Roy Kelton Orbison wurde am 23. April 1936  als zweiter von drei Söhnen des Automechanikers Orbie Lee Orbison (1913 – 1984) und dessen Ehefrau, der Krankenschwester Nadine Vesta Shults (1913 – 1992), im texanischen Vernon1) (USA) geboren. 1942 zog die Familie ins rund 200 Meilen entfernte Fort Worth1), da sein  Vater dort eine Anstellung in einer Munitionsfabrik erhalten hatte. An seinem sechsten Geburtstag bekam Roy seine erste Gitarre und Vater Orbie sowie sein älterer Bruder Grady brachten ihm das Spielen bei. In seiner Jugend von Country-1) und Western Swing1) beeinflusst, machte sich schon früh sein musikalisches Talent bemerkbar. 1944 schickten ihn die Eltern wegen eines Polio-Ausbruchs zusammen mit Bruder Grady zurück nach Vernon zur Großmutter, mit Ende des 2. Weltkrieges kam die restliche Familie nach. 1945 gewann der 9-Jährige einen Talentwettbewerb beim lokalen Radiosender "KVWC", erhielt eine wöchentliche Samstagabend-Sendung, in der er seine Lieder vortrug. 1946 zogen die Orbisons auf der Suche nach Arbeit erneut um, diesmal in die kleinen Stadt Wink im Winkler County1) im Westen von Texas. Orbison beschrieb das Leben in Wink Jahre später als "Football, Öfelder, Öl, Schmierfett und Sand" ("football, oil fields, oil, grease, and sand") und meinte, er sei erleichtert gewesen, die trostlose Stadt verlassen zu können.
1949 gründete der damals 13-Jährige mit Schulfreunden die Band "Wink Westerners", sie spielten Country- und Western-Swing-Standards sowie Stücke im Glenn Miller-Sound in lokalen Honky Tonk1)-Bars, traten auch beim Radiosender "KERB" im nahe gelegenen Kermit auf; zudem schrieb er weiterhin balladenartige Lieder. Um 1953 hatte Orbison dann mit seiner Band bei einer Schulveranstaltung an der "Wink High School" seinen ersten öffentlichen Auftritt vor Publikum. Während er bei seinen anfänglichen Auftritten nur Country-Music1) spielte, nahm er nun auch Rockabilly1)- und Rock-’n’-Roll1)-Titel in sein Repertoire auf. Im Folgejahr machte er seinen Schulabschluss und wechselte zum "North Texas State College" ("University of North Texas"1)) in Denton1), um Geologie zu studieren, doch schon bald entschied er sich für eine Karriere als Profi-Musiker.

Roy Orbison Ende März 1965 in den Niederlanden
Rechteinhaber: Nationaal Archief1) (Den Haag,
Rijksfotoarchief;  Bestandsnummer: 917-5752)
Urheber/Fotograf: Jac. de Nijs / Anefo;
Quelle: Wikimedia Commons;
Lizenz: CC0 1.0 (Verzicht auf das Copyright)

