Hannelore (Emilie Käte Grete) Schroth wurde am 10. Januar 1922 in Berlin geboren; sie war die Tochter des Schauspielers Heinrich Schroth1) (1871 – 1945) und der Schauspielerin Käthe Haack1) (1887 – 1986), ihr Halbbruder war der ebenfalls populäre Schauspieler und Regisseur Carl-Heinz Schroth1) (1902 – 1989). In der Schweiz aufgewachsen besuchte sie dort ein Pensionat, welches sie 16-jährig abrupt verließ und zu ihren Eltern nach Berlin zurückkehrte, um sich zur Schauspielerin ausbilden zu lassen.
Horst Caspar als Friedrich Schiller und Hannelore Schroth als Laura Rieger in "Friedrich Schiller-Der Triumph eines Genies", einem Historienfilm aus dem Jahre 1940; Foto: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung Schon als kleines Mädchen stand sie für den Kurzfilm "Dann schon lieber Lebertran" (1931) zusammen mit ihrer Mutter vor der Kamera, ihre eigentliche Filmkarriere begann jedoch 1938, als der Regisseur Roger von Norman sie für die Literaturverfilmung "Spiel im Sommerwind"2) vor die Kamera holte. Die erste Hauptrolle spielte sie ein Jahr später als Hotelmaniküre in "Kitty und die Weltkonferenz"3) (1939), auch mit der Figur der Laura Rieger in Herbert Maischs Biopic "Friedrich Schiller – Der Triumph eines Genies"3) (1940) fand sie als Partnerin von Horst Caspar viel Beschtung. Seither war sie in fast fünfzig Filmen zu sehen, temperamentvoll und impulsiv verkörperte sie den Typ der charmanten jungen Frau, die Lebensart mit Schalkhaftigkeit verbinden kann.
Diese für den deutschen Film der 1940er und 1950er Jahre seltene Mischung fand 1945 einen unter vielen Rollen ihren Höhepunkt in Helmut Käutners Drama "Unter den Brücken"3), wo sie als junge Frau zwischen zwei Männern (Carl Raddatz/Gustav Knuth) sinnliche Attraktivität mit mütterlichem Ausgleichen verband.4)
 
 
Foto: Horst Caspar1) als Friedrich Schiller und Hannelore Schroth als Laura Rieger
in "Friedrich Schiller – Der Triumph eines Genies"*)
einem Historienfilm aus dem Jahre 1940
 
Foto mit freundlicher Genehmigung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
*) Der Link führt zur Filmbeschreibung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Während des 2. Weltkrieges wirkte Hannelore Schroth auch am Theater, vornehmlich in Berlin, nach Kriegsende auch in Wien. Seit 1949 war sie freie Schauspielerin mit wechselnden Engagements unter anderem in München, Düsseldorf und Hamburg; außerdem trat sie Tourneen und bei diversen Festspielen auf, so beispielsweise nach 1945 zunächst in Wien am "Theater in der Josefstadt", außerdem drehte sie in Österreich die Filme "Das singende Haus" (1948; → www.film.at) und "Herr Lambert fühlt sich bedroht"(1949, auch "Das Haus im Nebel"). In Deutschland gastierte sie unter anderem an der "Kleinen Komödie" in München in John Priestleys Komödie "Seit Adam und Eva" (1949), Gründgens holte sie dann nach Düsseldorf, am Berliner "Schloßpark-Theater" glänzte sie beispielsweise 1953 in Anouilhs "Die Lerche"; das Hamburger Theaterpublikum beeindruckte sie unter anderem 1955 als "Madame La Morale" in Honneggers "Die Abenteuer des Königs Pausole", Lothar Müthel holte sie als Partnerin von Helene Thimig für die Rolle der Regine Engstrand in Ibsens "Gespenster" zu einem Gastspiel an das "Theater in der Josefstadt" nach Wien, wo sie auch in der europäischen Erstaufführung von William Inges "Bus-stop" brillierte.
Zu Hannelore Schroths weiteren herausragenden Bühnenrollen zählt beispielsweise die Spelunken-Jenny in Brechts "Dreigroschenoper" sowie die Titelpartie in Cole Porters Musical "Kiss me Kate". Als Blanche in Tennessee Williams "Endstation Sehnsucht" ging sie 1963 auf Tournee durch 99 Städte der Bundesrepublik, bei den Recklinghausener Festspielen sah man sie 1967 in einer Buckwitz-Inszenierung von Brechts "Mutter Courage" neben Lotte Lenya und 1969 erhielt sie den "Großen Hersfeld-Preis"3) für ihre beeindruckende Darstellung der Ciaire Zachanassian in Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame".

