Wolfgang Preiss wurde am 27. Februar 1910 als Sohn eines Studienrates und einer Lehrerin in Nürnberg geboren. Nach dem Abitur studierte er Anfang der 1930er Jahre zunächst in München Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaften, parallel dazu ließ er sich von Hans Schlenck*) (1901 – 1944) in München zum Schauspieler ausbilden. Sein Bühnendebüt gab Preiss 1932 in München am "Theater der Gegenwart" in "Clarence und die Nutznießer". Weitere Engagements führten ihn zwischen 1933 und 1937 nach Königsberg, Heidelberg, Bonn, Bremen, Stuttgart, Baden-Baden und Berlin; zu seinen Rollen gehörte unter anderem der Marquis Posa in Schillers "Don Carlos".
1940 nahm ihn dann die Ufa unter Vertrag, doch der Schauspieler konnte das bestehenden Engagement beim Bremer Theater vorerst nicht lösen. So dauerte es noch zwei Jahre bis Preiss in seiner ersten Rolle als Oberleutnant von Etzdorf in dem Zarah Leander-Melodram "Die Große Liebe"1) auf der Leinwand zu sehen war. 1943 folgte dann noch der NS-Propagandastreifen "Besatzung Dora"2) – eine Produktion, die bis heute zu den "Vorbehaltsfilmen"1) zählt –,  dann unterbrach der 2. Weltkrieg die gerade beginnende Filmkarriere.
Nach Kriegsende wurde Preiss von Werner Fink an das Kabarett "Die Mausefalle" geholt, mit weiteren Rollen am Theater machte er sich schnell einen Namen als herausragender Charakterdarsteller. Mit Louis Agotays Krimi "Falschmünzer am Werk" knüpfte er dann 1951 an seine unterbrochene Leinwandkarriere an. 

Preiss übernahm in den folgenden Jahren zahlreiche Rollen in deutschen und internationalen Produktionen, verkörperte viele unterschiedliche Uniformrollen und arrivierte auf der Leinwand bald zum Prototyp des deutschen Offiziers: So etwa 1954 neben O. E. Hasse als Oberst Holl in Alfred Weidenmanns Biopic "Canaris"1), ein Jahr später beeindruckte er als Hitler-Attentäter Oberst Graf Stauffenberg1) (1907 – 1944) in Falk Harnacks Geschichtsdrama "Der 20. Juli"1) und wurde für seine darstellerische Leistung mit dem "Bundesfilmpreis" geehrt. Preiss zeigte sich unter anderem als U-Bootkommandanten Lüttke, der einen jungen Kadetten alias Hansjörg Felmy befehligt, in Frank Wisbars Kriegsfilm "Haie und kleine Fische"1) (1957), als Major Linkmann in Wisbars "Hunde, wollt ihr ewig leben"1) (1958) oder als Generalmajor Max-Josef Pemsel1) (1897 – 1985) in dem legendären Kriegsfilm "The Longest Day"1) (1962, Der längste Tag).
1963 mimte Preiss einen SS-Major in Otto Premingers Drama "The Cardinal"1) (Der Kardinal) an der Seite von Romy Schneider, 1964 spielte er den Major Herren neben Burt Lancaster und Jeanne Moreau in dem John Frankenheimer-Klassiker "The Train"1) (Der Zug) oder war 1965 neben Frank Sinatra und Trevor Howard der Major von Klemment in Mark Robsons Actionfilm "Von Ryan's Express"1) (Colonel von Ryans Express). Als Generalfeldmarschall Albert Kesselring1) (1885 – 1960) tauchte Preiss in "Anzio"1) (1968, Schlacht um Anzio) neben Robert Mitchum und Peter Falk auf, ein Jahr später als Colonel von Haller in "Hannibal Brooks" (1969), als "Wüstenfuchs" General Erwin Rommel1) (1891 – 1944) in "Raid on Rommel" (1971, Jagd auf Rommel), als Feldmarschall Gerd von Rundstedt1) (1875 – 1953) in Richard Attenboroughs gefeiertem Kriegsfilm "A Bridge Too Far"1) (1977, Die Brücke von Arnheim). Den Generalmajor Alfred Jodl1) (1890 – 1946) verkörperte er im US-Fernsehen in dem mehrteiligen Präsidenten-Porträt "Ike" (1979) über das Leben von Dwight D. Eisenhower, in dem mehrteiligen Kriegsepos "The Winds of War"1) (1983, Der Feuersturm) nach dem Roman von Herman Wouk verlieh er dem Generalfeldmarschall Walter von Brauchitsch1) (1881 – 1948) Kontur, den er auch in der Fortsetzung "War and Remembrance" (1988, Feuersturm und Asche) verkörperte.
 