Roy Orbison Ende März 1965; Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 917-5752); Urheber/Fotograf: Jac. de Nijs / Anefo; Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz: www.gahetna.nl/over-ons/open-data / CC BY-SA 3.0 NL
Im Sommer 1955 gründete er eine neue Band, die er "The Teen Kings" nannte, reiste nach Dallas1), um dort den von seinen beiden Studienkollegen, dem Duo "Wade and Dick"1) geschriebenen Rockabilly Klassiker "Ooby Dooby" bei "Columbia Records"1) vorzuspielen. "Columbia" gefiel der Titel zwar, jedoch zogen sie "Sid King and the Five Strings"1) als Interpreten vor. 1956 erhielt er dann beim Label "Sun Records"1), der kleinen Plattenfirma von Sam Phillips1) (1923 – 2003), den ersten Plattenvertrag und konnte zusammen mit seiner Gruppe "The Teen Kings" mit dem Remake von "Ooby Dooby" seine erste Hit-Notierung, wenn auch nur auf Platz 59 landen.
Weitere Platten ähnlicher Machart folgten, die jedoch, auch nach dem Wechsel zu "RCA Records"1) eher erfolglos blieben – es sollte noch vier Jahre dauern, bis Orbison als Interpret wieder in den Charts auftauchte.  In der Zwischenzeit hatte er für seine Ehefrau das Lied "Claudette" (→ Wikipedia (englisch)) komponiert, das im Mai 1958 mit den "Everly Brothers" in die US-Hitparade gelangte. Mit "Only The Lonely (Know How I Feel)"1) gelang ihm dann endlich der lang erhoffte, auch internationale Durchbruch, Ende Juli 1960 erreichte die Single den 2. Platz in der US-Hitparda, blieb fast sechs Monate lang Spitzenreiter in Großbritannien und entwickelte sich zum Millionenseller. In den nachfolgenden vier Jahren war Orbison mit Titeln wie "Blue Angel" (1960; → Wikipedia (englisch)), "Running Scared" (1961; → Wikipedia (englisch)), "Crying" (1961; → Wikipedia (englisch)), "Dream Baby" (1962; → Wikipedia (englisch)), "In Dreams" (1963; → Wikipedia (englisch)), "Mean Woman Blues" (1963; → Wikipedia (englisch)), "Blue Bayou"1) (1963) oder "It's Over" (1964; → Wikipedia (englisch)) überaus erfolgreich und regelmäßig in den Charts vertreten.
Bei Wikipedia kann man lesen: "Im Jahr 1962 trat Roy Orbison das erste Mal in Großbritannien auf, 1963 tourte er dort mit den "Beatles"1) und "Gerry and The Pacemakers"1). Im Flugzeug vergaß der stark fehlsichtige Orbison seine Brille und musste am Abend notgedrungen mit seiner (ebenfalls mit Gläsern in passender Stärke versehenen) Sonnenbrille auftreten. Die Bilder der Tour gingen um die Welt, und von nun an trat Orbison nur noch mit der dunklen Brille auf. Ohne Brille sieht man ihn später nur auf wenigen Fotos und im Film "The Fastest Guitar Alive"." In diesem, von Michael D. Moore gedrehten, gegen Ende des amerikanischen Bürgerkrieges1) (1861–1865) angesiedelten, musikalischen Western, welcher am 1. September 1967 in die Kinos kam, mimte er als Gitarrist Johnny Banner einen Spion der Konföderierten1); es war sein einziger Auftritt als Schauspieler in einer Filmproduktion → Wikipedia (englisch).
Roy Orbison Ende März 1965 in den Niederlanden, wo er eine "Goldene Schallplatte" für "Oh, Pretty Woman" erhielt; Rechteinhaber: Nationaal Archief1) (Den Haag, Rijksfotoarchief;  Bestandsnummer: 917-5749); Urheber/Fotograf: Jac. de Nijs / Anefo; Quelle: Wikimedia Commons (Ausschnitt des Originalfotos); Lizenz: CC0 1.0 (Verzicht auf das Copyright) Seinen größten Hit hatte er dann noch zuletzt 1964 mit seinem berühmten "Oh, Pretty Woman"1), von dem allein 1964 rund 7 Millionen Stück verkauft wurden  →  Diskografie bei Wikipedia.
  
In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre musste Orbison privat tragische Schicksalsschläge hinnehmen, die sich auf seine weitere künstlerische Karriere auswirkten: 1966 verunglückte seine Ehefrau Claudette, die er abgöttisch geliebt hatte, bei einem Motorradunfall tödlich; zwei Jahre später kamen am 14. September 1968 zwei der drei gemeinsamen Söhne, Roy jr. (* 1958) und Anthony (* 1962), bei einem Brand seines Landhauses in der Nähe von Nashville1) ums Leben. Der dritte Sohn Wesley (* 1965) konnte von Orbisons Eltern in letzter Sekunde gerettet werden. Der Singer/Songwriter spielte nur noch seichte "Country-Music", produzierte eher mittelmäßige LPs, trat in halbleeren Konzertsälen auf und zehrte im Wesentlichen von seinen alten Hits. In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren reichte es nur noch selten zum Sprung in die Charts.
  
