Übersicht (Auswahl) Theater / Film / Hörspiel
Vor allem seit den 2000er Jahre fällt ein Schauspieler durch seine starke Ausdruckskraft und enorme Präsenz auf der Bühne sowie bei Film und Fernsehen auf – Thomas Thieme. Geboren am 29. Oktober 1948 in Weimar (Thüringen), konnte er nach der Schule seinen Wunsch, Architekt zu werden, nicht verwirklichen. Er entschied für die "Bretter, die die Welt bedeuten" und ließ sich ab 1970 drei Jahre lang an der "Staatlichen Schauspielschule" in Ost-Berlin (heute "Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin"1)) ausbilden.
Erste Engagements erhielt er anschließend in Görlitz und am "Theater Magdeburg", weitere Stationen wurden die Theater in Anklam und Halle. "Da er sich nie zum jugendlichen Liebhaber eignete, spielt er verhältnismäßig früh reifere Personen und lernt schnell die Gestaltung einer Hauptrolle, die sonst eher von erfahrenen Schauspielern gespielt wird. Er übernimmt somit schon recht früh eine zentrale Position im Theater, muss an manchen Abenden drei bis vier Stunden auf der Bühne stehen und die großen und umfangreichen Rollen entsprechend lange vorbereiten. Eine harte Schule, die sein Verständnis von der Schauspielerei längerfristig geprägt hat." kann man bei prisma.de lesen.
1981 stellte Thieme einen Ausreiseantrag in den Westen, der es ihm trotz vieler Schikanen 1984 ermöglichte, die DDR zusammen mit seiner Frau und dem kleinen Sohn auf legalem Weg zu verlassen. Er selbst sagte in einem Interview mit Gerald Praschl1) bzw. der Wochenzeitschrift "Superillu"1) im Juni 2006: "Was mir das Leben in der DDR unerträglich machte, waren weniger Honecker und Mielke, als die allgemeinen Verhältnisse. Es war muffig, schmierig, duckmäuserisch in der DDR. Reine Selbstzensur! Und wer rauswollte, wurde erschossen!" → geraldpraschl.de

Foto mit freundlicher Genemigung von Nikolai Eberth
© Nikolai Eberth; Quelle: Agentur Hoestermann

Thomas Thieme; Foto mit freundlicher Genemigung von Nikolai Eberth; Copyright Nikolai Eberth; Quelle: Agentur Hoestermann
Zunächst fand Thieme in Frankfurt/M auch künstlerisch eine neue Heimat, war zwischen 1984 und 1990 Ensemblemitglied des "Schauspiel Frankfurt" und machte sich rasch einen Namen als charismatischer Charakterdarsteller. Ein dreijähriges Engagement am berühmten Wiener "Burgtheater" schloss sich an, wo Thieme unter anderem zur Spielzeit 1991/92 mit der Titelrolle in "Baal"1) von Bertolt Brecht brillierte, eine Figur bzw. ein Stück, dass ihn auch die kommenden Jahrzehnte nicht mehr loslassen sollte. So notierte die "Süddeutsche Zeitung" (27.12.1991) über die von Manfred Karge1) in Szene gesetzte Aufführung unter anderem "Thomas Thieme (…) tritt hier mit mächtiger Raumverdrängung auf: dick und gewalttätig, mit Kulleraugen, spielt er das Monstrum. Seine Wirkung auf Frauen begreift man nur schwer, aber sein Zynismus, seine Egozentrik kommen überzeugend über die Rampe. Neben ihm treten die anderen Figuren in den Schatten."*)
Von 1993 bis 1997 bereicherte Thieme als festes Mitglied das Ensemble der Berliner "Schaubühne am Lehniner Platz", war hier beispielsweise 1994 als Polizist in der Uraufführung des Stücks "Splendid's" von Jean Genet1) in der Übersetzung von Peter Handke1) zu sehen, Regie führte Klaus-Michael Grüber1). "Die darstellerische Glanzleistung liefert Thomas Thieme. (…) Ein mondgesichtiges, kugeläugiges Riesenkind, das auftritt in der Paradeuniform der Flies und mit einem Lied auf den Lippen (…). Der Uniformträger, der Machthaber – bei Thieme ist er vor allem komisch, fiepsstimmig und naiv, täppisch, neugierig, verwunderbar und verwundbar, fasziniert von der Männer-Gewalt-Welt, der er bislang nur auf der ordentlichen, der langweiligen Seite angehören durfte." schrieb Michael Merschmeier1) in der Monatszeitschrift "Theater heute"1) (Heft 4,1994).*)  
1998 wechselte Thieme erneut nach Wien und gestaltete in einer Inszenierung von Claus Peymann die Titelrolle in "Edward II."1) von Christopher Marlowe, ebenfalls 1998 brillierte er bei den "Burgfestspielen Jagsthausen"1) als Titelheld in Goethes "Götz von Berlichingen"1). Im folgenden Jahr machte er bei den "Salzburger Festspielen (Premiere: 25.07.1999) sowie am Hamburger "Deutschen Schauspielhaus" (Premiere: 02.10.1999) als Richard III. ("Dirty Rich Modderfocker der Dritte") in dem monumentalen Spektakel "Schlachten!"1) von Tom Lanoye1) und Luk Perceval1) nach den acht Königsdramen von William Shakespeare1) Furore – die Vorstellung ging über zwölf Stunden, darunter neun Stunden reine Spielzeit. Die Kritiker von "Theater heute" wählten Luk Percevals "Marathonprojekt" zur "Inszenierung des Jahres", Thomas Thieme wurde 2000 für seine darstellerische Glanzleistung zum "Schauspieler des Jahres"1) gekürt.
Acht Jahre später war er für Luk Perceval erneut der Protagonist in dessen rund sechsstündigem Theaterwerk "Molière. Eine Passion"1), die ambivalent aufgenommene Uraufführung fand am 30. Juli 2007 anlässlich der "Salzburger Festspiele" statt. Die Kompilation der Molière'schen Dramen "Der Menschenfeind"1), "Don Juan"1), "Tartuffe"1) und "Der Geizige"1) als Stationen des Lebensweges von Molière war als Co-Produktion mit der "Schaubühne am Lehniner Platz" entstanden. "Vor allem Thieme geht in dieser grausamen Studie an die physischen wie psychischen Grenzen und treibt das Spiel bis zur Selbstentäußerung" konnte man bei www.tagesspiegel.de lesen; → siehe auch www.nachtkritik.de
Thomas Thieme; Foto mit freundlicher Genemigung von Nikolai Eberth; Copyright Nikolai Eberth; Quelle: Agentur Hoestermann Das "ARTE"-Kulturmagazin " Metropolis" hatte bereits 2007 die Endproben des Stücks dokumentiert, mit der Thieme-Aufführung beschäftigt sich auch das von Nikolai Eberth stammende ausführliche filmische Portrait "Liebe ist!" mit dem Untertitel "Der Schauspieler Thomas Thieme ist Molière" (EA: 16.08.2008 bei 3sat). Eberth begleitet den Schauspieler bei den Proben zu "Molière" und gibt zudem einen Einblick in das Privatleben, zu Wort kommen neben Thieme auch Regisseur Luk Perceval und Autor Feridun Zaimoglu1).

