Ernst Fritz Fürbringer wurde am 27. Juli 1900 als Sohn eines Sanitätsrates in Braunschweig geboren. Er besuchte zunächst die Realschule, war später Fähnrich der Marine und gehörte dem Freikorps im Baltikum an. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges Krieg begann er auf einem Bauernhof bei Lüneburg eine landwirtschaftliche Lehre und wurde wenig später "Zweiter Beamter" auf einem Gut in Ostpreußen; von dort aus wechselte er als landwirtschaftlicher Inspektor nach Schleswig-Holstein.
Als ihn die Sehnsucht nach städtischem Kulturleben, insbesondere nach dem Theater packte, gab er seine agronomische Berufslautbahn abrupt auf und wurde kaufmännischer Lehrling bei einer Hamburger Firma. Eine Zeitlang war er Verkäufer einer angesehenen Hamburger Agenturfirma für Eisen, Stahl, Rot- und Buntguss. Seine freie Zeit widmete er damals vor allem den großen Theaterdramen, von denen er so begeistert war, dass er anfing zu Hause komplette Partien einzustudieren.

Foto: Ernst Fritz Fürbringer (Kommissar) mit Hartmut Reck*) (Raskolnikoff)
in der TV-Fassung (1959) von Leopold Ahlsens1) Schauspiel "Raskolnikoff"
nach dem Roman "Schuld und Sühne"1) von Fjodor Dostojewski1)
Regie: Franz Peter Wirth1)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR
*) Link: Kurzportrait innerhalb dieser HP

Ernst Fritz Fürbringer als Kommissar mit Hartmut Reck (Raskolnikoff) in der TV-Fassung (1959) von Leopold Ahlsens Schauspiel "Raskolnikoff" nach dem Roman "Schuld und Sühne" von Fjodor Dostojewski; Regie: Franz Peter Wirth; Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR
Zwischen 1924 und 1925 entschloss er sich dann zu einer professionellen Ausbildung und nahm Unterricht bei Carl Zistig in Hamburg. Um mehr Zeit für die Schauspielausbildung zu haben, wechselte er in dieser Zeit in die Buchführung der Firma Siemens-Schukert.
1925 gab Fürbringer sein Bühnendebüt in einer Schauspielschüler-Aufführung von Grillparzers "Des Meeres und der Liebe Wellen" in der Rolle des Qberpriesters an den Hamburger "Kammerspielen" und erhielt dort spontan sein erstes Engagement. Dort gehörte der Schauspieler zehn Jahre lang zum Ensemble, auch wenn ihm der damalige Oberspielleiter Gustaf Gründgens attestierte, er sei "der unkomödiantischste aller Schauspieler, die ich kenne". Nach 1935 ging Fürbringer zum "Bayerischen Staatsschauspiel" in München, wo er bis 1942 Mitglied war und startete daneben aber auch eine bemerkenswerte Filmkarriere.

Sein Leinwanddebüt hatte Fürbringer 1936 mit einer kleinen Nebenrolle in Hans Deppes Bühnenadaption "Straßenmusik" (→ Filmlexikon) gegeben, Rollen in zahlreichen weiteren Filmen folgten. Er spielte Diener, Kammerherren oder war 1942 der Staatsmann Metternich in Willi Forsts Operettenverfilmung "Wiener Blut"1). Man sah ihn u. a. 1936 mit La Jana in dem Unterhaltungsstreifen "Truxa"1), ein Jahr später mit Heinrich George in Hans Steinhoffs Ibsen-Adaption "Ein Volksfeind"2) und 1938 in Hans H. Zerletts aufwendig gedrehtem Revuefilm "Es leuchten die Sterne"2), wo er als Filmregisseur Hans Holger einmal mehr an der Seite von La Jana auftauchte. 1940 präsentierte er sich in Luis Trenkers Historienfilm "Der Feuerteufel"2) erneut als Metternich, gehörte als Herr von Schornow 1940 zur Besetzung von Hans Schweikarts Lessing-Adaption "Das Fräulein von Barnhelm"2). Bis Kriegsende folgten prägnante Rollen auch in einigen NS-Propaganda-Produktionen, beispielsweise als Hofarchitekt Baron Eosander1) in dem Biopic "Andreas Schlüter"1) (1942) oder als britischer Geschäftsmann Sir Bruce Ismay1) in dem Schiffsuntergangs-Drama "Titanic"1) (1943).
Zwischen 1942 und 1945 hatte der Schauspieler einen Hausvertrag mit der "Bavaria-Filmkunst" und war während des 2. Weltkrieges für Theater und Film vom Wehrdienst freigestellt.
 
