DVD-Cover "Füsilier Wipf" mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG Paul Hubschmid wurde am 20. Juli 1917 im solothurnischen Schönenwerd (Aarau, Schweiz) als Sohn eines Buchhalters geboren. Er wuchs dort auf und machte nach dem Abitur eine Schauspielausbildung am Reinhardt-Seminar in Wien. Ein erstes Engagement erhielt er am Volkstheater in Wien und danach am Theater in der Josefstadt. Später ging er nach Berlin, wo er am Deutschen Theater engagiert wurde; ab 1938 trat er dann auch im Film auf. Er debütierte in dem Film "Füsilier Wipf"1), in der Titelrolle des furchtsamen Rekruten Reinhold Wipf, der während seiner Militärzeit zum selbstbewussten Mann und patriotischen Bürger heranreift. Leopold Lindtbergs Soldatendrama, das sich im Klima der geistigen Landesverteidigung zum Überraschungserfolg entwickelte, machte den 21-jährigen Darsteller der Titelfigur über Nacht zum ersten Schweizer Kinostar.
Ab 1939 filmte er fast ausschließlich in Deutschland, hauptsächlich für die "Tobis"- und "Terra-Film"; letztere war das Sammelbecken junger Talente, die zu Stars aufgebaut werden sollten. Der groß gewachsene, fotogene Darsteller konnte zwar nicht als Typus des Schweizers eingesetzt werden, für den man keine Verwendung sah, doch wurde er zum "ausländischen" Helden und Liebhaber umfunktioniert.
Auch während des Krieges drehte Hubschmid im "Dritten Reich", was ihm seine Landsleute lange nicht verzeihen konnten und ihm nach 1945 einen zeitweiligen Boykott an Schweizer Bühnen einbrachte. Paul Hubschmid selbst bedauerte, dass er angesichts der "Scheußlichkeiten des NS-Regimes" nicht klarere Konsequenzen gezogen habe. Er hielt dies bis zuletzt für unentschuldbar, "erklärbar höchstens durch meine Jugend und eben meinen Schweizer Pass."

DVD-Cover "Füsilier Wipf" mit freundlicher Genehmigung
von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich)
© Praesens-Film AG → DVD-Veröffentlichung
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Als Patriot und Kossuth-Anhänger Imre von Hontos ging er 1939 in dem Anti-Habsburg-Film "Maria Ilona" stolzen Hauptes für Ungarns Freiheit in den Tod; seine zweite und zugleich erste große Rolle – ein damals ungewöhnlicher Vertrauensvorschuss für einen jungen Neuling – war dann die einer politischen Zielfigur, des gegen zeitsymptomatischen Defätismus nach dem Zusammenbruch der Habsburger Monarchie ankämpfenden österreichischen Ex-Kapellmeisters und Leutnants Rainer 1942 in dem Film "Der Fall Rainer" von Paul Verhoeven → filmportal.de.
Die äußerlichen Vorzüge von Hubschmid und seine Sprachbegabung ermöglichten ihm nach Kriegsende eine bemerkenswerte internationale Karriere. Zum jungen Charakterdarsteller fortgeschritten, spielte er 1948 einen Wiener Musiker und Kriegsheimkehrer in dem kriminalistischen Abenteuerstreifen "Arlberg-Expreß"1).
Im gleichen Jahr ging Hubschmid nach Hollywood, wo er einen Sieben-Jahresvertrag unter dem Künstlernamen "Paul Christian" einging, den er aber mangels interessanter Rollen nach vier Jahren wieder löste. Hollywood, das in Europa verstärkt nach billigen wie exotischen Schauplätzen Ausschau zu halten begann, setzte den Vertragsschauspieler unter anderem in der Spionage-Komödie "No time for flowers" (1952) ein, einem Streifen, der Ernst Lubitsch's "Ninotchka" nachempfunden war, oder in den Produktionen "Der schwarze Teufel von Bagdad" (1949) und "Der Dieb von Venedig"1) (1951); aber der Durchbruch zum Star gelang Hubschmid in den USA nicht.
Auf der deutschsprachigen Leinwand dagegen avancierte, er trotz so starker Konkurrenz wie O. W. Fischer und Dieter Borsche, als Partner von Marika Rökk, Sonja Ziemann und Liselotte Pulver mit seinem unverwechselbaren Akzent zum männlichen Topstar des deutschen Kinos der 1950er und 1960er Jahre. Er wurde unter anderem berühmt mit Filmen wie "Maske in Blau"1) (1953) mit Marika Rökk, "Musik bei Nacht"1) (1953) mit Gertrud Kückelmann, "Salzburger Geschichten"1) (1956) mit Marianne Koch, "Der Tiger von Eschnapur"1) von Fritz Lang bzw. dem Fortsetzungsfilm "Das indische Grabmal"1) (beide 1958/59) sowie der harmlos verspielten Dreieckskomödie "Die Zürcher Verlobung"1) (1957) mit Lieselotte Pulver und Bernhard Wicki in den Hauptrollen.

