Erik Schumann als Hans Schott in dem Film Nacht fiel über Gotenhafen" (1959); Urheber: Helmuth Ellgaard (1913 – 1980); Quelle: Familien-Archiv Ellgaard bzw. Wikimedia Commons; Genehmigung durch den Nutzungsrechte-Inhaber bzw. Sohn Holger Ellgaard (CC-by-sa 3.0) Erik Schumann wurde am 15. Februar 1925 im sächsischen Grechwitz (Döben, Kreis Grimma) geboren. Da er zunächst Musiker werden wollte, besuchte er das Dresdner Konservatorium; dort erhielt er eine ausführliche Musikausbildung in Posaune und Klavier und war auch Absolvent der Dirigentenklasse; doch nebenher nahm er auch Schauspielunterricht und wechselte zur Bühne. Ein erstes Engagement ergab sich 1943 am "Staatstheater Dresden", dem er fünf Jahre lang verbunden blieb, dann wechselte Schumann für zwei Spielzeiten an das Berliner "Schlosspark-Theater". Weitere Stationen wurden die "Städtischen Bühnen" in Frankfurt a.M., das "Württembergische Staatstheater" in Stuttgart (1951 – 1964) sowie das "Bayerische Staatsschauspiel" in München (1964 – 1956); danach arbeitete Schumann als freier Schauspieler, gastierte unter anderem an der "Kleinen Komödie" in München und machte zahlreiche Tourneen, auch mit dem Wiener "Burgtheater".
 
 
Foto: Erik Schumann als Hans Schott in dem Film Nacht fiel über Gotenhafen"1) (1959)
Urheber: Helmuth Ellgaard1) (1913 – 1980); Quelle: Familien-Archiv Ellgaard bzw. Wikimedia Commons
Genehmigung durch den Nutzungsrechte-Inhaber bzw. Sohn Holger Ellgaard1) (CC-by-sa 3.0)
Schumann stand seit 1943 sowohl in Klassikern als auch zahllosen modernen Stücken auf der Bühne. Beispielsweise glänzte er als Ferdinand in Schillers "Kabale und Liebe" oder mit der Titelrolle in Schillers "Don Carlos", als Goethe-Interpret begeisterte er mit der Darstellung des Orest in "Iphigenie auf Tauris" und mit der Titelfigur in "Urfaust". Unter der Regie von Boleslaw Barlog gab er einen glänzenden Orsino in Shakespeares "Was ihr wollt", weitere prägnante Darstellungen hatte Schumann in Steinbecks "Von Mäusen und Menschen", Hauptmanns "Einsame Menschen", Shaws "Der Arzt am Scheideweg" oder in Raimunds "Die gefesselte Fantasie" – um nur einiges zu nennen.
  
Schwerpunkt von Schumanns Arbeit wurde seit Mitte der 1950er Jahre Film und Fernsehen sowie umfangreiche Hörfunkproduktionen und Synchronarbeiten beim Film. Erste Erfahrungen vor der Kamera hatte er bereits Anfang der 1940er Jahre in dem NS-Propagandastreifen "Himmelhunde"2) (1942) gemacht, trat dann aber während der Kriegsjahre nicht mehr vor die Kamera. Erst in der DEFA-Produktion "
Semmelweis – Retter der Mütter"1) (1950) machte er mit der kleinen Rolle eines Corps-Studenten wieder auf sich aufmerksam. Der Durchbruch zum Leinwandliebling gelang Schumann 1954 mit seinem ersten Film in der Bundesrepublik: In Erich Engels Melodram "Konsul Strotthoff" geriet er als spröder, begabter junger Musiker beim Werben um die Gunst einer reizenden Musikstudentin (Inge Egger) zum Gegenspieler von Altstar Willy Birgel, mit Birgel als charmantem Konkurrenten stand er auch für das Heimat-Melodram "Johannisnacht"1) (1956) vor der Kamera. Mit "Himmel ohne Sterne"1) (1955), einer Ost-West-Liebesgeschichte mit tragischem Ausgang, hatte Schumann unter der Regie von Helmut Käutner und mit Eva Kotthaus als Partnerin einen seiner wichtigsten Filme realisiert. Mit Liselotte Pulver drehte er das Melodram "Griff nach den Sternen"1) (1955) und mimte unter der Regie von Carl Heinz Schroth den weltberühmten Jongleur Turell, der fanatisch alles daran setzt, einen Sohn zu bekommen, der in seine Fußstapfen tritt, und schließlich nach einem schweren Unfall seinen hochtrabenden Phantasien erliegt. Weitere, eher heitere Streifen wie Rudolf Jugerts "Ein Stück vom Himmel"1) (1957, mit Toni Sailer und Ingrid Andree), Thomas Engels "Junger Mann, der alles kann"2) (1957) oder Hans Deppes "So angelt man keinen Mann" (1959) ließen den attraktiven Schumann zum Frauenliebling werden. Zweimal war er auch Partner von dem unvergessenen Heinz Erhardt, so in "Vater, Mutter und neun Kinder"1) (1957) und "Natürlich die Autofahrer"1) (1959), wo er ebenfalls den Typ "Liebhaber" mimte.
 
