Michèle Morgan 1995 anlässlich der Verleihung des "César"; Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Georges Biard; Lizenz CC-BY-SA 3.0 Michèle Morgan wurde am 29. Februar 1920 als Simone Renée Roussel im Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine1) geboren. Schon mit 15 Jahren fasste das junge Mädchen den Entschluss, Schauspielerin zu werden, verließ ihr Elternhaus und nahm Unterricht bei dem Schauspieler René Simon (1898 – 1971) an dessen 1925 gegründeten "Cours d'art dramatique René-Simon". 1935 gab sie ihr Filmdebüt – noch als Simone Morgan – mit einem winzigen, ungenannten Part in "Eine Tochter für den Papa" ("Une fille à papa"), im gleichen Jahr folgten kleine Rollen in "Pariser Leben" ("La vie parisienne") und "Mademoiselle Mozart". Marc Allégret1) besetzte sie neben Jean Gabin mit der weiblichen Hauptrolle der Natalie Roguin in dem Melodram "Der fünfte Geschworene"2) (1937, "Gribouille") und ihre darstellerische Leistung machte die Morgan über Nacht zum Publikumsliebling sowie zur bevorzugten Partnerin von Jean Gabin. Schnell wurde ihr Gesicht international bekannt, unter anderem mit zwei Meisterwerke des französischen Realismus: 1938 war sie als Nelly in Marcel Carnès1) Literaturadaption "Hafen im Nebel"1) ("Quai des brumes") und 1941 als Cathérine in Jean Grémillions1) Drama "Schleppkähne"1) ("Remorques") zu sehen. In den Filmen jener Zeit spielte sie zumeist die aufrichtig Liebende, die das Schicksal aus romantischen Träumen reißt.
Während des 2. Weltkrieges ging die Schauspielerin 1940 für kurze Zeit nach Hollywood, kehrte aber nach einigen Jahren wieder nach Frankreich zurück, da die US-Filme qualitativ ihren Ansprüchen nicht genügten. 
 
Michèle Morgan 1995 anlässlich der Verleihung des "César"1)
Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Georges Biard;  Lizenz CC-BY-SA 3.0
So drehte sie unter anderem als Titelheldin mit Regisseur Robert Stevenson1) neben Thomas Mitchell1) und Paul Henreid1) das Kriegsfilm-Drama "Joan of Paris"1) (1942), im Folgejahr zeigte sie sich in Tim Whelans1) romantischem Musikfilm "Higher and Higher"1) (1943) als Partnerin von Frank Sinatra und 1944 tauchte sie als Paula an der Seite von Humphrey Bogart in Michael Curtiz'1) Abenteuer "Fahrkarte nach Marseille"1) ("Fahrkarte nach Marseille"); im selben Jahr erwarb Michèle Morgan die amerikanische Staatsbürgerschaft.
1946 kehrte die Schauspielerin in ihre Heimat zurück. Gemeinsam mit ihrem zweiten Mann Henri Vidal spielte sie dort in einer Reihe von seichten Komödien, überzeugte aber auch als Charakterdarstellerin in melancholischen Rollen. 1946 wurde sie bei den ersten "Filmfestspielen von Cannes"1) für ihre einfühlsame Verkörperung des blinden Mädchens Gertrude in dem Drama "Und es ward Licht"2) ("La symphonie pastorale"), gedreht von Jean Delannoy1) nach der gleichnamigen Novelle1) von André Gide1), als "Beste Darstellerin"1) ausgezeichnet.
Als Liebende präsentierte sich die Morgan auch oft in Filmen mit historischem Sujet neben Jean Gabin, Gérard Philipe oder Henri Vidal; So 1948 mit der Titelrolle der Senatorentochter Fabiola, die sich in Alessandro Blasettis1) gleichnamigem Film2) nach dem Roman von Enrico Guazzoni1) in den gallischem Gladiator Rual (Vidal) verliebt oder 1956 als französische Königin Marie-Antoinette1) in Jean Delannoys monumentalem Streifen "Der Liebesroman einer Königin"2) ("Marie-Antoinette reine de France") mit Richard Todd1) als Marie-Antoinettes Favorit Hans Axel Graf von Fersen1). Eine ihrer schönsten Rollen gab ihr René Clair in "Das große Manöver"1) (1955 "Les grandes manœuvres") mit Gérard Philipe als Leutnant Armand de la Verne, in dem sie als Hutmacherin und Salonbetreiberin Marie-Louise Rivière einmal mehr die sich der Liebe versagende Blondine spielte. So notiert das "Lexikon des internationalen Films": "René Clairs erster Farbfilm läßt die beiden Hauptdarsteller in dieser eigentlich banalen Geschichte brillieren; die außerordentlich liebevolle Inszenierung vermittelt das Können des Regisseurs, höchst intelligent und ironisch zu unterhalten." Sehenswert ist auch das von Carol Reed1) nach der Kurzgeschichte "The Basement Room" von Graham Greene1) in Szene gesetzte, packende Kriminal-Kammerspiel "Kleines Herz in Not"1) (1948, "The Fallen Idol"). Hier mimte sie als Botschaftssekretärin Julie die Geliebte des korrekten, aber amourös fehlgeleiteten Butlers Baines (Ralph Richardson), der seinen Bewunderer, den kleinen Botschafter-Sohn Felipe, bitterlich enttäuscht. In den 1950er und 1960er Jahren spielte die Morgan oftmals Opferrollen, musste sich dem Alkohol ergeben oder auf Rache sinnen.
Als junge Witwe, die dem Alkoholiker bzw. früheren Arzt Georges (Gérard Philipe) zu neuem Lebensmut verhilft, überzeugte sie in dem Melodram "Aufenthalt vor Vera Cruz"3) (1953, "Les orgueilleux"). Als Frau, die in ein mörderisches Intrigenspiel gerät, verkörperte sie 1957 in "Luzifers Tochter"3) (Retour de manivelle) eindrucksvoll die kühle, persönlichkeitsgestörte "femme fatale" Hélène Fréminger, die weder ihren reichen Ehemann Eric Fréminger (Peter van Eyck), der Selbstmord beging, noch den armen und berechnenden Chauffeur Robert (Daniel Gélin) richtig lieben konnte; der Krimi entstand nach dem Roman "There's always a Price Tag" (dt. "Man muss für alles zahlen") von James Hadley Chase1), mehr bei der-film-noir