Roy Orbison Ende März 1965 in den Niederlanden,
wo er eine "Goldene Schallplatte"1)
für "Oh, Pretty Woman" erhielt 
Rechteinhaber: Nationaal Archief1) (Den Haag,
Rijksfotoarchief;  Bestandsnummer: 917-5749)
Urheber/Fotograf: Jac. de Nijs / Anefo;
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Am besten verkaufte sich im Sommer 1980 noch das Duett mit Emmylou Harris1) "That Lovin' You Feelin' Again", welches für den Soundtrack des mit Meat Loaf1) gedrehten Films "Roadie"1) (1980) aufgenommen worden war und in dem er auch selbst auftrat; für den Song wurden beide am 25. Februar 1981 mit einem "Grammy Award"1) in der Kategorie "Best Country Performance by a Duo or Group with Vocal"1) ("Beste Countrygesangsdarbietung eines Duos oder einer Gruppe") ausgezeichnet.
1986 feierte Orbison mit seinem bereits im Februar 1963 veröffentlichten Hit "In Dreams" (→ Wikipedia (englisch)) in David Lynchs1) Kultfilm bzw. surrealistischem Thriller "Blue Velvet"1) ein grandioses Comeback. Der Song "ist das Lieblingslied des Psychopathen Frank Booth (Dennis Hopper1)) und wird als Lippen-Synchronisation durch den effeminierten1) Drogendealer Ben (Dean Stockwell1)) vorgetragen." notiert Wikipedia. Im selben Jahr traf er sich in Memphis1) bei "Sun Records"1) mit Johnny Cash, Jerry Lee Lewis und Carl Perkins1), um gemeinsam das von Chips Moman1) produzierte Album "Class of ’55"1) aufzunehmen. Im Frühjahr 1988 entstand mit ihm, George Harrison1), Bob Dylan, Jeff Lynne1) und Tom Petty1) die "Supergroup"1)-Formation "Traveling Wilburys"1), deren erstes, im Oktober 1988 veröffentlichtes Album "Traveling Wilburys Vol. 1"1) sich millionenfach verkaufte. Zum weiteren Triumph geriet die für ihn von Jeff Lynne und Tom Petty geschriebene Nummer "You Got It" (→ Wikipedia (englisch)), mit der er Anfang 1989 in den USA Platz 9 in den "Billboard Hot 100"1) sowie auch weltweit nach rund 25 Jahren wieder unter die "Top 10" gelangte - 
   
Diesen fulminanten Erfolg erlebte Roy Orbison, der bereits seit jungen Jahren an Herzproblemen litt, jedoch nicht mehr, er starb am 6. Dezember 1988 mit nur 52 Jahren in Hendersonville1) (Tennessee1)) an den Folgen eines Herzinfarktes. Die letzte Ruhe fand er auf dem "Westwood Village Memorial Park Cemetery"1) in Westwood1), einem Stadtteil der kalifornischen Metropole Los Angeles1) → Foto der Grabstelle bei knerger.de. Seit Ende der 1960er Jahre war die am 10. Januar 1950 in Bielefeld1) geborene Barbara Wellhöner Jakobs an seiner Seite, die er im Sommer 1968 während einer Tournee in Großbritannien kennengelernt hatte; am 25. März 1969 heiratete er in zweiter Ehe die damals 19-Jährige im britischen  Leeds1). Aus dieser Verbindung gingen die Söhne Roy Kelton Orbison Jr. (* 18.10.1970) sowie Alex Orbison (* 25.05.1975  → Wikipedia (englisch)) hervor, der Schlagzeuger, Regisseur, Autor und Filmproduzent wurde. Außerdem ist er Präsident und Mitbegründer von "Roy's Boys LLC", die das musikalische Erbe seines Vaters verwaltet; zu dieser Organisation gehören auch seine Brüder Roy Orbison Jr. und Wesley Orbison. Barbara Orbison erlag am 6. Dezember 2011, dem 23. Todestag ihres Ehemannes, in Los Angeles 61-jährig den Folgen einer Krebserkrankung  → Wikipedia (englisch).
   