Auf der Leinwand agierte Hannelore Schroth nach dem Krieg meist in leichten Unterhaltungsstreifen: So erlebte man sie unter anderem 1950 mit der Titelrolle der Kitty Grille in Kurt Hoffmanns "Taxi-Kitty"5) oder als Leni Fink in "Die Wunderschöne Galathee"5). Ein Jahr später mimte sie die Titelrolle der Eva in "Unschuld in tausend Nöten" neben Wolf Albach-Retty oder war das unmögliche Mädchen "Fräulein Bimbi"5) an der Seite von Hans Holt. Mit Viktor de Kowa stand sie für "Der Fürst von Pappenheim"5) (1952) vor der Kamera. Filme anspruchsvolleren Genres sind jedoch auch zu vermerken, mit Hans Albers spielte sie in der Hauptmann-Adaption "Vor Sonnenuntergang"3) (1956) und stellte die Ottilie Klamroth dar, in dem Rühmann-Film bzw. der Zuckmayer-Verfilmung "Der Hauptmann von Köpenick"3) (1956) erlebte man sie als Mathilde Obermüller und Filmehefrau von Martin Held. Bis Ende der 1950er Jahre folgten Rollen in Produktionen wie "Geliebte Corinna"3) (1956), "Die Freundin meines Mannes"5) (1957), "Der Mann, der nicht nein sagen konnte"3) (1958) oder "Alle lieben Peter"3) (1959). In den 1960er und 70er Jahren war die Schauspielerin nur noch selten auf der Leinwand präsent, ihren letzten Filmauftritt hatte sie 1979 als Oma der jungen Protagonistin Kathi (Katharina Böhm) in dem anrührenden Familienfilm "Lucky Star"3); ein Jahr später wurde Hannelore Schroth für ihre "Verdienste um den deutschen Film" mit einem "Filmband in Gold"3) ausgezeichnet.

Seit Anfang der 1960er Jahre war Hannelore Schroth auch vermehrt auf dem Bildschirm präsent. Neben aufgezeichneten Theaterstücken und Auftritten in so beliebten Krimi-Reihen wie "Derrick" oder "Kriminalmuseum", zeigte sie sich unter anderem 1964 mit der Titelrolle in Thomas Engels "Meine Nichte Susanne" an der Seite von Karl Schönböck. Anfang der 1970er Jahre musste Hannelore Schroth wegen einer schweren nervlichen Erkrankung ihre Arbeit stark einschränken und erholte sich nur langsam. Sie stand zwar wieder auf der Bühne, aber erst in den 1980er Jahren verschaffte ihr der Drehbuchautor und Regisseur Richard Blank3) neuerliche berufliche Erfolge. Er gab ihr ihrem Alter entsprechende lohnende Rollen, wie beispielsweise in dem TV-Film "Erinnerung – Sicaron" (1982). Hier gestaltete sie als Lucy Lenz eine alternde Diva, die nicht begreifen will, dass ihre Karriere schon lange beendet ist, In "Da capo" (1987) mimte sie die gebrechlich gewordene Elisabeth zwischen zwei alt gewordenen arrivierten Professoren, letztmalig sah man die Schauspielerin 1988 unter der Regie von Richard Blank in der Komödie "Fridolins Heimkehr" an der Seite von Hans Clarin auf dem Bildschirm – die Erstausstrahlung erlebte sie nicht mehr.
Daneben war Hannelore Schroth umfangreich in der Synchronisation tätig. So lieh sie ihre Stimme Paulette Goddard ("Der große Diktator"), Gina Lollobrigida ("Die letzte Etappe"), Shirley MacLaine ("Das Mädchen Irma la Douce") oder Elizabeth Taylor ("Wer hat Angst vor Virginia Woolf?"). Ebenso versuchte sie sich als Sängerin an französischen Chansons und veröffentlichte einige LPs mit Lesungen von Ephraim Kishons Werken zusammen mit Friedrich Torberg.6)

Hannelore Schroth starb am 7. Juli 1987 im Alter von nur 65 Jahren in ihrer Münchner Wohnung an Herzversagen; die letzte Ruhe fand sie auf dem Berliner Friedhof Heerstraße (Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf) in der Grabstelle (Feld 16–J–27) ihrer Mutter Käthe Haack → Foto bei knerger.de.
DER SPIEGEL (29/1987) notierte anlässlich ihres Todes unter anderem: Die Berlinerin mit der rauhen Stimme, die der Schauspielerei zuliebe mit 16 Jahren aus einem Mädchenpensionat am Genfer See ausgerissen war, glänzte zwar über Jahrzehnte als Ibsen-, Shakespeare- und Brecht-Darstellerin unter Regisseuren wie Barlog und Gründgens und bewies auch in dem Käutner-Film "Unter den Brücken" (1945) ihr schauspielerisches Naturtalent. Andererseits turtelte sich der Sproß einer traditionsreichen Schauspielerfamilie in den 40er und 5Oer Jahren durch viele belanglose Filme wie "Kitty und die Weltkonferenz", "Sieben Jahre Glück", "Kleine Mädchen, große Sorgen".
Die Schauspielerin war in erster, kurzer Ehe seit 1944 mit dem Schauspieler Carl Raddatz1) (1912 – 2004) verheiratet gewesen. Zweiter Ehemann wurde der österreichische Tiefseeforscher und Tauchpionier Dr. Hans Hass3), mit dem sie bis 1950 verheiratet blieb; aus der Verbindung stammt der 1946 geborene Sohn Hans Hass jr.3), der sich ebenfalls einen Namen als Schauspieler gemacht hatte und auch zeitweilig auch als Schlagersänger auftrat; Hans Hass jr. wurde am 28. Juni 2009 tot im Keller seines Münchner Wohnhauses aufgefunden, es wird Freitod vermutet. 
Im Sommer 1953 heiratete Hannelore Schroth den Hamburger Rechtsanwalt und Filmproduzenten Peter Köster; aus dieser Ehe, die 1965 geschieden wurde, stammt Sohn Christoph. 

Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, filmportal.de sowie
das Interview bei "Deutsche Welle" aus dem Jahre 1970
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Murnau Stiftung, 3) Wikipedia, 5) filmportal.de
Quelle:
4) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 328)
6) Wikipedia (abgerufen 15.10.2011)
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, prisma.de, filmportal.de, tatort-fundus.de)
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