Brigitte Mira  1985; Copyright Virginia Shue Brigitte Mira wurde am 20. April 1910 in Hamburg geboren; ihr Vater war der aus Russland eingewanderte Konzerpianist Siegfried Mira, ihre Mutter Elisabeth kümmerte sich um Haushalt und Familie. Brigitte Mira verbrachte ihre Kindheit in Düsseldorf und wurde schon früh in Gesang und Ballett ausgebildet. Ende der 1920er Jahre erhielt sie in Köln ein Engagement und als Elevin spielte und sang dort u. a. die Esmeralda in Smetanas "Die verkaufte Braut"; weitere Stationen ihrer beginnenden Karriere als Soubrette waren in den 1930er Jahren Bremerhaven, Kiel, Reichenberg, Hannover und Graz. Daneben stand sie mit Sommertheatern in Marienbad und Karlsbad auf der Bühne und begegnete den Stars jener Zeit wie Fritzi Massary1) (1882 – 1969), Max Pallenberg1) (1877 – 1934), Richard Tauber1) (1891 – 1948) oder Leo Szlezak1) (1873 – 1946).

1941 kam Brigitte Mira nach Berlin, wo sie u. a. am "Rose-Theater", im "Theater am Schiffbauerdamm", in der "Plaza" sowie im "Wintergarten" auftrat; hier entdeckte Willi Schaeffers1) (1884 – 1962) ihr komisches Talent und holte sie an sein legendäres "Kabarett der Komiker"2) ("KaDeKo"). Während dieser Zeit wirkte die Künstlerin auch schon in Eugen Yorks Propaganda-Kurzfilmserie "Liese und Miese" (1943) mit, die Goebbels dann wegen "falscher" Reaktion des Publikums einstellen ließ.
Dabei war die Volksgenossin "Liese" die "Gute", die sich im Sinne der Nazi-Propaganda richtig verhielt, während die "Miese" alles falsch machte, Feindsender hörte, über knappe Lebensmittel schimpfte und sich mit Spionen einließ. Die Darstellungskunst von Brigitte Mira sorgte jedoch dafür, dass "Miese" beim Publikum mehr Anklang fand als die von Gisela Schlüter gespielte "Liese", so dass das Propagandaministerium die Serie nach zehn Folgen wieder absetzte.3)
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin  Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Nach dem Krieg war Brigitte Mira vornehmlich an Operettenbühnen engagiert, spielte in "Pariser Leben" oder "Die Fledermaus", trat in leichten Unterhaltungsfilmen und Lustspielen neben Peter Alexander, Vico Torriani oder Harald Juhnke auf, tingelte durch die Bühnenprovinz und machte Kabarett, u. a. kurz nach Kriegsende bei Günter Neumanns "Die Insulaner"2) im Radiosender "RIAS"; auch mit dem Kabarett "Die fröhlichen Spötter" ging sie auf Tournee.
 
Anfang der 1970er Jahre begann die Karriere der Mira als anerkannte Charakterdarstellerin, 1972 war sie von Peter Zadek für seine Fallada-Revue "Kleiner Mann? was nun?" an das Bochumer Schauspielhaus engagiert worden, wo sie Rainer Werner Fassbinder kennen lernte. Zunächst auf der Leinwand vor allem mit komischen Nebenrollen besetzt, holte dieser sie 1973 für sein filmisches Psychodrama "Angst essen Seele auf"2) neben El Hedi Ben Salem2) als verwitwete Putzfrau Emmi Kurowski, die einen viel jüngeren arabischen Gastarbeiter heiratet, vor die Kamera; für diese Hauptrolle wurde Brigitte Mira 1974  in Cannes mit einem "Filmband in Gold" ausgezeichnet und stand seither in der vordersten Reihe der deutschen Schauspielerinnen.
   
