Fritz (Heinrich) Rasp wurde am 13. Mai 1891 als 13. Kind eines Bezirksgeometers und späteren Obervermessungsrates in Bayreuth geboren. Schon als Jugendlicher stand sein Entschluss fest, Schauspieler zu werden und so machte er nach dem Gymnasium ab 1908 eine einjährige Ausbildung an der Theaterschule von Otto König in München, gab 1909 sein Theaterdebüt als geistig behinderter Amandus in Max Halbes naturalistischem Liebesdrama "Jugend"1) am "Münchener Schauspielhaus"; ein weiteres Engagement als jugendlicher Komiker und Charakterdarsteller am Sommertheater in Swinemünde (heute Polen) schloss sich an. Danach stand Rasp ein Jahr lang am Stadttheater in Tilsit auf der Bühne, zwischendurch spielte er beim Sommertheater in Detmold, zwischen 1911 und 1913 war er am Stadttheater Bromberg engagiert sowie ab 1914 am "Deutschen Theater" in Berlin bei Max Reinhard1), das er dann wegen seiner Einberufung als Soldat 1916 während des 1. Weltkrieges verlassen musste.
Nach dem Krieg spielte er ab 1919 ein Jahr lang am Berliner "Metropoltheater", 1920 schloss sich ein 12-monatiges Engagement am "Kleinen Schauspielhaus" an, 1921 bis 1924 wirkte er erneut am "Deutschen Theater" und gab anschließend bis 1936 Gastspiele an verschiedenen Berliner Bühnen. Von 1936 bis 1944 war Rasp an der Berliner "Volksbühne" unter Eugen Klöpfer fest verpflichtet.

Fritz Rasp auf einer Fotografie des Fotoateliers "Zander & Labisch", Berlin
Urheber Siegmund Labisch1) (1863–1942)
Quelle:  www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Fritz Rasp auf einer Fotografie des Fotoateliers "Zander & Labisch", Berlin; Urheber Siegmund Labisch (1863–1942); Quelle: www.cyranos.ch
Nach Ende des 2. Weltkrieges arbeitete der Schauspieler zunächst zwei Jahre lang am Berliner "Hebbeltheater", 1947 kam er bis 1950 an das "Deutsche Theater" zurück, spielte kurze Zeit auch an Ostberliner Bühnen und ging dann 1951 nach München an das "Residenztheater", dem er bis 1960 verbunden blieb. Von seinen zahlreichen Bühnenrollen ist vor allem der Haushofmeister Molvolio in Shakespeares Komödie "Was ihr wollt"1) zu nennen, aber auch als Flute-Darsteller in Shakespeares "Ein Sommernachtstraum"1) begeisterte er das Publikum, ebenso wie als Hofmarschall von Kalb in Schillers "Kabale und Liebe" oder als Faktotum Shunderson in "Dr. med. Hiob Prätorius" von Curt Goetz, eine seiner Lieblingsrollen, die auch 1965 in der Filmversion1) darstellte.
Fritz Rasp als "der Mann, der sich derzeit Walter Turner nennt" und Willy Fritsch (als Wolf Helius) in dem Ufa-Stummfilm "Frau im Mond" von Fritz Lang; Fotografie (Weltpostkarte) Ross-Verlag, 1929; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2009-a_0000081); Eifentümer/© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Quelle: www.deutschefotothek.de Die Filmkarriere des Schauspielers begann Mitte der 10er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts, einen ersten Part spielte er in der Stummfilmkomödie "Schuhpalast Pinkus"1) (1916) unter der Regie des legendären Regisseurs Ernst Lubitsch1). Zunächst besetzte man Rasp mit komödiantischen Rollen, ab Anfang der 1920er Jahre wandelte sich sein Rollenfach zu schurkenhaften, verschlagenen Typen. So entlarvte er sich als der Verräter Heinrich Benzel in der 1928 gedrehten stummen Zuckmayer-Adaption "Schinderhannes", verführte 1929 als Provisor Meinert die unschuldige Thymian alias Louise Brooks in "Tagebuch einer Verlorenen"1) und in Georg Wilhelm Pabsts Verfilmung von Brechts "Die Dreigroschenoper"1) zeigte er sich 1931 als "Bettlerkönig" Peachum.

