Joan Baez wurde am 9. Januar 1941 als Joan Chandos BŠez und zweite von drei Geschwistern in Staten Island (New York City) geboren; ihr Vater, Albert Vinicio BŠez1) (1912– 2007), war ein bekannter US-amerikanischer Physiker mexikanischer Herkunft, ihre Mutter, Joan Bridge BŠez, eine aus Schottland stammende Lehrerin. Bereits in ihrer Kindheit wurde Joan Baez wegen ihrer dunklen Hautfarbe mit den Rassenproblemen in ihrem Land konfrontiert, Erfahrungen, die ihr ganzes weiteres Leben prägten und sie zur begeisterten Anhängerin des Menschenrechtsaktivisten Martin Luther King1) (1929– 1968) werden ließen.
Aus beruflichen Gründen des Vaters zog die Familie häufig um. Stationen waren u. a. Palo Alto, Boston, Paris, Rom und Bagdad. Besonders letztgenannter Ort prägte sie durch die Armut und menschenverachtende Behandlung der dortigen Bevölkerung, die sie damals als 10-Jährige erlebte. 1956 hörte sie zum ersten Mal eine Rede des jungen Martin Luther King und bekam von den Eltern ihre erste Gitarre geschenkt, wodurch der Grundstein für die beiden wichtigsten Aktivitäten ihres Lebens gelegt wurde. Zuvor hatte sie sich das Musizieren auf einer Ukulele selber beigebracht. Später kaufte sie sich vom ersten selbst verdienten Geld eine Gibson-Gitarre. Erste musikalische Einflüsse durch Platten, die sie im Elternhaus hörte, waren der Folkmusiker Pete Seeger1) und der afroamerikanische Sänger Harry Belafonte2).3)
 
 
Foto: Joan Baez 1973 anlässlich eines Konzerts in Hamburg
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Nach einer 12-monatigen Anstellung in Bagdad kehrten die Eltern mit den drei Töchtern Pauline (geb. 1939), Joan und Margarita Mimi1) (1945 –2001) in die Staaten zurück, die Familie ließ sich zunächst in Palo Alto (südlich von San Francisco) nieder, da Albert Vinicio BŠez an der kalifornischen "Stanford Universität" arbeitete. Während dieser Zeit traf Joan Baez auf den Ghandi-Schüler Ira Sandperl, der ihr aktivistischer Mentor wurde und ihr die Philosophie der Gewaltfreiheit Mahatma Gandhis1) (1869– 1949) nahe brachte. Dann nahm der Vater eine Stelle als Dozent am "Massachusetts Institute of Technology" an, im Spätsommer 1958 zog die Familie nach Belmont (Massachusetts), wo Tochter Joan die dortige High School besuchte und ihren Abschluss machte.
Etwa zur gleichen Zeit begann auch die Karriere von Joan Baez, die seit ihrem zwölften Lebensjahr Gitarre spielte und sich für Folklore begeisterte. Sie trat 1959 in dem Folklore-Club "Club 47"1) in Cambridge (Massachusetts) auf und wirkte bei der Platte "Folksingers 'Round Harvard Square" mit, im gleichen Jahr traf sie auf den Folksänger Bob Gibson1) (1931– 1996), der sie einlud, 1959 am "Newport Folk Festival"1) teilzunehmen. Ihr erster öffentlicher Auftritt vor einem großen Publikum geriet zum Triumph, Joan Baez wurde als neuer Stern am Folklorehimmel gefeiert, die mit ihrer hellen und klaren Stimme die Massen begeisterte; das Magazin "Time" schrieb einmal, ihre Stimme "sei so klar wie die Luft im Herbst: ein vibrierender, kraftvoller, unerzogener, aufwühlender Sopran".
  
Im Oktober 1960 erschien dann bei "Vanguard Records"1) die erste Solo-LP unter dem schlichten Titel "Joan Baez" mit traditionellen Folksongs und schottischen Balladen wie beispielsweise "House of the rising sun", "Silver dagger" oder "Donna Donna", die ebenso wie das 1961 veröffentlichte zweite Solo-Album "Joan Baez Vol. 2" zur meistverkauften Folklore-LP in den USA wurde. Konzerttourneen rund um den Globus schlossen sich an, 1962 erschien ein Live-Mitschnitt ("Joan Baez In Concert"), der in der amerikanischen LP-Hitparade bis auf Platz 10 kletterte, im Mai 1963 war sie dann der Topstar beim "Monterey Folk Festival" in Kalifornien, an dem auch der damals noch nicht so bekannte Bob Dylan2) teilnahm. Einige Single-Auskoppelungen stürmten die Charts, wie beispielsweise "There But For Fortune", die 1965 in Großbritannien auf Platz 8 gelangte und für einen "Grammy" nominiert wurde, oder "The Night They Drove Old Dixie Down" – 1971 in den USA auf Platz 3, in Großbritannien auf Platz 6 und ihr größter kommerzieller Erfolg. Aus der anfänglich beruflichen Beziehung zu Bob Dylan war bald auch eine private geworden, die beiden wurden ein Paar. Joan Baez bezeichnete 2009 in dem Dokumentarfilm "Joan Baez" von Mary Wharton die Begegnung mit Bob Dylan als ihren künstlerischen Durchbruch. Bob Dylan erinnert sich im selben Film vor allem an den harmonischen Zusammenklang ihrer Stimmen und das Besondere an Baez' Gitarrenspiel, das keiner außer ihr, auch er nicht, in dieser Form beherrscht habe.3)
  