Paul Hubschmid als Praktikant Bölsterli in dem Film "Die Venus vom Tivoli" (1953)
Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG", Zürich,
mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); © Praesens-Film AG
 

Paul Hubschmid als Praktikant Bölsterli in dem Film "Die Venus vom Tivoli" (1953); Quelle: www.cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG, Zürich", mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG
DVD-Cover "Piaygirl" mit freundlicher Genehmigung der heute nicht mehr existierenden "e-m-s new media AG" Auch seine Figur des mittellosen Pariser Architekten in dem Film "Scampolo"1) (1958) mit Romy Schneider ist sicherlich vielen noch in Erinnerung. Einen blendenden Major von Tellheim gab er 1960 in Dietrich Haugks Lessing-Adaption "Heldinnen"1) und verzauberte nicht nur seine Minna von Barnhelm alias Marianne Koch, mit Maria Schell drehte er das Melodram "Ich bin auch nur eine Frau"1) (1962). Dass er nicht nur auf Romanzen oder Rührstücke abboniert war, zeigte Hubschmid in dem Abenteuer "Die Diamantenhölle am Mekong"1) (1964) sowie in dem Krimi "Die Rote Hand" (1960), vor allem aber als Bond-Verschnitt in "Der Mann mit den 1000 Masken" (1966), wo er sich als Sonderagent "Supersieben" zum Verwandlungskünstler entpuppte → prisma.de. Dem sich wandelnden Zeit- bzw. Kinogeschmack des Publikums trug der von Will Tremper in Szene gesetzte Streifen "Playgirl"1) (1966) Rechnung, wo Hubschmid an der Seite seiner späteren zweiten Frau Eva Renzi als Liebhaber auftauchte, die als flottes, lebenshungriges Fotomodell auf der Suche nach dem passenden Mann war.
Danach wurden Hubschmids Aktivitäten auf der Leinwand seltener, als Ende der 1950er Jahre das deutsche Unterhaltungskino zusammenbrach und der Neue Deutsche Film sich formierte, da war Hubschmid so was wie der Klassenfeind, der "Papas Kino" repräsentierte und jene Klientel bediente, die längst zum Pantoffelkino gewechselt war. 
 

DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung der heute nicht
mehr existierenden "e-m-s new media AG
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Wie so viele seiner Kollegen machte er konsequent in diesem Metier weiter, von Durbridge-Straßenfegern (1970, "Wie ein Blitz"2)) bis zu Serien-Seitensprüngen wie dem Quotenrenner "Forsthaus Falkenau". Anfang der 1970er Jahre moderierte der Schauspieler auch Schlager-Galas im Fernsehen. In Marco Serafinis TV-Vierteiler "Jolly Joker"1) stand er 1989 erstmals mit seiner Adoptivtochter Anouschka Renzi vor der Kamera – zugleich seine letzte Arbeit vor der Kamera. Ein Millionenpublikum unterhielt er in zahlreichen Fernsehrollen, etwa 12 Folgen lang als Baron von Bernried in der ZDF-Serie "Forsthaus Falkenau"1) oder als Lord Henry James Chesterfield in Rolf von Sydows Françoise Sagan-Adaption "Das ohnmächtige Pferd" (1975).
Bereits ab 1953 hatte der Star in Deutschland wieder auf der Bühne gestanden, darunter als Professor Higgins in der Bühneninszenierung von "My Fair Lady"; das Stück wurde ab 1961 am Berliner "Theater des Westens" insgesamt 2.000 Mal aufgeführt und geriet zum Theaterereignis. Noch 1982 brillierte Hubschmid als alternder Filmstar in Samuel Taylors Stück "Champagnerkomödie" in der "Komödie Düsseldorf". Seine endgültig letzten Bühnenauftritt hatte er 1995 als stummer Opa in "Holzers Peepshow" am Berliner "Schlosspark-Theater". Als er mit diesem Stück das letzte Mal auf die Bühne zurückkehrte, ging ein Seufzer durchs Publikum. Ein Seufzer der Enttäuschung, der Erschütterung. Im Berliner "Schloßparktheater" spielte Paul Hubschmid den alten Großvater, der am Bühnenrand im Rollstuhl sitzt. Die Rolle war absolut stumm und wurde, in zahlreichen anderen Inszenierungen denn auch konsequent durch eine Puppe ersetzt. Intendant Heribert Sasse aber wollte mit der Besetzung ein wenig Glanz ins Haus bringen – und hoffte auch auf das Interesse an der Familienbande; stand doch Hubschmids dritte Frau Irène Schiesser ebenfalls auf der Bühne. Dafür gab es herbe Kritik; von "Leichenschändung" war die Rede und davon, dass man den armen Mann, aber auch das Publikum davor schützen müsse. Hubschmid stellte sich jedoch vor Sasse und gab an, völlig fit zu sein. Der Mann im Rollstuhl sollte dennoch seine letzte Rolle sein.
  
