Dieter Borsche und Lotte Berger (1907 – 1990) in Goethes Lustspiel "Die Mitschuldigen"; Urheber: Helmuth Ellgaard (1913 – 1980), aufgenommen 1937 bei Proben am Theater; Quelle: Familien-Archiv Ellgaard bzw. Wikipedia; Genehmigung durch den Nutzungsrechteinhaber bzw. Sohn Holger Ellgaard (CC-by-sa 2.0/de) Dieter Borsche wurde am 25. Oktober 1909 als Dieter Albert Eugen Rollomann Borsche in Hannover geboren; sein Vater Willi Felix Borsche war Musiklehrer und Kammermusiker der Städtischen Oper, seine Mutter Anna Friederike Berta Oratoriensängerin.
Nach dem Gymnasium, das er bis zur Oberprima besuchte, nahm Dieter Borsche Tanzunterricht bei der Hannoveraner Ballettmeisterin und Choreographin Yvonne Georgi1) (1903 – 1975) sowie bei dem legendären Harald Kreutzberg1) (1902 – 1968). Anschließend erhielt er 1930 ein Engagement an der Städtischen Oper in Hannover, dessen Ballettensemble er bis 1935 angehörte. Parallel dazu nahm Borsche Unterricht an der Schauspielschule Blech, erhielt nach Abschluss der Studien in Weimar ein erstes Theater-Engagement als jugendlicher Liebhaber. Nach einem kurzen Intermezzo in Kiel wurde 1939 Danzig eine weitere Theaterstation, drei Jahre später wechselte Borsche an die "Städtischen Bühnen" in Breslau, wo er bis zur Schließung des Theaters im Herbst 1944 auftrat. Gegen Kriegsende wurde Borsche noch zum Wehrdienst eingezogen, in der Eifel verwundet und gefangen genommen. Nach seiner Entlassung lag er noch längere Zeit in einem Tübinger Lazarett, fand seine Familie im Bayerischen Wald wieder und betätigte sich dort eine Zeit lang als Schreiner und Spielzeighersteller mit eigener Werkstatt.
 
Foto: Dieter Borsche und Lotte Berger1) (1907 – 1990) in Goethes Lustspiel "Die Mitschuldigen"1)
Urheber: Helmuth Ellgaard1) (1913 – 1980), aufgenommen 1937 bei Proben am Theater
Quelle: Familien-Archiv Ellgaard bzw. Wikipedia
Genehmigung durch den Nutzungsrechte-Inhaber bzw. Sohn Holger Ellgaard1) (CC-by-sa 2.0/de)
Ende 1946 traf Borsche in München den Charaktermimen Bernhard Minetti2) (1905 – 1998), der ihn wieder zurück nach Kiel an das Theater holte. Dort stand Borsche ab 1947 wieder erfolgreich auf der Bühne, gleichzeitig war er bis 1949 als Oberspielleiter des Schauspiels tätig. Etwa zu dieser Zeit fand Borsche mit der Rolle des Kaplans in Harald Brauns Melodram "Nachtwache"1) (1949) auch wieder zum Film zurück.
Sein Leinwanddebüt hatte der Schauspieler bereits 1935 im dem Weiß-Ferdl-Film "Alles wegen dem Hund" gegeben, 1937 folgte das Melodram "Wie einst im Mai"3) und ein Jahr später Paul Martins Historienstreifen "Preußische Liebesgeschichte"1), der jedoch von Goebbels wegen dessen Affäre mit der Filmschauspielerin Lída Baarová2) vor der Premiere verboten wurde; erst Mitte April 1950 gelangte die Geschichte unter dem Titel "Liebeslegende"3) in die Kinos.
Als Borsche 1935 seine Filmkarriere startete, hatte man in ihm zunächst als jugendlichen Liebhaber besetzt, doch er besaß zu wenig Ausstrahlungskraft, um sich in diesem Rollenfach entscheidend durchzusetzen. Erst 1949 kamen die eigentlichen Qualitäten von Borsche zum Durchbruch. Nach seiner Rolle als Geistlicher in "Nachtwache" (1949) – hier spielte er einfühlsam den Ex-Flieger und katholischen Kaplan von Imhoff, der seinem protestantischen Amtsbruder aus einer Lebens- und Glaubenskrise hilft – avancierte Borsche rasch zum populärsten Filmschauspieler im Nachkriegsdeutschland. Borsche wurde "zu einer Identifikationsfigur, die vor Augen führt, was der Kulturjournalist Walther Schmieding1) (1928 – 1980) die "Rückführung der durch den Krieg glaubens- und heillos gewordenen Menschen zu den Quellen des Christentums" genannt hat. Der religiöse Film der Nachkriegsgeschichte, der richtiger als klerikaler Film zu bezeichnen wäre, nimmt mit der 'Nachtwache' seinen Ausgang." – so 1985 der Filmhistoriker Klaus Kreimeier1).

