Hans Christian Blech 01; Copyright Werner Bethsold Hans Christian Blech wurde am 20. Februar 1915 als Sohn eines Beamten in Darmstadt geboren. Nach dem Besuch der Schauspielschule des dortigen Landestheaters erhielt er erste Engagements und stand in den folgenden Jahren in Freiburg, Kiel und Baden-Baden auf der Bühne. Durch den 2. Weltkrieg wurde Blechs schauspielerische Laufbahn unterbrochen, zwischen 1940 und 1945 hatte er unter anderem in Russland gekämpft, war verwundet worden und in Kriegsgefangenschaft geraten.
Nach Kriegsende spielte er ab 1947 vorwiegend an den "Münchener Kammerspielen", den er als Ensemblemitglied vierzehn Jahre angehörte,  und dem "Residenztheater", gab Gastspiele am Wiener "Burgtheater", am Schauspielhaus in Zürich sowie an der "Freien Volksbühne" in Berlin und war besonders in sozial- und gesellschaftskritischen Stücken überaus erfolgreich. Mit seinen Interpretationen gebrochener Charaktere wie z. B. in Büchners "Woyzeck" oder den großen Einzelgängern der Literatur schrieb Blech Theatergeschichte. Er brillierte unter anderem als Brechtscher "Puntila", als Büchners "Danton" oder als Shakespeares "Richard III.".

Foto: © Werner Bethsold1)
Schon 1939 war Blech von Emil Jannings für die Leinwand entdeckt worden, doch sein Debütfilm "Der letzte Appell" konnte wegen des Kriegsausbruchs nicht fertig gestellt werden. Nach Kriegsende holten ihn Regisseure wie Erich Engel und Helmut Käutner vor die Kamera. 1948 mimte Blech den durchtrieben-heimtückischen Mörder Karlheinz Gabler in dem DEFA-Justizdrama "Affaire Blum"2), 1954/1955 erlangte er dann Starruhm als tückisch-feiger Soldatenschinder Wachtmeister Platzek in Paul Mays "Kommiss"-Trilogie "08/15"2) nach dem Roman von Hans Hellmuth Kirst.
Ab Ende der 1950er Jahren wirkte Blech auch in einigen Hollywood-Produktionen, vornehmlich monumentalen Kriegsdramen mit, wie als Major Werner Pluskat in "Der längste Tag"2) (1962, The Longest Day), als Widerstandskämpfer in "Morituri"2) (1965) oder als Hauptmann Carl Schmidt in "Die Brücke von Remagen"2) (1969, The Bridge at Remagen), um nur einige zu nennen. Zu seinen weiteren herausragenden Kinorollen zählen die des Deserteurs Rudolf Barth ("Tiger") in Anatole Litvaks "Entscheidung vor Morgengrauen"2) (1950), der Willi Kolanski in Geza von Cziffras Krimi "Banditen der Autobahn"3) (1955), der Laertes in Wim Wenders' preisgekröntem Film "Falsche Bewegung"2) (1975) oder die des Hofrats Behrens in Hans W. Geißendörfers Thomas Mann-Adaption "Der Zauberberg"3) (1981).
 

Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Edmond Frederik zur Verfügung gestellt.
© Edmond Frederik

Hans Christian Blech; Copyright Edmond Frederik
Hans Christian Blech als Wilhelm Urack mit Peter Kuiper (Professor Gerlinger) in "Collin"; Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR Im Fernsehen feierte Hans Christan Blech ab Mitte der 1950er Jahre ebenfalls Erfolge und verkörperte oft historisch belastete Gegenwartscharaktere. Die Zahl der Fernsehrollen, denen Blech im Laufe seiner lang Karriere Profil und Format verlieh, lassen sich kaum überblicken. Unvergessen sind seine Auftritte in der Büchner-Verfilmung "Woyzeck" (1964; Regie: Rudolf Noelte), die Titelfigur in dem TV-Mehrteiler "Theodor Chindler"4) (1979), seine Verkörperung des einflussreichen Sicherheitsoffiziers Wilhelm Urack neben Curd Jürgens in dem von Peter Schulze-Rohr nach dem Roman von Stefan Heym inszenierten Zweiteiler "Collin" (1981) oder der Maler Lauters in Tom Toelles Dreiteiler "Via Mala" (1984) nach dem bekannten Heimatroman von John Knittel an der Seite von Mario Adorf als tyrannischem Sägemühlenbesitzer Jonas Lauretz.
 
Foto:
Hans Christian Blech als Wilhelm Urack mit Peter Kuiper2) (Professor Gerlinger) in "Collin"
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services
mit Infos zu dem Zweiteiler; © SWR
1990 beispielsweise glänzte Blech als königstreuer Protagonist in Hartmut Griesmayrs Literaturverfilmung "Meister Timpe"4) oder als Genosse Honecker in der ARD-Sendung "Wer zu spät kommt – Das Politbüro erlebt die deutsche Revolution"2), einer Mischung aus Moderation und Dokumentation, Interview und szenischer Rekonstruktion, 1991 als biederer Dorfpfarrer Nothsack in Heiner Carows schwarzen Komödie "Begräbnis einer Gräfin". Zuletzt war er im Fernsehen 1992 als Richard, Bruder des Immobilienhais Friedrich (Rolf Hoppe), in dem von Frank Beyer in Szene gesetzten Gesellschaftsdrama "Das Große Fest" (→ prisma.de) sowie als Gelehrter Dr. Hummer in dem von Tom Toelle inszenierten Fernsehfilm "La Paloma fliegt nicht mehr" zu sehen.
Das Rollenrepertoire des Schauspielers mit dem markanten, durch einen Autounfall zernarbten Gesichts war breit gefächert: Er spielte beispielsweise Attentäter, Deserteure, Flüchtlinge, Spätheimkehrer oder Arbeiter; gequälte und quälende Existenzen, die vor der Vergangenheit davonlaufen, verkörperte er eindrucksvoll und brachte seine Kriegserfahrungen oftmals in seine Rollen ein.5)
Hans Christian Blech, der ab 1952 eine Zeit lang mit der Schauspielerin Ernie Wilhelmi (1922 – 2007) verheiratet war, starb am 5. März 1993 in München an Herzversagen. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Alten Friedhof in seiner Geburtsstadt Darmstadt → Foto der Grabstätte bei knerger.de.

Während seiner Schauspielerkarriere wurde der Charaktermime mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt: 1966 verlieh man ihm auf dem "Internationalen Fernsehfestival" in Prag den Preis als "Bester Darsteller" in "Woyzeck", 1975 erhielt er gemeinsam mit seinen Schauspielerkollegen das "Filmband in Gold" für seine Rolle in "Falsche Bewegung". Ein Jahr später wurde er mit einem weiteren "Filmband in Gold " für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" ausgezeichnet. 1979 folgte der "Bambi für "hervorragende schauspielerische Leistungen" sowie 1981 "Die Goldene Kamera" für "Collin". 1992 wurden Blechs Wirken mit dem "Sonderpreis des Bayerischen Fernsehpreises" gewürdigt.
  

Foto: © Werner Bethsold1)

Hans Christian Blech 02; Copyright Werner Bethsold
1) Die Fotos entstanden Anfang der 1990er Jahre während einer Hörspielproduktion; Link: Wikipedia.
Link: 2) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung, 4) deutsches-filmhaus.de
5) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars"  von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 41
Siehe auch www.prisma.de und Wikipedia
sowie www.hans-christian-blech.gedenkbuch.info und
den Nachruf bei www.zeit.de
  
Kinofilme
Filmografie bei der
Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de, Murnau Stiftung, prisma.de)
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