Foto mit freundlicher Genemigung
von Nikolai Eberth
© Nikolai Eberth; Quelle: Agentur Hoestermann


Thomas Thieme ist nicht nur ein renommierter Charaktermime, mehrfach hinterließ er seit Mitte der 1980er Jahre seine Handschrift als Regisseur. So inszenierte er unter anderem 2002 am "Deutschen Nationaltheater Weimar" Brechts "Baal" mit Ben Becker1) oder 2006 mit sich selbst in der Titelrolle "Dantons Tod"1) von Georg Büchner am "Schauspielhaus Bochum". In jüngerer Zeit befasst sich Thieme einmal mehr mit Brecht, präsentiert, begleitet von Sohn Arthur an der Bass-Gitarre, konzertante Lesungen. Beim "Brecht-Festival"1) in Augsburg kamen die Festival-Besucher 2013 und 2014 in den Genuss des von Thieme dargebotenen "Baal", Gastspiele an anderen Bühnen schlossen sich bis heute an "Diesmal erstellte er eine Fassung, in der er alle Figuren allein spricht als großes lyrisches, wildes Sehnsuchts- und Alptraumgedicht." vermerkt die Berliner "Schaubühne" zur Aufführung am 17. November 2016  → www.schaubuehne.de. Und die "Münchner Kammerspiele" schreiben zur Vorstellung am 27.05.2017: "Thomas Thieme unternimmt eine theatralisch-musikalische Spurensuche, bei der es leicht zugehen kann, melancholisch und anarchisch."
2015 folgte in Augsburg die konzertante Lesung des Stückes "Leben des Galilei"1) (→ www.nachtkritik.de) und 2016 "Brecht XXL. Best of Brecht meets Thieme" (→ literaturportal-bayern.de); → weitere Infos zum Wirken am Theater siehe hier.
 
Vor allem seit seiner Übersiedlung in den Westen ist Thieme umfangreich für Film und Fernsehen tätig, spielte sich im Laufe der Jahre in die vorderste Reihe der deutschsprachigen Schauspieler. Sein Leinwanddebüt hatte er bereits 1975 als Johann Christian Kestner1), Ehemann von Charlotte Buff1), in der DEFA-Produktion "Lotte in Weimar"1), gegeben, gedreht von Egon Günther nach dem Roman von Thomas Mann1) mit Lilli Palmer als Goethes1) Jugendliebe Charlotte Kestner (Werthers "Lotte") und Martin Hellberg1) als Goethe. Spätestens mit der Verkörperung des NS-Reichsministers Martin  Bormann1) in Oliver Hirschbiegels preisgekrönten Literatur-Adaption "Der Untergang"1) (2004) sowie des skrupellos-korrupten DDR-Kulturministers Bruno Hempf in Florian Henckel von Donnersmarcks Langfilmdebüt bzw. Oscar-prämierten Stasi-Drama "Das Leben der Anderen"1) (2006) gehört Thomas Thieme zur ersten Riege der Film-Szene.
Er machte mit prägnante Rollen in weiteren erfolgreichen Kino-Produktionen auf sich aufmerksam, beispielsweise als Richter Dr. Prinzing1) in dem RAF-Drama "Der Baader Meinhof Komplex"1) (2008), als Herr von Briest in der Theodor Fontane-Verfilmung "Effi Briest1) (2009), als NS-Sportfunktionär Hans von Tschammer und Osten1) in "Berlin 36"1) (2009, angelehnt an das Schicksal der jüdischen Leichtathletin Gretel Bergmann1), als bulgarischer KPD-Führer Georgi Dimitroff1) in der Tragikomödie "Hotel Lux"1) (2011) oder jüngst als Organisator Locke bzw. pensionierter DDR-Auslandsspionin in der Agentenkomödie "Kundschafter des Friedens"1) (2016).