Fritz Rasp als "der Mann, der sich derzeit Walter Turner nennt"
und Willy Fritsch (als Wolf Helius) in dem Ufa-Stummfilm "
Frau im Mond"1)
von Fritz Lang1); Fotografie (Weltpostkarte) Ross-Verlag, 1929
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2009-a_0000081)
Eifentümer/© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Unvergessen bleibt auch seine Darstellung des Herrn Grundeis in "Emil und die Detektive"1) (1931), der ersten Verfilmung des Jugendbuchklassikers von Erich Kästner1). Fritz Rasp avancierte zu einer "festen Größe" auf der Leinwand, versuchte zwischen 1933 und 1945 durch Mitwirkung an Wiener Produktionen NS-Propagandafilme zu vermeiden. "Sein Revier war das der dunklen Existenzen, der Kranken, Zerbrochenen, Abseitigen, Gefährdeten, Gefährlichen und von Dämonen heimgesuchten", so einmal ein Berliner Kritiker. Der hochgewachsene hagere Schauspieler mit dem schmalen Schädel und der hellen Stimme schien wie geschaffen für pathologische Helden. Mit eckig-statuarischen Bewegungen und maliziösem Charme verfügte Rasp über ein beachtliches Repertoire düsterer Bösewichte, Schurken und Sadisten; er war das heimliche Gespenst des deutschen Films.2)
  
Im deutschen Nachkriegsfilm konnte Rasp zwar wieder Fuß fassen, kam jedoch viele Jahre lang über Chargenrollen nicht hinaus. Seine erste Leinwandrolle nach dem Krieg war 1946 die des Diebes Waldemar Hunke unter der Regie von Gerhard Lamprecht in der DEFA-Produktion "Irgendwo in Berlin"1) und in den folgenden Jahre gab der Mann mit den markanten Gesichtszügen Diener, Verführer oder andere zwielichtige Gestalten. Erst ab Ende der 1950er Jahre konnte Rasp als Filmbösewicht –  wie schon in den 1920er und 1930er Jahren – in den beliebten Remakes der Wallace-Streifen an seine früheren Erfolge anknüpfen. So mimte er den Zeitungsverleger Ezra Maitland in "Der Frosch mit der Maske"1) (1959) und den Sir Godley Long in "Die Bande des Schreckens"1) (1960). In "Die Seltsame Gräfin"1) tauchte er 1961 als der verdächtige Rechtsanwalt Shaddle auf, wirkte ein Jahr später als wohlhabender Lord Tanner mit, der in "Das Rätsel der roten Orchidee"1) zum Opfer zweier rivalisierender Gangsterbanden wird. Lediglich in seinem letzten Kinofilm, Bernhard Sinkels Regiedebüt "Lina Braake" (1975), verkörperte Rasp entgegen seinem Image den gewitzt-raffinierten Ex-Banker Gustaf Haertlein, der mit seiner Partnerin Lina Carstens ein kopflastiges Ding dreht. Daneben arbeitete der Schauspieler viel für das Fernsehen und war vor allem in Klassiker-Adaptionen wie 1963 in Hans Lietzaus TV-Version von Schillers "Maria Stuart" als Graf von Shrewsbury zu sehen.
Auch als Hörspielsprecher war er an sehr vielen Produktionen beteiligt. In den ersten Nachkriegsjahren vorwiegend in Berlin beim dortigen Studio des NWDR. Danach arbeitete er vorwiegend für den "Bayerischen Rundfunk" in München. Er wurde in den unterschiedlichsten Genres besetzt. So konnte man seine Stimme in zahlreichen Klassikern, Krimis und Komödien hören.3) Siehe auch die Auswahl der Hörspiele bei Wikipedia.

Fritz Rasp, dem 1963 das "Filmband in Gold"1) für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" verliehen worden war, starb am 30. November 1976 im Alter von 85 Jahren in Gräfelfing bei München an einer Krebserkrankung; die letzte Ruhestätte fand er auf dem dortigen Friedhof → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Rasp war in zweiter Ehe mit seiner Frau Charlotte (Charlotte Petermann) verheiratet und hinterließ vier Kinder; seine 1935 geborene Tochter Renate Rasp-Budzinski1) († 2015) machte sich als Schriftstellerin einen Namen, Sohn Andreas Rasp (1921 – 2013) betätigte sich als Gymnasiallehrer und Dichter.
In erster Ehe war der Schauspieler mit einer Tochter des Dramaturgen Felix Hollaender1) (1867 – 1931) verheiratet gewesen.

Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
Fremde Links: 1) Wikipedia
Quelle:
2) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 297
3) Wikipedia (abgerufen 29.11.2011)
Lizenz Foto Fritz Rasp (Urheber "Fotoatelier Zander & Labisch", Berlin): Das Atelier von Albert Zander und Siegmund Labisch († 1942) war 1895 gegründet worden; die inaktive Firma wurde 1939 aus dem Handelsregister gelöscht. Externe Recherche ergab: Labisch wird ab 1938 nicht mehr in den amtlichen Einwohnerverzeichnissen aufgeführt, so dass sein Tod angenommen werden muss; Zander wiederum war laut Aktenlage ab 1899 nicht mehr aktiv am Atelier beteiligt und kommt somit nicht als Urheber dieses Fotos in Frage. Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. (Quelle: Wikipedia)
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)

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