Johanna Matz um 1970; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber/Autor: Alfred Cermak; Datierung: um 1970; Copyright Alfred Cermak/ ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer CE 120/8) Johanna (Hannerl) Matz wurde am 5. Oktober 1932 als Tochter eines Ingenieurs in Wien geboren. Nach einer umfassenden Ballettausbildung bereits als Kind bei Toni Birkmeyer1) (1897 – 1973) und Grete Wiesenthal1) (1885 – 1970) besuchte sie in Wien mehrere Jahre die "Hochschule für Musik und darstellende Kunst"1) (1940–1948). Anschließend vertiefte sie bis 1950 ihre Studien am "Max Reinhardt Seminar"1) (1948–1950), erhielt dort unter anderem Unterricht von den Burgschauspielern Helene Thimig (1889 – 1974) und Alfred Neugebauer1) (1888 – 1957). Nach der Abschlussaufführung wurde sie an das berühmte "Burgtheater"1) verpflichtet, das mit Unterbrechung von zwei Jahren (1952 – 1954) als Ensemble-Mitglied bis 1993 Jahre ihre künstlerische Heimat bleiben sollte. Ihr Debüt hatte sie als jugendliche Protagonistin Frankie Addams in dem Stück "Frankie und die Hochzeit" gegeben, der Bühnenfassung des Romans "The Member of the Wedding" ("Das Mädchen Frankie") von Carson McCullers1).
Wenig später erhielt Johanna Matz ihre erste Filmrolle in dem melodramatischen Episodenfilm "Asphalt"1) (1951; auch "Die Minderjährigen") und mimte eine interessante, wenn auch untypische Rolle als Gestrauchelte: Das Mädchen Erika, das zum Opfer eines Lebemannes wird und das Leben einer Prostituierten führt. Erst Franz Antel1) erkannte die ihr eigene Aura von Spontaneität und Unverdorbenheit und setzte sie ebenfalls 1951 neben Paul Hörbiger und Maria Andergast in der Bühnenadaption "Der alte Sünder"1) ein: Hier mimte sie die jüngste Tochter eines leichtlebigen Modehausbesitzers (Hörbiger), die als süß-naives Engelchen über die Leinwand huscht, eine Rolle, die ihrem späteren Image gemäß besetzt schien.
  
  
Johanna Matz um 1970 
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber/Autor: Alfred Cermak → Bildarchiv Austria; Datierung: um 1970
© Alfred Cermak/ ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer CE 120/8)
Ernst Marischka1), der später Romy Schneider populär machen sollte, übertrug Matz dann eine ehemalige Magda Schneider-Rolle (→ Film 1932 bei Murnau Stiftung) in dem Wiener Verwechslungslustspiel "Zwei in einem Auto"1) (1951) und formte sie zum beseelten und zugleich schlagfertigen "Wiener Mädel" – jenem spezifischen Typus, der seit Paula Wesselys Wechsel ins Frauenfach nicht mehr im deutschsprachigen Film vertreten war. Unter der Regie von Arthur Maria Rabenalt1) unterstrich Matz dann 1952 als "Die Försterchristl"1) nach der gleichnamigen  Operette von Georg Jarno1) ihren Charme und Liebreiz, der dem erotischen Flair unschuldiger Jugendlichkeit entspringt und reifte damit zum Filmstar. Ein weiterer Film, das Melodram "Der große Zapfenstreich"1) (1952), sollte Johanna Matz einen neuen Publikumskreis erschließen, doch dieser Versuch schlug trotz durchaus positiver Kritiken fehl. Anfang 1953 ging Matz mit Hardy Krüger und Johannes Heesters nach Hollywood und drehte dort mit Otto Preminger1) den Streifen "Die Jungfrau auf dem Dach"1) (deutschsprachige Version von "The Moon Is Blue"1)). Obwohl der Leinwandstar in diesem Film beachtliches komödiantisches Talent bewies, favorisierte das Publikum jedoch weiterhin ihr bereits zum Klischee gewordenes Rollenbild der "Wienerin".
Es folgten Produktionen wie "Arlette erobert Paris"1) (1953), "Alles für Papa"1) (1953), "Mannequins für Rio"1) (1954), "Ingrid – Die Geschichte eines Fotomodells"1) (1955) und "Der Kongreß tanzt"1) (1955), ein Remake des legendären Films aus dem Jahre 19311). Mit dem Spielfilm "Mozart"1) (1955), der in Deutschland unter dem Verleihtitel "Reich mir die Hand, mein Leben" zur Aufführung gelangte, wurde eine Episode im letzten Lebensjahr des von Oskar Werner dargestellten Wolfgang Amadeus Mozart1) thematisiert. Hier spielte Johanna Matz die junge Sängerin Annie Gottlieb (real: Anna Gottlieb1)), erste Interpretin der Pamina, die Mozart schon seit längerem verehrt und sich während der Proben zu "Die Zauberflöte"1) in den Komponisten verliebt. Die Produktion, gedreht von Karl Hartl1) nach eigenem Drehbuch anlässlich des bevorstehenden 200. Geburtstages des Komponisten unter Mitwirkung der "Wiener Philharmoniker"1) sowie Solisten der "Wiener Staatsoper"1), lief 1956 als österreichischer Beitrag bei den "Internationalen Filmfestspielen von Cannes"1). Nach "Wen die Götter lieben"1) aus dem Jahre 1942 mit Hans Holt, war dies bereits der zweite Film von Karl Hartl, der sich mit Mozarts Leben befasste.

