Johanna Matz Johanna (Hannerl) Matz wurde am 5. Oktober 1932 als Tochter eines Beamten in Wien geboren. Nach einer umfassenden Ballettausbildung bereits als Kind bei Toni Birkmeyer und Grete Wiesenthal1) (1885 – 1970) besuchte sie ab 1940 in Wien mehrere Jahre die "Hochschule für Musik und darstellende Kunst", wurde unter anderem von den Burgschauspielern Helene Thimig2) (1889 – 1974) und Alfred Neugebauer1) (1888 – 1957) unterrichtet. 1950 vertiefte sie ihre Studien am "Max-Reinhardt-Seminar"2), wurde nach der Abschlussaufführung im gleichen Jahr an das "Burgtheater" verpflichtet, das mit Unterbrechung von zwei Jahren (1952 – 1954) bis Anfang der 1990er Jahre ihre künstlerische Heimat bleiben sollte.
Wenig später erhielt Johanna Matz ihre erste Filmrolle in dem Melodram "Asphalt" (1951; auch "
Die Minderjährigen") und mimte eine interessante, wenn auch untypische Rolle als Gestrauchelte: Das Mädchen Erika, das zum Opfer eines Lebemannes wird und das Leben einer Prostituierten führt. Erst Franz Antel erkannte die ihr eigene Aura von Spontaneität und Unverdorbenheit und setzte sie ebenfalls 1951 neben Paul Hörbiger und Maria Andergast in der Bühnenadaption "Der alte Sünder"1) ein: Hier mimte sie die jüngste Tochter eines leichtlebigen Modehausbesitzers (Hörbiger), die als süß-naives Engelchen über die Leinwand huscht, eine Rolle, die ihrem späteren Image gemäß besetzt schien. Ernst Marischka, der später Romy Schneider populär machen sollte, übertrug Matz dann eine ehemalige Magda-Schneider-Rolle in dem Wiener Verwechslungslustspiel "Zwei in einem Auto"1) (1951) und formte sie zum beseelten und zugleich schlagfertigen "Wiener Mädel" – jenem spezifischen Typus, der seit Paula Wesselys Wechsel ins Frauenfach nicht mehr im deutschsprachigen Film vertreten war. 
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Unter der Regie von Arthur Maria Rabenalt unterstrich Matz dann 1952 als "Die Försterchristl"1) nach der gleichnamigen Operette von Georg Jarno ihren Charme und Liebreiz, der dem erotischen Flair unschuldiger Jugendlichkeit entspringt und reifte damit zum Filmstar. Ein weiterer 1952 gedrehter Film "Hannerl", der im Revuebereich angesiedelt war, sollte Johanna Matz einen neuen Publikumskreis erschließen, doch dieser Versuch schlug fehl. Anfang 1953 ging Matz mit Hardy Krüger und Johannes Heesters nach Hollywood und drehte dort mit Otto Preminger den Streifen "Die Jungfrau auf dem Dach"1) (The Moon Is Blue). Obwohl der Leinwandstar in diesem Film beachtliches komödiantisches Talent bewies, favorisierte das Publikum jedoch weiterhin ihr bereits zum Klischee gewordenes Rollenbild der "Wienerin".
Den Ausbruch aus dieser Schablone ermöglichte ihr 1956 erst Harald Braun mit "Regine", einem Film nach Motiven von Gottfried Keller mit Horst Buchholz und Erik Schumann als Partner – Johanna Matz bewältigte die dramaturgisch schwierige Wandlung eines Mädchens zur Frau mühelos. Und als sie 1958 mit "Das Dreimäderlhaus"1) neuerlich in das vertraute Wien-Milieu zurückkehrte, war der Bruch mit dem erfolgreichen Darstellungsstil unübersehbar.
Die Försterchristel des deutschen Films machte in den 50er Jahren mit ihrer treuherzig-luftigen Backfischerotik eine Blitzkarriere. In einer Zeit, da die Menschen hungrig waren nach "beseeltem Liebreiz", nach Frische, Natürlichkeit und mädchenhafter Sauberkeit verkörperte sie den Prototyp des "Wiener Hascherl". Dass sie nicht "die Matz" sondern "das Hannerl" war, spricht für ihre uneingeschränkte Volkstümlichkeit, weniger für die schauspielerische Lücke, die sie füllte.3)
 