Nach Kriegsende spielte Fürbringer wieder vermehrt Theater, so an der "Kleinen Komödie" in München (bis 1978), am Bayerischen Staatsschauspiel und ab 1950 an den "Münchner Kammerspielen", dessen Ensemble er von 1954 bis 1959 angehörte, ferner an den "Städtischen Bühnen" in Frankfurt/M., an der "Komödie Berlin" und am "Theater am Central" in Zürich. Er gab auf der Bühne viele Heldenrollen in Klassikern, glänzte aber auch als distinguierter Frackträger in zahlreichen Boulevardstücken.
Im bundesdeutschen Nachkriegskino blieb er weiterhin ein gefragter Darsteller und wurde überwiegend mit profilierten Nebenrollen besetzt. Er wirkte in rund 50 Filmproduktionen mit: So erlebte man ihn beispielsweise erst 1947 als Advokaten Rienösl in dem bereits 1944/45 gedrehten Moser-Streifen "Der Millionär"1), ein Jahr später neben Rühmann als Professor Kalkhoff in "Der Herr vom andern Stern"1) (1948). Als Inspektor Hirzinger tauchte er 1951 in dem Krimi "Grenzstation 58" auf, mimte den Bankier Petterson in dem Thriller "Die Dame in Schwarz"1) (1951) oder einen Staatsanwalt in dem Melodram "Der Kaplan von San Lorenzo" (1952) mit Dieter Borsche in der Titelrolle. Er war der Präfekt in in der ganz auf Hans Albers zugeschnittenen heiteren Geschichte "Käpt'n Bay-Bay"3) (1953), der 1. General in dem Drama "Es geschah am 20. Juli"1) (1955), der Vater Hubert Scharfenberg in dem Heimatstreifen "Heiße Ernte"1) (1956), der Lord Horace in Josef von Bákys Theateradaption "Robinson soll nicht sterben"1) (1957) oder der Landgerichtsdirektor Dr. Schleffien in Robert Siodmaks vielbeachtetem Krimi "Nachts, wenn der Teufel kam"1) (1957). Als Schulinspektor Wagner zeigte er sich in dem Rühmann-Film "Der Pauker"1) (1958) und ein Jahr später als Sir Archibald in dem Wallace-Krimi "Der Frosch mit der Maske"1) (1959); diese Figur spielte er auch 1960 in "Der Rote Kreis"1) sowie in "Die Bande des Schreckens"1). Es folgten Auftritte in Kinoproduktionen unterschiedlichsten Genres wie die Krimikomödie "Vorsicht Mr. Dodd!"1) (1964), die Wallace-Verfilmung "Die Gruft mit dem Rätselschloß"1) (1964), der Kriegsfilm "Brennt Paris?"1) (1966, Paris brûle-t-il?) oder die beiden "Kommissar-X"-Produktionen "Kommissar X – In den Klauen des goldenen Drachen"1) (1966) und "Kommissar X jagt die roten Tiger"1) (1971). In den Ludwig-Thoma-Verfilmungen "Lausbubengeschichten"1) (1965), "Tante Frieda – Neue Lausbubengeschichten"1) (1965) und "Ludwig auf Freiersfüßen"1) (1969) trat er als Schulrektor in Erscheinung, zuletzt sahen ihn die Kinobesucher 1973 mit einem winzigen Part in der deutsch-französisch-italienischen Koproduktion bzw. dem Spionagefilm "Die Schlange" (→ Filmlexikon) auf der Leinwand.

