Siegfried Schürenberg
Siegfried Schürenberg erblickte am 12. Januar 1900 als Sohn des Schauspielers Emil Wittig und dessen Ehefrau, der Opernsängerin Thekla Wittig, im nordrhein-westfälischen Detmold das Licht der Welt, kam durch seine Eltern schon früh mit der Welt des Theaters in Berührung. Obwohl er zunächst Medizin studieren wollte, entschloss er sich dann doch, Schauspieler zu werden, und wurde in Berlin Absolvent des berühmten Max Reinhardt-Seminars1). Nach seinem Abschluss debütierte Schürenberg – als Künstlernamen wählte er den Mädchennamen seiner Großmutter – 1920 am Theater, wo er in den nächsten Jahren als Charakterdarsteller und Komödiant auf sich aufmerksam machte; 1931 kam er an das "Deutsche Theater" in Berlin, daneben spielte er auch in Wien am "Theater in der Josefstadt". Weitere Theaterstationen waren unter anderem Bonn, Berlin, Wien und Hamburg sowie für längere Zeit das Schauspielhaus in Zürich.

Sein Leinwanddebüt gab Schürenberg bereits 1933 mit einer kleinen Nebenrolle in Ewald André Duponts der im Sportlermilieu angesiedelten Liebesgeschichte "Der Läufer von Marathon", 1934 folgte der schon größere Part des britischen Ingenieurs Corner in Paul Wegeners Propagandastreifen "Ein Mann will nach Deutschland"1). Bis 1945 tauchte Schürenberg in zahllosen Kinoproduktionen auf, so beispielsweise als zwielichtiger Gangsterboss Monsieur Lapin und Widerpart von Hans Albers in Karl Hartls Krimi "Der Mann, der Sherlock Holmes"1) (1937) oder als Kapitän Gilbert in dem Zarah Leander-Melodram "Zu neuen Ufern"1) (1937).
In seiner langen Karriere als Filmschauspieler wirkte Schürenberg auch nach dem Krieg in unzähligen Produktionen mit – wenn auch nur in wenigen Hauptrollen, dennoch verlieh er den unverzichtbaren Randfiguren mit seiner unaufdringlichen Spielweise immer wieder Prägnanz. Vor allem in den 1960er Jahren wurde der Schauspieler dem Kinopublikum durch seine Rolle des leicht senilen, trotteligen "Sir John" in den beliebten Wallace-Filmen ein Begriff. Den Chef von Scotland Yard spielte er als Nachfolger von Ernst Fritz Fürbringer insgesamt 14 Mal – Täter, Opfer und Kommissare wechselten, doch Schürenberg blieb als "feste Größe" immer präsent. War er 1960 in "Der Rächer"1) noch als Major Staines in Erscheinung getreten, kam er in der 11. Wallace-Verfilmung "Die Tür mit den 7 Schlössern"1) (1962) erstmals mit dieser Karikatur eines Vorgesetzten daher, der mit seinen Einschätzungen immer daneben liegt. Die Streifen "Das Gasthaus an der Themse"1) (1962), "Der Zinker"1) (1963) und "Das Indische Tuch"1) (1963) schlossen sich an. 1964 mimte er den "Sir John" in "Zimmer 13"1), "Die Gruft mit dem Rätselschloss"1) und "Der Hexer", gefolgt von "Neues vom Hexer"1) (1965), "Der unheimliche Mönch"1) (1965), "Der Bucklige von Soho"1) (1966), "Das Geheimnis der weißen Nonne"1) (1967), "Die blaue Hand"1) (1967), "Der Mönch mit der Peitsche"1) (1967) und "Die Tote aus der Themse"1) (1971). Der kauzige Typus eines nicht gerade kompetent wirkenden und zum Schmunzeln anregenden Chefs, den Schürenberg exzellent verkörperte, wird auch in modernen Krimi-Fassungen gerne genutzt, unweigerlich denkt man da an den von Michael Degen dargestellten Vice-Questore Patta bzw. Vorgesetzten von Commissario Guido Brunetti alias Joachim Król bzw. Uwe Kockisch in den "Donna-Leon"-Verfilmungen1).
Auch in seinen weiteren Filmen konnte Schürenberg dieses Image einer zwar seriösen, dennoch zum Lachen anregenden Autoritätsperson nicht ablegen, etwa als Dr. Krapp-Krapproth in dem Klamauk "Klassenkeile"1) (1969) oder als Kriminalkommissar Berg in Wolfgang Staudtes Krimikomödie "Die Herren mit der weißen Weste"1) (1970). 