Brigitte Mira als Emmi Kurowski und El Hedi Ben Salem als Ali in "Angst essen Seele auf"; Copyright Einhorn-Film Brigitte Mira als Emma Küsters und Armin Meier als Ernst in "Mutter Küsters Fahrt zum Himmel"; Copyright Einhorn-Film
Brigitte Mira als Emmi Kurowski und El Hedi Ben Salem als Ali in
"Angst essen Seele auf"4)
Brigitte Mira als Emma Küsters und Armin Meier als Ernst in 
"Mutter Küsters' Fahrt zum Himmel"4)
Fotos mit freundlicher Genehmigung von Einhorn-Film; © Einhorn-Film/Weltlichtspiele Kino GmbH
   
Brigitte Mira signiert die "Rainer Werner Fassbinder"-Edition; Copyright Virginia Shue
Brigitte Mira signiert die "Rainer Werner Fassbinder"-Edition
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin  Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
 
Mit Fassbinder drehte Brigitte Mira dann noch weitere Filme, so das Drama "Faustrecht der Freiheit"2) (1975) und "Mutter Küsters' Fahrt zum Himmel"4) (1975), gefolgt von "Satansbraten"2) (1976), "Chinesisches Roulette"4) (1976) und "Lili Marleen"2) (1981) und auch in Fassbinders hochgelobtem Mehrteiler "Berlin Alexanderplatz"1) (1980) gehörte Brigitte Mira als Biberkopfs Zimmerwirtin Frau Bast zur Besetzung. Die Künstlerin erhielt auch von anderen Regisseuren des "Neuen Deutschen Films" tragende Rollen und machte sich in deren Produktionen unverzichtbar.
Als "Fröhliche vom Dienst" begann die Künstlerin ihre Karriere in Lustspielen, Operetten und Volksstücken, sang und "blödelte" im deutschen Nachkriegsfilm, und mit ihrer Mixtur aus Herz, Berliner Schnauze und Gefühl wurde sie für die leichte Unterhaltung unverzichtbar. Doch erst mit ihren Charakterrollen zeigte Brigitte Mira, was in ihr steckt.5)
Das Fernsehen bot Brigitte Mira ab Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre ein breites Betätigungsfeld und die "Soubrette vom Dienst" wurde – auch mit gelegentlichen Ausflügen ins Charakterfach – zu einer TV-Institution. Besonders mit ihrer Rolle des Urberliner Originals Margarete Faerber in dem TV-Dauerbrenner "Drei Damen vom Grill"2) avancierte sie ab 1977 zum Publikumsliebling – eine liebenswerte Figur, die sie mehr als 100 Mal, mit Unterbrechungen, bis 1991 mimte
Sie spielte beispielsweise 1982 die Martha in "Leben im Winter", Ende der 1980er Jahre neben Harald Juhnke und Eddi Arent in der Sketch-Reihe "Harald und Eddi"2) oder zeigte sich 1989/90 als Gundula Brachvogel in der TV-Serie "Spreepiraten"2). Unvergessen bleibt Brigitte Mira auch als die "Queen Mum" in Hape Kerkelings witzigen Geschichte "Willi und die Windzors"2) (1996) oder 2001 als die Olga von Reichenbach in "Aszendent Liebe". Im Frühjahr 2000 war sie mit Harald Juhnke und Günter Pfitzmann in der Krimikomödie "Ein lasterhaftes Pärchen"6) zu sehen gewesen.
 

Foto: Brigitte Mira und Harald Juhnke in "Ein lasterhaftes Pärchen"
Foto mit freundlicher Genehmigung von www.ziegler-film.com
© Ziegler Film GmbH & Co. KG

Szenenfoto  "Ein lasterhaftes Pärchen";  Copyright cZiegler Film
Auf der Bühne hatte das Publikum Brigitte Mira noch ab September 2000 im "Hansa-Theater" als "Die Bettelkönigin von Moabit" gefeiert, bei den alljährlichen von Brigitte Grothum inszenierten "Jedermann"-Festspielen im Berliner Dom brillierte sie 2003 als "Mutter", eine Rolle, die sie auch im Herbst 2004 übernehmen sollte; wegen auftretender gesundheitlicher Probleme musste Brigitte Mira die Proben jedoch abbrechen.
Auch noch im hohen Alter war die "Grand Dame des Films" immer wieder im Fernsehen und Theater zu erleben und trat dazwischen auch gelegentlich als Diseuse solistisch auf. Ab 1997 feierte die Mira zusammen mit ihren Kolleginnen Helen Vita1) (1928 – 2001) und Evelyn Künneke1) (1921 – 2001) Erfolge mit dem Tourneeprogramm "Drei alte Schachteln", welches das Trio quer durch Deutschland führte.
Zu ihrem 90. Geburtstag rühmte sie die FAZ als eine "Phänomenale Schauspielerin, die von Zote bis Aperçu, vom Schwank bis zur Tragödie beherrscht, was darstellende Kunst fordern kann …".

