Max Haufler als van Bosch in "Die Ehe des Herrn Mississippi" (1961); Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich", mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG Max Haufler erblickte am 4. Juni 1910 als Sohn des Schweizer Glasmalers Fritz Haufler und dessen Ehefrau, der Italienerin Anna Artaria, in Basel (Schweiz) das Licht der Welt. Nach der frühen Scheidung der Eltern wuchs er mit der Mutter und den Geschwistern in der Nachbarschaft des Schriftstellers Hermann Hesse1) in Monte Verità und Agnuzzo im Tessin auf. Haufler, der als melancholisches Kind galt und schon im Alter von 12 Jahren einen Selbstmordversuch unternommen haben soll, besuchte erst als Jugendlicher eine Schule. Im Alter von 17 Jahren begann er zu malen, erlernte die Kunst sowohl als Autodidakt als auch durch Unterricht bei Paul Camenisch1) (1893 – 1970). Schon im darauffolgenden Jahr stellte er 1928 seine Werke erstmals der Öffentlichkeit im Kunsthaus von Zürich vor, schloss zudem Freundschaft mit dem Schweizer Maler, Zeichner und Bildhauer Coghuf1) (1905 – 1976).
  
Max Haufler als van Bosch in "Die Ehe des Herrn Mississippi" (1961)
Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich,
mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); © Praesens-Film AG
"Er malt Landschaften im Jura und in der Carmargue, später Straßenarbeiter, Proletarierfrauen, "Leute aus den Hinterhauslandschaften". Die Wirtschaftskrise wird ins Bild genommen, etwa in "Wartende Menschen", Arbeitslose, eine ärmlich gekleidete Frau mit Kind. Im Bild "Der Clown" (1929) ist Haufler leicht zu erkennen. Das Selbstbildnis "Regensonntag" (1928) vermittelt die Gefühlslage des Künstlers. Die Farben werden düsterer."*)
Als "Pleinair-Maler"1) bereiste er Europa, schlug sich aber mehr schlecht als recht durchs Leben, so dass er seinen Lebensunterhalt mit zusätzlichen Gelegenheitsarbeiten verdienen musste. Zurück in Basel, wurde Haufler 1934 Mitglied der expressionistischen Basler Künstlervereinigung "Rot-Blau"1) und der "Gruppe 33"1), zu der auch sein Onkel, der Architekt Paul Artaria1) (1892 – 1959), gehörte. Nach einem Aufenthalt in Paris im Jahre 1935 und dem Besuch des Künstlerstudios des französischen Malers Amédée Ozenfant1) (1886 – 1966) beschloss Haufler, die bildende Kunst aufzugeben.
Zunächst wandte er sich nun dem Kabarett zu und trat im Basler antifaschistischen "Cabaret Resslirytti" auf, doch wenig später entschied er sich endgültig für den Film. Zusammen mit dem Schriftsteller und Regisseur Charles F. Vaucher gründete er 1938 die "Clarté-Film AG", die es sich zum Ziel gesetzt hatte, das künstlerische Niveau des Schweizer Films zu verbessern; die Firma wurde 1941 liquidiert.

Eine erste Rolle als Darsteller erhielt er in dem von Paul Schmid in Szene gesetzten, volkstümlichen Schweizer Dialektfilm "S'Vreneli am Thunersee" (1936), seine ersten Regiearbeiten, in denen er auch Rollen übernahm, waren "Friede den Hütten" (1938, Le règne de l'esprit malin) sowie "Farinet – Die sanfte und die wilde Freiheit" (1939), gedreht nach dem Roman "Farinet ou la fausse monnaie" von Charles Ferdinand Ramuz1) über den Falschmünzer Joseph-Samuel Farinet1) mit Jean-Louis Barrault1) in der Titelrolle. Von der Kritik zwar hoch gelobt, erwiesen sich die Streifen an den Kinokassen als Flop. Gleiches galt für das Drama über die Folgen von Kommunikationsproblemen zu Hause und am Arbeitsplatz mit dem Titel "Emil, me mues halt rede mitenand!" (1941) und die Zuckmayer-Adaption "Menschen, die vorüberziehen"2) (1942), auch hier konnte Haufler die finanziellen Erwartungen der Geldgeber nicht erfüllen.
Dank des Filmproduzenten Heinrich Fueter1) (1911 – 1979) war es ihm jedoch möglich, in den folgenden Jahren unter anderem für die Schweizer "Condor Films AG" nach eigenem Drehbuch kurze, dokumentarische Werbe- und Industriefilme drehen; seine letzte Regie-Arbeit war die Kurz-Dokumentation "Modernste Vermessungsinstrumente" (1955). Sein zwischen 1960 und 1965 verfolgtes Vorhaben, den Roman "Der Stumme" von Otto F. Walter1) zu verfilmen, konnte er aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten nicht verwirklichen.
  