Thomas Thieme 2014 bei den Dreharbeiten in Düren
zu dem Kinofilm "Fritz Lang – Der Andere in uns"1),
wo er den Kriminalrat Ernst Gennat1) spielte.
Urheber: Gereon Kalkuhl; Lizenz: CC BY-SA 4.0;
Quelle: Wikimedia Commons

Thomas Thieme 2014 bei den Dreharbeiten in Düren zu dem Kinofilm "Fritz Lang – Der Andere in uns", wo er den Kripo-Beamten Ernst Gennat spielte; Urheber: Gereon Kalkuhl; Lizenz: CC BY-SA 4.0; Quelle: Wikimedia Commons
Die Geschichte "Max und die wilde 7"1) " nach der mehrfach ausgezeichneten Kinderbuchreihe von Winfried Oelsner1) (auch Regie) und Lisa-Marie Dickreiter1) mit Jona Eisenblätter als Max ging am 6. August 2020 an den Start. Hier wirkt Thieme als Fußballtrainer Horst mit, zusammen mit Günther Maria Halmer und Uschi Glas einer der rüstigen Senioren im Altersheim auf Burg Geroldseck bzw. von Tisch Nr. 7 – alias "die Wilde 7". Am 1. Mai 2024 kam mit "Max und die wilde 7: Die Geisteroma"1) eine erneut von dem Team  Oelsner/Dickreiter realisierte Fortsetzung in die Kinos, nun mit Lucas Herzog als der kleine Max; auch diesmal präsentierte er sich wieder als Horst → Übersicht Kinofilme.
  
Im Fernsehen gibt Thieme immer wieder den Machtmenschen, des öfteren den Unsympath und Bösewicht, hat sich aber auch als Gesetzeshüter, Familienpatriarch, Beamter oder anderen Autoritätspersonen sowie mit Figuren der Zeitgeschichte dem Zuschauer eingeprägt. So stellte er den Kaiser Wilhelm I.1) in dem Zweiteiler über Heinrich Schliemann1) mit dem Titel "Der geheimnisvolle Schatz von Troja"1) (2007) dar, war der 80-jährige Gustav Krupp von Bohlen und Halbach1) in der dreiteiligen Familiensaga "Krupp – Eine deutsche Familie"1) (2009) und, einmal mehr beeindruckend, der gewichtige, gereifte Altbundeskanzler Helmut Kohl1) während der "Wendezeit"1) in dem ZDF-Porträt "Der Mann aus der Pfalz"1)  (2009). In "Rommel"1) (2012), dem Film über General Erwin Rommel1), verlieh er dem Heeresoffizier Günther von Kluge1) Kontur, in dem vielbeachteten Biopic "George"1) (2013) über Heinrich George mit Sohn Götz George in der Titelrolle zeigte er sich als Schauspieler Paul Wegener und in der teil-fiktionalen Story "Uli Hoeneß – Der Patriarch"2) (2015) konnte er als Sportfunktionär Uli Hoeneß1) überzeugen. Der Film "wartet mit einem großartigen Thomas Thieme in der Titelrolle und fesselnd inszenierten Szenen aus dem Prozess auf. Aber auch mit weiteren, deutlich schwächeren Reenactment-Elementen sowie allzu vielen Zeitzeugen und Interview-Schnipseln. Ein umfassendes Porträt mit leider erstaunlichem Qualitätsgefälle und ohne eine gesellschaftspolitische Dimension." meint Thomas Gehringer bei tittelbach.tv1); → siehe auch www.spiegel.de, www.stern.de. In "Das Adlon. Eine Familiensaga"1) (2013), dem vielbeachteten Dreiteiler über die wechselvolle Geschichte des Berliner "Hotel Adlon"1), trat er als Vater von Alma bzw. Kolonialunternehmer und "Adlon"-Geldgeber Gustaf Schadt in Teil 1 in Erscheinung.
 
Einen breiten Raum nimmt der Krimi in der TV-Filmografie von Thomas Thieme ein. Neben markanten Episoden-Rollen in diversen populären Serien und Reihen wie "Tatort"1), "Der Alte"1), "Spreewaldkrimi"1), "Polizeiruf 110"1) oder der Neuauflage von "Ein Fall für zwei"1), mimte er beispielsweise zwischen 2009 und 2013 in der Krimireihe "Rosa Roth1) den mürrischen, aber verlässlichen Markus Körber bzw. den in sich gekehrten Kollegen der titelgebenden Kommissarin alias Iris Berben. Eine schöne Rolle war auch die des alteingesessenen Polizeihauptmeisters Gerhard Mühlfellner, der in der vierteiligen Reihe den von Hinnerk Schönemann1) gespielten wortkargen Privatdetektiv Finn Zehender1) (2011–2014) in der norddeutschen Kleinstadt Aschberg unterstützt. Bemerkenswert war seine Darstellung des Bischof Lorenz und Bruder des Opfers in dem durch geschliffenen Dialoge bestechenden kammerspielartigen Psycho-Duell "Das letzte Wort"2) (2013) mit Shenja Lacher1) als Gegenspieler. "Es ist ein Schauspielerfilm: hier der erfahrene Thomas Thieme, dort der aufstrebende Theaterschauspieler Shenja Lacher. Hörenswert (…) "Das letzte Wort" ist ein atmosphärisch dichtes Kammerspiel, ein raffiniertes Katz- und Mausspiel, ein Thriller der Worte, ein spannender Diskurs über Schuld, Sühne, Verantwortung und Vergebung, der den Betrachter 90 Minuten fordert und sicherlich in Kirchenkreisen und damit auch in dem einen oder anderen Rundfunkrat für Aufregung oder Empörung sorgen dürfte." meint Volker Bergmeister bei tittelbach.tv. Einen ganz anderen Typus stellte er in dem sehenswerten Götz George-Krimi "Besondere Schwere der Schuld"1) (EA: 01. 1.2014) dar und war als spießiger pensionierter Polizist Heinz Braun, der zusammen mit seinen zwei Kollegen Klaus Barner (Manfred Zapatka und Fritz Reet (Hans-Martin Stier1)) einst den (angeblichen) Frauen- und Kindermörder Joseph Komalschek hinter Gitter gebracht hatte, zu sehen.
"Ein von Zapatka bis Elsner stimmiges Ensemble und mit Götz George ein Hauptdarsteller, der aus jeder seiner Rollen stets noch eine Nuance mehr herausholt als so mancher Kollege …" schreibt unter anderem tittelbach.tv"Wegen besonderer Schwere der Schuld verbringt Joseph Komalschek 30 Jahre hinter Gittern. Den Mord an seiner schwangeren Nachbarin und deren neugeborenem Kind hat er aber nicht gestanden. Auch die Leichen tauchten nie auf. Nun kehrt die "Bestie" in ihre idyllische Heimatstadt zurück, wo der Ex-Polizist Klaus Barner und seine Kollegen (Thomas Thieme/Hans-Martin Stier), die damals für die Verhaftung des Mörders sorgten, ihren Ruhestand genießen. Zwischen den pensionierten Beamten und dem entlassenen Sträfling beginnt ein seltsames Katz-und-Maus-Spiel. Barners Sohn Tom, ebenfalls Polizist, ahnt noch nicht, dass er selbst der Schlüssel zur Lösung dieses mysteriösen Falles ist." heißt es in der Kurzbeschreibung von presseportal.de.
 