Dass Schumann jedoch mehr zu bieten hatte, als nur gut auszusehen, bewies er mit ernsthaften Rollen wie 1958 als Hauptmann von Arnim in Falk Harnacks Antikriegsfilm "Unruhige Nacht", mit Bernhard Wicki, Hansjörg Felmy und Ulla Jacobsson. Glänzend war auch sein junger Marine-Oberleutnant Hans Schott in Frank Wisbars "Nacht fiel über Gotenhafen"1) (1959, u.a. mit Sonja Ziemann, Gunnar Möller, Brigitte Horney), einem dramatischen Kriegsfilm über den Untergang des Kreuzfahrtschiffs "Wilhelm Gustloff"1), das am 30. Januar 1945 mit über 9.000 Flüchtlingen aus Ostpreußen an Bord nach einem Torpedoangriff in der Ostsee versank. Ebenfalls unter der Regie von Frank Wisbar agierte Schumann an der Seite von Helmut Griem und Horst Frank in "Fabrik der Offiziere"1) (1960) nach dem gleichnamigen Bestseller von Hans Hellmut Kirst und überzeugte als dekadenter Schwächling Hauptmann Ratshelm. In dem Drama "Durchbruch Lok 234"1) (1963), das Wisbar nach einer wahren Begebenheit gedreht hatte, beeindruckte er als Lokführer Harry Dölling, der mit einer waghalsigen Zugfahrt 26 Menschen aus der DDR zur Flucht in den Westen verhilft.
Ab Mitte der 1960er Jahren war Schumann noch in einigen Krimis und eher unbedeutenden Kinoproduktionen zu erleben, mit dem Niedergang des deutschen Unterhaltungskinos übernahm er vermehrt Aufgaben für das Fernsehen. Zu Beginn der 1980er Jahre wirkte Schumann noch mit prägnanten Nebenrollen in den Fassbinder-Filmen "Lili  Marleen"1) (1981) und "Die Sehnsucht der Veronika Voss"1) (1982) mit. Seinen letzten Leinwandauftritt hatte er 1992 in Eckhart Schmidts "Der Sandmann", einem Spielfilm nach der Erzählung von E. T. A. Hoffmann.
Als Herzensbrecher griff er nach den Sternen, in Liebesdingen war er immer zu Hause, aber seine Liebhaber besaßen oft einen Unterton von Schmerz und Vergeblichkeit wie in Himmel ohne Sterne. Seine Rollen waren immer seriös, er ließ sich selten in die Niederungen des Films der sechziger Jahre hinab. Und in den achtziger Jahren gelangen ihm in Filmen von Fassbinder noch einmal Figuren, die deutsche Zeitzeugenschaft verkörperten.3)

Auf dem Bildschirm absolvierte Schumann regelmäßige Gastauftritte in beliebten Krimiserien wie "Tatort", "Derrick", "Die Krimistunde", "Sonderdezernat K1", "Der Kommissar" "Soko 5113", "Ein Fall für Zwei" oder zuletzt "Solo für Sudmann" (1997). Spannende TV-Produktionen wie der Durbridge-Straßenfeger "Melissa"4) (1966), Claus Peter Witts Krimi "Hoopers letzte Jagd"4) (1972, mit Max Mairich) oder die zweiteilige italienisch-amerikanische Co-Produktion "Christopher Columbus"1) (1985) sind ebenfalls zu nennen.
Seit vielen Jahren war Schumann auch im Synchron-Studio zu Gast: Cary Grant (1938, "Leoparden küsst man nicht"), Tony Curtis (1959, "Manche mögen's heiß"), Montgomery Clift (1960, "Wilder Strom") oder auch Jack Nicholson (1985, "Die Ehre der Prizzis") sind beispielsweise mit seiner Stimme zu hören; unter anderem lieh er auch Siegfried Farnon alias Robert Hardy in der beliebten Serie "Der Doktor und das liebe Vieh"4) seine markante Stimme. Mit Hörspielproduktionen wie der von Max Ophüls nach Goethe gestalteten Fassung von "Novelle" bleibt der Schauspieler ebenfalls in nachhaltiger Erinnerung. Das Stück, welches im April 1954 zum ersten Mal gesendet wurde, gilt heute als klassisches Werk der Hörspielkunst und ist inzwischen auf CD im Handel; neben Schumann sprachen unter anderem Oskar Werner, Willy Birgel und Käthe Gold.

In seinen letzten Lebensjahren war es um den an Krebs erkrankten Schauspieler still geworden. Der einstige Kinoliebling starb am 9. Februar 2007 – wenige Tage vor seinem 82. Geburtstag – in Straßlach bei München, wo er zuletzt lebte und auch auf dem dortigen Friedhof beigesetzt wurde → Foto der Grabstelle bei knerger.de. Der in zweiter Ehe verheiratete Schumann hinterließ die beiden Söhne Daniel und Manuel; seine erste Ehefrau war die Schauspielerin Erika Dannhoff1) (1909 – 1996).
1961 wurde Schumann von dem damaligen Gouverneur von Texas mit der Ehrenbürgerwürde für seine Darstellung des Rolf Starke in Stuart Rosenbergs Drama "Frage Sieben"1) (1960, Frage 7) ausgezeichnet, einem Film über die Glaubens- und Gewissensnot von Christen in der ehemaligen DDR mitten in der Zeit des Kalten Krieges.
     

Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung, 4) Beschreibung innerhalb dieser HP
Quelle: 3) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars von Adolf Heinzlmeier und Bernd Schulz" (Ausgabe 2000, S. 331)
Siehe auch Wikipedia
  
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de, Beschreibung innerhalb dieser HP, fernsehserien.de)
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