Mit dem Älterwerden hatte die Mira kein Problem. Sie sorgte selbst dafür, dass sie gar nicht erst älter wurde. Zehn Jahre lang war sie 39, dann zehn Jahre 49. Und ihren 75. Geburtstag feierte sie fünfmal, was die offiziellen Glückwunsch-Übermittler aus dem Bundespräsidialamt, dem Kanzleramt und der Berliner Senatskanzlei zum Grübeln brachte. Bundeskanzler Helmut Kohl soll sich amüsiert haben darüber, wie oft er der liebenswürdigen Schauspielerin zum 75. Geburtstag gratuliert hatte… Immerhin: 1995 "outete" sie sich als 85jährige, überredet von ihren Freundinnen Regina Ziegler und Brigitte Grothum. Von diesem Zeitpunkt an kokettierte die charmante Lügnerin gelegentlich mit ihrem Alter, ließ in Interviews auch Nachdenklichkeiten einfließen, etwa mit Sätzen wie "Man sieht nicht mehr so gut und hört dafür schlechter". Oder: "Im Alter ist es mit den Zähnen wie mit den Sternen – da kommen sie raus…"
"In meinem Beruf", hat sie mal gesagt, "gibt es kein Alter. Es gibt nur Leistung." Und die brachte sie in Vollendung, oft zum Erstaunen ihrer wesentlichen jüngeren Kollegen. Sie hatte immer ihre Texte parat, was beim aufstrebenden Nachwuchs nicht selbstverständlich ist. "Ohne Arbeit würde ich eingehen wie eine Primel", meinte sie, und ihr Mitgefühl galt bei Auftritten in Seniorenheimen den "armen, alten Omis", die oft viel jünger waren als sie.
7)
Brigitte Mira  1992; Copyright Ziegler Film Brigitte Mira, die neben der verstorbenen Inge Meysel1) (1910 – 2004) zu Deutschlands großen Volksschauspielerinnen gehörte, war in erster kurzer Ehe ab 1940 mit dem Schauspieler Peter Schütte8) (1911 – 1973), in zweiter mit dem Kapellmeister Paul Cornelius verheiratet. Aus ihrer dritten Ehe mit dem Fotografen Reinhold Tabbert stammen die beiden Söhne Thomas und Robert, welche den Beruf des Werbefotografen bzw. Steuerberaters ergriffen.9) Nach einer vierten, ebenfalls geschiedenen Ehe mit einem Ingenieur, heiratete sie 1974 in fünfter Ehe ihren langjährigen Freund, den 23 Jahre jüngeren italo-amerikanischen Regisseur Frank Guerente, dem sie bis zu dessen plötzlichen Tod im Jahre 1983 verbunden blieb. Bei einer Gala anlässlich ihres 90. Geburtstag fragte sie Talkmasters Alfred Biolek "Wie schafft es eine Frau, fünf Mal verheiratet zu sein, ohne kochen zu können?", die Mira antwortete humorvoll und schlagfertig: "Ich hatte eben andere Qualitäten."