"Besondere Schwere der Schuld": Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die ARD-Produktion am 31. Juli 2021 auf DVD herausbringt "Besondere Schwere der Schuld": Szenenfoto mit Thomas Thieme als pensionierter Polizist Heinz Braun (im Hintergrund Hans-Martin Stier); mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die ARD-Produktion am 31. Juli 2021 auf DVD herausbringt.
"Besondere Schwere der Schuld": Abbildung DVD-Cover sowie Szenenfoto
mit Thomas Thieme als pensionierter Polizist Heinz Braun (im Hintergrund
Hans-Martin Stier); mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film,
 welche die ARD-Produktion am 31. Juli 2021 auf DVD herausbringt.
  
Nach dem sechsteiligen Politdrama "Die Stadt und die Macht"1) (2016) und dem Part des Politikers Karl-Heinz Kröhmer, mächtiger, skandalumwitterter Fraktionsführer der Konservativen und Vater der engagierten Anwältin Susanne (Anna Loos), kam er in der ebenfalls sechsteiligen Serie "Tempel"3) (2016) als Kiez-Größe und Boxclub-Betreiber Jakob daher. Jüngst erlebte man Thieme in "Clüver und der König von Sylt"2) (EA: 20.09.2017) aus der Reihe "Nord Nord Mord"3) als einflussreich-skrupellosen Bürgervorsteher und Kunstliebhaber Wilfried König, der in das Visier des Kommissars Theo Clüver (Robert Atzorn) gerät. "Als Kontrast dient Thomas Thieme, dessen Gesicht Jauch und Anton immer wieder in bildschirmfüllender Nahaufnahme zeigen, als wollten sie die Bedrohlichkeit dieses Mannes eigens betonen; auch wenn das bei einem Typ wie Thieme eigentlich nicht nötig ist. Sehr schön sind auch die Dialoge, die alltagsnah klingen, aber dennoch mit Sorgfalt formuliert worden sind." (Tilmann P. Gangloff1) bei tittelbach.tv)
Dass Thieme aber auch Komödie "kann", bewies er beispielsweise als Alfred, treuer Diener des Hochstaplers Alexander Stahlberg (Götz George), in "Liebe.Macht.Blind"4) (2001) oder als pragmatischer Dorfbürgermeister und "Alleinherrscher" von Krummenwalde Gerd Jänicke in "Liebling bring die Hühner ins Bett"2) (2002) bzw. in der Fortsetzung "Liebling, weck die Hühner auf"1) (2009). Einen eher kleinen Part hatte der Schauspieler in der Wende-Groteske "Willkommen bei den Honeckers"2) (EA: 03.10.2017) und präsentierte sich als "Genosse" Fritz Krozowski, Arzt des Ex-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker1).
 
