Albert Lieven wurde am 23. Juni 1906 im ostpreußischen Hohenstein (heute Olsztynek, Polen) als Albert Liévin und Sohn des renommierten Tuberkulose-Spezialisten Medizinalrat Dr. Walter Liévin geboren. Anfangs wollte er noch in die Fußstapfen seines Vaters treten, aber finanzielle Schwierigkeiten nach dem ersten Weltkrieg zwangen ihn, sein Studium aufzugeben und sich einem kaufmännischen Beruf zuzuwenden. Um etwas Abwechslung zu haben, spielte er als Statist auf kleineren Berliner Bühnen und Lieven, wie er sich nun nannte, fand Gefallen an der Schauspielerei. Sein Weg über die Bühnen von Gera (1928–1929) und Königsberg/Pr. (1929–1932) führte ihn dann stetig nach oben. Ein Engagement an das Staatstheater Berlin (1932–1933) wurde zum Höhepunkt seiner deutschen Bühnentätigkeit. Gastspiele führten ihn in den Jahren 1933 bis 1936 unter anderem auch nach Wien, Bremen und an andere Berliner Theater.
1932 wurde Lieven für den Tonfilm verpflichtet und gab als Fähnrich von Schunemann neben Lucie Englisch und Paul Hörbiger sein Leinwanddebüt in "Annemarie, die Braut der Kompanie". Danach folgten noch rund 15 deutsche Kinoproduktionen, unter anderem "Reifende Jugend"1) (1933), "Eine Siebzehnjährige" (1934), "Hermine und die sieben Aufrechten"2) (1934), "Krach um Jolanthe" (1934), "
Die Klugen Frauen"1) (1935) und "Eine Frau ohne Bedeutung"2) (1936).

Foto: Albert Lieven vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch;
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Albert Lieven vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch
1936 verließ Lieven, der in den letzten Jahren schon vereinzelt in Frankreich gedreht hatte, wegen seiner jüdischen Frau Tatjana Nazi-Deutschland und emigrierte über Frankreich nach Großbritannien. Nach vier Monaten Aufenthalt in London bekam der Schauspieler Anfang 1937 dort als Prinz Ernest das erste Bühnenengagement am "Lyric Theatre" in der dramatisierten Fassung der Biographie über die englische Queen Victoria "Victoria Regina" von Laurence Housman. Später ging er als "Prinz Albert" mit dem gleichen Werk auf Tournee, wirkte unter anderem am "Wyndham Theatre" in London. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Lieven auch bei der Londoner BBC im Auslandsdienst als Nachrichtensprecher und Reporter.
1939 erhielt er in Großbritannien als Captain Hausemann in Mario Zampis humoristischem Thriller "Spy for a Day" die erste Filmrolle im Ausland und mit weiteren britischen Produktionen wie "Nachtzug nach München" (1940, Night Train to Munich) wurde Lieven auch international bekannt. 1941 war er als Graf Erich von Wittgenstein neben Barbara Mullen and Michael Redgrave in Harold Frenchs romantischen Komödie "Jeannie" (auch: Girl in Distress) zu sehen, im gleichen Jahr verkörperte er den französischen Außenminister Talleyrand1) (1754 – 1838)  in Carol Reeds Biopic "The Young Mister Pitt" (1942), mit dem das Leben des britischen Politikers bzw. Premierministers William Pitt der Jüngere1) (1759 – 1806) nachgezeichnet wurde. Weitere tragende Rollen hatte Lieven unter anderem in Michael Powells Antikriegsfilm "Leben und Sterben des Colonel Blimp"1) (1943, Life and Death of Colonel Blimp), in Harold Frenchs Komödie "English Without Tears" (1944), in dem Melodram "Der letzte Schleier" (1946, The Seventh Veil) oder in Maurice Elveys Stefan Zweig-Adaption "Ungeduld des Herzens" (1946, Beware of Pity), wo er als Partner von Lilli Palmer als Leutnant Anton Marek überzeugte.