Gemeinsam mit Bob Dylan, dessen Lieder sie bekannt machte, war Joan Baez bis Mitte der 1960er die unumstrittene "Königin des Folk", die Ikone der entstehenden Hippie-Bewegung, ihre politischen Proteste und Aktionen machten sie weltweit berühmt. Bereits von Anfang an hatte sie ihre Popularität für Freiheit und Gerechtigkeit sowie die Durchsetzung demokratischer Bürgerrechte genutzt, sie war aktiv in der Friedensbewegung, machte vor allem während des Vietnam-Krieges mit ungewöhnlichen Methoden von sich reden, als sie beispielsweise nicht alle ihre Einkünfte versteuerte. Im August 1963 trat sie beim legendären "Civil Rights March" in Washington auf und sang für die Massen Pete Seegers Protestsong "We shall overcome"1), seitdem eine Hymne nicht nur der Bürgerrechtsbewegung in den USA, sondern auch der Anti-Vietnam-Bewegung und der späteren Friedensbewegung in Europa.
Nach Ende des Vietnam-Krieges kämpfte Joan Baez weiter gegen Rassendiskriminierung und Menschenrechtsverletzungen, vor allem in Südamerika, erhob ihre Stimme, wann immer ein Gewaltakt öffentlich gemacht werden musste. Für zahllose Menschen wurde sie zum Idol, von der amerikanischen Regierung sogar zeitweise als Sicherheitsrisiko eingestuft. 1965 gründete sie in Kalifornien das "Institute for the Study of Nonviolence" (Institut für gewaltfreie Studien), 1979 rief sie die Menschenrechtsorganisation "Humanitas International Human Rights Committee" ins Leben, dessen Vorsitzende sie 13 Jahre lang war und die sich um die "Boat people" aus Vietnam oder Menschenrechtsverletzungen in Kambodscha kümmerte. Anfang der 1980er Jahre reiste sie durch die Militärdiktaturen Argentiniens, Chiles und Brasiliens, begleitet von Auftrittsverboten, Todesdrohungen und strenger Überwachung durch "Sicherheits-"Kräfte der Juntas. Sie sang während der "Intifada", dem Aufstand der Palästinenser in Israel, der Westbank und Gaza, beteiligte sich an Aktionen gegen die Unterstützung der nicaraguanischen Contras durch die USA, die die sozialistische Regierung der "Sandinistas" stürzen wollten, in den USA nahm sie an AIDS-Benefiz-Veranstaltungen teil. 1989 erlebte man sie anlässlich der friedlichen Revolution der tschechoslowakischen Bevölkerung in Prag und sie gehörte zu den ersten internationalen Künstlern, die nach dem Bosnien-Krieg in Sarajewo auftraten – um nur weniges von ihren zahlreichen Engagements zu nennen. Ein Star wollte die Sängerin nie sein, wie sie einmal in einem Interwiew sagte: "Eigentlich bin ich keine Sängerin, sondern eine Politikerin. Seit ich zehn war, beschäftigt mich nur der eine Wunsch: dass die Leute aufhören, sich gegenseitig das Gehirn aus dem Schädel zu blasen.": siehe auch Joan Baez' politisches Engagement bei Wikipedia.

