Hansjörg Felmy wurde am 31. Januar 1931 als Sohn des Fliegergenerals Hellmuth Felmy1) (1885 – 1965) und dessen Ehefrau Helene in Berlin geboren. Er wuchs in Braunschweig auf und besucht dort das Gymnasium "Hoffmann-von-Fallersleben-Schule" bis zur Untertertia, anschließend arbeitete er als Schlosser und Buchdrucker. Schon bald wuchs sein Interesse an der Schauspielerei, so dass er bei einer Wanderbühne sein Talent erprobte. Danach stand sein Entschluss fest und von 1947 bis 1949 nahm er Schauspielunterricht bei der am Staatstheater Braunschweig tätigen Hella Kaiser (1906 – 1996), gab nach der Ausbildung dort auch sein Bühnendebüt mit einer kleinen Rolle in Carl Zuckmayers "Des Teufels General" und erhielt ein erstes Engagement. Zur Spielzeit 1953/54 wechselte Felmy an das "Stadttheater Aachen" und von 1954 bis 1956 gehörte er unter der Intendanz von Herbert Maisch zum Ensemble der "Bühnen der Stadt Köln".
 
Felmys Filmkarriere begann nach zahlreichen Rundfunk- und Synchronarbeiten im Jahre 1956: Ursprünglich sollte er sein Leinwanddebüt als Fliegerass Hansjoachim Marseille in Alfred Weidemanns Kriegsfilm "Der Stern von Afrika"1) geben. Doch Felmy entschied sich in diesem Streifen für die Figur des Freundes Robert Franke, da sie besser zu ihm passe, wie er meinte. So fiel die Rolle an Joachim Hansen2) (1930 – 2007), der dadurch zum Star wurde.

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Hansjörg Felmy 01; Copyright Virginia Shue
Doch auch Felmy avancierte wenig später zum Publikumsliebling, 1957 gelang ihm in Frank Wisbars Anti-Kriegsfilm "Haie und kleine Fische"1) als Kadett Teichmann der Durchbruch zum vielbeschäftigten und populären Leinwanddarsteller. Seine Interpretation des unangepassten jungen Teichmann, der die Wandlung vom nonkonformistischen Seekadetten zum schlachtenerprobten, leidgeprüften Weltkriegsteilnehmer vollzieht, gilt als eine seiner herausragendsten Rollen.
Im selben Jahr drehte er zwei Filme mit Altstar Hans Albers "Das Herz von St. Pauli"3) und "Der Greifer"1), Albers jedoch wollte den "jungschen Spund" Felmy zunächst nicht akzeptieren: Eines Tages holte Felmy den großen Albers zu Dreharbeiten ab, Albers lud ihn ein, mit ihm zu frühstücken. Albers pflegte auf besondere Art zu frühstücken und leerte mit Felmy mehrere Flaschen Schnaps – Felmy hielt mit und durch und von dem Zeitpunkt an verband Albers und Felmy eine Freundschaft. Nach Wolfgang Staudtes Spoerl-Adaption "
Der Maulkorb"1) (1958) und seiner Rolle des jungen Malers Rabanus an der Seite des großen O.E. Hasse drehte Felmy unter der Regie von Kurt Hoffmann mit "Wir Wunderkinder"1) (1958) seinen wohl bekanntesten Film. In der nach dem Roman von Hugo Hartung treffend in Szene gesetzten Satire auf deutsche Verhaltenweisen während der Jahre 1913 bis 1955 agierte er neben Robert Graf und Johanna von Koczian, zeigte einmal mehr seine schauspielerische Vielseitigkeit.

Felmy gehörte in den späten 1950er Jahren zu den gefeierten deutschen Filmstars, stand 1959 auf der Beliebtheitsliste nach O.W. Fischer auf Platz zwei. Im Paul Mays Trygve Gulbranssen-Adaption  "…und ewig singen die Wälder"1) (1959) "stirbt" er zwar schon nach wenigen Minuten, doch der Film wurde ein absoluter Kassenschlager. Auch in dem Weidenmann-Heimatfilm "An heiligen Wassern"1) war er 1960 in seiner Hauptrolle als Bergbauernsohn Roman Blatter neben Cordula Trantow in manch dramatischer Szene zu sehen.
Während seiner Glanzzeit wurde Felmy der "Flegel mit Charme" genannt. Diesen Titel soll ihm 1960 ein Handgemenge mit Claus Holm2) (1918 – 1996) bei der Berlinale eingebracht haben. Es wird kolportiert, dass Felmy seinen Kollegen persönlich angegriffen und dessen Frau beleidigt beleidigt habe. Das war für Holm zuviel, er langte zu und Felmy zurück, doch das machte beide Schauspieler besonders bei weiblichen Fans nur noch beliebter.
Hatte Felmy bisher eher in leichten Unterhaltungsstreifen agiert, vollzog er mit Alfred Weidenmanns zweiteiligen Thomas Mann-Verfilmung "Buddenbrooks"1) (1959) die Wandlung zum ernsthaften Charakterdarsteller. Seine eindrucksvolle Verkörperung des introvertierter jungen Konsul Thomas, der an seinen beruflichen und familiären Aufgaben reift, überzeugte auch die Kritiker. Auch in Franz Peter Wirths Liebesfilm "Ein Tag, der nie zu Ende geht"1) (1959) bewies er mit der Rolle des deutschen Kapitänleutnant Robert Wissmann an der Seite von Ruth Leuwerik als junge irische Soldatenwitwe Maureen Backett durchaus schauspielerischen Tiefgang.
  

DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von www.e-m-s.de

DVD-Cover: An Heiligen Wassern; mit freundlicher Genehmigung von www.e-m-s.de
Hansjörg Felmy als Graf Bodo von Uebelohe-Zabernsee in der Dürrenmatt-Verfilmung "Die Ehe des Herrn Mississippi" (1961); Quelle: www.cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG, Zürich", mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG Bis Anfang der 1960er Jahre folgten neben den weiblichen Stars jener Jahre prägnante Hauptrollen, mit denen Felmy stets eine gute Figur abgab. So drehte er beispielsweise mit Nadja Tiller "Die Botschafterin" (1960), war mit O.E. Hasse und Johanna von Koczian in Kurt Hoffmanns Dürrenmatt-Adaption "Die Ehe des Herrn Mississippi"1) (1961) zu sehen oder stand für John Oldens und Wolfgang Staudtes Familienchronik "Die glückliche Jahre der Thorwalds"1) (1962) vor der Kamera.
Als es in den 1960er Jahren mit dem deutschen Kino bergab ging, drehte Felmy noch einige Edgar Wallace-Filme und wirkte 1966 in dem spannenden Hitchcock-Film "Der zerrissene Vorhang"1) ("Torn Curtain") neben Paul Newmann mit – es war einer seiner letzten Kinofilme. Lediglich 1971 war er noch als Inspektor Craig in dem Wallace-Krimi "Die Tote aus der Themse"1) sowie 1976 als LKW-Fahrer in Vojtech Jasnýs Literaturadaption "Fluchtversuch"4) auf der Leinwand präsent.
 
 
Hansjörg Felmy als Graf Bodo von Uebelohe-Zabernsee in der Dürrenmatt-Verfilmung
"Die Ehe des Herrn Mississippi" (1961)
Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich",
mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich)
 © Praesens-Film AG
Statt dessen konzentrierte sich Felmy nun auf seine Arbeit beim Fernsehen, 1966 dreht er unter der Regie von Franz Peter Wirth seinen ersten TV-Film, den Dreiteiler "Flucht ohne Ausweg", Wirth holte ihn auch für den sechsteiligen Spionagethriller "Alexander Zwo"2) (1972) vor die Fernsehkamera. Seine größte Popularität erreichte Felmy jedoch Mitte der 1970er Jahre mit der eher ruhigen, grüblerischen Figur des "Tatort"-Kommissars Heinz Haferkamp, mit dem er sich ein neues Publikum eroberte und zu einem der beliebtesten TV-Ermittler avancierte. Doch auch hier blieb Felmy konsequent, als sich in der Produktion Routine auszubreiten begann und die Qualität der Drehbücher nachließ, verabschiedete sich Felmy 1980 nach 20 Folgen, stand wieder vermehrt auf der Theaterbühne und übernahm nur noch selten Aufgaben in ambitionierten TV-Projekten. Seit den 1960er Jahren war Felmy auch im Synchronstudio zu Gast, beispielsweise lieh er Franco Nero, Jack Nicholson oder Roy Scheider seine Stimme.

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Hansjörg Felmy 03; Copyright Virginia Shue
Hansjörg Felmy gemeinsam mit Horst Michael Neutze und Wolfgang Völz; Copyright Virginia Shue Neben sporadischen Auftritten in beliebten Krimi-Reihen wie "Sonderdezernat K1", "Die Männer vom K3" und "Ein Fall für zwei" sah man ihn 1986 in den Serien "Unternehmen Köpenick" und "Die Wilsheimer", Anfang der 1990er Jahre als Sicherheitschef Charly Kapitzki in der Flughafen-Serie "Abenteuer Airport"1); großen Erfolg hatte auch sein Paul Hagedorn in der Familienserie "Hagedorns Tochter" (1994) mit Anja Kling.

