Arno Paulsen erblickte am 3. Januar 1900 als Gustav Zubke im pommerschen Stettin (heute Szczecin, Polen) das Licht der Welt. Nach dem Besuch der Volks- bzw. Mittelschule in seiner Geburtsstadt zog es den Sohn eines Schneiders auf die "Bretter, die die Welt bedeuten", bereits 15-jährig stand er als Komparse am Stettiner "Stadttheater" auf der Bühne. Seine klangvolle Stimme ließ er von Kammersänger Wilhelm Bültemann ausbilden, gab dann 1917 sein professionelles Debüt als Chorist, im gleichen Jahr erhielt er am "Stadttheater" ein festes Engagement als Operettentenor und -buffo. Noch gegen Ende des 1. Weltkrieges kurzeitig als Soldat eingezogen, kehrte er nach Kriegsende an das Stettiner "Bellevue-Theater" – von den Heinheimischen liebevoll "Bellewuppdich" genannt – zurück, machte unter anderem am 8. Mai 1919 in der Uraufführung der Operette "Ihre Hoheit – die Tänzerin" von Walter Wilhelm Goetze1) (Musik) sowie in den mehr als 300 weiteren Vorstellungen Furore. Nach Stationen als Buffo unter anderem im schlesischen Brieg (1920), Osnabrück, Oberhausen und Rudolstadt ging Paulsen nach Stettin zurück, bis zum Beginn des 2. Weltkrieges folgten Engagements in Hannover und Hamburg. Als Soldat nahm er 1940 am Frankreich-Feldzug teil, nach einer Verwundung wieder genesen, wurde der Künstler zwischen 1941 und 1943 als Truppenbetreuer überwiegend mit der Theatergruppe "Conte Schwerin" an Fronttheatern eingesetzt, erlebte das Kriegsende laut Wikipedia als Koch bei der Wehrmacht.
 
Schon kurz nach Ende des 2. Weltkrieges konnte Arno Paulsen in Berlin seine Karriere erfolgreich fortsetzen und trat vornehmlich in Operetten mit komischen Parts in Erscheinung wie beispielsweise als fahriger Diplomat in Franz Lehárs "Die lustige Witwe" oder als Konservenfabrikant Senator Clutterbuck in "Die Kino-Königin" von Jean Gilbert1). Er wirkte unter anderem am "Metropoltheater" sowie am "Theater am Schiffbauerdamm", wo er zur Spielzeit 1945/46 als grotesker Ortsgruppenleiter in der satirischen Revue "Höllenparade" von Horst Lommer1) in einer Inszenierung des damaligen Intendanten Rudolf Platte2) auch bei Regisseur Wolfgang Staudte Aufmerksamkeit erregte. Dieser suchte gerade für den ersten, von der DEFA produzierten deutschen Spielfilm der Nachkriegsgeschichte "Die Mörder sind unter uns"1) (1946) einen entsprechenden Schauspieler für die Hauptrolle des ehemaligen Hauptmanns Ferdinand Brückner, der 1942 als Bataillonskommandeur in einer polnischen Ortschaft über einhundert Zivilisten erschießen ließ, im Nachkriegs-Deutschland, seine Tat als "Bagatelle" betrachtend, rasch zum biederen, wohlhabenden Kaufmann und Bürger mutiert. Paulsens Spiel wurde von der Kritik hochgelobt, so schrieb der Journalist und Schriftsteller Peter Kast1) im Berliner "Vorwärts"1) (17.10.1946): "Das nirgendwo überbetonte Spiel Arno Paulsens (ist) besonders hervorzuheben. Sein Hauptmann Brückner wird niemals zu einer vom Hass verzerrten Karikatur. Sein Kriegsverbrecher Brückner bleibt als Hauptmann wie auch als biederer Bürger unserer neuen deutschen Demokratie von einer Portraittreue, die betroffen macht."
