Carl (Sebastian Martin) Wery wurde am 7. August 1894 als Wery de Lemans und Sohn eines Beamten im oberbayerischen Trostberg (Chiemgau) geboren; seine Vorfahren, die sich "Véry" schrieben, waren einst als Hugenotten aus Frankreich eingewandert. Nach Schulbesuch und Abitur wollte er eigentlich Maler werden, hielt sich aber für unbegabt und machte eine kaufmännische Ausbildung. Er arbeitete fünfzehn Jahre lang als Industriekaufmann in einer Holzfirma, deren Direktor er zuletzt war. Dann entschied er sich, Schauspieler zu werden, gab seine sichere und gut bezahlte Stellung von einem Tag auf den anderen auf und ließ sich von Friedrich Ulmer*) (1877 – 1952) ausbilden. Sein Bühnendebüt gab Wery 1929 mit der Titelrolle in Goethes "Faust" am Stadttheater in Bielefeld, anschließend wechselte er nach Münster und kam dann 1932 nach Berlin, wo er an das Berliner "Schiller"- und "Renaissance-Theater" engagiert wurde. 1934 holte ihn Otto Falckenberg1) (1873 – 1947) an die "Münchener Kammerspiele", wo Wery bis 1948 wirkte. Wery interpretierte klassische Rollen, war aber auch in modernen Stücken zu sehen, spielte beispielsweise den Jago in Shakespeares Tragödie "Othello" ebenso überzeugend wie den "Nikolaus" im Weihnachtsmärchen für Kinder.

Foto: Carl Wery als Dr. Classen in dem Film "Heidi und Peter"1) (1955)
Quelle: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG", Zürich,
mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich)
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Carl Wery als Dr. Classen in dem Film "Heidi und Peter" (1955); Quelle: www.cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG, Zürich", mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG
Carl Wery in "Via Mala"; Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 905-9027); Urheber/Fotograf: Unbekannt / Anefo; Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz: www.gahetna.nl/over-ons/open-data / CC BY-SA 3.0 NL Zum Film kam der Schauspieler mit dem kantigen und zerfurchten Gesicht 1933 und war erstmals mit dem kleinen Part eines Gastwirts in dem Heimatfilm "Drei Kaiserjäger"2) auf der Leinwand zu sehen. Produktionen wie "Königswalzer"2) (1935), "Wasser für Canitoga"2) (1939) oder "Kleine Residenz"2) (1942) folgten. Glänzend war seine Darstellung des alten, brutalen Jonas Lauretz, der in Josef von Bákys Knittel-Adaption "Via Mala"2) (1945) seine Familie tyrannisiert.
Nach dem Krieg setzte Wery seine Filmkarriere erfolgreich fort, man sah ihn unter anderem mit der Titelrolle in "Die Seltsame Geschichte des Brandner Kaspar"2) (1949), als Dr. Classen zeigte er sich in den Johanna Spyri-Adaptionen "Heidi"1) (1952) und "Heidi und Peter"1) (1955), als Professor Linz in Rudolf Jugerts Melodram in "Ein Herz spielt falsch"1) (1953) an der Seite von O. W. Fischer und Ruth Leuwerik. 
 
Carl Wery in "Via Mala"
Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief;
Bestandsnummer: 905-9027)
Urheber/Fotograf: Unbekannt / Anefo;  mehr bei → www.gahetna.nl
Quelle: Wikimedia Commons;
Lizenz: www.gahetna.nl/over-ons/open-data / CC BY-SA 3.0 NL
Unter der Regie von Georg Wilhelm Pabst verkörperte er in "Es geschah am 20. Juli"1) (1955) den Generaloberst Friedrich Fromm1) (1888 – 1945) und mit der Hauptrolle in Wolfgang Liebeneiners Biopic "Sebastian Kneipp – der Wasserdoktor"1) (1958) konnte Wery mit seinem "betont volkstümlichem"3) Spiel Publikum und Kritiker gleichermaßen überzeugen. Unvergessen bleibt sicherlich seine Darstellung des verbitterten alten Menschenfeindes "Grummel", dem durch eine Schar von Kindern in dem von Erich Waschnek inszenierten Streifen "Hab' Sonne im Herzen"2) (1953, mit Liselotte Pulver) eine menschlich gütige Wandlung widerfährt. Auch in den beliebten Geschichten um den Lausbub Ludwig Thoma (Hansi Kraus), "Lausbubengeschichten"1) (1964) und "Tante Frieda – Neue Lausbubengeschichten"1) (1965) spielte er sich als der furcherregende Hauptmann a.D. Semmelmaier in die Herzen des Publikums.
Ab Mitte der 1950er Jahre bot das Fernsehen dem beliebten Schauspieler ein weiteres Betätigungsfeld, Wery wirkte in verschiedensten Produktionen mit, war vor allem in etlichen Literaturadaptionen auf dem Bildschirm zu erleben. So unter anderem als alter grantiger Geizhals Ebenezer Scrooge in "Ein Weihnachtslied in Prosa oder Eine Geistergeschichte zum Christfest" (1960) nach Charles Dickens, als Konsul Werle in Rudolf Noeltes Ibsen-Verfilmung "Die Wildente" (1961) oder mit der Titelfigur in Kurt Wilhelms Verfilmung von Ferdinand Raimunds "Der Bauer als Millionär" (1963). Zudem war Wery umfangreich für den Hörfunk, vorwiegend beim "Bayerischen Rundfunk" tätig → Übersicht der Hörspiele bei Wikipedia.
  
Carl Wery, der in seinen letzten Lebensjahren wegen fortschreitender Atherosklerose seinen Beruf nicht mehr auszuüben konnte, starb am 14. März 1975 im Alter von 77 Jahren an einer Lungen- und Rippenfellentzündung in einem Münchener Krankenhaus; seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof in München-Bogenhausen (Grab Mauer rechts Nr. 1) → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.
Wery hinterließ seine Frau, die Schauspielerin, Schriftstellerin und Drehbuchautorin Erna Fentsch1) (1909 – 1997). Als deren bedeutendstes Werk gilt das mehrfach ausgezeichnete Filmdrama "Am Galgen hängt die Liebe.Philemon und Baucis" (1960), in dem Wery zusammen mit Annie Rosar ein altes Ehepaar spielte, das während des Zweiten Weltkriegs in Griechenland Freund und Feind Gastfreundschaft gewährt und dafür in den Tod geht.4)
DER SPIEGEL (13/1975) notierte unter anderem anlässlich des Ablebens von Carl Wery: Dreieinhalb Jahrzehnte stand der "Turm von einem Mann … mit seiner gewaltigen Nase und Bärenerscheinung" ("Die Welt") auf der Bühne (vor allem in den "Münchner Kammerspielen") und in über 60 Filmen vor der Kamera (vor allem als Darsteller bajuwarischer Saft- und Kraftnaturen). Er spielte den bösartigen Vater in der Heimatfilmschnulze "Via Mala" (1945) ebenso überzeugend wie den Doktor Faust, den König Lear oder den zärtlichen Großvater in Osborns "Tod im Apfelbaum".
In München Ramersdorf-Perlach erinnert die "Carl-Wery-Straße" an den großen Charaktermimen.
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Link: *) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung
Quelle: 3) Lexikon des internationalen Films, 4) Wikipedia
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
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