Paul Hubschmid starb am 1. Januar 2002 im Alter von 84 Jahren nach einer langjährigen schweren Krankheit in Berlin an den Folgen einer Lungenembolie; seine Asche wurde laut knerger.de in der Provence (Frankreich) verstreut.
Der Schauspieler war ab 1985 in dritter Ehe mit Irène Schiesser verheiratet; zuletzt lebte der Künstler, der 1980 ein "Filmband in Gold" für sein langjähriges Wirken erhielt, zurückgezogen in seinem Haus in Berlin-Dahlem. "Ich habe mein Leben gelebt", bekannte er schon zu seinem 80. Geburtstag, "aber es ist ein Geheimnis geblieben. Ein Schauspieler ist kein Mensch, der sich die Kindheit in die Tasche gesteckt hat, und darüber ein Leben lang vor Glück weint."
Seine erste Ehefrau, die Schauspielerin Ursula von Teubern, die Hubschmid 1942 geheiratet hatte, war 1963 verstorben; aus der Ehe ging ein Sohn hervor, der in Hamburg lebende Journalist Peter Christian Hubschmid. Spätestens als der attraktive Hüne 1967 seine zweite Frau Eva Renzi1) (1944 – 2005) in Las Vegas heiratete, wurde Hubschmid auch ein Star der Klatschspalten. Er war damals 50, sie 22, und das Auf und Ab ihrer Ehe, die Eifersuchtsdramen und Versöhnungsrituale, beherrschten die Boulevardblätter bis zu ihrer Scheidung im Jahre 1980; Hubschmid ist der Stiefvater von Anouschka Renzi1), die ebenfalls eine erfolgreiche Schauspielerin ist, Eva Renzi erlag am 16. August 2005 ihrem Lungenkrebsleiden.
Paul Hubschmid mit Ute Willing in dem TV-Spiel "In bester Gesellschaft" (1986); Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR Paul Hubschmid, der hoch gewachsene Kavalier, galt für viele als "der schönste Mann des deutschen Films", jedenfalls der Nachkriegszeit. Und der Schweizer Gentleman und Bonvivant hat hat das wohl auch sehr genossen. Er war fast lebenslang festgelegt auf die Rolle des Frauenschwarms, spielte wohlhabende Männer, galante Liebhaber, Ärzte, Diplomaten und bediente damit oft das Klischee vom "Kavalier der alten Schule". Dennoch trugen am Ende seines Lebens seine Memoiren, die 1994 erschienen, den fragenden Titel: "Schöner Mann, was nun?"; stets war da der Stachel, der Verdacht geblieben, doch nur wegen seines Aussehens gelobt worden zu sein und weniger für sein schauspielerisches Können. Die künstlerische Bilanz, die Hubschmid in den letzten Jahren seines Lebens zog, war nicht ohne Bitterkeit über verschenkte Möglichkeiten und Chancen.
 
Foto: Paul Hubschmid mit Ute Willing1) in dem TV-Spiel
"In bester Gesellschaft" (1986)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR
Die Memoiren lassen schon im Titel sein ambivalentes Verhältnis zu jener Eigenschaft erkennen, die sein öffentliches Bild als Filmstar der fünfziger und sechziger Jahre prägte. Dass er mehr konnte, als den Liebhaber und Bonvivant vom Dienst zu geben, hat er nur selten zeigen können. Er habe sich zu oft unter Wert verkauft, meinte er auch in Interviews, und zu viele zu schlechte Filme gemacht, weil er bei manchmal fünf Filmen pro Jahr gelegentlich die Kontrolle verloren habe. Warum er so viele Filme gemacht hat, zwischen 120 und 130, sagte er nicht.
Mit seiner blendenden Erscheinung und dem Gardemaß von l,92 Meter verkörperte Hubschmid den idealen Liebhaber des deutschen Nachkriegskinos. In USA als ein deutscher Rock Hudson gehandelt, verharrte er auch in deutschen Filmen lange in den Posen des schönen, eitlen Mannes mit Blazer und Halstuch. Sein komödiantisches Talent bewahrte ihn jedoch vor der Schablone und bescherte ihm selbstironische Alters-Charaktere.3)
  
Nach seinem Tod veröffentlichte Hubschmids Witwe im Februar 2006 ihrerseits Erinnerungen und nannte das reich bebilderte Buch "Paul Hubschmid – Geliebter Mann, was nun?". Irène Hubschmid hält Rückschau, lässt das gemeinsame glückliche Zusammenleben Revue passieren, erinnert mit Anekdoten und Begegnungen an den Charakter ihres Mannes. Und Paul Hubschmid kommt selbst zu Wort – kurze Auszüge aus seinem Tagebuch leiten die einzelnen Kapitel ein.
Textbausteine des Kurzportraits aus
"Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 173)
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, tls.theaterwissenschaft.ch, filmportal.de sowie
die Nachrufe bei www.swissinfo.ch, www.berliner-zeitung.de
Fotos film.virtual-history.com  
Link: 1) Wikipedia, 2) Beschreibung innerhalb dieser HP
3) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 173
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de, Murnau Stiftung, prisma.de, cyranos.ch, Beschreibung innerhalb diese HP)
 
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