"Luzifers Tochter": Abbildung DVD-Cover sowie
Szenenfoto mit Michèle Morgan als Hélène Fréminger
Mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche
den Krimi im Oktober 2017 auf DVD herausbrachte.

"Luzifers Tochter": Szenenfoto mit Michèle Morgan als Hélène Fréminger; mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche den Krimi im Oktober 2017 auf DVD herausbrachte. "Luzifers Tochter": Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche den Krimi im Oktober 2017 auf DVD herausbrachte.
"Menschen im Hotel": Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die Produktion Mitte April 2015 auf DVD herausbrachte. "Menschen im Hotel": Szenenfoto mit Michèle Morgan als Primaballerina Grusinskaja und O. W. Fischer als Baron von Gaigern; mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die Produktion Mitte April 2015 auf DVD herausbrachte. Als Joséphine de Beauharnais1), schöne Gattin des von Raymond Pellegrin1) dargestellten Kaisers Napoléon Bonaparte1) sah man Michèle Morgan in dem französisch-italienischen Monumentalfilm "Napoléon"1) (1955), als Abenteurerin Françoise Lignières in "Oase"1) (1955, "Oasis"), gedreht nach dem Roman von Joseph Kessel1). In große Fußstapfen trat sie in der von Gottfried Reinhardt1) unter anderem mit O. W. Fischer, Heinz Rühmann, Sonja Ziemann und Gert Fröbe prominent in Szene gesetzten Literaturadaption "Menschen im Hotel"1) nach dem gleichnamigen Roman1) von Vicki Baum1), hatte doch bereits die "göttliche" Greta Garbo die Primaballerina Grusinskaja in der starbesetzten US-Produktion "Grand Hotel"1)  (1932) gespielt.
    