Bereits länger angekündigt war die deutschsprachige, international finanzierte, im Berlin der Goldenen 1920er Jahre spielende Serie "Babylon Berlin"1), in der Thieme die Rolle des Berliner Polizeipräsidenten Karl Zörgiebel1) (1878 – 1961) übernommen hatte und ab Folge 4 auftrat. Die von Tom Tykwer1), Achim von Borries1) und Hendrik Handloegten1) nach eigenen Drehbüchern in Szene gesetzten Geschichten basieren auf der Krimireihe um den von Volker Bruch1) gespielten Kölner Kommissar Gereon Rath1) von Volker Kutscher1), die im Berlin der Weimarer Republik und in den ersten Jahren des "Dritten Reichs" angesiedelt ist; die Episoden von "Babylon Berlin" nach dem Roman "Der nasse Fisch"1) wurden seit 13. Oktober 2017 wöchentlich beim Bezahlsender "Sky 1" gesendet und gelangten dann seit dem 30. September 2018 in der ARD zur Ausstrahlung. Anlässlich der Verleihung des "Deutschen Fernsehpreises 2018"1) (26.01.2018) im Kölner "Palladium" erhielt "Babylon Berlin" die Auszeichnung gleich in vier Kategorien: "Beste Drama-Serie", "Beste Kamera" (für Frank Griebe1), Bernd Fischer1), Philipp Haberlandt1)), "Beste Musik" (für Johnny Klimek1), Tom Tykwer) und "Beste Ausstattung" (für Pierre-Yves Gayraud1) (Kostümbild), Uli Hanisch1) (Szenenbild) Die dritte Staffel nach dem Roman "Der stumme Tod"1) ging in der ARD ab 11. Oktober 2020 auf Sendung, auch hier gehörte Thieme wieder zu Besetzung, auch wenn seine Auftritte eher klein ausfielen.
Beim "25. Filmfest Hamburg"1) (05.–14.10.2017) wurde erstmals der von Volker Schlödorff1) nach eigenem Drehbuch in Szene gesetzte ZDF-Krimi "Der namenlose Tag"1) vorgestellt, gedreht nach dem Bestseller von Friedrich Ani1); die Ausstrahlung im ZDF erfolgte am 5. Februar 2018. Thieme spielt hier den frisch pensionierten Kriminalhauptkommissar Jakob Franck, der mit einem alten Fall konfrontiert wird. "Thomas Thieme führt den Zuschauer in das katastrophenschwere Schweigen (in) einer Familie. In seinem großartigen Spiel lässt er aus der Diskrepanz zwischen Körperlichkeit und Fein- bzw. Mitgefühl eine zutiefst integre Person entstehen. Ein stilles, unaufdringliches Plädoyer fürs Miteinanderreden, fürs Zuhören, für ein sachliches, maßvolles Abwägen der Fakten. Und damit auch ein Kommentar zur Zeit." schreibt Rainer Tittelbach bei tittelbach.tv. Und Christoph Schröder meint bei www.zeit.de: "Seine (Volker Schlödorffs) Adaption von "Der namenlose Tag" wird getragen und zusammengehalten von dem großartigen Thomas Thieme, seiner Mimik, seiner leisen, heiseren Stimme, der Resignation, die er ausstrahlt."; Infos auch bei presseportal.zdf.de.
  