Foto: Aufnahmen zu den Dreharbeiten des Film "Alles für Papa" (Regie: Karl Hartl),
der in den Göttinger Filmateliers im Oktober bis Dezember 1953 entstand.
Hannerl Matz, die die Hauptrolle verkörperte, im Gespräch mit dem Regisseur Karl Hartl. 
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, B 145 Bild-F001053-0004;
Fotograf: W. Brodde / Lizenz CC-BY-SA 3.0 / Datierung: 13. Oktober 1953
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz
wurde am 11.10.2010 erteilt. Originalfoto und Beschreibung: 
Deutsches Bundesarchiv B 145 Bild-F001053-0004 bzw. Wikimedia Commons

Aufnahmen von der Dreharbeiten des Film "Alles für Papa" (Regie Karl Hartl), der in den Göttinger Filmateliers im Oktober bis Dezember 1953 entstand. Hannerl Matz, die die Hauptrolle verkörpert, im Gespräch mit dem Regisseur Karl Hartl. Quelle: Bilddatenbank Deutsches Bundesarchiv, B 145 Bild-F001053-0004; Fotograf: W. Brodde / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Den Ausbruch aus ihrem bisherigen Rollen-Klischee ermöglichte ihr erst Harald Braun1) mit dem Titelpart in "Regine"1) (1956), einem Film nach Motiven der gleichnamigen Novelle1) von Gottfried Keller1) mit Horst Buchholz und Erik Schumann als Partner – Johanna Matz bewältigte die dramaturgisch schwierige Wandlung eines Mädchens zur Frau mühelos. Und als sie 1958 mit "Das Dreimäderlhaus"1) neuerlich in das vertraute Wien-Milieu zurückkehrte, war der Bruch mit dem erfolgreichen Darstellungsstil unübersehbar.
Die Försterchristel des deutschen Films machte in den 50er Jahren mit ihrer treuherzig-luftigen Backfischerotik eine Blitzkarriere. In einer Zeit, da die Menschen hungrig waren nach "beseeltem Liebreiz", nach Frische, Natürlichkeit und mädchenhafter Sauberkeit verkörperte sie den Prototyp des "Wiener Hascherl". Dass sie nicht "die Matz" sondern "das Hannerl" war, spricht für ihre uneingeschränkte Volkstümlichkeit, weniger für die schauspielerische Lücke, die sie füllte.2)
Zu ihren weiteren Leinwandauftritten zählte die Rolle der Vivie in Ákos Ráthonyis Shaw-Adaption bzw. Skandalfilm "Frau Warrens Gewerbe"1) (1960), zwei Jahre später erlebte man sie als Maria Thorwald in dem Familienepos "Die Glücklichen Jahre der Thorwalds"1). Nach Franz Antels Heimatfilm "Ruf der Wälder"1) (1965, mit Hans Jürgen Bäumler) tauchte sie lediglich noch einmal in dem Rühmann-Streifen "Der Kapitän"1) (1971) sowie in der Eric Malpass-Verfilmung "Als Mutter streikte"1) (1975) im Kino auf → Übersicht Kino-Produktionen.
Mit Beginn der 1960er Jahre zog Johanna Matz sich zunehmend vom Filmgeschäft zurück und spielte hauptsächlich am Theater, wo sie sich als erfolgreiche Bühnenschauspielerin etablierte. Sie interpretierte große anspruchsvolle Rollen der Weltliteratur und war auch bei den "Salzburger Festspielen"1) präsent: In Rudolf Steinboecks1) Inszenierung der Shakespeare-Komödie "Die lustigen Weiber von Windsor"1) glänzte sie 1964 als Jungfer Anne Page an der Seite von Ewald Balser (Sir John Falstaff), mit Michael Heltau (Jaromir) spielte sie 1971 in dem Lustspiel "Der Unbestechliche"1) von Hugo von Hofmannsthal1) und verkörperte unter der Regie von Gustav Manker1) Jaromirs Frau Anna.
 
