La Jana wurde am 24. Februar 1905 als Henriette Margarethe Hiebel und Tochter des Vergoldermeisters Heinrich Hiebel im damals noch außerhalb Wiens gelegenen Örtchen Mauer geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie ab dem 2. Lebensjahr nach dem Umzug ihrer Eltern zusammen mit ihrer älteren Schwester Anna (Anny Bittlinsky) in Frankfurt am Main. Schon mit zehn Jahren erhielt die kleine Henriette Ballettunterricht und wurde später mit sechzehn Jahren Elevin an der Frankfurter Oper. Wohl weil ihr Geburtsname zu bieder und bürgerlich klang, legte sie sich den Künstlernamen "La Jana" zu, was im indischen angeblich so viel wie "Die Blumengleiche" bedeuten soll. Allerdings "Indisch" als Sprache gibt es gar nicht. Dort verständigt man sich in Hindi, Urdu, Bengali, Oriya, Marathi, Gudscharti oder oder oder … In keiner dieser Sprachen existiert der Begriff La Jana. In Sanskrit allerdings findet sich das Wort Layana, und das heißt "Ruhe" oder "Ruhestätte".1)
Dass sie 1921 in Trude Hesterbergs Kabarett "Die Wilde Bühne" auftrat ist nicht eindeutig belegt, gesichert ist, dass sie als Star bei den legendären Haller- und Charell-Revuen tanzte. So sah man sie unter anderem in "An und Aus" von Hermann Haller2) (1871 – 1943), halbnackt und auf einem Silbertablett in der Revue-Operette "Casanova", wo sie neben Marianne Winkelstern2) (1910 – 1966) und Michael Bohnen3) (1887 – 1965) unter der Regie von Erik Charell2) (1894 – 1974) auftrat, oder mit blonder Perücke in den von Max Reinhardt2) (1873 – 1943) in Szene gesetzten Aufführungen von Jacques Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" und "Die schöne Helena".

La Jana 1927
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek2) (ÖNB)
Urheber: Atelier D'Ora-Benda (Madame d'Ora2) (1881–1963) / Arthur Benda2) (1885–1969)
© ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204820-D); Datierung: 14.04.1927

La Jana 1927; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber: Atelier D'Ora-Benda (Madame d'Ora (1881–1963) / Arthur Benda (1885–1969); Copyright ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204820-D); Datierung: 14.04.1927 
La Jana 1927; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber: Atelier D'Ora-Benda (Madame d'Ora (1881–1963) / Arthur Benda (1885–1969); Copyright ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204883-D); Datierung: 15.10.1927 Ihr Erfolg in Berlin brachte die "Königin der Revue" auch ins europäische Ausland, unter anderem trat sie als Tänzerin in Paris, Stockholm (1933) sowie 1934/35 in London am "Palace-Theater" und "Savoy-Theater" auf, wo sie als "Sensation des Jahres" umjubelt wurde und sogar vor der Königin von England tanzen durfte. Trotz erster Erfolge im Film, blieb La Jana stets der Bühne treu, da für sie, wie sie selbst angab, "der Kontakt zum Publikum ungeheuer wichtig sei und sie dies nur auf der Bühne und eben nicht auf der Leinwand erfahren könne".
  
Angeblich von dem Drehbuchautor und Regisseur Gèza von Cziffra2) (1900 – 1989) in Paris für den Film entdeckt (die Information laut Géza von Cziffras Autobiografie ist vage und sehr umstritten4), war La Jana bereits in verschiedenen Stummstreifen als Tänzerin auf der Leinwand zu sehen gewesen. 1925 debütierte sie neben Leni Riefenstahl, Mary Wigman und Niddy Impekoven in Wilhelm Pragers Kulturfilm "Wege zu Kraft und Schönheit", 1926 folgte die schwedische Produktion "Die weiße Geisha", 1928 spielte sie in "Ritter der Nacht", ein Jahr später eine junge Naive in "Der lustige Witwer". 1930 wirkte sie in ihrem ersten Tonfilm, dem polnischen Revolutionsdrama "Die Warschauer Zitadelle" mit, der Streifen beeindruckte jedoch weder Publikum noch Kritik.
  