In das neue Jahr 2019 startete Thieme auf dem Bildschirm mit der szenischen Dokumentation "Die Affäre Borgward"1) (EA: 07.01.2019) über die Umstände des Niedergangs des Bremer Automobilkonzerns "Borgward"1) im Jahre 1961. In dem von Marcus O. Rosenmüller1) inszenierten und bereits am 29. September 2018 auf dem "Filmfest Hamburg"vorgestellten ARD-Film verkörperte er grandios den eigenwillig-ruppigen Ingenieur und Autofabrikanten Carl F.W. Borgward1), der 1961 seine Firma dem Land Bremen übereignen musste, um den Konkurs abzuwenden. Die glücklosen und dilettantisch angegangenen Verkaufs- und Sanierungsmaßnahmen des vom Bremer Senat beauftragten Münchener Wirtschaftsprüfers Johannes Semler1) (gespielt von Bruno Eyron1)), der ab 1960 Aufsichtsratsvorsitzender beim Auto-Konkurrenten BMW war, endeten im Herbst des Jahres 1961 dennoch mit dem Konkurs der Borgward-Gruppe. "Thomas Thieme gibt dem analytischen Film, der natürlich anders funktioniert als ein Spielfilm, die nötige Seele. (…) Ein verzweifelt paffender Borgward, am Zaun vor dem Werksgelände, ein Verlorener, dem man seinen Lebenssinn genommen hat, ist eines dieser nachhaltigen Bilder. Nicht nur dafür ist Thomas Thieme, Spezialist für kernige Charaktere der Zeitgeschichte, von Helmut Kohl bis Uli Hoeness, die perfekte Besetzung. Der Bild gewordene, ruppig bis ungehobelte Kohlenhändlersohn, der Politiker nicht ausstehen kann. Ein Mann wie eine deutsche Eiche, die gefällt wird. "Er braucht nicht immer nur das gesprochene Wort, um eine Figur zu charakterisieren. Ein Blick, ein Zug an der Zigarre, und du weißt genau, was er meint", sagt Rosenmüller über Thieme." vermerkt Rainer Tittelbach bei tittelbach.tv.
Der von Michael Krummenacher1) für das ZDF in Szene gesetzte Dreiteiler mit dem Titel "Preis der Freiheit", der ab Mitte September 2018 in Berlin, Prag und Umgebung gedreht wurde, gelangte am 4., 5. und 6. November 2019 anlässlich des 30. Jahrestages der Mauer-Öffnung erstmals zur Ausstrahlung. Thematisiert "wird die Geschichte der Jahre 1987 bis 1990, die dramatischen Hintergründe des wirtschaftlichen wie moralischen Zusammenbruchs der DDR."  kann man bei presseportal.de lesen. Thieme stellte den umstrittenen DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski1) dar, Leiter der Ost-Berliner Behörde "KoKo"1) ("Kommerzielle Koordinierung") → tittelbach.tv. Bereits im Juli 2018 begannen in Brandenburg die Dreharbeiten zu dem prominent besetzten ZDF-Dreiteiler "Unterleuten"1) mit dem Untertitel "Das zerrissene Dorf" (EA: 09./10./11.03.2020) nach dem gleichnamigen Gesellschaftsroman1) bzw. Bestseller von Juli Zeh1), mit dem die Autorin die Geschichte des fiktiven Dorfes "Unterleuten" mehr als dreißig Jahre nach der Wende erzählt: Unter der Regie von Matti Geschonneck1) überzeugte Thieme hier einmal mehr mit einer prägnanten Figur, spielte grandios den wortkargen Rudolf Gombrowski, alteingesessener, ehemaliger Großgrundbesitzer und nun Chef des Landwirtschaftsbetriebs "Ökologica GmbH" bzw. größter Arbeitgeber im Ort. "Und Thomas Thieme, der so angsteinflößend und im nächsten Moment so sanft wirken kann, ist mit seiner gewaltigen Präsenz die perfekte Besetzung – und das Herz des Films" notiert tittelbach.tv. Als in unmittelbarer Nähe des Dorfes ein von Gombrowski präferierter Windpark entstehen soll, brechen alte Konflikte auf und neuer Streit entsteht, da fast alle profitgierig sind. Vor allem Gombrowskis ärgster Gegenspieler, der Alt-Kommunist und als Querulant verschrieene Kron (Hermann Beyer) verfolgt dessen Pläne argwöhnisch, am Ende der packenden Geschichte gibt es nur Verlierer – Gombrowskis verbitterte, rachsüchtige Frau Elena (Christine Schorn) verlässt ihren Mann, dessen (vermeintliche) Geliebte, die "Katzenfrau" Hilde Kessler (Dagmar Manzel1)) erleidet einen Schlagabfall, der eigentlich friedfertige Vogelschützer und Soziologe Dr. Gerhard Fließ (Ulrich Noethen1)) wird (fast?) zum Mörder an dem gewaltbereiten, grobschlächtigen Automechaniker bzw. Gombrowskis Handlanger Bodo Schaller (Charly Hübner1)) und ebenfalls von Frau (Rosalie Thomass1)) und Baby verlassen, die ein doppeltes Spiel spielende Linda Franzen (Miriam Stein1)) begräbt ihre Visionen eines Reiterhofs, deren Lebensgefährte Frederick (Jacob Matschenz1)) kommt bei einem Autounfall ums Leben, der bayerische Geschäftsmann und Investmenthai Meiler (Alexander Held1)) hat sich verspekuliert und zum Schluss nimmt sich "Dorfpate" Gombrowski das Leben. Lediglich der alte Kron, liebevoller Opa von Enkelin "Krönchen" (Úna Lir), findet zu seiner Familie zurück bzw. versöhnt sich mit Tochter Kathrin (Bettina Lamprecht1)) und Schwiegersohn Wolf (Bjarne Mädel1)). "Neben Thomas Thieme und Hermann Beyer prägen Christine Schorn, die Gombrowskis still leidender Ehefrau Elena mehr Präsenz und Selbstbewusstsein als im Roman mitgibt, und Dagmar Manzel als Nachbarin und Nebenbuhlerin Hilde Kessler den Mehrteiler." urteilt Thomas Gehringer bei tittelbach.tv. Am 17. April 2021 ging mit "Der Tote im Burggraben"1) eine weitere Story aus der Reihe "Erzgebirgskrimi"1) auf Sendung, hier war Thieme der selbstherrliche Bürgermeister Gerd Steigerwald, der ein dunkles Geheimnis hütete und schließlich selbst zum Opfer wurde
