Sonja Ziemann 1948 mit Otto Falvay in der Operette "Die Kinokönigin" von Jean Gilbert am Berliner "Metropol-Theater"; Regie: Max Marfeld; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000707_023); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 12.1948; Quelle: www.deutschefotothek.de Sonja Ziemann (Sonja Alice Selma Toni Ziemann) wurde am 8. Februar 1926 in Eichwalde bei Berlin als Tochter eines Steuerberaters geboren. Schon im Alter von zehn Jahren begann sie ein Tanzstudium bei Tatjana Gsovsky1) (1901 – 1993) in Berlin, brach mit vierzehn Jahren die Schule ab und erhielt nur ein Jahr später nach Abschluss der Ballettausbildung ein Engagement am berühmten Berliner "Plaza". Als Soubrette und Revuestar machte Sonja Ziemann in Operetten und Revuen Furore, nach dem Krieg dann im Kabarett und an Theatern, hatte Bühnenengagements in Zürich, München und Köln.
Seit Anfang der 1940er Jahre spielte sie nach einer soliden Ausbildung an der Ufa-Schauspielschule auch kleine Rollen in zahlreichen Filmen, ihr Leinwanddebüt hatte sie 1942 an der Seite von Paul Kemp und Margit Debar in der volkstümlichen Komödie "Ein Windstoß"1) gegeben, wenig später war sie als eine der vier jungen Bräute in dem anspruchsvollen Familienfilm "Die Jungfern vom Bischofsberg" nach dem Bühnenstück von Gerhart Hauptmann zu sehen. Die Ziemann zählte zunächst zu den begabten, aber unauffälligen Nachwuchsdarstellerinnen, deren tänzerisches und musikalisches Talent in Nebenrollen genutzt wurde, erst im deutschen Unterhaltungsfilm der Adenauer-Ära traf ihr durch Natürlichkeit und Impulsivität geprägter Typus des Durchschnittsmädchens genau den Geschmack des auf problemlose Kinounterhaltung ausgerichteten Publikums.
 