 
Der bisherige "Film-Laie" Paulsen startete mit dieser Charakterstudie eine erfolgreiche Leinwandkarriere, "gefährliche Biedermänner bleiben zunächst seine Domäne" notiert CineGraph**). Mit prägnanten Nebenrollen in vierzehn DEFA-Filmen sowie zwei satirischen "Stacheltier"-Kurzfilmen1) eingesetzt, spielte er vor allem ab den 1950er Jahren in etlichen westdeutschen Unterhaltungsproduktionen.
Bei der DEFA zeigte er sich vornehmlich in sozialistisch gefärbten Alltagsdramen, "reüssiert er als Darsteller bourgeoiser Borniertheit"**): So schlüpfte er in Georg C. Klarens Büchner-Adaption "Wozzeck"1) (1947) in die Maske des bärbeißigen, altpreußisch-hitlerischen Hauptmanns, gab den mächtigen Konzernchef C. D. Miller in Arthur Maria Rabenalts Science-Fiction-Streifen "Chemie und Liebe"1) (1948). In Erich Engels Literaturadaption "Affaire Blum"1) (1948) tauchte er als spießiger kleiner Buchhalter Platzer auf, als aufrechter Bergmann Gomolla in dem Drama "Grube Morgenrot"1) (1948; Regie: Erich Freund/Wolfgang Schleif) oder als Großbauer Lehmkuhl bzw. erbitterter Feind der Protagonistin (Eva Rimski) in "Bürgermeister Anna"3) (1950), gedreht von Hans Müller nach dem gleichnamigen Theaterstück von Friedrich Wolf. Seinen letzten Langfilm bei der DEFA drehte Arno Paulsen mit Regisseur Arthur Pohl, der ihn als Hauptmann Bullerjahn in dem Streifen zur Geschichte der sozialistischen deutschen Arbeiterbewegung "Die Unbesiegbaren"1) (1953) besetzte.
In den bundesrepublikanischen Unterhaltungsfilmen der Nachkriegs-Ära fand Arno Paulsen seinen Platz mit den unterschiedlichsten Figuren und bewies als "gewichtiger Schwerenöter, Fiesling oder gefährlicher Biedermann"4) immer wieder seine Wandlungsfähigkeit. "Saturierte Wirtschaftswunder-Typen verkörpert er abwechselnd als schmierig-großsprecherische Fieslinge und drollig-ungeschickte Schwerenöter. Korpulent und verschmitzt, erreicht er in beiden Ausprägungen erschütternd wahrhaftige Authentizität als teutonischer Wohlstandsbürger am Rande der Karikatur." kann man bei CineGraph**) lesen. Er mimte Waffenhändler, Firmeninhaber, Fabrikdirektoren, Manager oder Theaterimpresarios ebenso glaubwürdig wie den Blockwart Nessel in Falk Harnacks Drama um das Hitler-Attentat "Der 20. Juli"1) (1955) oder den Vater des Jagdfliegers Hans-Joachim Marseille1) (Joachim Hansen) in Alfred Weidenmanns Kriegsfilm "Der Stern von Afrika"1) (1957). Als skrupelloser Kriegsgewinnler und Geschäftemacher Schmidt präsentierte er sich in Rolf Thieles sozialkritischem Film "Das Mädchen Rosemarie"1) (1958), als Tropenarzt in Werner Jacobs' ganz auf Peter Alexander zugeschnittenen Schlagerlustspiel "Münchhausen in Afrika"1) (1958) oder als Inhaber der Schuhfirma Malina in Hans Deppes Komödie "Robert und Bertram"1) (1961) mit Willy Millowitsch und Vico Torriani.
 
Verschiedentlich stand der mit der Zeit rundlicher gewordene Schauspieler ab Ende der 1950er Jahre zudem für einige TV-Produktionen vor der Kamera, unter anderem als Stadtrat Balle in Rudolf Noeltes Ibsen-Adaption "Die Wildente" (1961) oder als Ökonom in der von Paul Martin in Szene gesetzten Romanverfilmung "Jenny und der Herr im Frack"3) (1964). Darüber hinaus erlebte man ihn zwischen 1964 und 1966 neben Paul Henckels, Jupp Hussels, Kurt Großkurth und Frank Barufski als jovialen Dauergast in der SWF-Samstagsabend-Show "Die fröhliche Weinrunde" mit Wirtin Margit Schramm und deren singendem Kellermeister Willy Schneider.