La Jana 1927
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek2) (ÖNB)
Urheber: Atelier D'Ora-Benda (Madame d'Ora2) (1881–1963) / Arthur Benda2) (1885–1969)
© ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204883-D); Datierung: 15.10.1927
Als Partnerin von Curt Bois und Hubert von Meyerinck musste sie dann 1931 mit "Der Schlemihl" zunächst wieder vernichtende Kritiken einstecken. Der Leinwanderfolg stellte sich erst 1936 mit ihrer Rolle der Tänzerin Yester neben Ernst Fritz Fürbringer in Hans H. Zerletts Zirkusfilm "Truxa"2) ein, einer Erzählung aus dem Zirkus- und Artistenmilieu, wo sie auf einem riesigen erleuchteten Tambourin tanzte. La Jana avancierte nun mit ihrer schlangenhaften Ausdrucksform zu einem beliebten "Leitbild" für exotisch-romantische Tänzerfiguren und durfte als schwüles Revuegirl der dreißiger Jahre dem deutschen Film einen Hauch von Exotik und Fernweh vermitteln. Die biegsame Tänzerin personifizierte glutäugige Südländerinnen von ephebenhafter Anmut und Leidenschaft, die Yester, Sitha oder Concha hießen und meist nur mit Ketten oder Flitter bedeckt waren.
Bei ihren Rollen stand eher die Pose vor phantasievollen und raffinierten Filmkulissen im Vordergrund und mit Leinwandmärchen wie den 1938 gedrehten Streifen "Es leuchten die Sterne", "Der Tiger von Eschnapur"2) oder "Das Indische Grabmal"2) (Regie: Richard Eichberg) erlangte La Jana Popularität und Erfolg durch ihren Tanz, ihre Bewegungen.
 

La Jana 1924
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek2) (ÖNB)
Urheber: Atelier Madame d'Ora2) (1881–1963); Datierung: 19.05.1924
© ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204483-D

La Jana 1924; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) Urheber: Atelier Madame d'Ora (1881–1963); Datierung: 19.05.1924; Copyright ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204483-D)
Spätestens mit letztgenannten Filmen, in denen sie die Rolle der Maharani Indira bzw. der indischen Tänzerin Sitha mimte, avancierte La Jana zu einem umschwärmten Filmstar und Liebling des Kinopublikums. Die Filmpresse urteilte damals: "Schon rein äußerlich entspricht sie dem Typ der indischen Frau" und das Publikum jubelte über ihre entfesselten, erotischen Tänze vor bombastischen Kulissen. So wie bereits zuvor auf der Bühne, so stand La Jana bald auch im Film für effektvolle und aufsehenerregende Kostüme und feurige, exotisch anmutende Tänze. Auch hier spielte ihr fremdländisches Aussehen eine Rolle, ebenso wie ihre stets betonte Schönheit. La Jana durfte in der prüden Kinolandschaft des Dritten Reichs nackte Haut zeigen, ihre körperlichen Reize wurden immer wieder ganz bewußt hervorgehoben. So versäumte die Filmpresse etwa nicht, darauf hinzuweisen, daß La Jana in ihrem neuen Film nur mit ein wenig Silberflitter bekleidet sei und schwärmte von der Unverhülltheit ihres Gliederspieles im Tanz.5)
Ehrengrab La Janas (Henny Hiebel) auf dem Waldfriedhof Dahlem in Berlin; Urheber: Wikimedia-User HelenaL; Lizenz CC-BY-SA 3.0.; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons Die Uraufführung ihres letzten Revuefilms, "Stern von Rio" erlebte sie nicht mehr; bei der Truppenbetreuung während des 2. Weltkrieges leicht bekleidet, holte sich die Künstlerin im Winter 1939/40 eine Lungen- und Rippenfellentzündung und starb daran am 13. März 1940 mit nur 35 Jahren in einem Krankenhaus in Berlin-Wilmersdorf.
 
Sie wurde auf dem Waldfriedhof in Berlin-Dahlem beigesetzt; später, nach einem Streit um die Kosten der Grabstelle, wurden Grab und Grabstein eingeebnet. Heute erinnert nur noch ein Gedenkstein mit der Originalbronzeplatte des ersten Grabsteines, welche ein Konterfei La Janas trägt, an die unvergleichliche Tänzerin und Schauspielerin. Anlässlich ihres 80. Geburtstages erklärte die Stadt Berlin das Grab zum Ehrengrab (Feld 007 – 319 (Abt. 22 B 87). Auf der Stelle selbst erhebt sich nun eine geschliffene Grabplatte mit giebelartigem Abschluss. Im oberen Drittel der Platte ist ein Rundmedaillon aufgesetzt, darunter der Künstlername der Tänzerin. Das Medaillon präsentiert das Profil von La Jana im Flachrelief. Das klare, idealisierte Porträt zeigt sich ganz im Sinn der zeitgenössischen Ästhetik. Es ist nicht sicher, ob es sich hierbei um das Original von 1940 handelt. Dereinst wurde der Stein abgeräumt. Er fand einen Platz im Garten des damaligen Leiters des Heimatmuseums Steglitz. Hier blieb er bis zu seiner Rückführung auf das Grab.4)

