-Preis"1) entgegen nehmen können. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis der "WasserStiftung" wird alle zwei Jahre vergeben und zeichnet Einzelpersonen, Initiativen oder Unternehmen aus, die sich für die nachhaltige Nutzung von Wasser oder für die Wasserversorgung in benachteiligten Gebieten einsetzen. Am 11. Juli 2008 kam eine weitere Ehrung hinzu, während eines Festaktes in München wurde Böhms außerordentliches Engagement mit dem "Bayerischen Verdienstorden"1) gewürdigt. An weitere Auszeichnungen sind die "Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold"1) (2008), der österreichische "Save the World Award"1) (2009) und der "UNESCO-Ehrenpreis"1) (2009) zu nennen → Übersicht der Auszeichnungen bei Wikipedia.

Foto: Karlheinz Böhm im Januar 2008 in München
anlässlich der Verleihung des internationalen "Hundertwasser-Preises" 2008.
Foto mit freundlicher Genehmigung von Michael Lucan (fotobox.lucan.org)

Karlheinz Böhm im Januar 2008 in München bei der Verleihung des internationalen Hundertwasser-Preises 2008.
Karlheinz Böhm am "green carpet" bei den "Save the World Awards" 2009 (Kernkraftwerk Zwentendorf, Niederösterreich); Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Manfred Werner – Tsui;  Lizenz CC-BY-SA 3.0. Am 16. März 2008 beging der prominente Entwicklungshelfer, den die Menschen in Äthiopien "Mister Karl" oder "Doktor Karl" nennen, seinen 80. Geburtstag. Die Medien würdigten das Engagement Böhms mit zahlreichen Artikeln und Dokumentationen, das ZDF zeigte den von Wolfgang Niedermair nach einer Idee von Kurt Mayer1) entstandenen 45-minütigen Film "Vom Kaiser Franz Joseph zum Mister Karl". Am 23. April 2008 präsentierte Markus Lanz1) ab 20.15 Uhr ebenfalls im ZDF die Spendengala rund um das Lebenswerk Böhms unter dem Titel "Alles Gute Karlheinz Böhm – Ein Leben für Afrika". Mitte März 2008 feierte der 90-minütige Film "Mister Karl. Karlheinz Böhm – Wut und Liebe" Kinopremiere, der das bewegte Leben eines Weltbürgers skizziert, der wie kaum ein anderer unermüdlich gegen die Armut in Afrika kämpfte. Der bekannte österreichische Dokumentarfilm-Regisseur Kurt Mayer lässt in diesem Film unter anderem auch erstmals Wegbegleiter und Lebensgefährten, darunter Böhms zweite Frau Gudula Blau und seine Töchter, zu Wort kommen → dok.at.
 