Ab Mitte der 1950er Jahre war Fürbringer auch vor allem dem Fernsehen verbunden und wirkte in rund 150 TV-Produktionen mit, darunter in zahlreichen ambitionierten Klassikerverfilmungen, aber auch Krimiserien wie "Der Kommissar", "Tatort" oder "Derrick". In nachhaltiger Erinnerung ist Fürbringer als Kaiser Karl V. in Franz Peter Wirths "Der arme Mann Luther"1) (1965) geblieben, 1967 spielte er den Inspektor Brown in dem Straßenfeger "Der Tod läuft hinterher"4), 1968 war er der Herzog von York in "König Richard II.". Dass Fürbringer besonders gut verschieden geartete historische Personen zu verkörpern wusste, zeigte er auch als Generalfeldmarschall von Witzleben1) in dem zweiteiligen Doku-Drama "Operation Walküre"1) (1971), als Heerführer Graf von Tilly1) in dem Mehrteiler "Wallenstein"3) (1978) oder als Kardinal Thomas Cajetan1) in Rainer Wolffhardts Zweiteiler "Martin Luther"1) (1983).

Foto: Ernst Fritz Fürbringer als "ausgebooteter" Andrew Sloane in dem Fernsehspiel "Der neue Mann" (1965), gedreht von Rolf Hädrich nach einem Buch des bekannten amerikanischen Drehbuchautors Rod Serling.
Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film", welche die Produktion des Hessischen Rundfunks
Ende Februar 2013 auf DVD herausbrachte; weitere Infos siehe hier sowie den Artikel im "Edgar Wallace Forum".

Ernst Fritz Fürbringer als Andrew Sloane in dem Fernsehspiel "Der neue Mann" (1965); Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film"
Ebenfalls 1983 hatte man den Schauspieler mit der Titelrolle der ZDF-Familienserie "Konsul Möllers Erben" (→ fernsehserien.de) erleben können, weitere beachtenswerte Auftritte hatte er in Serien und Mehrteilern wie "Helga und die Nordlichter"1) (1984), "Vor dem Sturm"1) (1984) und "Der Sonne entgegen"1) (1985). Zuletzt sahen ihn die Fernsehzuschauer 1985 erneut als Dr. Möller in "Erbin sein – dagegen sehr" sowie 1986 bzw. 1987 als Konstantin Taubricht in einigen Episoden des Quotenrenners "Die Schwarzwaldklinik"1).
Neben seiner umfangreichen Tätigkeit für Theater, Film und Fernsehen war E. F. Fürbringer auch ein gefragter Synchronsprecher und lieh so berühmten Kollegen wie Gregory Peck oder Vittorio de Sica seine Stimme. Als Sprecher machte er sich seit Ende der 1940er Jahre zudem in zahlreichen Hörspielen einen Namen → Übersicht bei Wikipedia. Außerdem engagierte er sich viele Jahre als Dozent an der Münchener "Otto-Falckenberg-Schule", um dort angehenden jungen Künstlern handwerkliche Fähigkeiten des Schauspielerberufs wie auch eigene Erfahrungen zu vermitteln.5)
 
Der beliebte Charakterdarsteller Ernst Fritz Fürbringer, dem zahlreiche Nachrufe Präzision, Noblesse, Eleganz und feinen Witz attestierten, starb am 30. Oktober 1988 mit 88 Jahren in München; seine letzte Ruhe fand er auf dem dortigen Waldfriedhof (Neuer Teil, Gräberfeld 421, anonym).
Er war seit 1932 mit seiner Frau Lizzi (geb. Rademacher) verheiratet und hinterließ drei Kinder –  Hannes, Sabine und Ulrike. 

Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch sowie
den kurzen Nachruf bei www.spiegel.de
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung, 3) filmportal.de, 4) Beschreibung innerhalb dieser HP
5) Quelle: Wikipedia
   
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
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