Wesentlich erfolgreicher war Haufler, der nie eine entsprechende Ausbildung erhalten hatte, allerdings als Schauspieler, auch wenn er dieses Metier eher widerwillig ausübte und zudem nicht immer sein darstellerisches Potential voll zur Geltung bringen konnte. "Man spürt seine menschliche Präsenz, seine Vitalität, die Wut, die sich in ihm anstaut und deshalb für Bösewichte geradezu prädestiniert. Auch in Nebenrollen bleibt seine Dominanz haften."*) Auf der Leinwand meist abonniert auf grantige Typen oder Außenseiter, lieferte er in Sigfrit Steiners Theaterverfilmung "Steibruch"3) (1942) als verwahrloster, geistig zurückgebliebener Herumtreiber Näppi eine erste Glanzrolle ab. Ähnlich gelagerte Charaktere folgten, mit denen Haufler im Schweizer Dialektfilm zum Publikumsliebling avancierte. Vor allem mit dem Schweizer Regisseur Franz Schnyder entstand eine intensive Zusammenarbeit, der ihn in seinen Jeremias Gotthelf-Verfilmungen besetzte: So an der Seite von Titelheld Hannes Schmidhauser4) als Knecht Karrer in "Uli der Knecht"3) (1954), neben Protagonistin Annemarie Düringer4) als geschäftstüchtigen Eglihannes in "Die Käserei in der Vehfreude"1) (1958), als Wunderheiler Vehhansli in der "Anne Bäbi Jowäger"-Geschichte "Wie Jakobli zu einer Frau kommt"1) (1960) und "Jakobli und Meyeli"1) (1961) mit Margrit Winter1) in der Titelrolle sowie mit der Figur des Dorngrütbauern in "Geld und Geist"1) (1964). Auch in Schnyders Flüchtlingsdrama "Der 10. Mai"1) (1957) war er zu sehen und mimte den Lkw-Fahrer Neuenschwander.
Mit Regisseur Kurt Früh1) entstand die liebevolle Charakterstudie "Bäckerei Zürrer"3) (1957), in der er den Plattenschieber = Clochard Dicker darstellte, überzeugte dann nicht nur das Publikum als arbeitsscheuer, barsch-sensibler Vagabund Karl Kessler, genannt "Barbarossa" in Frühs Schweizerdeutschem Kleinbürger-Drama "Hinter den sieben Gleisen"1) (1959). Aufgrund des großen Erfolges drehte Kurt Früh 1960 die Fortsetzung unter dem Titel "Der Teufel hat gut lachen"3) (auch "Drei schräge Vögel") bei der Haufler neben der Rolle des "Barbarossa" auch zusammen mit Früh für das Drehbuch verantwortlich zeichnete und die Regie-Assistenz übernahm; der Zuschauerzuspruch war diesmal jedoch eher mäßig.
Haufler drehte mit weiteren namhafte Regisseuren, so hatte er in Ladislao Vajdas1) hochgelobten Dürrenmatt-Verfilmung "Es geschah am hellichten Tag"3) (1958) mit Heinz Rühmann als Oblt. Dr. Hans Matthäi einen kleinen Part, arbeitete zudem am Script mit und assistierte dem Ungarn.

