Oskar Sima
Oskar Sima (Oskar Michael Sima) wurde am 31. Juli 1896 als Sohn eines Bäckers im niederösterreichischen Hohenau an der March geboren. Zunächst besuchte er nach Volksschule und Gymnasium die Handelsakademie in Wien, brach die Ausbildung dann jedoch ab und und ging an das Wiener "Konservatorium für Schauspielkunst". Nach seiner Militärzeit fand Sima am "Deutschen Theater" in Prag ab 1919 ein Engagement, wechselte später an das "Deutsche Volkstheater" in Wien. Zur Spielzeit 1924/25 stand er am "Theater in der Josefstadt" auf der Bühne, interpretierte unter anderem den Prinzen von Arragon in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig", den Korporal Wimberger in Werfels "Juarez und Maximilian" und den Maler Arnold in Nestroys "Unverhofft". 1927 wechselte Sima nach Berlin, spielte dort bei Max Reinhardt1) (1873 – 1943) und Erwin Piscator1) (1893 – 1966), profilierte sich vor allem mit komödiantischen und satirischen Rollen.
 
Seit Anfang der 1920er Jahre war Sima auch für den Film tätig; sein Leinwanddebüt gab er 1921 in dem stummen Streifen "Die Ehe der Hedda Olsen oder Die brennende Akrobatin", zahllose Nebenrollen folgten; Sima drehte ohne Pause meist mehrere Filme pro Jahr. Er entwickelte sich im Film zum Charakterkomiker, verkörperte in seinen Nebenrollen meist den Typus des cholerischen Schlaumeiers, der mit Vehemenz, List und Tücke seinen Vorteil sucht und die eingenommene Position verteidigt. So sah man ihn beispielsweise 1935 als Wurzelhannes in Georg Jacobys Bauernlustspiel "Ehestreik"2) oder 1943 als Simon Moser, genannt "Jodok-Simerl", in Kurt Hoffmanns Verfilmung des Schwanks "Kohlhiesels Töchter"2). Sima wirkte in Operettenverfilmungen wie "Die Fledermaus" (1931) oder "Gasparone"2) (1937) ebenso mit wie in unterhaltsamen Volksstücken. Subtilere Komödien profitierten genauso von seiner Phrasierungskunst wie konventionelle Melodramen, so zeigte er beispielsweise 1936 in der Komödie "Glückskinder"2) neben Willy Fritsch und Lilian Harvey, im gleichen Jahr in dem Heimatfilm "Kinderarzt Dr. Engel"2) an der Seite von Paul Hörbiger, stand mit Heinz Rühmann für "5 Millionen suchen einen Erben"1) (1938) oder mit Johannes Heesters für "Jenny und der Herr im Frack (1941) vor der Kamera – um nur einige der zahllosen Produktionen zu nennen, in denen der Schauspieler auftauchte.
Kritisch betrachtet wird bis heute Simas Haltung zum Nazi-Regime: 1938 gehörte er zu einer Reihe österreichischer Filmkünstler, die Adolf Hitler namentlich "von ganzem Herzen" für die "Wiedervereinigung Österreichs mit dem Reich" dankten.3)

In volkstümlichen Lustspielen, Heimatfilmen und musikalischen Unterhaltungsstreifen blieb Sima auch nach dem 2. Weltkrieg ein beliebter Nebendarsteller und widmete sich fast ausschließlich der Arbeit beim Film, auf der Theaterbühne stand er nur noch selten. Zuletzt sah man Sima 1967 als Goppelmann in der eher belanglosen Filmklamotte "Susanne – die Wirtin von der Lahn"1) auf der Leinwand.
1968 zog sich der Schauspieler aufgrund von Herzproblemen von der Leinwand zurück und "privatisierte" auf seinem Reitergut bei Wien, seine große Leidenschaft war die Züchtung von Rennpferden. Oskar Sima, der noch kurz vor seinem Tod mit dem "Filmband in Gold" für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" ausgezeichnet worden war, starb am 24. Juni 1969 wenige Wochen vor seinem 73. Geburtstag in seinem Geburtsort Hohenau an der March am den Folgen eines Herzinfarktes. Seine letzte Ruh fand er auf dem Friedhof in Langenzersdorf bei Wien, dem Heimatort seiner Frau, der österreichischen Schauspielerin Lina Woiwode1) (1886 – 1971), mit der er seit 1929 verheiratet war → Foto der Grabstelle von Oskar und Lina Sima bei knerger.de.
Zum Gedenken an Oskar Sima wurde sein Geburtshaus in Hohenau an der March zu einem Museum4) umgebaut, wo unter anderem seit 2001 Biografien, Filmausschnitte seiner Filme sowie weitere Exponate zu sehen sind. In Wien Donaustadt (22. Bezirk) erinnert die "Oskar-Sima-Gasse" an den populären Schauspieler.
  
Mit seiner wuchtigen Statur und eigenwilligen Diktion war Oskar Sima, der in mehr als 300 Filmen mitwirkte, der "König der Nebenrollen", wie zeitgenössische Kritiker es einmal formulierten. Er spielte oft zwielichtige Charaktere, dicke Männer mit Zigarre und Doppelmoral, die Widerparts der Wiener mit Heurigem-Charme. Am Besten gelangen ihm Typen, die im realistischen Milieu agierten, wo der ansonsten gemütlich-raunzende Mann seinen Zynismus platzieren konnte.5) 

Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung, 4) www.hohenau-march.at
Quelle: www.filmportal.de
5) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 335
     
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)
Stummfilme
  • 1921: Die Ehe der Hedda Olsen oder Die brennende Akrobatin
  • 1921: Die Liebesabenteuer der schönen Evelyne
    oder Die Mordmühle auf Evanshill
  • 1922: Die Menschen nennen es Liebe…
  • 1922: Verklungene Zeiten
  • 1923: Der Sohn des Galeerensträftlings
  • 1926: Haifische der Nachkriegszeit
  • 1926: Pat und Patachon als Schwiegers÷hne
  • 1928: Leontines Ehemänner
  • 1929: Die Frau, nach der man sich sehnt (→ Murnau Stiftung)
  • 1929: Adieu Mascotte / Das Modell von Montparnasse
  • 1929: Kolonne X. Ein Kriminaldrama aus der Berliner Unterwelt
  • 1930: Gefahren der Brautzeit
Tonfilme
Noch: Tonfilme
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