Siegfried Lowitz Inspektor Guggitz in dem Film "Es geschah am hellichten Tag" (1958); Quelle: www,cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG, Zürich", mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG Siegfried Lowitz wurde am 22. September 1914 als Franz Georg Wilhelm Wodolowitz und Sohn eines Bildhauers in Berlin geboren. Seit dem Alter von vier Jahren lebte er mit der Mutter in Amsterdam, die dort als Modeschneiderin arbeitete. Als er erst sechs Jahre alt war, verstarb seine Mutter an Krebs und der Junge wurde vom Vater und dessen zweiter Ehefrau in Mainz erzogen, wo er auch das Gymnasium besuchte. Schon früh interessierte er sich für das Theater, spielte bei Laienbühnen und absolvierte nach seinem Schulabschluss die staatliche Schauspielschule in Frankfurt a.M., wo er auch 1934 sein Theaterdebüt gab. Weitere Engagements führten ihn nach Mainz und Breslau sowie nach Gießen und schnell profilierte er sich als Charakterdarsteller. 1941 wurde Lowitz als Grenadier ins Schützenregiment 6 der 7. Panzerdivision eingezogen, kämpfte an der Ostfront und in Frankreich, wurde dann 1943 wegen einer Verletzung, die er sich bei einem Motorradunfall zugezogen hatte, als Soldat entlassen.
Nach Kriegsende spielte Lowitz zunächst im bekannten Münchener Kabarett "Die Schaubude"1), stand dann bei Heinz Hilpert zunächst an dessen "Frankfurter Theater" auf der Bühne, ging dann mit Hilpert nach Konstanz sowie an das "Deutsche Theater" in Göttingen. Zwischen 1952 und 1956 bzw. 1962 und 1968 gehörte er zum Ensemble der "Münchener Kammerspiele", bis 1978 zum gleichfalls in München beheimateten "Bayerischen Staatsschauspiel". Danach war er als freischaffender Schauspieler tätig, blieb dem Theater aber mit vielen Gastrollen an verschiedenen Häusern verbunden.

Siegfried Lowitz Inspektor Guggitz in dem Film "Es geschah am hellichten Tag" (1958)
Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich",
mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich)
© Praesens-Film AG

Zum Film Kam Lowitz Anfang der 1950er Jahre, nach ersten winzigen Nebenrollen wie 1954 in "Der Engel mit dem Flammenschwert" folgten größere Parts und Lowitz profilierte sich als verlässlicher Darsteller auf der Leinwand. Bereits in den 1950er und 1960er Jahren jagte er im Film als Kommissar den Ganoven hinterher, eine Rolle die ihn später als "der Alte" berühmt machen sollte und fest mit seinem Namen verbunden bleibt.
So war Lowitz schon 1956 in Kurt Meisels Lustspiel "Das Sonntagskind"1) an der Seite des Protagonisten Heinz Rühmann der Kriminalinspektor, 1958 spielte er in dem Justizdrama "Gestehen Sie, Dr. Corda!" den Inspektor Guggitz und in Ladislao Vajdas Dürrenmatt-Adaption "Es geschah am helllichten Tag"1) den Inspektor Heinzi. In dem Wallace-Streifen "Der Frosch mit der Maske"1) versuchte er 1959 als Kommissar Elk den Mörder zur Strecke zu bringen und 1961 war er in "Der Fälscher von London"1) schon zum Oberinspektor aufgestiegen.
Der Hexer; Copyright Einhorn-Film Ein Jahr später agierte er als Kommissar Brahm in "Die Unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse"1) und in "Der Hexer"1) unterstützte er 1964 als Scotland Yard-Beamter Inspektor Warren seinen Chef Inspektor Higgins alias Joachim Fuchsberger; das Jahr darauf übernahm er dann –  ganz untypisch –  die Rolle des Sir Richard in "Der Unheimliche Mönch"1). Gemeinsam mit Horst Tappert als Gentleman-Verbrecher stand Lowitz 1966 als Dennis MacLeod für den legendären Straßenfeger "Die Gentlemen bitten zur Kasse"2) vor der Kamera, bereits 1960 hatte er in dem Durbridge Sechsteiler "Es ist soweit"2) den Inspektor Kenton gemimt..
 
 
Foto mit freundlicher Genehmigung von Einhorn-Film
© Einhorn-Film/Weltlichtspiele Kino GmbH
Obwohl der Kriminalfilm seine Domäne war, spielte Lowitz bei Film und Fernsehen auch ganz anders geartete Rollen. So trat er beispielsweise 1956 in Helmut Käutners, für das Kino inszenierten Zuckmayer-Adaption "Der Hauptmann von Köpenick"1) als Stadtkämmerer Rosenkranz  in Erscheinung, erneut unter der Regie Käutners als Benzel in "Der Schinderhannes"1) (1958). 1967 brillierte er mit der Titelrolle in der TV-Produktion "Biedermann und die Brandstifter", die Rainer Wolffhardt nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Max Frisch in Szene gesetzt hatte. Für seine eindringliche Interpretation der Titelrolle in Dietrich Haugks Fallada-Verfilmung "Der Trinker" erhielt Lowitz 1969 die "Goldene Kamera".
 