Dass Borsche auch weniger schwergewichtige Rollen glaubhaft zu interpretieren verstand, bewies er in der Thomas-Mann-Verfilmung "Königliche Hoheit"1) (1953). Seine Darstellung als Prinz Klaus Heinrich ist mit verhaltenem, um Liebe und humanistisches Verständnis werbenden Einfühlungsvermögen gezeichnet. Zusammen mit Ruth Leuwerik2) bildete der eckig smart-coole Borsche das Traumpaar des deutschen Nachkriegsfilms; in heiteren Familienfilmen wie "Vater braucht eine Frau"1) (1952) oder ironischen Gesellschaftskomödien wie "Muss man sich gleich scheiden lassen?" (1953) war er mit seiner geradlinigen Männlichkeit und diskretem Charme die perfekte Ergänzung zu Leuweriks gepflegtem Darstellungsstil. Beide gaben in den 1950ern ein ebenso ehrenhaftes wie tröstliches Bild deutscher Familienidylle, die durch kein Ärgernis zu zerstören war. Doch auch für andere weibliche Stars jener Zeit war Borsche der perfekte Partner in verschiedensten Melodramen: So erlebte man ihn beispielsweise 1950 als schmucken Korporal Friedrich Mombour in Rudolf Jugerts "Es kommt ein Tag"1) und ein Jahr später im makellosen Arztkittel als "Dr. Holl"1) an der Seite von Maria Schell. Mit Gisela Uhlen zeigte er sich in Harald Brauns unkonventionellem Drama "Der fallende Stern" (1950), als Komiker versuchte er sich in Kurt Hoffmanns Travestie-Schwank "Fanfaren der Liebe"1) (1951, einem Vorläufer von "Some Like It Hot") und Hans Grimms "Fanfaren der Ehe"1) (1953). Doch Borsche bleibt eher mit seinen "edlen" Figuren in Erinnerung, so als Fried von Barring und Partner Nadja Tillers in Rolf Thieles Familienepos "Die Barrings" (1955) oder als König Friedrich Wilhelm in Wolfgang Liebeneiners "Königin Luise" (1957) – erneut als Partner von Ruth Leuwerik. In einigen internationalen Produktionen bewies Borsche, dass er durchaus dem Klischee entrinnen konnte, so als Bandenchef Abdel in Jacques Beckers Komödie "Ali Baba et les quarante voleurs" (1954, Ali Baba) mit Fernandel in der Titelrolle. Jean Dréville besetzte ihn neben Heinz Rühmann in der Krimikomödie "Escale à Orly"1) (1955, Zwischenlandung in Paris), Douglas Sirk in dem Kriegsdrama "A Time to Love and a Time to Die"1) (1958), dass nach dem Roman von Erich Maria Remarque entstanden war.
  
Spätestens mit seinen Rollen der 1960er Jahre verabschiedete sich Borsche von seinem bisherigen Leinwand-Image und bevorzugte nun meist zwielichtige Charaktere. So tauchte er in einigen Wallace-Krimis auf, mimte den geheimnisvollen Heimleiter Paul Dearborn in dem Wallace-Krimi "Die Toten Augen von London"1) (1961), den undurchsichtigen Lord Harry Chelford in "Der Schwarze Abt"1) (1963) und den Dr. Mac Ferguson in "Der Henker von London"1) (1963). In "Das Phantom von Soho"1) (1964) ging er als Chefinspektor Hugh Patton selbst auf Mörderjagd, um dann in die Welt von Karl May einzutauchen: In "Der Schut"1) (1964), "Durchs wilde Kurdistan"1) (1965) und "Im Reiche des silbernen Löwen" (1965) verkörperte er den Sir David Lindsay. Weitere Filme der 1960er waren unter anderem Falk Harnacks eher mäßiges Melodram "Ein Frauenarzt klagt an" (1964), Paul Martins Abenteuer "Die Goldsucher von Arkansas"1) (1964), Rolf Olsens Krimi "Der Arzt von St. Pauli"1) (1968, mit Curd Jürgens) und Christian-Jaque's Historienabenteuer "Lady Hamilton – Zwischen Schmach und Liebe"1) (1968), wo er als Dr. Graham in Erscheinung trat.

