Bereits im Alter von sieben Jahren brachte ihm sein
älterer Schwager, der Jazz-Musiker Harrison Verrett1) (1907 1965) das Klavierspielen bei, mit zehn
Jahren sang er in und vor den Kneipen seiner Geburtsstadt für ein paar
Pennies.
Mit 14 Jahren verließ er die Schule, arbeitete tagsüber in einer Fabrik
und trat abends als Sänger und Pianist (im Boogie1)-Stil)
in lokalen Nachtclubs auf.. Ende der
1940er Jahre lernte er dort den Produzenten und Bandleader Dave Bartholomew1),
ehemals Trompeter bei Duke Ellington, kennen, der ihm die Chance bot, in seiner
Band zu spielen. Fats Domino wurde Pianist in Bartholomew's Tanzorchester
und schrieb später mit ihm zusammen die meisten seiner Hits.
1949 erhielt er vom Label "Imperial Records"1) einen Plattenvertrag, nahm
mit "The Fat Man"1)
seine
erste Solo-Platte auf, die im Februar 1950 auf Platz 2 der "R&B-Charts"1)
stand und sich
innerhalb von drei Wochen zum Millionenseller des "Rhythm & Blues"1)
entwickelte; von da an war
"Fat Man" (der "Dicke") auch der Spitzname des schwergewichtigen Künstlers.
Fats Domino 1962 in Amsterdam1)
Rechteinhaber: Nationaal
Archief1) (Den Haag, Rijksfotoarchief;
Bestandsnummer: 914-4777);
Urheber/Fotograf: Gelderen, Hugo van / Anefo
Quelle: Wikimedia
Commons (Ausschnitt des Originalfotos);
Lizenz: CC BY-SA 3.0 NL
bzw. CC0
1.0 (Verzicht auf das Copyright)
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Im Laufe der nächsten Jahre avanciere Fats Domino mit seiner Mischung aus
"Traditional
Jazz"1), Boogie-Woogie1),
Cajun-Musik1),
Blues1) und lateinamerikanischen
Elementen sowie seiner ganz speziellen Art Klavier zu spielen zu einem der
ersten und erfolgreichsten Stars des "Rock'n'Roll"1).
Beeinflusst wurde seine
Musik unter anderem von den Boogie-Woogie Pianisten Albert Ammons1),
Fats Waller1)
und Meade Lux Lewis1),
sein unverkennbares Piano-Spiel erinnerte an Little Willie Littlefield1).
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Bis 1964 – dem Zeitpunkt, wo "The
Beatles"1) die USA
überrollten – konnte Fats Domino einen Hit nach dem anderen
landen und war regelmäßig in den internationalen Charts unter den
ersten 10 zu finden; erstaunlicherweise erreichte er nie einen
Nr. 1 Hit in den US-Pop-Charts.
Seine mit rauchiger Stimme vorgetragenen Songs zählen bis heute zu
Pop-Klassikern: "Ain’t That A Shame" (1955; → Wikipedia (englisch)), "I'm In Love Again" (1956; → Wikipedia (englisch)), "Blueberry Hill"1) (1956),
"Blue Monday" (1957, → Wikipedia (englisch)),
"I'm Walkin'" (1957; → Wikipedia (englisch)),
"Valley Of Tears" (1957; → Wikipedia (englisch)), "It's You
I Love" (1957), "Whole Lotta Loving'" (1958; → Wikipedia (englisch)),
"I Want To walk You Home" (1959; → Wikipedia (englisch)), "Be My Guest"
(1959; → Wikipedia (englisch)) oder
"Walking To New Orleans" (1960; → Wikipedia (englisch)) waren alles
"Top-10-Hits", mit denen er bei zahlreichen Konzerten bis weit in die
1990er Jahre sein Publikum begeisterte. Seinen letzten großen Hit hatte
er 1963 mit seiner Version des Liedes "Red Sails In The Sunset" → Wikipedia (englisch).
Er nahm auch einige alte
Hank Williams1)-Titel wie "Jambalaya (On The Bayou)"1) oder
"You Win Again" auf, 1968 coverte er den
Beatles-Song "Lady Madonna"1).
Fats Domino 1973 in der "Musikhalle Hamburg"
(heute: "Laeiszhalle"1))
Urheber: Heinrich Klaffs (www.hklaffs.de)
Quelle: Wikimedia
Commons von www.flickr.com;
Lizenz: CC-BY-SA
2.0
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Viele seiner Titel wurden ab Mitte
der 1950er Jahre erfolgreich von weißen Interpreten wie beispielsweise Pat Boone
gecovert. Boones Version von "Ain't That A Shame" erreichte Ende
Mai 1955 die Nummer 1
der Charts, Fats Domino konnte im April 1955 nur den 10. Platz belegen beide
Künstler wurden jedoch durch den Titel zum Star. Auch das Teeny-Idol Ricky Nelson
startete 1957 seine Karriere mit dem Fats-Hit "I'm Walking".