Aber auch als Bösewicht sahen ihn die Zuschauer in zahlreichen Krimi-Produktionen. Seine dämonische Verkörperung des legendären, größenwahnsinnigen Wissenschaftlers Dr. Mabuse in Fritz Langs "Die Tausend Augen des Dr. Mabuse"1) war 1960 ein Meilenstein in der Geschichte des deutschen Films und brachte dem Charaktermimen weitere Lorbeeren ein. 1961 folgte "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse"1), ein Jahr später "Die Unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse"1) sowie "Das Testament des Dr. Mabuse"1). 1963 bzw. 1964 kam er in "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse"1) und "Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse"1) als Geist Mabuses daher. Auch in den beliebten Wallace-Filmen der 1960er Jahre war Preiss auf der Leinwand präsent, wie 1963 als Inspector Morel Smith neben Hansjörg Felmy (Inspector John Hillier) in "Der Henker von London"1).
Preiss gab jedoch nicht nur Offiziere oder zwielichtige Gestalten, er füllte auch andere Rollen überzeugend und glaubhaft aus. So spielte er 1956 an der Seite von Hans Albers den Syndikus Dr. Hahnefeld in Gottfried Reinhardts Gerhart Hauptmann-Adaption "Vor Sonnenuntergang" und gehörte zur Besetzung von Falk Harnacks Melodram "Anastasia – Die letzte Zarentochter"1). In Harald Reindls Heimatfilm "Johannisnacht" (1956) mit Willy Birgel und Hertha Feiler übernahm er die Rolle des Mac Fadden, in Paul Verhoevens "… wie einst Lili Marleen" (1956) die des Alfred Linder und Luis Trenker holte ihn für die Hauptrolle des Konstrukteurs Mario Clar in dem Bergdrama "Von der Liebe besiegt"1) (1956) vor die Kamera. Neben vielen anderen Leinwandstars jener Jahre konnte er als Dr. Beck in Frank Wisbars Drama "Nacht fiel über Gotenhafen"1) (1959) überzeugen und in Wolfgang Staudtes brillant inszenierten und gespielten Zeitkritik "Rosen für den Staatsanwalt"1) (1959) glänzte Preiss als Generalstaatsanwalt an der Seite von Martin Held.
 
Wolfgang Preiss als ambitionierter Arzt Dr. Westorp zusammen mit Protagonist Ewald Balser*) in Falck Harnacks "Arzt ohne Gewissen" (1959), einem Genre-Mix aus Arztfilm, Thriller, Drama und Horrorfilm (Link: filmportal.de).
Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film",
welche die Produktion Anfang August 2011 auf DVD herausbrachte.
Wolfgang Preiss als ambitionierter Arzt Dr. Westorp zusammen mit Protagonist Ewald Balser in Falck Harnacks "Arzt ohne Gewissen" (1959); Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film"
  
Ab Ende der 1960er Jahre übernahm der vielbeschäftigte Wolfgang Preiss vermehrt Aufgaben in anspruchsvollen Fernsehproduktionen, etwa 1968 als Gutsbesitzer George Conway in dem Durbridge-Straßenfeger "Ein Mann namens Harry Brent"3) unter der Regie von Peter Beauvais, 1970 war der spätere Rockstar Marius Müller-Westernhagen in der Polt-Satire "Der Minister und die Ente" sein jugendlicher Partner. 1978 wirkte Preiss als Heinrich Matthias von Thurn1) (1567 – 1640) in dem von Franz Peter Wirth in Szene gesetzten Historien-Mehrteiler "Wallenstein"3) mit, als Earl of Wereford hatte er ab Anfang der 1980er Jahre eine wiederkehrende Rolle in den Fernsehfilmen um "Mrs. Harris" alias Inge Meysel. Darüber hinaus erfreute Preiss das Publikum mit Gastauftritten in so populären Krimiserien wie "Das Kriminalmuseum", "Der Kommissar", "SOKO 5113", "Die Männer vom K3" oder "Tatort".
 
Auch nach seinem 75. Geburtstag zog es Preiss immer wieder in die Film- und Fernsehstudios, in der TV- Biografie über das Leben des Arztes, Theologen und Musikers Albert Schweitzer1) (1875 – 1965) zeigte er als 90-jähriger Friedensnobelpreisträger in dem gleichnamigen Vierteiler4) einmal mehr seine schauspielerische Vielseitigkeit. Der filmische Abschluss einer einmaligen, unvergesslichen Karriere war 1996 die Darstellung des alten Alexander von Humboldt1) (1769 – 1859) in der venezolanischen Produktion "Aire libre" von Regisseur Luis Armando Roche.
Wie nur wenigen deutschen Schauspielern gelang es Wolfgang Preiss in zahlreichen internationalen Filmproduktionen zum vielgefragten Darsteller zu avancieren, der mit so legendären Hollywood-Größen wie Burt Lancaster, Robert Mitchum, William Holden, Orson Welles oder Frank Sinatra auf der Leinwand zu sehen war. Unter der Regie von Willia  Dieterle agierte er beispielsweise als Dr. Henrik Brandes auch in dem zweiteiligen Abenteuerfilm "Herrin der Welt"1) (1960), hier waren Stars wie Lino Ventura und Micheline Presle seine Partner.
Neben der umfangreichen Arbeit für Theater, Film und Fernsehen fand Wolfgang Preiss im Verlaufe seiner langen Karriere auch immer wieder Zeit, sich beim Rundfunk für unzählige Hörspiele zu engagieren, als Synchronsprecher lieh er namhaften Schauspielerkollegen wie Lex Barker, Christopher Lee, Anthony Quinn oder Richard Widmark seine Stimme.
 
Der populäre Schauspieler war seit 1955 in dritter Ehe mit seiner aus Baden-Baden stammenden Frau Ruth (geb. 1924) verheiratet, die am 2. Februar 2002 für immer von ihm gegangen war. Wenige Monate später erlag der "Parade-Preuße der Kinoleinwand", wie Wolfgang Preiss oftmals bezeichnet wurde, am 26. November 2002 im Alter von 92 Jahren in einer Klinik auf der Bühlerhöhe bei Baden-Baden den Folgen eines Sturzes. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Hauptfriedhof in Baden-Baden → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Dem Schauspieler, der in mehr als 100 deutschen und internationalen Produktionen mitwirkte, wurde 1987 ein zweites Mal mit dem "Bundesfilmpreis" geehrt, für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" erhielt er das "Filmband in Gold". 

Textbausteine des Kurzportraits aus
"Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 285/286)
sowie www.prisma.de
Siehe auch Wikipedia, www.film-zeit.de, www.bad-bad.de
Link: *) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung, 3) Beschreibung innerhalb dieser HP, 4) www.fernsehserien.de
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de, prisma.de)
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