Anlässlich des bevorstehenden 80. Geburtstages (13.05.2021) von Senta Berger strahlte das ZDF am 10. Mai 2021 die bewegende Frauenstudie "An seiner Seite"1) aus. Erzählt wurde die Geschichte von Charlotte (Berger), Gattin des weltberühmten Dirigenten Walter Kler (Peter Simonischek1)), die ihr ganzes Leben der Karriere ihres Mannes untergeordnet bzw. ihre eigene Laufbahn als Musikerin aufgegeben hatte. Nach einem luxuriösen Nomadenleben hofft sie nun in München endlich sesshaft zu werden, auch um mehr Zeit mit Tochter Viola (Antje Traue1)) und Enkelin Lisa (Laila Padotzke1)) verbringen zu können – doch Walter verfolgt insgeheim Pläne, erneut im Ausland aufzutreten. Durch Zufall lernt die enttäuschte Charlotte den frisch verwitweten, eher einfachen aber bodenständigen und empathischen Martin Scherer (Thomas Thieme) kennen, der das genaue Gegenteil des dominanten Walter ist, dennoch die "Bemutterung" seiner Tochter Grit (Marlene Morreis1)) erduldet. Es entwickelt sich trotz eine verhaltene Freundschaft voller gegenseitigem Respekt – durch den trauernden Witwer beginnt Charlotte über ihr bisheriges Leben nachzudenken. "An seiner Seite" ist die zum "abendfüllenden" Film verlängerte Version des Kurzfilms "Menuett" (2019), den Felix Karolus ebenfalls mit Senta Berger, Thomas Thieme und Marlene Morreis gedreht hatte. (…) Peter Simonischek spielt diese beiläufige, nuancenreiche Lieblosigkeit des Star-Dirigenten gegenüber seiner Frau ebenso großartig wie Senta Berger die Einsamkeit und Verletztheit einer Frau, die darin geübt ist, Haltung zu bewahren. –(…) Thieme, der nicht selten als polterndes, furchteinflößendes Mannsbild zu sehen ist, zeigt hier als höflicher, verliebter Witwer die zarte Seite seiner Spielkunst. urteilt Thomas Gehringer bei tittelnach.tv.
Bereits am 27. November 2021 wurde auf ARTE und dann am 14. Dezember 2021 im ZDF das historische Dokumentarspiel "Kaiserspiel in Versailles"2) ausgestrahlt. Eingebettet in eine Rahmenhandlung wurde aufgezeigt, wie es zur deutschen Reichsgründung1) bzw. Proklamation des deutschen Kaiserreiches1) am 18. Januar 1871 im "Schloss Versailles"1) kam, die maßgeblich vom preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck1) forciert wurde. "Auf Schloss Arenenberg1) in der Schweiz treffen sich Eugéniede Montijo1) (Marie Anne Fliegel1)), die Witwe Kaiser Napoleons III.1) (Hubertus Hartmann1)), und Luise von Baden1) (Petra Kelling), einzige Tochter von Kaiser Wilhelm I.1) (Peter Meinhardt1)). Vor dem Hintergrund der Verhandlungen zum "Versailler Vertrag"1), der Deutschlands Niederlage im 1. Weltkrieg besiegelte, blicken die beiden hochbetagten Frauen zurück auf die Zeit der Reichsgründung, ziehen ihre persönliche Bilanz zum Verhältnis der Deutschen und Franzosen, das im Spiegelsaal von "Schloss Versailles" 1871 und 1919 mit schweren Hypotheken belastet wurde." (Quelle: ZDF) Einmal mehr beeindruckte Thomas Thieme in diesem, von Christian Twente1) in Szene gesetzten Fernsehspiel, diesmal mit der zentralen Figur des Staatsmannes Otto von Bismarck, den er meist mit gelassener Autorität spielt. Nur einmal fährt er aus der Haut, doch der Versuchung, den "Eisernen Kanzler" als polternden Macht- und Kraftprotz darzustellen, widersteht Thieme. Das kann sich sehen lassen, auch wenn Thieme hier schauspielerisch wohl eher unterfordert war. Sein Bismarck ist ein taktisch versierter Politiker, dem mürrischen Wilhelm, dem ungeduldigen Kronprinzen1) (HolgerDaemgen1)) und dem von einem Blasenleiden gequälten Napoleon III. (Hubertus Hartmann) stets überlegen. merkt Thomas Gehringer bei tittelbach.tv an.
Die Nebenrolle des tot aufgefundenen Theo Reifenrath, in der Rückschau grimmiger Trinker und gemeinsam mit seiner (grausamen) Ehefrau Rita (Imogen Kogge1)) Leiter eines Kinderheims, übernahm Thieme in dem zweiteiligen, spannenden Krimi "Muttertag"2) (EA: 14./16.02.2022) aus der Reihe "Der Taunuskrimi"1) nach den Bestseller-Romanen von Nele Neuhaus1). In der Folge "Klaus & Ernst – Alte Freunde"3) (EA: 15.02.2022) aus der improvisierten 6-teiligen Serie "
Das Begräbnis"1) von Jan Georg Schütte1) war er der Pfarrer Ernst Wittig, der die Beisetzung von Wolff-Dieter Meurer für eine Aussprache mit seinem alten Bekannten Klaus (Jörg Gudzuhn) nutzt.
Wie immer eindrücklich war auch Thiemes Rolle in dem Krimi "Dunkle Helden"1) (EA: 05.03.2022) aus der ZDF-Reihe "Das Quartett"1) mit den Leipziger Ermittlern Maike Riem (Anja Kling1)), Christoph Hofherr (Shenja Lacher1)), Pia Walther (Annika Blendl1)) und Linus Roth (Anton Spieker1)). Thieme war hier der Walter Temper, der 1989 in Leipzig zu den führenden Köpfen der friedlichen Revolution gehörte und den Maike Riem in ihrer Jugend bewunderte. Als auch Trempers Sohn Jan (Alexander  Khuon1)), kurz vor der Wahl stehender Leipziger Oberbürgermeisterkandidat, nach dem Mord an der Hartz-IV-Empfängerin Manuela Weidner in das Visier des "Quartetts" gerät, beginnt die heile Familienfassade immer mehr zu bröckeln, da die Trempers ein dunkles Geheimnis zu verbergen versuchen. Tilmann P. Gangloff meint bei tittelbach.tv: "Episodenstar ist diesmal Thomas Thieme, dessen Präsenz die darstellerischen Mängel einiger Mitwirkender besonders deutlich werden lässt. (…) Das Bessere ist des Guten Feind, und des Schlechten sowieso: Das gilt selbstredend auch für die darstellenden Künste. Wer einen in der Branche voller Respekt als "Theatertier" verehrten Bühnenkoloss wie Thomas Thieme in sein Ensemble holt, nimmt in kauf, dass sämtliche weiteren Mitwirkenden verblassen. Eine Szene gegen Ende der vierten Episode aus der Leipziger ZDF-Krimireihe "Das Quartett" verdeutlicht dies sehr anschaulich: Die anderen schreien, Thieme flüstert. Immerhin entspricht die Besetzung dem Status seiner Rolle."
Gewohnt routiniert meisterte Thieme seine Rolle des erzkonservative Hoteliers Ludwig Hofer in dem Krimi "Familienehre"2) (EA: 10.11.2022) aus der Reihe "
Der Bozen-Krimi"1) mit Chiara Schoras1) als Commissario Capo1) Sonja Schwarz. Bei Suche nach dem Mörder des getöteten Eishockey-Stars Marcel Wallner (Felix Everding1)) ermittelt Schwarz auch im Umfeld des Traditions-Hotels und wird mit dem Patriarchen Hofer konfrontiert, desse homosexueller Sohn Anton alias Sängerin "Isabella" eine Beziehung mit Wallner hatte. "Schon allein Vladimir Burlakov und Thomas Thieme sorgen dafür, dass "Familienehre" sehenswert ist. Für Thieme ist die Rolle allerdings keine große Herausforderung; im Grunde genügt sein Charisma, um den Hotelier zu verkörpern." urteilt tittelbach.tv → Übersicht TV-Produktionen.
  