Ehrengrab La Janas (Henny Hiebel) auf dem Waldfriedhof Dahlem in Berlin
Urheber: Wikimedia-User HelenaL; Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons

Der frühe Tod der "Blumengleichen" steigerte später die kultische Verehrung und ihre Legendenbildung. Sie war nie verheiratet und hatte keine Kinder, eine um 1926 geschlossene Verlobung mit dem Schauspieler Ulrich Bettac2) (1897 – 1959) wurde nach wenigen Jahren wieder gelöst. La Jana soll über mehrere Jahre hinweg mit dem berühmten Kammersänger Michael Bohnen und – laut Gezá von Chiffras Autobiografie – auch mit dem Kronprinzen Wilhelm2) (1882 – 1951) liiert gewesen sein. Weitere Gerüchte gibt es über Beziehungen zu Hans Albers, Charles Chaplin und NS-Propagandaminister Joseph Goebbels. Letzteres gilt wohl als völlig frei erfunden, da ihr ungutes Verhältnis zu Goebbels hinlänglich bekannt war. Die meisten Vermutungen ranken sich jedoch um den Tod La Janas. Sicher ist zumindest, dass sie die Wehrmachtstournee nicht freiwillig, sondern auf den Befehl Goebbels antrat. Dazu kamen die Gerüchte auf, dass dies eine Rache für La Janas Abneigung gegenüber dem "Bock von Babelsberg" gewesen sei. Außerdem wird der Tod La Janas als Mord der SS dargestellt, da sie – so die Legende – jüdischen Schauspielern die Flucht aus Deutschland ermöglicht haben soll.
La Jana ist, nicht zuletzt durch ihren frühen Tod und ihre relativ kurze Filmkarriere, heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Die Prophezeiungen der damaligen Zeit ("Schön und jung haben wir sie verloren, schön und jung aber wird sie allzeit in unserer Erinnerung lebendig bleiben") sollten sich nicht erfüllen. Die meisten Filmgeschichten wie auch die Spezialpublikationen zum Film der dreißiger Jahre kennen den Namen La Janas nicht mehr, und auch in tanzhistorischen Publikationen kommt La Jana, wenn überhaupt, nur noch am Rande vor. Auch daß die populäre Tänzerin 1930, lange bevor sie ihre erste Hauptrolle bekommen sollte, als Besetzung der Lola Lola in Sternbergs Film "Der blaue Engel" im Gespräch war, bevor Marlene Dietrich für diese Rolle entdeckt wurde, ist heute weitgehend unbekannt.5)
 
Mitte November 2008 erschien von Helena Lehmann die monografische Biografie "La Jana". Die Autorin hat mit diesem Buch nicht nur erstmals eine komplette Biografie der Schauspielerin La Jana recherchiert, sondern beleuchtet auch die Person hinter den Scheinwerfern und Kameras. Zahlreiche Fotos, u.a. auch aus dem verloren geglaubten Nachlass, illustrieren nicht nur die filmischen Höhepunkte sondern auch das Privatleben La Janas.
 

Foto (auch Hintergrund): Buchcover der Biografie "La Jana" von Helena Lehmann
mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Buchcover Biografie La Jana
 Textbausteine des Kurzportraits von www.la-jana.com sowie
"Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 214/215)
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch sowie die Artikel zum
"La Jana-Archiv" (Teilnachlass und Sammlung im "Deutschen Tanzarchiv Köln"
und das Portrait von Dietrich Nummert bei www.luise-berlin.de
Fotos bei film.virtual-history.com
Quelle:
1) Berlinische Monatsschrift Heft 7-2/2001
4) Wikipedia (abgerufen 24.11.2011)
5) Jürgen Trimborn, Manuskript für die Zeitschrift "Tanzdrama"
Link: 2) Wikipedia, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP
 
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