Rudolf Platte (Rudolf Antonius Heinrich Platte) wurde am 12. Februar 1904 in Dortmund-Hörde als Sohn eines Kaufmanns geboren. Schon als Zwölfjähriger spielte er im Schultheater mit, noch vor dem Abitur nahm er gegen den Willen seiner Eltern Schauspielunterricht und ging zum Theater. Erste große Erfolge verzeichnete der junge Platte an der Düsseldorfer Freilichtbühne mit dem "Kaufmann von Venedig", danach kam er über Bad Harzburg, Hildesheim, Wuppertal, Hannover und Breslau nach Berlin.
Zunächst spielte er noch ernste Charakterrollen wie den "Gessler", Franz Moor" oder "Richard III.", bis er von Werner Finck entdeckt wurde. Dieser gründete mit Platte und Hans Deppe das berühmte Kabarett "Die Katakombe", 1941 übernahm Platte für vier Jahre dann die Direktion des "Theaters an der Behrenstraße". Auch nach Kriegsende spielte er weiter an Berliner Bühnen, zeitweise auch in Ost-Berlin, fungierte zwischen 1945 und 1947 als Intendant des "Theaters am Schiffbauerdamm".
 
Szenenfoto mit Rudolf Platte (2. von links) aus dem musikalischen Lustspiel
"Bezauberndes Fräulein" im Berliner "Theater am Schiffbauerdamm"
im Oktober 1945
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000024_004)
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Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983; Link Wikipedia)
Datierung: 1945.10 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
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Originalfoto und Beschreibung: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia
Szenenfoto mit Rudolf Platte (2. von links) aus dem musikalischen Lustspiel "Bezauberndes Fräulein" im Berliner "Theater am Schiffbauerdamm" im Oktober 1945;  Copyright: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000024_004); Urheber: Abraham Pisarek;  Datierung: 1945.10 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Rudolf Platte 1937 im "Kabarett der Komiker"; Urheber: Willy Pragher; Lizenz: CC BY 3.0; Quelle: Deutsche Digitale Bibliothek bzw. Wikimedia Commons Sein Leinwanddebüt gab Platte bereits 1930 in dem noch stummen Jugenddrama "Revolte im Erziehungshaus", im Verlaufe der nächsten Jahre folgten weitere kleinere Rollen. Seine erste Hauptrolle als ernster jugendlicher Liebhaber spielte er 1934 in Carl Boeses "Schützenkönig wird der Felix"1), gab den schüchternen Trikotagevertreter Felix Kaminski,, der sich in seinen viel selbstbewussteren weiblichen Kompagnon (Ursula Grabley) verliebt. Da Platte jedoch keinen sonderlichen Eindruck hinterließ, wurde er in der Folge zumeist in Zweitrollen eingesetzt und entwickelte sich, bereits mit Ansätzen zum Komiker, zur idealen "Kontrastfigur", beispielsweise 1937 als gewitzter Gastwirt Benozzo und Partner der temperamentvollen Ursula Herking in Georg Jacobis Filmversion von Karl Millöckers Operette "Gasparone" mit Johannes Heesters in der Hauptrolle. Als tollpatschiger, begriffsstutziger "Spielball des Glücks" in der Romanze "Sonntagskinder" (1941) oder als Eisclown Plusterback in der heiteren Geschichte "So ein Früchtchen" (1942) lieferte er kleine, aber abgerundete Beispiele seiner originellen und perfekten Charakterkomik. Seine nächste Hauptrolle bekam Platte erst wieder 1944 als Kriminalist Bruch, der sich in Hubert Marischkas Komödie "Der Meisterdetektiv"1) speziell durch Zerstreutheit auszeichnet.
 
