Camilla Spira, fotografiert im Atelier "Zander & Labisch"; Urheber Albert Zander u. Siegmund Labisch (18631942); Quelle: www.cyranos.ch Camilla Spira wurde am 1. März 1906 als Tochter eines Schauspielerehepaares in Hamburg geboren; ihr Vater war der jüdische Schauspieler und Filmpionier Fritz Spira1) (geb. 1877), der 1943 im damals in Jugoslawien gelegenen KZ Ruma2) von den Nazis ermordet wurde, ihre Mutter die Schauspielerin Lotte Spira-Andresen2) (1883 – 1943). Sie wuchs gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Steffie Spira2) (1908 – 1995) auf und besuchte bereits mit 13 Jahren das "Max-Reinhardt-Seminar"2) in Berlin. Nach ihrer Ausbildung startete die junge Schauspielerin ihre Karriere am Berliner "Wallner-Theater"2), erhielt später unter anderem ein Engagement am Wiener "Theater in der Josefstadt". Zurück in Berlin wirkte sie bis 1933 an mehreren Theatern, schaffte 1930 als singende und tanzende Wirtin Josepha Vogelhuber in der von Regisseur Erik Charell2) (1894 – 1959) produzierten Revue-Operette "Im weißen Rössl"2) nach Ralph Benatzkys Singspiel den künstlerischen Durchbruch. Die Uraufführung der gigantischen Revue am "Berliner Schauspielhaus", dem umgebauten Zirkus Schumann, fand am 8. November 1930 statt und geriet zum größten Theatererfolg der Weimarer Republik, nicht zuletzt wegen Stars wie Max Hansen1) (1897 – 1961) als verliebter Zahlkellner Leopold und Siegfried Arno1) (1895 – 1975) als "schöner" Sigismund. Weitere Akteure waren unter anderem Otto Wallburg1) (1889 – 1944) als unzufriedener Gast bzw. Fabrikant Wilhelm Giesecke und Paul Hörbiger1) (1894 – 1981) als der alte österreichische Kaiser Franz Joseph I.
 
Camilla Spira, fotografiert im Atelier "Zander & Labisch"
Urheber Albert Zander u. Siegmund Labisch*) (1863–1942)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier
*) Link: Wikipedia
1933 erhielt Camilla Spira Auftrittsverbot und durfte, als "Halbjüdin" diffamiert, nicht mehr auf deutschen Bühnen spielen, lediglich Auftritte auf Bühnen des Jüdischen Kulturbundes2) wurden ihr noch gestattet. 1938 emigrierte die Schauspielerin zusammen mit ihrem Mann, dem Rechtsanwalt bzw. stellvertretenden Generaldirektor der damaligen "Engelhardt-Brauerei"2) Hermann Eisner (1897 – 1977), sowie den beiden gemeinsamen Kindern Peter-Paul (* 1927) und Susanne (* 1937) in die Niederlande und tauchte in Amsterdam unter. 1943 wurde Camilla Spira mit ihrer Tochter Susanne, der späteren Politikerin Susanne Thaler ( 11.01.2003 → www.welt.de) in das Durchgangslager Westerbork2) verschleppt. 1943 gelang es ihr, durch einen Trick aus dem Lager freizukommen: Nachdem sie eine beeidete Falschaussage ihrer Mutter vorlegen konnte, derzufolge sie nicht die leibliche Tochter Fritz Spiras sei, wurde die vierköpfige Familie nach Amsterdam entlassen, wo sie untertauchte und das Kriegsende überlebte. 1945 emigrierten die Eisners in die USA, kehrten jedoch zwei Jahre später wieder nach Berlin zurück.3)
 
Zum Film war Camilla Spira bereits in den 1920er Jahren gekommen erstmals in dem stummen Streifen "Die Fahrt ins Glück" (1924) auf der Leinwand zu sehen. Nach etlichen stummen Produktionen schaffte sie den Übergang zum Tonfilm, zahlreiche weitere Filme folgten bis zu ihrer Emigration. So erlebte man sie beispielsweise in "Mein Leopold" (1932) und "Gehetzte Menschen" (1932), in der Hermann Löns-Verfilmung "Grün ist die Heide"2) (1932) mimte sie neben Theodor Loos als Förster Walter die weibliche Hauptrolle der jungen Grete, zeigte sich mit prägnanten Figuren in dem U-Boot-Drama "Morgenrot"2) (1933) und dem Krimi "Das Testament des Dr. Mabuse"2).  
Nach dem 2. Weltkrieg und der Rückkehr nach Deutschland wirkte Camilla Spira ab 1947 am Berliner "Hebbel-Theater" sowie an der "Staatlichen Schauspielbühne". Auch beim Film konnte sie wieder Fuß fassen und spielte in den folgenden Jahrzehnten in einer Reihe von Produktionen mit. Ihre erste Nachkriegsrolle war 1949 die der jungen bis hin zur gealterten Arbeiterfrau Guste Schmiedecke in der DEFA-Produktion "Die Buntkarierten"2), welche ihr den ersten "Nationalpreis der DDR" einbrachte. Die Presse schrieb damals "Was sonst drei Schauspielerinnen hätten spielen müssen, das gelang ihr scheinbar mühelos". Nach zwei weiteren DEFA-Produktionen, der Opernverfilmung "Die Lustigen Weiber von Windsor"2) (1950) und dem Biopic "Semmelweis – Retter der Mütter"2). (1950), arbeitete Camilla Spira ausschließlich für den westdeutschen Film. 
Sie zeigte sich in vielen weiteren erfolgreichen Nachkriegsstreifen, verkörperte meist Frauen, die das "Herz auf dem rechten Fleck" haben, und liebenswerte Mütter. So agierte sie beispielsweise 1952 als Ulrike in Georg Jacobys Verfilmung des Schwanks "Pension Schöller"2), in Robert A. Stemmles Kästner-Adaption "Emil und die Detektive"2) (1954) mimte sie Emils Tante. Als Kammersängerin Olivia Geiss tauchte sie in Helmut Käutners Zuckmayer-Verfilmung "Des Teufels General"2) (1955) auf, in Harald Brauns "Der Letzte Mann"2) (1955), dem Remake des gleichnamigen Stummfilmklassikers2) von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahre 1924, agierte sie im gleichen Jahr als Lenchen Knesebeck an der Seite von Hans Albers und Romy Schneider. Erneut mit Hans Albers stand sie für Rolf Thieles Komödie "Der tolle Bomberg"2) (1957) als Frau Kommerzienrat Mühlberg vor der Kamera, in Wolfgang Staudtes Gesellschaftssatire "Rosen für den Staatsanwalt"2) sah man sie 1959 als Hildegard Schramm und angepasste Ehefrau der Titelfigur alias Martin Held. In nachhaltiger Erinnerung ist Camilla Spira mit der Figur der patenten Mutter Martha Schiller bzw. Filmehefrau von Heinz Erhardt in Erich Engels' turbulent-heiteren Geschichte "Vater, Mutter und neun Kinder"2) (1958) geblieben.
 