Unvergessen bleibt der Schauspieler auch als Synchronsprecher beispielsweise für Clark Gable2) (1901 – 1960); die MGM wählte ihn in schon in den 1930er Jahren als deutsche Stimme für die Hollywood-Legende aus und als 1953 die deutschsprachige Fassung des Klassikers "Vom Winde verweht"1) (1939) produziert wurde, bestand die Filmfirma auf Schürenberg, der zu dieser Zeit in der Schweiz lebte; so blieb er dem US-Star bis zu dessen Tod als Sprecher treu. Der Schauspieler lieh aber auch Joel McCrea, Herbert Lom, Louis Calhern oder Cary Grant seine sonore Stimme, bis 1980 synchronisierte er über 400 Filmproduktionen. In Disney's Zeichentrickfilm "Dschungelbuch"1) war er die deutsche Stimme des hinterhältigen "Shir Khan".
  
Siegfried Schürenberg, der sich 1974 vom Filmgeschäft und auch aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, starb am 31. August 1993 mit 93 Jahren in Berlin. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof I der "Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde" in Berlin-Schöneberg → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Der Schauspieler lebte zuletzt mit seiner vierten Frau in Berlin-Frohnau, sein Privatleben hatte er stets streng abgeschirmt, er selbst galt als schwieriger unzugänglicher Mensch. Sein 1937 geborener Sohn Andreas Schürenberg schied 1966 durch Freitod aus dem Leben; er war ebenfalls Schauspieler.
Im Herbst 2003 erschien im Verlag " Schwarzkopf & Schwarzkopf" die erste Biografie über den beliebten Schauspieler; in dem Buch "Sir John jagt den Henker. Siegfried Schürenberg und die Edgar Wallace-Filme" dokumentiert Andreas Neumann3) auf ca. 300 Seiten und mit größtenteils bisher unveröffentlichte Abbildungen das Leben des Schauspielers. "Sir John jagt den Hexer" liest sich außerordentlich spannend. Der Autor schreibt sachlich und sachkundig, lockert die Fakten mit Anekdoten auf, ohne sich in ihnen zu verlieren. Ins Auge stechen natürlich die zahlreichen Fotos, darunter seltene Privataufnahmen, aber auch selten oder nie gesehene Standfotos, Plakate, Porträtaufnahmen, Schnappschüsse von Dreharbeiten, ausnahmslos hervorragend reproduziert auf gutem Kunstdruckpapier. Wenn auch der Mensch Siegfried Schürenberg nach der Lektüre kaum vertrauter geworden ist, so kann man sich ein umfassendes Bild von einem hochprofessionellen Schauspieler machen, der ohne seinen Fan und Freund Andreas Neumann definitiv im Reich der vergessenen Darsteller von Gestern verschollen geblieben wäre. Insofern trägt der Verfasser einen wichtigen Mosaikstein zum Gesamtbild der deutschen Filmgeschichte bei. Das macht "Sir John jagt den Hexer" zu einem Filmbuch, mit der auch der Fachmann zufrieden sein kann, zumal es angesichts seiner Ausstattung erfreulich kostengünstig geraten ist. notiert Dr. Michael Drewniok unter anderem in seinem Artikel bei www.ciao.de.  

Siehe auch www.cyranos.ch, Wikipedia, tls.theaterwissenschaft.ch
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) www.neumannparodie.de
   
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Link: filmportal.de, Wikipedia, Murnau Stiftung)
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