 
Rudolf Platte 1937 im "Kabarett der Komiker"
1)
Urheber: Willy Pragher; Lizenz: CC BY 3.0; Rechteinhaber: Landesarchiv Baden-Württemberg
Quelle: Deutsche Digitale Bibliothek bzw. Wikimedia Commons
Im deutschen Nachkriegsfilm wurde Platte zunehmend mit größeren und tragenderen Rollen betraut, analog dazu nahm sein Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad beim Publikum zu. Seine Begabung als wandlungsfähiger Maskenträger bewies er beispielsweise 1952 in der Doppelrolle eines biederen Schneiders bzw. entwichenen Juwelendiebes in Erich Waschnecks Verwechslungskomödie "Drei Tage Angst" an der Seite von Camilla Spira. Während die ernste Charakterrolle des Vaters Tatinek, die Platte 1955 wirklichkeitsnah und mit Sentiment neben der Protagonistin Mila Kopp in Rolf Thieles "Mamitschka" interpretierte, eine Ausnahme blieb, festigten Rollen wie der von seinem Bruder unterdrückte Drogist Ferdinand Burger in der von Günther Lüders inszenierte Familienkomödie "Ihr 106. Geburtstag"2) (1958) seinen Ruf als "komisches Original" des deutschen Films. In Wolfgang Staudtes Spoerl-Adaption  "Der Maulkorb"2) mimte er beispielsweise 1958 einen Kriminalkommissar, in den beiden, von Alfred Weidemann nach Thomas Mann realisierten "Buddenbrooks"2)-Verfilmungen sah man ihn ein Jahr später als "Herr Wenzel". In rund 200 Kinoproduktionen, zu denen Schwänke wie "Pension Schöller"2) (1952) und "Der müde Theodor"2) (1957, mit Heinz Erhardt) aber auch Klamotten wie "Tante Wanda aus Uganda"2) (1957) zählten, war Platte auf der Leinwand präsent.

Rudolf Platte als Alfons Baggenstoss in der deutschen Besetzung von "Der 42. Himmel" (1962)
Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich",
mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); © Praesens-Film AG

Rudolf Platte als Alfons Baggenstoss in der deutschen Besetzung von "Der 42. Himmel" (1962); Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich", mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG
Rudolf Platte als Wilhelm Voigt in der TV-Fassung von Carl Zuckmayers "Der Hauptmann von Köpenick" (1960); Regie: Rainer Wolffhardt;  Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR Ab Anfang der 1960er Jahre wirkte er nur noch gelegentlich in Kinoproduktionen mit, beispielsweise 1970 als Kellner Pietsch in Wolfgang Staudtes Gaunerkomödie "Die Herren mit der weißen Weste"2), da ihm Bühne und Fernsehen dankbarere und wesentlichere Aufgaben offerierten und er dem Klamauk-Image seiner Leinwandrollen entfliehen wollte. Einer seiner letzten Kinofilme war Fassbinders "Die Sehnsucht der Veronika Voss"2) (1982), in dem er einen vom Holocaust traumatisierten, morphiumsüchtigen Juden darstellte.
 
Auf dem Bildschirm begeisterte Platte 1973 als Schmierendirektor Emanuel Striese in "Der Raub der Sabinerinnen" nach dem Schwank von Franz und Paul von Schönthan, an der Seite Brigitte Horneys glänzte er 1980 als Jason Bosley in der Kriminalkomödie "Teegebäck und Platzpatronen" und 1982 übernahm er die Hauptrolle des alten Rentners Benjamin in "Benjamin und Rita", der Geschichte um die 10-jährige Rita alias Angela Weiß, die aus einem Kinderheim "ausgebüxt" ist und mit der er sich anfreundet, obwohl das kleine Mädchen ihn anfangs übers Ohr zu hauen versucht.
So brillierte Platte beispielsweise schon 1960 mit der Rolle des Wilhelm Voigt in der TV-Fassung von Zuckmayers "Der Hauptmann von Köpenick", fast gleichzeitig startete er am Berliner "Hebbel-Theater" eine neue, ungewöhnlich erfolgreiche Karriere als Volksschauspieler.
  
  
Foto: Rudolf Platte als Wilhelm Voigt in der TV-Fassung von
Carl Zuckmayers "Der Hauptmann von Köpenick" (1960)
Regie: Rainer Wolffhardt2)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR
Es begann am 20. Januar 1960 mit dem Volksstück von Curth Flatow und Horst Pillau "Das Fenster zum Flur" als Partner einer charmanten "Übermutter" Inge Meysel, die ihren Ehemann zu zähmen weiß (→ www.felix-bloch-erben.de). 1962 sah man ihn als Schuster Fielitz in Gerhart Hauptmanns Tragikkomödie "Der Rote Hahn", 1964 folgte die triumphale Titelrolle in Pillaus "Der Kaiser vom Alexanderplatz" und 1966 verkörperte er eindrucksvoll den zwielichtigen Tischler Engstrand in Ibsens "Gespenster"2) – Stücke, die fast alle auch im Fernsehen gezeigt wurden. 1971 übernahm er die Titelrolle des Gustav Kühne in Curth Flatows Erfolgsstück "Das Geld liegt auf der Bank"2), der turbulenten Geschichte um den Panzerknacker "der kühne Gustav", der nach vierzig Jahren Abstinenz mit seinen inzwischen erwachsenen Söhnen wieder auf Bruchtour geht.
Letztmalig sahen die Fernsehzuschauer den schrullige Mimen "mit Herz und Schnauze" 1983 in der Krimi-Komödie "Ein Mord liegt auf der Hand" sowie 1984 in dem Drama "Wenn ich dich nicht hätte" an der Seite von Elisabeth Bergner auf dem Bildschirm.