Das Foto zeigt Hansjörg Felmy (Mitte) gemeinsam mit Horst Michael Neutze2) (links)
und Wolfgang Völz2) in der witzigen Krimi-Serie "Unternehmen Köpenick" (1985)  
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Link zur Serienbeschreibung: www.fernsehserien.de
Seit Mitte der 1990er Jahre zog sich Felmy vom Filmgeschäft zurück, nur noch selten trat er danach in Talk-Shows auf, machte sich ansonsten eher rar. Der beliebte Darsteller zehrte bis zum Schluss von seinen Erfolgen, wurde überall erkannt, blieb ein Sympathieträger, dessen Popularität sich auch an verschiedensten Preisen ablesen lässt: Zwei Mal erhielt er einen "Bambi"1) (1959, 1977) und ebenfalls zwei Mal die begehrte "Goldene Kamera"1) (1961, 1980) der Medienzeitschrift "Hörzu". Außerdem konnte er bereits 1961 einen "Otto in Silber"1) der Zeitschrift "Bravo" entgegen nehmen. Sein natürlicher Charme und die offene, forsche Jungenhaftigkeit in seinen frühen Filmen ging in verhaltener Gelassenheit auf, einer ruhigen Nachdenklichkeit, die Pathetik ausschließt. Seine aufmüpfigen Helden waren keine Traumtänzer, eher unsentimentale Gegenwartstypen, die nicht nur vertrauenserweckend sind, sondern auch so aussehen. Später kam er auf den abgeklärten Skeptiker heraus, einen anständig gebliebenen und distanzierten Helden, der nicht alles mit sich machen lässt und dem keiner etwas vormacht.5)
 
Hansjörg Felmy und Karin Baal; Copyright Virginia Shue Hansjörg Felmy und Hanns Joachim "Hajo" Friedrichs; Copyright Virginia Shue
Hansjörg Felmy und Karin Baal2) Hansjörg Felmy und "Mr. Tagesthemen"
Hanns Joachim "Hajo" Friedrichs1)
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2004 ging durch die Presse, dass es um die Gesundheit des beliebten Schauspielers nach einem Bruch des rechten Oberschenkels nicht gut bestellt und er stark abgemagert sei. Wegen einer schweren Osteoporose (Knochenschwund), an der er seit Mitte der 1990er Jahre litt, musste er sich schonen und durfte sich keinen großen Belastungen aussetzen. Zuletzt hatte die Krankheit Felmy mehr und mehr geschwächt. Seine letzten Lebensjahre verbrachte die Tatort-Legende in Niederbayern und in Nordfriesland.
Hansjörg Felmy, der seit den 1950er Jahren zu den bedeutendsten Schauspielern Deutschlands zählte, starb am 24. August 2007 mit 76 Jahren in seinem Heim im niederbayerischen Eching bei Landshut; seine letzte Ruhe fand er auf dem Münchener Waldfriedhof. In seinem ein Jahr zuvor aufgesetzten Testament hatte er verfügt, dass seine Urne ohne Gedenkstein unter einem Baum beigesetzt werden solle → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Schauspielerkollege Peter Fricke würdigte Felmy als "liebevollen Kollegen und gefühlvollen und liebevollen Freund. Er war kein abgehobener Star und auch Kollegen gegenüber sehr sozial eingestellt."
Felmy war in erster Ehe seit Dezember 1960 mit der Schauspielerin Elfriede Rückert1) verheiratet; nach der Scheidung heiratete er 1986 seine langjährige Lebensgefährtin und Kollegin Claudia Wedekind2). Claudia Wedekind-Felmy starb laut Information der Gemeindeverwaltung Eching (Einwohnermeldeamt) 72-jährig am 15. Januar 2015 im Klinikum Landshut.

Siehe auch Wikipedia, www.deutsches-filmhaus.de
sowie die Nachrufe bei www.faz.net, www.spiegel.de, www.welt.de
1) Link: Wikipedia, 2) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, 3) prisma.de, 4) deutsches-filmhaus.de
Quelle: 5) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 94

      
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, prisma.de, filmportal.de, Murnau Stiftung, Beschreibung innerhalb dieser HP, tatort-fundus.de,  www.fernsehserien.de)
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Hansjörg Felmy 04; Copyright Virginia Shue Hansjörg Felmy 05; Copyright Virginia Shue
Kinofilme Als "Tatort"-Ermittler Kommissar Heinz Haferkamp Sonstige Fernsehspiele und -serien (Auszug)

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