Foto: Aufnahmen zu den Dreharbeiten des Film "Alles für Papa" (Regie: Karl Hartl),
der in den Göttinger Filmateliers im Oktober bis Dezember 1953 entstand.
Hannerl Matz, die die Hauptrolle verkörperte, im Gespräch mit dem Regisseur Karl Hartl1)
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, B 145 Bild-F001053-0004;
Fotograf: W. Brodde / Lizenz CC-BY-SA 3.0. / Datierung: 13. Oktober 1953
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz
wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung: 
Deutsches Bundesarchiv B 145 Bild-F001053-0004 bzw. Wikimedia Commons
Aufnahmen von der Dreharbeiten des Film "Alles für Papa" (Regie Karl Hartl), der in den Göttinger Filmateliers im Oktober bis Dezember 1953 entstand. Hannerl Matz, die die Hauptrolle verkörpert, im Gespräch mit dem Regisseur Karl Hartl. Quelle: Bilddatenbank Deutsches Bundesarchiv, B 145 Bild-F001053-0004; Fotograf: W. Brodde / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Zu ihren weiteren Leinwandauftritten zählt die Rolle der Vivie in Ákos Ráthonyis Shaw-Adaption bzw. Skandalfilm "Frau Warrens Gewerbe" (1960; → filmportal.de), zwei Jahre später erlebte man sie als Maria Thorwald in dem Familienepos "Die Glücklichen Jahre der Thorwalds"1). Nach Franz Antels Heimatfilm "Ruf der Wälder"1) (1965, mit Hans Jürgen Bäumler) tauchte sie lediglich noch einmal in dem Rühmann-Streifen "Der Kapitän"1) (1971) sowie in der Eric Malpass-Verfilmung "Als Mutter streikte"1) (1975) im Kino auf.
Zu Beginn der 1960er Jahre zog Johanna Matz sich zunehmend vom Filmgeschäft zurück und spielte hauptsächlich am Theater, wo sie sich als erfolgreiche Bühnenschauspielerin etablierte. Sie interpretierte große anspruchsvolle Rollen der Weltliteratur und wirkte darüber hinaus sporadisch in Österreich in niveauvollen Fernsehinszenierungen mit. Oft waren es TV-Versionen klassischer Bühnenstücke, wie beispielsweise Arthur Schnitzlers "Anatol" (1962), Lessings "Minna von Barnhelm" (1964) oder Goethes "Stella" (1967), aber auch Operetten wie "Im weißen Rößl" (1967) von Ralph Benatzky. Ihren vorerst letzten Fernsehauftritt hatte sie 1976 unter der Regie von Gerhard Klingenberg in der TV-Inszenierung von Schillers "Kabale und Liebe". Anfang der 1990er Jahre wirkte Johanna Matz noch einmal in der Serie "Wie gut, dass es Maria gibt" mit sowie 2004 in einer Episode von "Schloßhotel Orth".
 
1967 wurde Johanna Matz als bisher jüngste Darstellerin zur "Kammerschauspielerin" ernannt. Im November 2002 konnte die Schauspielerin das Österreichische "Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse" entgegen nehmen. Johanna Matz lebt heute zurückgezogen in Wien sowie in Unterach am Attersee, steht jedoch gelegentlich immer wieder mal auf der Bühne und hält Lesungen ab.
Johanna Matz war seit 1956 mit Schauspielerkollegen Karl Hackenberg (1932 – 2002) verheiratet, mit dem sie verschiedentlich auch vor der Kamera stand; aus der Verbindung stammt ein Kind.  
Textbausteine des Kurzportraits aus:
"Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 238)
siehe auch Wikipedia sowie den Artikel zum 80. Geburtstag (2012) bei wien.orf.at 
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Quelle: 3) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 238)
   
Kinofilme
Filmografie bei Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de, Murnau Stiftung)
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