Max Haufler als Dicker in "Bäckerei Zürrer" (1957)
Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich,
mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich)
 © Praesens-Film AG

Max Haufler als Dicker in "Bäckerei Zürrer" (1957); Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich", mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG
Erneut für Vajda spielte er in der Rühmann-Komödie "Ein Mann geht durch die Wand"1) (1959), unter der Regie von Gottfried Reinhardt1) zeigte er sich in dem Justiz-Drama "Stadt ohne Mitleid"1) (1961, Town Without Pity) an der Seite vom Hollywoodstar Kirk Douglas, in Kurt Hoffmanns1) hochkarätig besetzten Dürrenmatt-Adaption "Die Ehe des Herrn Mississippi"3) (1961) bildete er als van Bosch zusammen mit Karl Lieffen (Santamaria) und Ruedi Walter (McGoy) die bewaffnete Equipe von Frédéric René Saint-Claude (Martin Held).  Dass Haufler ein exzellenter, facettenreicher Charakterdarsteller war, hatte sich auch im Ausland herumgesprochen, in John Hustons Biopic "Freud"1) (1962, Freud – The secret passion) mit Montgomery Clift als Psychologe Sigmund Freud1) war er ebenso zu sehen wie in Arthur Hillers gefühlvollem Familienstreifen "Flucht der weissen Hengste"1) (1963, Miracle Of The White Stallions). Für Orson Welles gestaltete er den Onkel Max in der Kafka-Verfilmung "Der Prozess"1) (1962, Le procès) mit Anthony  Perkins als Josef K., für Bernhard Wicki den Officer Branner in dem starbesetzten US-amerikanischen Kriegsfilm "Morituri"1) (1965). Zu Hauflers letzten Arbeiten vor der Kinokamera zählt das Kriegsdrama "Kennwort: Reiher"1) (1964) mit der Rolle des Lagerverwalters Dubois.
 
Auch auf der Bühne war Max Haufler ein gern gesehener Gast, so konnte er zwischen 1949 und 1952 sein komödiantisches Talent im Zürcher "Cabaret Fédéral"1) unter Beweis stellen, spielte zwischen 1951 und 1957 am "Schauspielhaus Zürich"1), wo er unter anderem 1951 als Herzog von Mailand in Leonard Steckels Inszenierung von Shakespeares Komödie "Zwei Herren aus Verona"1) zu sehen war. 1956 gestaltete er unter der Regie von Oskar Wälterlin den Koby in der Uraufführung (29.01.1956) von Friedrich Dürrenmatts Tragikomödie "Der Besuch der alten Dame"1) mit Therese Giehse in der Titelrolle. 
Daneben gastierte er unter anderem am "Theater am Central"5) in Zürich und an der "Komödie Basel"5), 1957 bis 1959 holte ihn Werner Düggelin5) an das "Landestheater Darmstadt", wo Haufler unter anderem mit Titelrollen in Georges Schehadés1) Groteske "Herr Bob'le" ("Monsieur Bob'le") und in Max Frischs Drama "Biedermann und die Brandstifter"1) glänzte.
Neben seiner Arbeit für den Kinofilm und das Theater nahm Haufler Aufträge für den Rundfunk an, war seit Mitte der 1950er Jahre zudem in verschiedenen TV-Produktionen zu erleben. Hier war seine letzte Arbeit im Frühjahr 1965 der düstere, in West-Berlin gedrehte TV-Film mit dem symbolträchtigen Titel "Abschied" von Regisseur Peter Lilienthal → www.zeit.de, www.dhm.de, www.taz.de.

Max Haufler (Mitte) mit Eva-Maria Meineke4) und Manfred Heidmann4)
in "Die Kollektion" (1962) von Harold Pinter
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR

Max Haufler (Mitte) mit Eva-Maria Meineke und Manfred Heidmann in "Die Kollektion" (1962) von Harold Pinter; Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR
Trotz seiner Erfolge als Charakterdarsteller verzweifelte Haufler, der neben Emil Hegetschweiler4), Heinrich Gretler4), Alfred Rasser1) und Ruedi Walter1) zu den fünf großen Schweizer Volksschauspielern seiner Zeit zählte und als Prototyp des künstlerischen Eigenbrötlers galt, an der Schauspielerei, da er sich selbst als Filmregisseur sah. Am 25. Juni 1965 schied er mit nur 55 Jahren in seiner Zürcher Wohnung durch Freitod aus dem Leben. Noch 1963 war ihm der "Kulturpreis der Stadt Zürich" verliehen worden. "Zweifellos wirkten starke selbstzerstörerische Kräfte von Anfang an in Max Haufler. Schwere depressive Schübe wurden abgelöst von Phasen maßloser Ausgelassenheit." schreibt Alfred A. Häsler1)*).
Die letzte Ruhe fand er dem Zürcher Friedhof "Rehalp" (FG 86027) → Foto der Grabstelle bei www.peter-schenk.ch.
Seit 1931 war der Künstler mit der Hamburgerin Lotte Kohn verheiratet, aus der Verbindung gingen die Kinder Janet5) (geb. 1931) und Yvar (geb. 1934) hervor. Später (1951) heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin und Kollegin Walburga Gmür1) (1901 – 1974); diese Ehe wurde 1964 geschieden.
Max Haufler bei den Dreharbeiten zu  "Es geschah am hellichten Tag" (1958); Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich", mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG Mit dem 90-minütigen Portait "Max Haufler – Der Stumme" von Richard Dindo, der das Leben Hauflers nachzeichnet und in dem seine Tochter Janet die Hauptrolle spielte, wurde das Werk Hauflers, auch dank einer Wanderausstellung, wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt; die Uraufführung erfolgte am 29. Januar 1982 anlässlich der "Solothurner Filmtage" → www.richarddindo.ch. "Als filmhistorische Aufarbeitung und persönliche Reflexion wird das Leben Hauflers als exemplarisch für den Kampf eines Einzelgängers in der Kulturszene und als Mittel gesehen, die Qualität von Kultur zu überprüfen. In der biografischen Recherche der Tochter und im Inszenieren eines nicht realisierten Projekts von Haufler verbindet sich die Recherche in einer komplexen Verschachtelung der Ebenen mit dem Thema der Suche nach den Vätern und dem Wesensbild eines Vaters." notiert das Filmlexikon.
 
Max Haufler bei den Dreharbeiten zu  "
Es geschah am hellichten Tag" (1958)
Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich,
mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); © Praesens-Film AG

Quellen (unter anderem*)) Wikipedia, www.cyranos.ch, tls.theaterwissenschaft.ch, Historisches Lexikon der Schweiz
*) Alfred A. Häsler: "Außenseiter-Innenseiter, Porträts aus der Schweiz" (Verlag Huber Frauenfeld, 1983), S. 140 ff)
Link: 1) Wikipedia, 2) filmportal.de, 3) cyranos.ch, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 5) tls.theaterwissenschaft.ch
  
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Wikipedia, cyranos.ch)
Als Darsteller Noch: als Darsteller

Als Regisseur

  • 1938: Friede den Hütten / Le règne de l'esprit malin (auch Darsteller)
  • 1939: Farinet – Die sanfte und die wilde Freiheit (auch Drehbuch, Darsteller) Filmlexikon
  • 1941: Emil, me mues halt rede mitenand! (auch Co-Drehbuch Filmlexikon
  • 1942: Menschen, die vorüberziehen (auch Co-Drehbuch; nach Carl Zuckmayers Roman "Katharina Knie" Filmlexikon
  • 1943: Wir bauen auf (Kurz-Doku; auch Drehbuch)
  • 1943: Wilder Urlaub (Regie-Assistenz)
  • 1944: Die bildspendende Flüssigkeit (Kurz-Doku; auch Drehbuch)
  • 1944: M. F. O. (Kurz-Doku; auch Drehbuch)
  • 1945: Rieter-Werkfilm (Kurz-Doku; auch Drehbuch)
  • 1946: Das Gesetz der Straße (Kurz-Doku; auch Drehbuch)
  • 1949: Venezianische Rhapsodie (Kurz-Doku; auch Drehbuch, Schnitt)
  • 1950: Die Fabrikation von Maggi's Produkten (Kurz-Doku; auch Drehbuch)
  • 1950: Der Geist von Allenwil (Kurz-Doku mit Spielhandlung; auch Drehbuch, Schnitt)
  • 1954: Ein Menschenalter oder Jakob fürchtet sich im Dunkeln (Kurz-Doku; auch Drehbuch)
  • 1955: Modernste Vermessungsinstrumente (Kurz-Doku; auch Drehbuch)
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