Foto: Brigitte Mira 1992 (Die Brigitte Mira Show)
mit freundlicher Genehmigung von www.ziegler-film.com
© Ziegler Film GmbH & Co. KG
Am 8. März 2005 starb die beliebte Komödiantin, Charakterdarstellerin und Operettensängerin Brigitte "Biggi" Mira sechs Wochen vor ihrem 95. Geburtstag in einem Berliner Krankenhaus, wo sie seit einigen Wochen wegen ihres geschwächten körperlichen Zustandes auf der Intensivstation lag; noch im August 2003 war der Künstlerin in der Zentralklinik "Emil von Behring" in Berlin-Zehlendorf per Notoperation ein Herzschrittmacher eingesetzt worden. Ihrem eigenen Wunsch zufolge fand sie ihre letzte Ruhe am 16. März 2005 auf dem auf dem "Luisenfriedhof III" am Fürstenbrunner Weg in Berlin-Westend – neben ihrer Mutter und ihrem letzten Ehemann Frank Guarente. Die Grabstätte gehört zu den Ehrengräbern des Landes Berlin → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.
Brigitte Mira wurde während ihrer Karriere mit unzähligen Auszeichnungen geehrt: Neben dem "Deutschen Filmpreis"2) (1974) für ihre schauspielerische Leistung in "Angst essen Seele auf" erhielt sie unter anderem 1981 das "Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland", 1989 das "Filmband in Gold"2) für ihr "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" sowie 1995 die höchste Auszeichnung in Deutschland, das "Bundesverdienstkreuz" ("Großes Verdienstkreuz"). Ein Jahr später ehrte sie das Land Berlin mit dem "Verdienstorden"2), im Februar 2000 wurde ihr die "Goldene Ehrenkamera"2) für ihr Lebenswerk verliehen. Mit dem "Goldenen Wuschel"2) (2003) des ARD-Boulevardmagazins "Brisant" und dem Kulturpreis "Berliner Bär"2) (2005) der Boulevardzeitung "B.Z." konnte die Künstlerin weitere Trophäen für ihr Lebenswerk entgegen nehmen. Seit 3. September 2012 hat nun auch Brigitte Mira einen "Stern" auf dem Berliner "Boulevard der Stars"2) → Liste der Auszeichnungen bei Wikipedia.

"Stern" auf dem "Boulevard der Stars"; Quelle: Wikimedia Commons
Urheber: Thomas Schmidt (NetAction); Lizenz: CC BY-SA 3.0  

Brigitte Mira: "Stern" auf dem "Boulevard der Stars"; Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Thomas Schmidt (NetAction); Lizenz: CC BY-SA 3.0
Bereits 1988 hatte Brigitte Mira erstmalig ihre Autobiografie unter dem Titel "Kleine Frau, was nun? Erinnerungen an ein buntes Leben" veröffentlicht, im März 2002 erschien die Neuauflage "Von ganzem Herzen. Erinnerungen" in der Horst Pillau2) die Lebensgeschichte aktuell vervollständigt hat – basierend auf Gesprächen mit der humorvollen Künstlerin. Im "Mannheimer Morgen" stand zu lesen: "Vom üblichen Jahrmarkt der Eitelkeiten vieler Künstler-Erinnerungen hebt sich dieses Buch ab. Es ist, was man vergeblich von vielen erwartet, ein Zeitdokument"; im Mai 2002 erschien zusätzlich die CD von Brigitte Mira "Gespräch mit Horst Pillau über ihr Leben." In der Kurzbeschreibung heißt es unter anderem: "Mein Leben – das ist nicht nur Glanz und Glamour. Aber es ist das beste, das ich kenne", sagt Brigitte Mira und blickt auf gut 70 Jahre Bühnenleben zurück. Sie berichtet von ihrer gefährlichen Überlebensstrategie im Dritten Reich und ihrem Weg aus der Provinz nach Berlin. Und sie erzählt von ihren fünf Ehemännern sowie von ihrer Karriere, die durch Peter Zadek und Rainer Werner Fassbinder zu neuen Höhen führte. Brigitte Mira hat nichts von ihrer sprichwörtlichen Schlagfertigkeit, ihrer Vitalität und Lebensfreude verloren. Es ist ein Gespräch unter Freunden, sehr persönlich mit urwüchsigem Humor und viel Selbstironie."  
Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
Siehe auch Wikipedia, www.deutsches-filmhaus.de, www.whoswho.de
sowie die Artikel bei www.spiegel.de und www.faz.net anlässlich des Todes der Künstlerin
Link: 1) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia, 4) deutsches-filmhaus.de, 6) prisma.de, 8) www.filmmuseum-hamburg.de
Quelle:
3) Wikipedia (abgerufen 05.10.2011),  5) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 248
7) "Die Welt" vom 11. März 2005,  9) "Berliner Morgenpost" vom 10.06.2005: "Brigitte Mira ist tot"
    
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, deutsches-filmhaus.de, prisma.de, filmportal.de)
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