1948 ging der Schauspieler für kurze Zeit nach New York und spielte am Broadway unter anderem in dem Stück "The Winslow Boy" von Terrence Rattigan. Theatergastspiele führten ihn in die Sowjetunion, durch die Vereinigten Staaten und nach Nordafrika. 1952 wirkte er auf den Bühnen des "Prince of Wales Theatre" und des "Hippodrome Theatre" in London.
Zurück in Deutschland arbeitete Lieven ab Anfang der 1950er Jahre neben zahlreichen internationalen Produktionen auch wieder für den deutschen Film. So war er beispielsweise 1952 als Kriminalschriftsteller Dr. Malien neben Liselotte Pulver in Kurt Hoffmanns heiteren Geschichte "Klettermaxe"1) zu sehen, mimte in Géza von Bolvárys Militärkomödie "Fritz und Friederike" (1952) den Offizier Henry de Voss, in den sich Protagonistin Friederike (Liselotte Pulver) verliebt, oder in Karl Antons eher zu vernachlässigenden Operettenverfilmung "Die Rose von Stambul" (1953) den Achmed Bey. In Helmut Käutners Zuckmayer-Adaption "Des Teufels General"1) (1955) zeigte er sich neben Titelheld Curd Jürgens als Oberst Friedrich Eilers; mit Jürgens stand er auch für die Stefan Zweig-Verfilmung "Schachnovelle"1) (1960) vor der Kamera. In internationalen Produktionen wurde Lieven häufig mit militärischen Rollen besetzt, wie 1960 als "Wüstenfuchs" Generalfeldmarschall Erwin Rommel1) (1891 – 1944) in "Foxhole in Cairo" oder ein Jahr später als Kommandeur Meusel in "Die Kanonen von Navarone"1) (1961, The Guns of Navarone).
In den 1960er Jahren spielte Lieven auch in den beliebten Wallace-Streifen mit, so 1961 als zwielichtiger Firmeninhaber Raymond Lyne in "Das Geheimnis der gelben Narzissen"1). 1964 übernahm er neben Margot Trooger die Hauptrolle des wohlhabenden Londoner Geschäftsmanns Trayne, der in "Das Verrätertor"1) die berühmten Kronjuwelen aus dem Tower zu rauben will und 1968 tauchte er in "Der Gorilla von Soho"1) als Henry Parker auf, undurchsichtiger Leiter der Wohltätigkeitsorganisation "Love and Peace for People".
Im Fernsehen gehörte Lieven zu den vielbeschäftigten Darstellern jener Jahre, am bekanntesten wurde er den TV-Zuschauern jedoch wohl durch den 1962 gedrehten
legendären Durbridge-Straßenfeger "Das Halstuch"3): Lieven spielte damals den Londoner Verleger Clifton Morris, der zunächst als Hauptverdächtiger galt. Lieven war überhaupt einer der meistbeschäftigten Durbridge-Darsteller, schon 1959 hatte er in "Der Andere"3) – der ersten Verfilmung eines Drehbuchs von Francis Durbridge für die ARD – den zwielichtigen Internatslehrer David Henderson gemimt, ein Jahr später agierte er als Scotland-Yard-Inspektor Hyde in dem Mehrteiler "Die Schlüssel"3). 1970 schließlich war er das Mordopfer Gordon Stewart in "Wie ein Blitz"3).

Insgesamt wirkte der Schauspieler in etwa 80 deutschen, englischen, französischen und amerikanischen Kinoproduktionen mit und hinzu kamen mehr als 60 Fernsehhauptrollen. Er war vier Mal verheiratet, so mit den Schauspielerinnen Tatiana Lieven (1909 – 1978) und Valerie White (1915 – 1975); die 1949 geschlossene Ehe mit Susan Shaw4) (1929 – 1978) hielt nur knapp vier Jahre, seine letzte Verbindung ging der Schauspieler mit dem deutschen Filmstar Petra Peters1) (1925 – 2004) ein; Lieven hatte einen Sohn aus erster Ehe und eine Tochter aus dritter Ehe.
  
Albert Lieven, der zuletzt in seinem Landhaus in Surrey lebte, starb am 16. Dezember 1971 mit 65 Jahren in London an den Folgen eines Krebsleidens.
Der große Theaterkritiker Friedrich Luft schrieb in einem Nachruf für die "Preußische Allgemeine Zeitung": "Er hatte die stürmische Anmut eines jungen Wandervogels. Er war der im besten Sinne romantische deutsche Jünglingstyp (…) Er war nie einer der umstürzenden Protagonisten – aber so verläßlich, so unaufwendig genau in seiner Arbeit und war so ungemein sympathisch. Man soll um ihn trauern …"5)  

Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2) Murnau Stiftung, 3) Beschreibung innerhalb dieser HP, 4) Wikipedia (englisch)
Quelle: 5) Preußische Allgemeine Zeitung (17. Juni 2006) → www.webarchiv-server.de
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Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Wikipedia (deutsch/englisch), Murnau Stiftung)
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