Trotz seiner umfangreichen Arbeit für den Film blieb Arno Paulsen stets der Bühne treu, spielte in Berlin häufig am "Schillertheater" (1955–1964) sowie am "Deutschen Theater" und am "Schlossparktheater". Am "Schillertheater" feierte er beispielsweise Erfolge in "Schau heimwärts, Engel" (1958/59, Regie: Boleslaw Barlog) nach dem Roman von Thomas Wolfe, am "Schlossparktheater" in dem unverwüstlichen Schwank "Die Spanische Fliege" (1948; Regie: Albert Arid) von Franz Arnold und Ernst Bach sowie rund zehn Jahre später in dem Drama "Das Ei" (Regie: Willi Schmidt) des Belgiers Felicien Marceaus.
Nachhaltigen Ruhm erlangte Paulsen als Synchronsprecher, neben Walter Bluhm1) lieh er zwischen 1952 und 1965 dem legendären Komiker Oliver Hardy2) in fast allen deutschen Bearbeitungen der "Laurel & Hardy"-Filme seine Stimme. Er war im Berliner Synchronstudio ein gefragter Mann, so konnte man durch ihn beispielsweise Paul Ford (als Col. Wainwright Purdy III) in der Komödie "Das Kleine Teehaus"1) (1956, The Teahouse of the August Moon) oder Walter Slezak (als Papa Vittorio Martelli) in dem Dean Martin-Klamauk "10.000 Schlafzimmer" (1957, Ten Thousend Bedrooms) auf deutsch hören → mehr bei www.synchronkartei.de. Sporadisch war der in seinen letzten Jahren in Baden-Baden beheimatete Paulsen für das Hörspiel tätig, wirkte unter anderem in SFB-Produktionen mit, so als Polizeichef in "Die Kraft und die Herrlichkeit" (1956) von Graham Greene und als Fabrikant Hübner neben Protagonist Carl Raddatz in "Die Lebensläufe des Herrn Schinowski" (1959) von Curt Goetz2)-Sohn Curt Goetz-Pflug.
 
Aufgrund einer schweren Erkrankung musste sich Arno Paulsen Mitte der 1960er Jahre vom Beruf zurückziehen und konnte seine Karriere nicht mehr fortsetzen. Der in dritter Ehe verheiratete beliebte Bühnenkünstler und Filmschauspieler starb 69-jährig am 17. September 1969 in einem Krankenhaus in Baden-Baden; seine letzte Ruhe fand er auf dem dortigen Hauptfriedhof, → Foto der inzwischen nicht mehr existenten Grabstätte, in der auch seine 1987 verstorbene Ehefrau Gertrud beigesetzt wurde, bei www.knerger.de.
Paulsen war seit Ende der 1910er Jahre aktives Mitglied der "Genossenschaft deutscher Bühnen-Angehöriger" (GDBA), nach 40-jähriger Zugehörigkeit erhielt er 1959 das "Goldene Ehrenzeichen".
Quellen (unter anderem)*): Wikipedia, www.filmreporter.de,
kulturportal-west-ost.eu, www.geschichte-projekte-hannover.de 
sowie CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 27**)
*) F.-B. Habel & Volker Wachter: Lexikon der DDR-Stars (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 1999, S. 253/254)
**) CineGraph LG 27 mit der Quelle: Rainer Dick: Ollies deutsche Stimme. Vor 20 Jahren starb Arno Paulsen. In: "Two Tars Tent Journal" (Solingen, Nr. 10, November 1989)
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) filmportal.de
4) Quelle: defa-sternstunden.de (Seite nicht mehr existent)
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de, defa.de)
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