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Fats Domino wirkte ab Mitte der 1950 auch in einigen Musikfilmen als er selbst mit,
so auch in der von vielen als bestem "Rock'n'Roll"-Film bezeichneten,
von Frank Tashlin1) mit
Jayne Mansfield gedrehten Musical-Satire "The Girl Can't Help It"1)
(1957, "Schlagerpiraten"), wo er mit seinem Hit "Blue Monday"
auftrat. Weiterhin zu nennen sind die Produktionen "Shake, Rattle & Rock!"
(1956; → Wikipedia (englisch)),
"Jamboree" (1957; → Wikipedia (englisch))
und "The Big Beat" (1958; → Wikipedia (englisch)).
Ende der 1960er Jahre feierte Fats Domino ein Comeback,
er unternahm mehrere Europatourneen und trat in Las Vegas1) auf.
Fats Domino 1992 anlässlich eines
Konzerts im
französischen Deauville1)
Quelle: Wikipedia
bzw. Wikimedia Commons;
Urheber: Roland Godefroy; Lizenz CC-BY-SA 3.0
Foto cropped by Erik
Baas; Original: Fats
Domino018.JPG;
Lizenz zur Veröffentlichung siehe hier
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In seinen letzten Jahren zog sich Domino zunehmend ins Privatleben zurück.
Ausnahme war ein alljährliches Konzert auf dem Musikfestival von New Orleans1)
("New Orleans Jazz & Heritage Festival"1)). Er ließ verlautbaren, seine Heimatstadt nie wieder
verlassen zu wollen. Der "Hurrikan Katrina"1) vom 29. August 2005 zwang
Fats Domino allerdings wieder in den Blick der Öffentlichkeit, als er
zuerst als vermisst gemeldet, später aber unter Verlust eines Großteils
seines Besitzes aus dem Katastrophengebiet evakuiert werden konnte. Der US-amerikanische Schriftsteller und
Regisseur David Zane Mairowitz1) verarbeitete die Geschichte 2012 in Zusammenarbeit mit dem "SRF"1) als
Hörspiel mit dem Titel "Category 5: Wie ich Fats Domino aus dem Hurrikan Katrina
rettete" → www.srf.ch.
2007 erschien das Album "Goin’ Home: A Tribute to Fats Domino" ( → Wikipedia (englisch)), an dem verschiedene Rockgrößen mitgewirkt hatten. Teile des
Gewinns aus dem Verkauf dieses Albums wurden zum Wiederaufbau des Hauses von
Fats Domino in seinem geliebten New Orleans verwendet.2) Er
selbst spendete den Verkaufserlös seines letzten veröffentlichten
Studioalbums mit dem Titel
"Alive and Kickin’" (2006; → Wikipedia (englisch)) der
gemeinnützigen Stiftung "Tipitina's Foundation" für den Wiederaufbau
des kulturellen, insbesondere musikalischen Lebens in New Orleans nach dem
"Hurrikan Katrina".
Der Sänger, Pianist, Songwriter und Rock'n'Roll-Pionier starb am 25. Oktober 2017 im Alter von 89 Jahren in
Harvey (Jefferson Parish1)),
einem Vorort von New Orleans,
eines natürlichen Todes, wie die Medien berichteten. Er sei friedlich im Kreise seiner Familie gestorben, wie seine Tochter im
US-amerikanischen Fernsehen mitteilte. Die letzte Ruhe fand er auf dem "Mount Olivet Cemetery and Mausoleum"
in New Orleans, wo auch seine Ehefrau beigesetzt worden war → findagrave.com.
Fats Domino war seit 1947 mehr als sechzig Jahre lang bis zu deren Tod mit Ehefrau Rosemary
(28.03,1930 10.03.2008) verheiratet und hatte
mit ihr acht Kinder, Antoine III. (1950 2015), Anatole (1954 2023), Andre (1952 1997),
Antonio, Antoinette, Andrea, Anola und Adonica. Trotz seiner großen Erfolge
wohnte er mit seiner Familie bis zur Zerstörung durch "Hurrikan Katrina"1)
im Stadtteil "Lower 9th Ward", in dem vorwiegend die ärmere,
afro-amerikanische Bevölkerung lebte; erst danach zog er in den Vorort von New Orleans.
Fats Domino gehörte neben Elvis Presley1) in den 1950er Jahren zu den
erfolgreichsten Rock’n’Rollern und seine Plattenverkäufe erreichten mit
rund 65 Millionen Rekordhöhe. In Deutschland gelangte er 1992
wieder in die Hitparaden, als das Mineralölunternehmen "ARAL"1) einen TV-Werbespot mit der Nummer seiner
früheren Hit-Single "I'm Walkin'" unterlegte.
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