Orbisons 22. Studioalbum "Mystery Girl"1), auf dem "You Got It" enthalten ist, erschien am 30. Januar 1989 posthum bei "Virgin Records"1) und entwickelte sich zu einem riesigen Verkaufserfolg, hielt sich unter anderem 40 Wochen lang in den "Deutschen Albumcharts"1). Im Oktober 1992 brachte "Virgin Records" das Album "King Of Hearts" mit zum Teil unveröffentlichten Aufnahmen des Künstlers auf den Markt → Wikipedia (englisch).  
Roy Orbison, der 1987 in die "Rock'n Roll Hall of Fame"1) und in die "Nashville Songwriters Hall of Fame"1) aufgenommen wurde, war einer der kreativsten Musiker des klassischen "Rock ’n’ Roll"1). Mit seinem kraftvollen, wohlklingenden Tenor sang er – immer ganz in Schwarz und versteckt hinter einer großen Sonnenbrille – sowohl ans Herz gehende, düstere Balladen als auch bluesartige Rock-Titel. Wenn er seine Songs vortrug, stand er meist völlig emotionslos vor dem Mikrophon, aber seine Stimme steigerte sich im Verlauf seiner Geschichten zu unglaublichen Höhen. Drei Oktaven schaffte er spielend und die Melancholie seiner Lieder fand beim Publikum aller Altersgruppen Anklang.
"Stern" für Roy Orbison auf dem "Hollywood Walk of Fame"; Urheber: Copyright Dietmar Rabich; Lizenz: CC BY-SA 4.0 Deed; Quelle: Wikimedia Commons Das Magazin "Rolling Stone"1) wählte ihn auf Platz 37 der "100 größten Musiker"1) sowie auf Platz 13 der "100 größten Sänger aller Zeiten". Posthum verlieh man ihm am 25. Februar 1998 einen "Grammy Award"1) für sein Lebenswerk ("Lifetime Achievement Award"1)). Mehr als 20 Jahre nach seinem Tod widmete man Roy Orbison am 29. Januar 2010 einen "Stern" auf dem "Hollywood Walk of Fame"1) (Adr.: 1750 North Vine Street) in der Kategorie "Musikaufnahmen"1) ("Recording"). Darüber hinaus ist er, außer den beiden genannten, in weiteren "Ruhmeshallen" vertreten, in der "Songwriters Hall of Fame"1) (seit 1989), in der "America's Pop Music Hall of Fame" (seit 2014), in der "Memphis Music Hall of Fame"1) (seit 2017) und in der "Texas Country Music Hall of Fame"1) (seit 2024),
 
"Stern" für Roy Orbison auf dem
"Hollywood Walk of Fame"
Urheber: © Dietmar Rabich → www.rabich.de
Lizenz: CC BY-SA 4.0 Deed
Quelle: Wikimedia Commons
Der US-amerikanische Autor Ellis Amburn (1933 – 2018) veröffentlichte mit "Dark Star. The Roy Orbison Story" (1990) eine Biografie über den unvergessenen Musiker. Von dem britischen Singer/Songwriter sowie Musik-Journalisten Alan  Clayson (→ Wikipedia (englisch)) stammt das Buch "Only The Lonely, The Life and Artistic Legacy of Roy Orbison"(1989).
 
Offizielle Webseite (englisch)
Siehe auch Wikipedia, (deutsch; mit Diskografie),
Wikipedia (englisch; mit Diskografie), www.laut.de
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