Darüber hinaus wirkte sie sporadisch in Österreich in niveauvollen Fernsehinszenierungen mit, oft waren es TV-Versionen klassischer Bühnenstücke. Nachhaltigen Eindruck hinterließ sie mit der Gestaltung der Marianne in "Geschichten aus dem Wienerwald"3) (1961), von Erich Neuberg1) in Szene gesetzt nach dem Theaterstück von Ödön von Horváth1) mit so legendären Mimen wie Helmut Qualtinger (Oskar), Walter Kohut1) (Alfred), Hans Moser (Zauberkönig), Jane Tilden (Valerie) oder Fritz Eckhardt (Minister). Sie erfreute die Zuschauer beispielsweise als Annie in Arthur Schnitzlers "Anatol"1) (1961), als Zofe Franziska in Lessings "Minna von Barnhelm"1) (1964) oder als Titelheldin in Goethes "Stella"1) (1967).
 

Johanna Matz Ende Juni 1962, aufgenommen vor dem
Wiener "Akademietheater"1) von Dr. Brigitte Pantis
© Brigitte Pantis

Johanna Matz Ende Juni 1962, aufgenommen vor dem Wiener "Akademietheater" von Dr. Brigitte Pantis; Copyright Brigitte Pantis
Aber auch in Operetten wie "Im weißen Rößl"1) (1967) von Ralph Benatzky wusste sie zu überzeugen, wo sie, wie bereits im Film aus dem Jahre 19521), die Wirtin zum "Weißen Rößl" Josepha Vogelhuber spielte – Peter Weck war als Zahlkellner Leopold Brandmeyer ihr Partner. In "Amouren"3) nach der Komödie von Noël Coward zeigte sie sich 1972 mit O. W. Fischer, nach längerer Pause wirkte sie 1991 in mehreren Folgen als Priorin in der ganz auf Thekla Carola Wied zugeschnittenen Serie " Wie gut, daß es Maria gibt"1) mit. Zuletzt sah man die Schauspielerin 2004 mit einem kleinen Part in der Episode "Verfehlungen" aus der Serie "Schlosshotel Orth"1) → Übersicht TV-Produktionen.
  
