Walter Rilla 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 4842; Lizenz: Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. Walter Rilla wurde am 22. August 1894 als Walter Wilhelm Karl Ernst Rilla und Sohn eines Eisenbahningenieurs in Neukirchen bei Saarbrücken geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Elberfeld und später in Königsberg, wo er das Gymnasium (Fridericianum) und anschließend die dortige Universität besuchte. Philosophie, Literatur und Kunstgeschichte waren die Fächer, die er studierte, zeitweise vertiefte er seine Studien auch in Breslau Berlin und Lausanne. Anschließend war Rilla zunächst als Journalist tätig, verfasste unter anderem Texte für das Feuilleton der "Neuesten Breslauer Nachrichten", im Alter von 25 Jahren gab er die Zeitschrift "Erde" heraus, zu deren Autoren unter anderem auch Bertolt Brecht und Heinrich Mann gehörten.
Anfang der 1920er Jahre kam Walter Rilla mit der Schauspielerei in Berührung, als Dramaturg war er an der Berliner "Tribüne" tätig und schon bald entschloss er sich, ganz in das darstellerische Metier zu wechseln. Sein Leinwanddebüt gab er mit einer kleinen Rolle in Urban Gads stummen Hauptmann-Adaption "Hanneles Himmelfahrt"1) (1922), in rascher Folge drehte er zahlreiche weitere stumme Streifen, mimte unter der Regie namhafter Filmemacher wie Friedrich Wilhelm Murnau, Victor Janson, Max Mack oder Reinhold Schünzel prägnante Nebenrollen, war Student, Adliger, Künstler oder vor allem Liebhaber. Zu seinen bekanntesten mehr als 40 Stummfilmrollen zählt die des Malers in Paul Czinners "Der Geiger von Florenz"2) (1926, mit Elisabeth Bergner und Conrad Veidt) sowie die Titelfigur in der deutsch-britischen Produktion "The Blackguard/Die Prinzessin und der Geiger"2) (1925), zu der Alfred Hitchcock das Drehbuch abgeliefert hatte.
 
Foto: Walter Rilla 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder2) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 4842
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Den Sprung zum Tonfilm schaffte Walter Rilla problemlos und so konnte er auch in den 1930er Jahren seine Karriere unverändert fortsetzen. Er spielte beispielsweise 1930 den Baron Hans von Velten in "Namensheirat", 1931 den Morini in "Schatten der Manege" sowie den Robert in "Männer um Lucie" oder 1935 den Lord Windermere in Heinz Hilperts Oscar Wilde-Adaption "Lady Windermeres Fächer"2)
Auf Druck der Nationalsozialisten musste Walter Rilla dann seine filmische Karriere in Deutschland vorerst beenden, da er sich nicht von seiner jüdischen Frau trennen wollte. 1936 emigrierte er mit seiner Familie nach Großbritannien, wo er schon bald in zahlreichen Filmen Beschäftigung fand. Es waren zwar nur Nebenrollen, dennoch gehörte Rilla in seiner neuen Heimat zu den Schauspielern, die von renommierten Regisseuren wie Harold Young, Robert Siodmak oder Herbert Wilcox in erfolgreichen Produktionen besetzt wurden. Man sah ihn beispielsweise 1937 als Prinz Ernst in dem von Wilcox in Szene gesetzten Historiedrama "Victoria the Great"2) (Königin Viktoria; mit Anna Neagle) sowie ein Jahr später erneut in dieser Rolle in der Fortsetzung "Sixty Glorious Years"2). In dem Abenteuer "Dangerous Cargo" agierte er 1939 als Kommandant Lestailleur, in der Romanze "Black Eyes" war er im gleichen Jahr der Roudine und in dem Thriller "Sabotage Agent" (1943) der Inspektor Otto Vogel. Neben der Schauspielerei arbeitete Walter Rilla in Großbritannien auch als Produzent und Drehbuchautor, verfasste Hörspiele für den BBC und veröffentlichte Romane.
  
Erst 1957 kehrte Walter Rilla, der 1940 die britische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, nach Deutschland zurück. Nahtlos konnte er seine schauspielerische Karriere fortsetzen, erhielt in den folgenden 15 Jahren Rollen in so bekannten Filmen wie "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"2) (1957), "Scampolo"2) (1958), "Der Fälscher von London"2) (1961), "Das Testament des Dr. Mabuse"2) (1962), "Das Siebente Opfer"2) (1964) oder " Grieche sucht Griechin"2) (1966). Zuletzt sah man den Schauspieler 1971 als Lord Kingsley in "Der Teufel kam aus Akasawa"2) sowie neben Ruth Leuwerik und Martin Held in Franz Seitz' Thomas Mann-Adaption "Unordnung und frühes Leid"2) (1977) auf der Leinwand. Sporadisch tauchte Rilla weiterhin in internationalen Produktionen auf, etwa in dem Abenteuer "Death Drums Along the River"2) (1963, Todestrommeln am großen Fluß), dem Actionfilm "Victim Five"2) (1964, Die Verdammten der Blauen Berge) oder dem Gruselstreifen "The Face of Fu Manchu"2) (1965, Ich, Dr. Fu Man Chu) mit Christopher Lee.
  
Das Fernsehen bot Walter Rilla ab Mitte der 1960er Jahre ein weiteres Betätigungsfeld: So war er beispielsweise 1966 in "Die Venezianische Tür" (auch Regie) auf dem Bildschirm zu sehen und in der TV-Miniserie "Millionen nach Maß" spielte er 1970 den Sir Charles. An herausragenden Regiearbeiten sind beispielsweise der TV-Dreiteiler "Kümmert euch nicht um Sokrates" (1962/1965/1969; Dialoge von Josef Pieper nach Platon), das Fernsehspiel "Siegfrieds Tod" (1961) oder die erwähnte J. B. Priestley-Adaption "Die Venezianische Tür" (1966) zu nennen.
 
Der Schriftsteller, Drehbuchautor, Produzent, Regisseur und Schauspieler Walter Rilla, von vielen als "Grandseigneur der deutschen Filmindustrie" bezeichnet, starb am 21. November 1980 mit 86 Jahren im oberbayerischen Rosenheim; seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof in Oberaudorf → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Rillas Verdienste um den deutschen Film hatte man bereits 1966 mit dem "Filmband in Gold"2) gewürdigt.
Walter Rilla war in erster Ehe mit der Jüdin Theresa Klausner verheiratet; aus der Verbindung stammte der 1920 geborene Sohn Wolf Rilla2), der sich ebenfalls einen Namen als Drehbuchautor und Regisseur machte; Wolf Rilla starb am 19. Oktober 2005. Nach dem Tod seiner Ehefrau Theresa im Jahre 1948 heiratete Walter Rilla 1959 die französische Schriftstellerin Alix Degrelle-Hirth du Frênes.
Textbausteine des Kurzportraits von www.cyranos.ch
Siehe auch Wikipedia, www.exilarchiv.de
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Murnau Stiftung, 2) Wikipedia
Lizenz Foto Walter Rilla (Urheber Alexander Binder): Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
  
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Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, filmportal.de, Wikipedia (deutsch/englisch))
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