Seit den 1960ern übernahm Dieter Borsche vermehrt Aufgaben für das Fernsehen; so überraschte er auch hier mit der "Schurkenrolle" des Malers John Hopedean in dem legendären sechsteiligen Durbridge-Straßenfeger "Das Halstuch"2) (1962). Doch überwiegend waren es Charakterrollen, die Borsche auf dem Bildschirm verkörperte. In "Die Kleinen Füchse" (1962), nach dem Bühnenstück "The Children's Hour" von Lillian Hellman, mimte er unter der Regie von Peter Beauvais den herzkranken Horace Giddens, der von seiner korrupten Ehefrau Regina (Gisela Uhlen) in den Tod befördert wird, als er nicht bereit ist, deren windige Bankgeschäfte zu unterstützen. Eine schöne Rolle war auch die des Intendanten in der TV-Fassung von Heinrich Bölls Satire "Dr. Murkes gesammeltes Schweigen" (1964), zu der Dieter Hildebrandt das Drehbuch geschrieben hatte. In den 1970ern stand Borsche wiederholt für die beliebte Krimi-Serien "Der Kommissar" vor der Kamera, spielte beispielsweise den Chef von Scotland Yard in dem Zweiteiler "Hoopers letzte Jagd"2) (1972, mit Max Mairich) oder war der Erzähler in dem Mehrteiler "Die Powenzbande"2) (1973). Zu seinen letzten Arbeiten für das Fernsehen zählen die Serie "Algebra um acht" (1973), der Sechsteiler "Der Strick um den Hals"4) (1976), nach dem gleichnamigen Roman von Emile Gaboriau, und die Serie "Goldene Zeiten – Bittere Zeiten"5) (1981) mit der Figur des Generals Walter Bielstock.

Ebenfalls seit den 1960er Jahren konzentrierte sich Dieter Borsche auf seine Arbeit am Theater um der Gefahr der Standardisierung zu entgehen. So erlebte man ihn 1963 an der Berliner "Freien Volksbühne" in einer Inszenierung von Erwin Piscator eindrucksvoll als "Papst Pius XII." in Rolf Hochhuths Schauspiel "Der Stellvertreter", ein Jahr später glänzte er mit der Titelrolle in Heiner Kipphardts "In der Sache J. Robert Oppenheimer", 1965 wurde er in Peter Weiss' "Die Ermittlung" gefeiert.
Dieter Borsche; Copyright Werner Bethsold

Der von allen Kollegen wegen seiner Professionalität hochgeschätzte Star litt seit 1944 an Muskelschwund und konnte in seinen letzten Jahren oft auf der Bühne nur noch wenige Schritte gehen. Als Psychiater in Peter Shaffers "Equus", bei dessen Aufführungen Borsche schon wegen der fortschreitenden Krankheit an den Rollstuhl gefesselt war, feierte er an der "Freien Volksbühne" einen seiner letzten großen Theater-Erfolge.
Dennoch blieb Borsche aktiv, war zunehmend für den Hörfunk tätig oder arbeitete als Synchronsprecher.

Dieter Borsche starb am 5. August 1982 im Alter von 72 Jahren in einem Nürnberger Krankenhaus; seine letzte Ruhestätte fand er in einem anonymen Grab auf dem Hauptfriedhof Öjendorf in Hamburg. 
Borsche hinterließ seine dritte Ehefrau, die Schauspielerin Ursula Willick, die er 1970 geheiratet hatte. Aus seiner 1935 mit der Bühnenbildnerin Ursula Poser geschlossenen ersten Ehe stammen die Söhne: Kai (geb. 1938), Peter (geb. 1940) und Michael (geb. 1944); Sohn Kai Borsche1) hat sich inzwischen einen Namen als Kameramann und Regisseur gemacht. 1958 ließ sich das Paar scheiden, zwei Jahre später ehelichte Borsche die damals 25-jährige Berliner Zahnarzttochter Monika Drum; aus dieser 1970 geschiedenen Ehe stammt Sohn Christian.

Foto: © Werner Bethsold1)
Das Foto entstand Ende der 70er Jahre während einer Hörspielproduktion.

Dieter Borsche gehört zu den Schauspielern, die den deutschen Nachkriegsfilm maßgeblich geprägt haben. Mit seinem Primanergesicht konnte er noch im Alter von Vierzig Studenten, Erbprinzen und Nachwuchsärzte spielen. Er verkörperte, was in der Adenauer-Zeit gesucht wurde: das Edle, Anständige und eine klare Welt, die nach Persönlichkeit und geistiger Reife geordnet sein sollte. Trotz virtuoser Ausflüge ins Heitere wie in "Fanfaren der Liebe" (1951) blieben seine Paraderollen die des Seelenvollen mit tiefen Blicken und einem Siegelring am Finger, der in eine Liebesbeziehung wie in einen Gottesdienst eintritt; ebenso im steifen Hemd gespielte preußische "Exerzierstöcke", deren eckige Körpersprache im anrührenden Gegensatz  zum warmen Stimmen-Timbre des Schauspielers standen.6)
  

An Auszeichnungen erhielt der Schauspieler 1951 und 1952 einen "Bambi" jeweils als "publikumsstärkster Filmstar des Jahres" sowie 1974 das "Filmband in Gold" für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film". 1979 überreichte man Borsche das "Bundesverdienstkreuz".  

Siehe auch Wikipediawww.cyranos.ch
Fotos bei film.virtual-history.com
Link:
1) Wikipedia, 2) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, 3) Murnau Stiftung, 
4) Die Krimihomepage, 5) www.fernsehserien.de
Quelle: 6) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 47
  
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
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