In der Öffentlichkeit hat Joan Baez seit langen Jahre das Image der "Folksängerin" zugunsten der "Protest-Sängerin" abgelegt. Ihre veröffentlichten Platten, welche ihre musikalische Entwicklung widerspiegeln, lassen sich nicht alle aufzählen; 1976 beispielsweise erschien das Album "Gulf Winds", mit dem sie erstmals nur eigene Kompositionen veröffentlichte, mit dem Album "Live in Europe '83: Children of the Eighties" machte sie auf die Situation der Oppositionellen in Osteuropa aufmerksam. Auf der 1988 erschienenen LP "Recently" nahm sie Cover-Versionen von Titeln auf, die Peter Gabriel1), "U2"1) oder "Dire Straits"1) geschrieben hatten, ihr 1989er Album "Speaking Of Dreams" hatte durchaus autobiographische Züge. In ihrem selbst getexteten und komponierten Song "China" setzte sie sich mit den blutig niedergeschlagenen Studentenrevolutionen auf dem "Platz des Himmlischen Friedens" auseinander.
Joan Baez in "The Neighborhood Theatre", Charlotte (North Carolina) am 3. Oktober 2003; Urheber: Pat Swayne; Seit Anfang der 1990er Jahre stellt Joan Baez nun weniger soziale und politische Themen mit ihren Tonträgern in den Vordergrund sondern konzentriert sich mehr auf das musikalische. 1992 veröffentlichte sie ihre hervorragende CD "Play Me Backwards", mit der sie ein künstlerisches Comeback feierte. Im April 1995 spielte sie zusammen mit Janis Ian1), Mary Black1), Mary Chapin Carpenter1) sowie Anna und Kate McGarrigle1) (1946– 2010) an vier Abenden im New Yorker "Bottom Line" das Live-Album "Ring Them Bells" ein, 1997 erschien das Album "Gone From Danger" mit Liedern der jungen Songwriter Richard Shindell1), Dar Williams1), Sinťad Lohan4), Betty Elders und Mark Addison. 2003 stellte Joan Baez mit "Dark Chords On A Big Guitar" ihre aktuelle CD vor und bewies einmal mehr, dass sie nach wie vor eine sensible Songinterpretin ist. Wenig später ging sie im Sommer 2004 auch wieder auf Tour, bis Anfang August konnte man die "Grande Dame" des politischen Songs in Dresden, München, Bonn, Stuttgart und Hamburg erleben. Ihr Album "Day After Tomorrow" erschien 2008, zuletzt kam 2015 "Diamantes" auf den Markt. 
 
 
Foto: Joan Baez
in "The Neighborhood Theatre", Charlotte (North Carolina)
am 3. Oktober 2003
Urheber: Pat Swayne
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Lizenz: CC-BY-SA 3.0
Unzählige Preise und Auszeichnungen belegen den außergewöhnlichen Erfolg bzw. die Berühmtheit der Sängerin, alleine auf neun "Goldene Schallplatten" (8x Album, 1x Single) und sechs "Grammy"-Nominierungen kann die Künstlerin zurückblicken, einen "Grammy" für ihr Lebenswerk erhielt sie 2007. In Deutschland konnte sie 1978, 1979 und 1996 einen "Bambi" entgegen nehmen, verschiedenste Auszeichnungen würdigen ihr politisches Engagement wie beispielsweise der "Thomas Merton Award"1) (1976) oder der "Joan Baez Award" von "Amnesty International"1) (2011). Anlässlich des 50. Jubiläums der Menschenrechtsorganisation "Amnesty International" erhielt Joan Baez als erste am 18. März 2011 in San Francisco den nach ihr benannten "Joan Baez Award". Sie erhielt diese Ehrung für ihren herausragenden Einsatz im weltweiten Kampf für Menschenrechte und ihre mutige Menschenrechtsarbeit bei "Amnesty International". In den kommenden Jahren soll diese Auszeichnung an Künstler aus den Bereichen Musik, Film u. Ä. verliehen werden, die sich auf ähnliche Weise für Menschenrechte einsetzen.3); siehe auch die Liste der Auszeichnungen bei Wikipedia.
 
Joan Baez war von 1968 bis 1971 mit dem Wehrdienstverweigerer und linken Studentenführer David Harris verheiratet, den sie bei Aktionen gegen den Vietnam-Krieg kennen gelernt hatte und der für seine antimilitärische Haltung eine dreijährige Haftstrafe verbüßen musste; aus der Verbindung stammt der im Dezember 1969 geborene gemeinsame Sohn Gabriel Earl. Derzeit lebt sie gemeinsam mit ihrer Mutter, Sohn, Schwiegertochter und Enkelin in Woodside, Kalifornien. Auf dem Grundstück hat sie ein Baumhaus, in dem sie einen großen Teil ihrer freien Zeit verbringt, meditiert und schreibt.3)
Ihre ersten Erinnerungen veröffentlichte die Künstlerin 1968 unter dem Titel "Daybreak", weitere Memoiren kamen 1987 mit dem englischen Titel "And A Voice To Sing With", in Deutschland als "We shall overcome – Mein Leben", auf den Markt. Das Buch "And Then I Wrote…" mit Texten ihrer Songs erschien 1979.
 
Offizielle Webpräsenz (englischsprachig): www.joanbaez.com 
Siehe auch Wikipedia (mit ausführlicher Diskografie), www.laut.de
sowie ein Interview bei www.stern.de vom 19. Juli 2004
Einige Textbausteine stammen aus Frank Laufenbergs "Rock- und Pop-Lexikon".
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 4) Wikipedia (englisch)
Quelle: 3) Wikipedia (abgerufen 12.09.2011)
Stand September 2015
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