Sonja Ziemann mit Opernsänger Otto Falvay in der Operette "Die Kinokönigin"
von Jean Gilbert1) 1948 am Berliner "Metropol-Theater"
Regie: Max Marfeld
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000707_023)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 12.1948
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Mit "Schwarzwaldmädel"1) (1950) und "Grün ist die Heide"1) (1951) avancierte die Ziemann schlagartig zum Star und Idol des deutschen Unterhaltungskinos – die Streifen selbst zum Inbegriff des Heimatfilm-Genres. Die von Hans Deppe gedrehte Romanze "Schwarzwaldmädel" war der erste deutsche Farbfilm nach dem Krieg – der erste deutsche Heimatfilm der 1950er Jahre überhaupt. Er entstand nach der gleichnamigen Operette von August Neidhardt (Libretto) und Leon Jessel1) (Musik) und löste einen Boom in diesem Genre aus. Sonja Ziemann agierte als adrettes "Schwarzwaldmädel" Bärbel, die für ihre Tante beim Domkapellmeister Römer (Paul Hörbiger) als Haushälterin aushilft; Rudolf Prack2) (1905 – 1981) mimte den Maler Hans Hauser, der sich auf einem Ball in die hübsche junge Frau verliebt und ihr ins heimatliche Postkartendorf St. Christoph folgt. Bevor er die Schöne als die Seine in die Arme schließen darf, muss er es noch mit mehreren Nebenbuhlern aufnehmen. Der Film geriet zum Kassenschlager, rund 16 Millionen Zuschauer stürmten das Kino, um für anderthalb Stunden in die heile Welt auf der Leinwand einzutauchen und die Sorgen der Nachkriegszeit zu vergessen. Ein noch größerer Erfolg (mehr als 19 Millionen Zuschauer) wurde der ein Jahr später gezeigte, ebenfalls von Hans Deppe inszenierte Streifen "Grün ist die Heide" nach dem gleichnamigen Buch von Hermann Löns: Hier tauschte Rudolf Prack den Malerkittel gegen den grünen Rock, streifte als schmucker Förster Walter Rainer durch die Lüneburger Heide und erspähte das liebenswerte Mädel Helga Lüdersen, in das er sich Hals über Kopf verliebte. Nach allerlei Wirrungen – Helgas Vater (Hans Stüwe) ist ein gesuchter Wilddieb – ist das Happyend auch hier natürlich vorprogrammiert. "Grün ist die Heide" kam als gelungene Mischung aus Liebesfilm, Krimi und musikalischer Komödie daher, angesiedelt in einem idyllischen Naturambiente, und gilt bis heute als "der" klassische Heimatfilm überhaupt. Kein geringerer als Ufa-Legende Willy Fritsch2) (1901 – 1973) sorgte als Amtsrichter mit diversen Gesangseinlagen für die notwendige musikalische Untermalung, für die heitere Komponente waren mit ihren (eher klamaukhaften) Einlagen die drei "Trottel vom Dienst" Hannes (Hans Richter), Jünnes (Ludwig Schmitz) und "Nachtigall" (Kurt Reimann) zuständig.
Spätestens jetzt hatten sich Sonja Ziemann und Rudolf Prack als "Traumpaar" der 1950er Jahre etabliert, drehten noch Filme wie "Die Diebin von Bagdad"1) (1952), "Die Privatsekretärin" (1953), "Dany, bitte schreiben Sie"1) (1956) oder "Kaiserball"1) (1956). Doch auch mit anderen Partnern wie Adrian Hoven, Paul Hubschmid, Gunnar Möller, Paul Klinger und Claus Biederstaedt blieb Sonja Ziemann zunächst dem Klischee des lieben Mädels verhaftet. Mit Paul Hubschmid beispielsweise drehte sie das Melodram "Mit 17 beginnt das Leben"1) (1953, Regie Paul Martin), in Martins Benatzky-Adaption "Meine Schwester und ich"1) (1954) war sie die südamerikanische Prinzessin Christine, für die man einen geeigneten Mann auf Adelsebene sucht und die sich in den bürgerlichen Ingenieur (Adrian Hoven) verliebt, bei dem sie sich – um ihn zu angeln – als Schuhverkäuferin ausgibt.
Doch Sonja Ziemann wollte dem ihr aufgedrückten Heimatfilm-Image entfliehen und wagte sowohl auf der Leinwand als auch auf der Theaterbühne erfolgreich den Sprung ins Charakterfach. So zeigte sie sich 1955 an der Seite von Curd Jürgens und Heidemarie Hatheyer als Ursula, die in Erich Engels Bühnenadaption "Liebe ohne Illusion"1) ihre Schwester mit deren Mann betrügt. Sie spielte auch die Studentin Agniezka in Aleksander Fords zeitkritischem Film "Der achte Wochentag"1) (1958) nach dem Roman des polnischen Schriftstellers Marek Hłasko1) (1934 – 1969), den die Ziemann 1961 in zweiter Ehe heiratete.

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Die Diebin von Bagdad
Eine überzeugende Rolle war auch die Hotelsekretärin Françoise Flamme in Gottfried Reinhardts Remake des Garbo-Films "Menschen im Hotel"1) (1959, mit O.W. Fischer und Michèle Morgan), in nachhaltiger Erinnerung bleibt sie als Protagonistin in Helmut Käutners Satire "Der Traum von Lieschen Müller"1) (1961). Weitere Filme, in denen sich Sonja Ziemann mit dramatischen Frauenfiguren zeigte, waren Frank Wisbars ergreifende Kriegsfilme "Hunde, wollt ihr ewig leben"1) (1958) und "Nacht fiel über Gotenhafen"1) (1959), in dem spannenden Abenteuer "Abschied von den Wolken"1) (1959) sah man sie als Partnerin von O.W. Fischer, in "Denn das Weib ist schwach" (1961) agierte sie an der Seite von Helmut Schmid. Sonja Ziemann war auch international gefragt und erfolgreich, 1961 spielte sie neben Richard Widmark, Senta Berger und Charles Regnier in Phil Karlsons Agententhriller "The Secret Ways"1) (Geheime Wege), 1968 erlebte man sie in John Guillermins hochkarätig besetzten Kriegsfilm "The Bridge at Remagen"1) (Die Brücke von Remagen).
  