1967 wurde Johanna Matz als bis dahin jüngste Darstellerin zur "Kammerschauspielerin" ernannt, anlässlich der 200-Jahr-Feier des "Burgtheaters"1) würdigte man sie im April 1976 mit dem "Großen Ehrenkreuz für Verdienste um die Republik Österreich"1). Am 5. November 2002 erhielt sie aus der Hand des damaligen Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel1) das "Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse"1). Schüssel würdigte Johanna Matz als "Künstlerin, die Wahrheit vermittle und die Gabe habe, Freude zu geben". Kunst habe mit dem Leben zu tun und zeige die dahinter liegende Wahrheit, so Schüssel und erinnerte an die frühen Jahre der 2. Republik. "Was haben die Menschen als erstes wiederaufgebaut: Den Stephansdom, das Burgtheater und die Oper. Mit geringsten Mitteln wurde damals Kunst gemacht und dargestellt. Der Mensch selbst, der Schauspieler, der Autor, waren dabei der Mittelpunkt weniger die Inszenierung. Kunst war echter und wahrhafter", betonte der Bundeskanzler. Eben dies habe Johanna Matz durch ihr Schauspiel ihrem Publikum vermittelt, so Schüssel. Staatssekretär Morak1) bezeichnete Matz als "jemanden, der den Menschen in der Nachkriegszeit Hoffnung geben konnte". "Johanna Matz ist aus der österreichischen Kulturgeschichte nicht wegzudenken", betonte Morak. Die Ausgezeichnete betonte, dass es ihr ein "großes Anliegen sei, weiterhin für Österreich als Kulturträgerin der deutschen Sprache tätig zu sein". (Quelle: www.ots.at).
Johanna Matz Wenig später konnte die Schauspielerin das "Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien"1) entgegen nehmen. Die Verleihung durch Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny1) fand anlässlich ihrer Rückkehr auf die Bühne am 20. November 2002 im "Gloria-Theater"1) nach der Premiere des Lustspiels "Das Konzert"1) von Hermann Bahr1) statt, hier hatte sie die Rolle der Marie, Ehefrau des Pianisten Gustav Heink (Günther Frank1)) gestaltet. "Als grandiose Charakterdarstellerin und Mitglied des Burgtheaterensembles war Johanna Matz für Generationen von Schauspielerinnen ein Vorbild", so der Kulturstadtrat bei der Überreichung der Auszeichnung. Sie habe "mit allen wichtigen Schauspielern und Regisseuren zusammengearbeitet und dadurch das kulturelle Leben Wiens mitgestaltet und geprägt." Wir freuen uns sehr, dass Johanna Matz zum Theater zurückgekehrt ist und wir sie wieder in Wien auf der Bühne bewundern können." Das hochkarätige Premierenpublikum, unter anderem Altbundespräsident Kurt Waldheim1) nebst Gattin Elisabeth, bedankte sich mit "standing ovations". (Quelle: www.wien.gv.at)
  
Die inzwischen über 85-jährige Johanna Matz lebt heute zurückgezogen in Wien sowie in Unterach am Attersee1), stand jedoch gelegentlich immer wieder mal auf der Bühne und hielt Lesungen mit österreichischer Literatur ab, unter anderem gemeinsam mit Bruno Thost1).
Johanna Matz war in erster Ehe seit 1956 mit Schauspielerkollegen Karl Hackenberg (1932 – 2002) verheiratet, mit dem sie unter anderem für die Operetten-Adaption "Die Perle von Tokay" (1953) und die Komödie "Die unvollkommene Ehe"1) (1959) auch vor der Kamera stand; aus der Verbindung stammt Sohn Daniel. Eine zweite Ehe ging sie mit dem Kaufmann Harry von Wutzler ein.
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der  Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Textbausteine des Kurzportraits aus:
"Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzlmeier/Berndt Schulz1) (Ausgabe 2000, S. 238)
Siehe auch Wikipedia, geschichtewiki.wien.gv.at sowie
den Artikel zum 80. Geburtstag (2012) bei wien.orf.at 
Fotos bei film.virtual-history.com
Fremde Links: 1) Wikipedia, 3) Die Krimihomepage (Spezial)
Quelle: 2) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzlmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 238)
Einige Angaben stammen aus: "Johanna Matz als Schauspielerinnentypus" (2015)  von Jutta Hinterer, Diplomarbeit an der "Universität Wien" (Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät) → othes.univie.ac.at
     
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Filmografie bei Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, Die Krimihomepage (Spezial))
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