Inge Meysel und Rudolf Platte in "Ihr schönster Tag"2) (1961), der Filmfassung des Volksstücks "Das Fenster zum Flur" (Regie: Paul Verhoeven)
Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film",
welche die Produktion Anfang August 2012 auf DVD herausbrachte.

Inge Meysel und Rudolf Platte in "Ihr schönster Tag" (1961), der Filmfassung des Volksstücks "Das Fenster zum Flur" (Regie: Paul Vehoeven); Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film")
Der vielbeschäftigte Charakterkomiker, dessen trockener Humor in erster Linie auf einer betont sachlichen und realitätsbezogenen Note im sprachlichen und mimischen Ausdruck basiert, war einer der zuverlässigsten Ensembledarsteller des deutschen Films. Der Ur-Berliner aus Westfalen erreichte besonders nach dem 2. Weltkrieg seine größte Popularität. An den Theaterbühnen galt er als "Langspiel-Platte", weil Stücke mit ihm zum Dauerbrenner wurden. Im Film hatte er es da schon schwerer, seine Nummern-Komik zu präsentieren. Anfangs hatten hier seine schrulligen Figuren mit Herz und Schnauze auch soziale Konturen; später, als der Vetter aus Dingsda, Flegel, tölpelhafter Meisterdetektiv oder Hausmeister in den Lümmel-Filmen, griff er vor allem sein schnodderiges Repertoire ab, das nicht mehr sozialtypisch, aber doch immer beredt-komisch war.

Die Auszeichnungen, die Platte während seiner erfolgreichen Karriere verliehen bekam, können sich sehen lassen: Für seine Leistung in "Der Kaiser vom Alexanderplatz" wurde er 1966 mit dem "Berliner Kunstpreis für darstellende Kunst"2) gewürdigt, anlässlich seines 65. Geburtstages konnte er 1969 das "Bundesverdienstkreuz 1. Klasse" entgegennehmen. Die "Ernst-Reuter-Plakette"2) in Silber (1974), das "Filmband in Gold"2) (1978) für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film, der "Ehrenring" der Stadt Dortmund (1980) und das "Silberne Blatt" der Dramatiker-Union (1984) sind weitere Ehrungen für den außergewöhnlichen Mimen. Seit 1974 war Platte zudem Ehrenmitglied der Berliner "Freien Volksbühne".
 
Der populäre Schauspieler Rudolf Platte starb am 18. Dezember 1984 mit 80 Jahren in Berlin – nur wenige Tage nach dem Tod seiner Frau Georgia Lind, die am 10. Dezember 1984 von ihm gegangen war. Die Medien feierten Platte in Nachrufen als "letzten wirklichen Volksschauspieler" und "Teil des Berliner Herzens". Der Vollblutmime war in erster Ehe mit Vally Hager verheiratet, 1942 ging er die Ehe mit der Theaterschauspielerin Georgia Lind2) (1905 – 1984) ein, ein Jahr später heiratete er seine Kollegin Marina Ried3) (1923 – 1989), von der er sich 1953 scheiden ließ; danach heiratete er erneut Georgia Lind.
Rudolf Platte vermachte sein auf mehr als zwei Millionen Mark geschätztes Vermögen den SOS-Kinderdörfern.
 
Rudolf Platte wurde auf dem Friedhof Wilmersdorf in Berlin neben seiner Frau beerdigt, seit November 2010 ist es ein Ehrengrab des Landes Berlin → Foto der Grabstelle bei knerger.de. Seit dem 10. November 2009 erinnert eine Gedenktafel2) in Hildesheim an ihn. Die von Leif Obornik gestaltete Tafel wurde an Plattes letztem Wohnsitz in der Neuen Straße enthüllt.4) Eine weitere Gedenktafel2) befindet sich an der ehemaligen Dortmund-Hörder Stiftsbrauerei. 
  Textbausteine des Kurzportraits aus
"Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 277/278)

Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Link: 1) Murnau-Stiftung, 2) Wikipedia, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP
4) Quelle: Wikipedia
   
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de, Murnau Stiftung, cyranos.ch)
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