Foto: Karlheinz Böhm am "green carpet" bei den "Save the World Awards" 2009
(Kernkraftwerk Zwentendorf, Niederösterreich)
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons;
Urheber: Manfred Werner – Tsui
;  Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Lizenz zur Veröffentlichung siehe hier
Darüber hinaus erschien rechtzeitig zum 80. Geburtstag in Zusammenarbeit mit Beate Wedekind1) im Verlag Rolf Heyne die ausführliche Biografie "Mein Leben – Suchen Werden Finden". In der Autobiografie mit Bildern und Texten von Karlheinz Böhm legt er Zeugnis ab vom Aufwachsen in einer wohlhabenden Familie im Deutschland der Dreißigerjahre des vergangenen Jahrhunderts, über eine von Brüchen geprägte Schauspielerkarriere bis zu seiner aktiven Arbeit heute in Äthiopien, auch im 21. Jahrhundert einem der ärmsten Länder der Welt. Böhm erzählt sein Leben: voll Nachdenklichkeit und Amüsement, voll Liebe und Zorn. In feinen Anekdoten berichtet Karlheinz Böhm über die Dreharbeiten mit den schönsten Frauen der Welt, reflektiert seine Ehen, gedenkt des Vaters, der in seinen Armen starb und informiert über die Arbeit seiner Äthiopien-Stiftung Menschen für Menschen. (Quelle: menschenfuermenschen.de)  
Böhm selbst hatte zu seinem runden Geburtstag gemeinsam mit seiner Frau Almaz sowie seiner Stiftung "Menschen für Menschen" die Bildungskampagne "ABC–2015" in Äthiopien ins Leben gerufen, mit der Alphabetisierungsrate drastisch erhöht werden soll. Alle Kinder sollen eine Schulbildung erhalten – und auch Jugendliche und Erwachsene werden in die Bildungsoffensive eingebunden. Von den knapp 80 Millionen äthiopiern können rund 30 Millionen weder lesen noch schreiben. Die Hälfte aller Kinder war noch nie in einer Schule. Diese Mängel sind für Karlheinz Böhm der größte Hemmschuh für Wirtschaft und Gesellschaft, er weiß, dass Entwicklung ohne Bildung nicht möglich ist: "Die Stärkung des Bildungsbereiches ist deshalb die Schlüsselaufgabe unserer Arbeit."
(Quelle: menschenfuermenschen.de)
Seit 2011 zeigte sich Böhm gesundheitsbedingt nicht mehr in der Öffentlichkeit, schon Mitte Februar 2013 berichtete unter anderem DIE WELT, der einstige Schauspieler sei schwer an Alzheimer erkrankt. Karlheinz Böhm starb am 29. Mai 2014 im Alter von 86 Jahren in seinem Haus im österreichischen Grödig1) bei Salzburg. Österreichs damaliger Bundespräsident Heinz Fischer1) sagte unter anderem: "Mit Karlheinz Böhm verlieren Österreich, Europa und die Welt eine Persönlichkeit, die sich Jahrzehnte hindurch mit aller Kraft für den afrikanischen Kontinent und die Verbesserung der Lebensumstände seiner Menschen, insbesondere in Äthiopien, eingesetzt hat." 
Am 13.06.2014 fand in der Salzburger Residenz1) für den allseits hochgeschätzten Verstorbenen eine bewegende Trauerfeier statt, an der rund rund 400 Gäste teilnahmen. Neben der Familie, Freunden und Wegbegleitern erwiesen Vertreter der Hilfsorganisation "Menschen für Menschen" sowie Politiker aus Äthiopien und Deutschland – unter anderem die Altbundespräsidenten Horst Köhler1) und Christian Wulff1) – Karlheinz Böhm die letzte Ehre. Am Nachmittag wurde die Urne, um welche äthiopische Erde gestreut worden war, in aller Stille im engsten Kreis in einem Ehrengrab auf dem Salzburger Kommunalfriedhof1) beigesetzt → focus.de sowie Foto der Grabstätte bei knerger.de.
 

Karlheinz Böhm um 1970 vor dem "Theater in der Josefstadt"
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB)1)
Urheber/Autor: Alfred Cermak → Bildarchiv Austria
© ÖNB/Wien / Alfred Cermak; Datierung: um 1970
Bildarchiv Austria (Inventarnummer CE 118/6)

Karlheinz Böhm um 1970 vor dem "Theater in der Josefstadt"; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber/Autor: Alfred Cermak; Copyright ÖNB/Wien / Alfred Cermak; Datierung: um 1970; Bildarchiv Austria (Inventarnummer CE 118/6)
Anlässlich des 90. Geburtstages ihre Mannes brachte Almaz Böhm am 14. März 2018 das Buch mit dem Titel "Karlheinz Böhm" auf den Markt, in dem über 80 Freunde und Wegbegleiter aus Äthiopien, Deutschland und Österreich Geschichten rund um den unvergessenen Karlheinz Böhm erzählen, auch Fotos und Dokumente werden präsentiert. Kurz zuvor war am 16. Februar 2018 von Günter Krenn die Biografie "Die Welt ist Bühne: Karlheinz Böhm" erschienen, mit dem der Autor ein facettenreiches Künstlerporträt zeichnet. Im Klappentext steht ein Zitat von Karlheinz Böhm: "Theaterspielen ist Einatmen. Aufnehmen der Schwingungen zwischen Bühne und Publikum – Film ist Ausatmen. Abgeben dessen, was in einem steckt. Ohne Bühne aber könnte ich nicht vor der Kamera stehen."
Textbausteine des Kurzportraits von prisma.de
Siehe auch Wikipedia, deutsches-filmhaus.de, filmportal.de
filmreporter.de, tls.theaterwissenschaft.ch sowie
menschenfuermenschen.de
Fremde  Links: 1) Wikipedia, 2) filmportal.de, 3) prisma.de, 4) tls.theaterwissenschaft.ch
5) Quelle: tls.theaterwissenschaft.ch sowie die Biografie "Die Welt ist Bühne" von Günter Krenn
Lizenz Foto Karlheinz Böhm (Urheber: Manfred Werner – Tsui): Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Unported lizenziert. Es ist erlaubt, die Datei unter den Bedingungen der GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation, zu kopieren, zu verbreiten und/oder zu modifizieren; es gibt keine unveränderlichen Abschnitte, keinen vorderen und keinen hinteren Umschlagtext. Der vollständige Lizenztext ist im Kapitel GNU-Lizenz für freie Dokumentation verfügbar.
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de,  prisma.de, fernsehserien.de,
Die Krimihomepage, deutsches-filmhaus.de)
Kinofilme

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