"Menschen im Hotel": Abbildung DVD-Cover sowie Szenenfoto mit
Michèle Morgan als Primaballerina Grusinskaja und O. W. Fischer
als Baron von Gaigern; mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film,
welche die Produktion Mitte April 2015 auf DVD herausbrachte.
Bis in die frühen 1960er Jahre trat die für ihre Katzenaugen berühmt gewordene Michèle Morgan in zahlreichen Kinoproduktionen in Erscheinung, zu denen jedoch auch etliche unbedeutende Rollen gehörten. Lediglich Claude Chabrol1) gab ihr 1962 mit der Rolle des Opfers Célestine Buisson in "Der Frauenmörder von Paris"1) ("Landru") an der Seite von Charles Denner1) als Serienmörder Henri Désiré Landru einen interessanten Part. Danach schränkte die Schauspielerin ihre Arbeit beim Film ein, war ab Mitte der 1960er Jahre nur noch selten auf der Leinwand präsent, verlagerte den Schwerpunkt vom Film auf das Theater. Unter anderem trat sie als Gräfin de Clairefons in Mark Robsons1) Kriegsfilm "Sie fürchten weder Tod noch Teufel"1) (1966, "Lost Command") neben Anthony Quinn, Alain Delon und George Segal1) auf, als Gräfin Gabrielle de Valandry, Tante von Benjamin (Pierre Clémenti1)), in der von Michel Deville1) inszenierten Komödie "Benjamin – Aus dem Tagebuch einer männlichen Jungfrau"1) (1968, "Benjamin") und als Madame Richard in Claude Lelouchs1) Krimi "Eine Katze jagt die Maus"4) (1975, "Le chat et la souris"). In den 1990er Jahren übernahm sie kleinere Aufgaben, so als die Frau im Zug in Giuseppe Tornatores1) Streifen "Allen geht's gut"1) (1990, "Stanno tutti bene") mit Marcello Mastroianni. Danach wirkte sie nur noch vereinzelt in einigen TV-Produktionen mit, einen letzten Auftritt vor der Kinokamera hatte sie in der Komödie "Bulworth"1) (1998) von und mit Warren Beatty → Übersicht Filmografie (Auszug).
Auf der Bühne sah man sie unter anderem zur Spielzeit 1981/82 am Pariser "Théâtre des Variétés"1) in einer Inszenierung von Jean-Laurent Cochet1) mit der Rolle der Léa de Lonval, mütterliche Freundin und Liebhaberin des Titelhelden, in der Bühnenversion des Romans "Chéri" von Colette1) mit Jean-Pierre Bouvier als junger Fred Peloux genannt "Chéri". Gemeinsam mit Jean Marais spielte sie 1993 in dem Stück "Les Monstres sacrés" von Jean Cocteau1), aufgeführt anlässlich des 30. Todesjahres des großen französischen Künstlers, den mit Jean Marais eine enge Freundschaft verband. Die Geschichte eines gealterten Paares mit dem damals 80-jährigen Marais als Florent und der über 70-jährigen Morgan als Esther feierte am 15. Januar 1993 unter der Regie von Raymond Gérôme1) im "Théâtre des Bouffes-Parisiens"1) Premiere.
Im Verlaufe ihrer Schauspielerkarriere erhielt Michèle Morgan zahlreiche Ehrungen, so wurde sie zwischen 1949 und 1955 alljährlich als französischer Publikumsliebling ausgezeichnet und erhielt später sogar den Titel "Botschafterin des französischen Films". 1969 ernannte man sie zum "Ritter der Ehrenlegion"1), 1992 erhielt Michèle Morgan bei der "César"-Verleihung1) den "Ehrenpreis für ihr Lebenswerk".
Schon seit den 1960er Jahren machte sich die Schauspielerin auch als Malerin einen Namen und 1966 wurden ihre Bilder erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. 1965 hatte sie ihre Erinnerungen unter dem Titel "Mes yeux ont vu" ("Meine Augen haben gesehen") veröffentlicht, die sie 1977 mit "Avec ces yeux-là" fortsetzte. In den letzten Jahren widmete sich Michèle Morgan fast ausschließlich ihrer Leidenschaft der Malerei,
die sie an der "Art School" in Los Angeles studiert hatte, und trat kaum noch vor die Kamera.
 
Michèle Morgan starb am 20. Dezember 2016 im Alter von 96 Jahren in Meudon1) nahe Paris eines natürlichen Todes. Die Trauerfeier fand am 23. Dezember 2016 in der "Église Saint-Pierre" in ihrem Geburtsort Neuilly-sur-Seine statt, die Beisetzung erfolgte in der Grabstätte der Familie Oury auf dem Pariser "Cimetière Montparnasse"1);  hier hatte bereits ihr letzter Ehemann Gérard Oury1) (1919 – 2006) seine letzte Ruhe gefunden → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
"Sie hatte das Pathos einer Boulevardtragödin", titelte Gerhard Midding in "Die Welt" in einem Nachruf auf die "Schauspielerin mit den kristallblauen, sehnsuchtsvollen Augen" und schrieb weiter: "In diesen Augen schienen alle Träume dieser Welt aufgehoben zu sein. Sie waren von so kristallenem Blau, dass sie fast wie eine Wunde wirkten. Eine traurige Leere lag in ihnen, eine Vorahnung von Schmerz und Verlust. Ihr Blick war gedankenverloren, entrückt, auf ein Anderswo gerichtet." → www.welt.de

Michèle Morgan mit Ehemann Gérard Oury im Jahre 2001
Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Georges Biard;  Lizenz CC-BY-SA 3.0

Michèle Morgan mit Ehemann Gérard Oury (1919 – 2006) im Jahre 2001; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Georges Biard; Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Von 1942 bis 1949 war Michèle Morgan mit dem US-amerikanischen Schauspieler und Bandleader William Marshall1) (1917 – 1994) verheiratet; der gemeinsame Sohn Mike Marshall1) (1944 – 2005) ergriff ebenfalls den Schauspielerberuf. Nach der Scheidung im Jahre 1948 ehelichte sie 1950 ihrem populären Kollegen Henri Vidal, der am 10. Dezember 1959 unerwartet mit nur 40 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes starb. Ehemann Nummer 3 wurde 1960 der französische Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Gérard Oury, mit dem sie bis zu dessen Tod am 19. Juli 2006 verheiratet blieb.
Siehe auch Wikipedia, cyranos.ch
Fotos bei virtual-history.com
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) filmdienst.de, 3) wunschliste.de, 4) fernsehserien.de
    
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(Kinofilme, wenn nicht anders vermerkt)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, prisma.de (deutscher Titel))
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