Auch das Fernsehen setzte die erfahrene Schauspielerin in verschiedensten Stücken ein: Sie wirkte u. a. 1962 in "Affäre Blum" mit, in der TV-Serie "Großer Mann, was nun?"1) (1967) überzeugte sie als Marie König bzw. leidgeprüfte Ehefrau des Titelhelden, gespielt von Gustav Knuth, und in dem Mehrteiler "Die Powenzbande"1) gab sie 1973 herrlich die sittenstrenge, reiche Apothekerwitwe Thusnelda Quiebus; einen letzten kleineren Fernsehauftritt hatte Camilla Spira in der fünfteiligen Produktion "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" (1986: "Im Spreeland"), einem TV-Spiel, dass Eberhard Itzenplitz nach dem gleichnamigen Roman2) von Theodor Fontane in Szene gesetzt hatte.
Die Schauspielerin verkörperte in all ihren Rollen stets lebenslustige Frauentypen, die in den frühen Jahren auch mit einer gewissen Koketterie ausgestattet waren; reifer geworden gab sie mütterliche Frauen mit Lebenserfahrung. Allen Figuren war gemeinsam, dass sie unbestechlichen, praktischen Alltagsverstand besaßen, mit dem sie auch zu intelligenten Zeitzeuginnen wurden und ernst genommen werden konnten.4)
  
Camilla Spira, die zuletzt verwitwet in Berlin lebte, starb dort am 26. August 1997 im Alter von 91 Jahren; ihre letzte Ruhestätte fand die Schauspielerin auf dem Berliner Waldfriedhof Dahlem2) an der Seite ihres 1977 verstorbenen Mannes → Foto der Grabstätte bei www.knerger.de.
Ihre ebenfalls schauspielernde Schwester Steffie (Stephanie) Spira-Ruschin, mit der sie in den letzten Jahren zusammen auftrat, war zwei Jahre zuvor am 10. Mai 1995 von ihr gegangen. Noch wenige Jahre zuvor entstand 1991 gemeinsam mit ihrer Schwester der zweiteilige Dokumentarfilm bzw. die Biografie "So wie es ist, bleibt es nicht. Die Geschichte von Camilla und Steffie Spira".
Siehe auch Wikipedia, www.exilarchiv.de,
www.cyranos.ch, www.berlin.friedparks.de, www.deutsche-biographie.de sowie
den kurzen Nachruf bei www.spiegel.de
Fotos bei film.virtual-history.com
 Link: 1) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia
Quelle:
3) Kühn, Volker, "Spira, Camilla, verheiratet Eisner" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010, S. 704–705); Onlinefassung: www.deutsche-biographie.de
4) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 340)
Lizenz Foto Camilla Spira (Urheber "Fotoatelier Zander & Labisch", Berlin): Das Atelier von Albert Zander und Siegmund Labisch ( 1942) war 1895 gegründet worden; die inaktive Firma wurde 1939 aus dem Handelsregister gelöscht. Externe Recherche ergab: Labisch wird ab 1938 nicht mehr in den amtlichen Einwohnerverzeichnissen aufgeführt, so dass sein Tod angenommen werden muss; Zander wiederum war laut Aktenlage ab 1899 nicht mehr aktiv am Atelier beteiligt und kommt somit nicht als Urheber dieses Fotos in Frage. Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. (Quelle: Wikipedia)
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Wikipedia, Murnau Stiftung)
Stummfilme (Auszug)
  • 1924: Die Fahrt ins Glück
  • 1924: Mutter und Sohn
  • 1924: In den Krallen der Schuld
  • 1925: Das Herz am Rhein
  • 1925: Im Krug zum grünen Kranze
  • 1925: Freies Volk
  • 1926: Wir sind vom K. u. K. Infanterie-Regiment
  • 1926: Die Dritte Eskadron
  • 1926: Der Stolz der Kompagnie
  • 1927: Brennende Grenze
  • 1927: An der Weser (Hier hab ich so manches Mal)
  • 1928: Liebeskarneval
  • 1929: Meine Schwester und ich
Tonfilme (Auszug)
Noch: Tonfilme (Auszug)
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