Siegfried Lowitz (r.), Werner Peters2) (M.) und Hans Dieter Zeidler2) (l.)
in dem 1958 vom SWR produzierten TV-Drama "Besuch aus der Zone",
nach einem bereits zwei Jahre zuvor erstmals bei Radio Bremen
gesendeten gleichnamigen Hörspiel von Dieter Meichsner.
Das Stück beschäftigt sich mit der Spaltung Deutschlands und fragt,
ob eine Begegnung zwischen Ost und West überhaupt noch möglich ist.
(Quelle: Chronik der ARD)
Drehbuch: Dieter Meichsner1), Helmut Pigge1) und Rainer Wolffhardt
1)
Regie: Rainer Wolffhardt
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR
→ Info zum Film bei filmportal.de

Siegfried Lowitz (rechts) und Werner Peters (Mitte) in dem 1958 vom SWR produzierten TV-Drama "Besuch aus der Zone", nach einem bereits zwei Jahre zuvor erstmals bei Radio Bremen gesendeten gleichnamigen Hörspiel von Dieter Meichsner. Das Stück beschäftigt sich mit der Spaltung Deutschlands und fragt, ob eine Begegnung zwischen Ost und West überhaupt noch möglich ist. (Quelle: Chronik der ARD); Drehbuch: Dieter Meichsner, Helmut Pigge und Rainer Wolffhardt; Regie: Rainer Wolffhardt; Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR
Siegfried Lowitz in "Herr Soldan hat keine Vergangenheit"; Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film" Neben verschiedenen Literaturadaptionen zeigte sich Lowitz immer wieder in Krimis auf dem Bildschirm, etwa neben Helmut Qualtinger als Buchagent Marojan in " Tagebuch eines Frauenmörders"3) (1969; Regie: Helmut Käutner), als Titelheld in "Herr Soldan hat keine Vergangenheit"3) (1972; Regie: Joachim Hess) oder als pensionierte Scotland-Yard-Inspektor Keith-Kendrick, genannt KK, in " Eine Tote soll ermordet werden"3) (1972; Regie: Wilhelm Semmelroth). Diese legendären TV-Produktionen sind inzwischen auf DVD im Handel erhältlich.
 
1977 wurde der Schauspieler dann mit der Figur des Kommissar Erwin Köster in der TV-Serie "Der Alte"1) betraut und zählt bis heute neben "Kommissar" Erik Ode2) und "Derrick" alias Horst Tappert2) zu den erfolgreichsten und berühmtesten "Kriminalern" der Fernsehgeschichte. Bis 1986 blieb Lowitz "Hüter von Recht und Ordnung"; in der 100. Folge "Zwei Leben" ließ er sich dann erschießen, um jede Rückkehr in der Serie auszuschließen.
 
Szenenfoto aus "Herr Soldan hat keine Vergangenheit"
Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film",
welche die Produktion Mitte September 2012 auf DVD herausbrachte.
Die Rolle des "Alten" wurde danach von Produzent Helmut Ringelmann mit Rolf Schimpf2) alias Kriminalhauptkommissar Leo Kress besetzt, der den "Alten" von 1986 bis 2007 mimte; es folgten 2008–2012 Kriminalhauptkommissar Rolf Herzog (Walter Kreye2)) und seit Folge 366 bzw. 2012 geht Jan-Gregor Kremp1) in diesem ZDF-Dauerbrenner auf Verbrecherjagd.
Aber auch nach seinem Abschied vom "Alten" blieb Lowitz – allerdings nun als Ganove – dem Krimi treu: in der 170. "Derrick"-Folge (Eine Art Mord) spielte er 1988 einen Verbrecher, der nach langen Jahren der Haft entlassen wird, und sich auf die Suche nach der Beute begibt.
Danach widmete sich Lowitz mehr seinem Privatleben oder spielte Theater wie 1988 den Al Lewis in Neil Simons "Sonny-Boys" am Wiener "Theater in der Josefstadt". Nur selten übernahm er noch Aufgaben für das Fernsehen, letztmalig erlebten ihn die Zuschauer 1997 in der Kultkomödie "Mein Freund Harvey"1) sowie 1998 als Gast von Alfred Biolek in dessen Talkshow "Boulevard Bio".

Siegfried Lowitz, der seit 1952 in zweiter Ehe mit Schauspielerkollegin Marianne Probst verheiratet war, starb am 27. Juni 1999 im Alter von 84 Jahren in einem Münchener Klinikum; vier Wochen zuvor hatte er sich bei einem Sturz aus einem Sessel einen doppelten Oberschenkelhalsbruch zugezogen, darüber hinaus litt er seit einigen Jahren an Anämie. Seine letzte Ruhe fand der populäre Schauspieler auf dem Friedhof in München-Bogenhausen (Grab Nr. 3-3-73a) → Foto der Grabstelle bei knerger.de. In erster Ehe war Lowitz nach dem Krieg mit Elisabeth Felber verheiratet gewesen.
Ein Jahr nach dem Tod des populären Schauspielers erschienen im Juli 2000 seine Erinnerungen unter dem Titel "Was für ein Leben". Hierin lässt Lowitz sein Leben Revue passieren und schildert unverwechselbar und eigenwillig die wichtigsten Stationen seiner Schauspielerkarriere; die Erinnerungen des großen Charakterdarstellers werden durch eine Fülle von Fotos ergänzt.

Die SIEGFRIED LOWITZ-STIFTUNG für Theater und Schauspielkunst mit Sitz in Gauting bei München wurde im Sinne und zu Ehren von Schauspieler Siegfried Lowitz ins Leben gerufen. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, sowohl Theater und Schauspielkunst zu fördern und zu unterstützen als auch große Künstler auszuzeichnen.

Siehe auch Wikipedia, lowitz-stiftung.de sowie
den Nachruf bei www.spiegel.de
Link: 1) Wikipedia, 2) Beschreibung bzw. Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Die Krimihomepage
  
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Wikipedia, Beschreibung innerhalb dieser HP, fernsehserien.de)
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