Seit Mitte der 1960er Jahre konzentrierte sich Sonja Ziemann verstärkt auf ihre Arbeit am Theater und stand nur noch selten vor der Kamera. Bereits 1962 hatte sie als Eliza Doolittle in dem Musical "My Fair Lady"1) einen enormen Theatererfolg in München verbuchen können, in den folgenden Jahren setzte sie trotz persönlicher Schicksalsschläge ihre Bühnentätigkeit unvermindert fort und gehörte viele Jahre zu den renommierten Darstellern der Theaterszene. 1973 beispielsweise ging sie zusammen mit Götz George auf Europatournee mit dem Theaterstück "Endstation Sehnsucht" von Tennessee Williams. Vereinzelt übernahm sie Aufgaben für das Fernsehen, so beispielsweise 1971 für Rolf Sydows dreiteiligen Durbridge-Straßenfeger "Das Messer"2) oder 1973 mit einer Gastrolle in der Episode "Der Geigenspieler" aus der beliebten Krimiserie "Der Kommissar". Zuletzt erlebte die Schauspielerin 1996 ein TV-Comeback in einer Folge der populären RTL-Reihe "Guten Morgen Mallorca"1) sowie ein Jahr später in zwei Episoden der Sat.1-Serie "Park Hotel Stern"1).

Das Privatleben des Publikumslieblings Sonja Ziemann, die man zu Recht als Ikone des deutschen Nachkriegsfilms bezeichnet, war von tragischen Schicksalsschlägen gezeichnet. Ihre erste, 1953 geschlossene Ehe mit dem Wiesbadener Strumpffabrikanten Rudolf Hambach scheiterte trotz eines gemeinsamen Sohnes bereits 1956. Die Verbindung (Heirat 1961) mit dem Dichterrebellen, Ausnahmeschriftsteller und Drehbuchautor Marek Hlasko1) wurde durch dessen Tod endgültig getrennt: Der 1934 in Warschau geborene Marek Hlasko, seit vielen Jahren alkohol- und tablettenabhängig, starb am 14. Juni 1969 in Wiesbaden an einer Überdosis Schlaftabletten, nur sieben Monate später starb Sonja Ziemanns Sohn Pierre aus erster Ehe mit nur 17 Jahren an einer Atemlähmung als Folge einer Tumorerkrankung. Die Schauspielerin durchlitt eine tiefe Krise, die sie nur mit Hilfe ihrer Familie sowie guter Freunde meisterte. In einem Gespräch in der ARD-Talkshow "Beckmann" erzählte Sonja Ziemann im Mai 2006 von dieser schweren Zeit, "Weitermachen oder gar nicht mehr" war die Frage, die sich die Ziemann damals stellte. Sie entschied sich für "Weitermachen", auch wenn ihr dies drei Jahrzehnte lang nur durch Einnahme von Tabletten gelang, wie sie in der Talkshow gestand.
Zu den guten Freunden, welche Sonja Ziehmann nach dem Tod ihres Sohnes Pierre beistanden, gehörte der Schauspieler Charles Regnier2) (1914 – 2001) und dessen Frau, die Schauspielerin und Sängerin Pamela Wedekind1) (1906 – 1986), Tochter des Dramatikers Frank Wedekind1)  (1864 – 1918). Nach dem Tod von Pamela Wedekind am 9. April 1986 wurde aus der tiefen Freundschaft zu Charles Regnier eine innige Liebesbeziehung. 1989 heiratete das Paar, lebte unter anderem in Ambach am Starnberger See und ging immer wieder gemeinsam auf Tournee, so zuletzt 1995 mit dem Dialogstück "Adelaide".
Seit Charles Regnier am 13. September 2001 mit 87 Jahren verstarb, lebt Sonja Ziemann zurückgezogen abwechselnd am Tegernsee und in der Schweiz. Wie sie bei Beckmann das Publikum wissen ließ, zieht sie bis heute ihre Kraft aus dieser Liebe zu dem charismatischen Regnier – "Er ist immer noch präsent."

Ihre Erinnerungen veröffentlichte die Trägerin des "Filmbandes in Gold"1) 1998 unter dem Titel "Ein Morgen gibt es immer"; in Briefform schildert sie ihrem toten Sohn darin nicht nur ihre turbulenten Erlebnisse aus der Welt des Theaters und des Films, sondern auch den schmerzhaften Prozess ihrer Selbstfindung nach harten Schicksalsschlägen.
Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de  
sowie "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf   Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 400/401);
 siehe auch: www.dhm.de, Wikipedia, www.whoswho.de, tls.theaterwissenschaft.ch, filmportal.de
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP
  
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, filmportal.de, Wikipedia)

1951: Die Frauen des Herrn S.

DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung
der heute nicht mehr existierenden
"e-m-s new media AG
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