Neben seiner unfangreichen Arbeit für Theater und Film findet Thomas Thieme stets Zeit, sich als Sprecher mit seiner markant-sonoren Stimme an Lesungen des "MDR Figaro" (→  Auswahl bei Wikipedia) sowie zahlreichen Hörspiel-Produktionen zu beteiligen. 
Thomas Thieme als Kaiser Wilhelm II. in dem Hörspiel "Die Nordlandfahrer" von Philip Stegers (EA: 29.07.2014); Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom WDR (Presse und Information, Redaktion Bild) Copyright WDR/Sibylle Anneck 2012 beispielsweise wirkte er mit diversen Parts bzw. als Erzähler in "Ulysses"1) nach dem Roman von James Joyce1) mit, einem mit einer Laufzeit von über 22 Stunden bis dahin längsten Hörspiel des Südwestrundfunks und eine der aufwändigsten Hörspielproduktionen der ARD. Eine Auswahl der in der ARD-Hörspieldatenbank aufgeführten Stücke mit Thomas Thieme findet man hier am Ende des Artikels.
  
Thomas Thieme als Kaiser Wilhelm II.1) in
dem Hörspiel "Die Nordlandfahrer"5)
von Philip Stegers (EA: 29.07.2014)
Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom WDR
(Presse und Information, Redaktion Bild) 
 WDR/Sibylle Anneck
Von 2009 bis 2011 porträtierte der Maler Harald Reiner Gratz1) den leidenschaftlichen Vollblutmimen, der seit 2001 wieder in seiner Heimatstadt Weimar lebt, über 70  Mal im Rahmen einer Langzeitbeobachtung. Eine Auswahl dieser Porträts zeigte die "Klassik Stiftung Weimar"1) in einer Ausstellung unter dem Titel "Spieler" im "Neuen Museum Weimar"1) im Frühjahr 2012 → Flyer bei www.klassik-stiftung.de.
Von dem Journalisten und Schriftsteller Frank Quilitzsch1) stammt das im Oktober 2008 veröffentlichte Buch "Thomas Thieme – Ich Faust: Gespräche mit Frank Quilitzsch über Theater, Gott und die Welt". Seit dem Beginn der Proben bis zur Premiere am 17. März 2001 von Goethes "Faust I"1) am "Deutschen Nationaltheater Weimar" sowie danach befragte ihn der Autor zu seiner Rolle und seinem Leben. Die Inszenierung des "Faust I" (Regie: Julia von Sell / Karsten Wiegand) mit Thieme als Faust und Marek Harloff1) als Mephisto erhielt übrigens positive Kritiken, gewann den "Bayerischen Theaterpreis"1) und stand fünf Jahre lang auf dem Spielplan. "Thomas Thieme spielt den Faust. Ein Gelehrter mit kraftstrotzender Sinnlichkeit. Und ein Liebhaber, der ganz zärtlich sein kann. Wie sich Thiemes Faust in der Hexenküche, von der schweren Joppe, von Schlips und Brille befreit, zurechtrappelt, wie ihm Lebensfreude in Glieder, Gelenke und Muskeln fährt, ist hinreißend. Und immer hat der Schauspieler diese schwebende, abenteuerliche Balance zwischen körperlich-geistiger Schwere und neugieriger, leise ironischer Leichtigkeit. Ein Mann in der ganzen Fülle seiner Leidenschaften steht auf der Bühne, dröhnend und laut, und doch immer auch ein Nachdenklicher, Wägender, der sich in ganz leises, tiefdunkles Staunen verlieren kann." schrieb der Theaterkritiker Christoph Funke († 2016) im "Tagesspiegel" (26.03.2001) → www.tagesspiegel.de.
 
An verschiedene Auszeichnungen läst sich die schauspielerische Kunst von Thomas Thieme ablesen. Bereits 1965 hatte der jugendliche Charakterkopf die "Medaille für hervorragendes Volkskunstschaffen in Gold" erhalten.
 Der "Schauspieler des Jahres 2000" wurde unter anderem 2013 mit dem "Hessischen Fernsehpreis"1) als "Bester Schauspieler" für seine herausragende Darstellung in "Das letzte Wort" geehrt, am 1. Februar 2014 erhielt er in Berlin im Rahmen der festlichen Gala die "Goldene Kamera"1), ebenfalls als "Bester Schauspieler" in der Kategorie "Schauspieler national" → Wikipedia. Die Jury begründete den Medienpreis für den Theatermann aus Thüringen, der sich gegen seine nicht minder herausragenden Kollegen Edgar Selge und Jörg Hartmann1) durchsetzen konnte, unter anderem folgendermaßen: "Ob als polternder Patriarch in "Der Tote im Watt"2), als verdächtiger Vater in "Gestern waren wir Fremde"1) oder als Finanzmagnat in "Das Adlon" – Thomas Thiemes Vielschichtigkeit ist bestechend."

Foto mit freundlicher Genemigung von Nikolai Eberth
© Nikolai Eberth; Quelle: Agentur Hoestermann

Thomas Thieme; Foto mit freundlicher Genemigung von Nikolai Eberth; Copyright Nikolai Eberth; Quelle: Agentur Hoestermann
Tilmann P. Gangloff charakterisierte ihn 2013 in dem Artikel der "Stuttgarter Zeitung" anlässlich der Ausstrahlung des Krimis "Mörderische Jagd"1): "Der Schauspieler Thomas Thieme zum Beispiel ist offenbar eine Art Oliver Kahn der Bühnenwelt. Kollegen nennen ihn respektvoll "Theatertitan" oder "Theatertier", in Porträts und Kritiken wird der 64-Jährige als "sensibler Koloss" bezeichnet und mit einem "atmenden Felsen" verglichen." → www.stuttgarter-zeitung.de.
  
Thomas Thieme, nicht nur äußerlich ein "Schwergewicht" in der Theater- und Filmlandschaft, ist Vater des 1977 in Magdeburg geborenen Musikers Arthur Thieme  → www.schaubuehne.de.
Quellen: Wikipedia, prisma.de, filmportal.de sowie
Henschel Theaterlexikon*)
Kontakt: Agentur Hoestermann
*) Henschel Theaterlexikon (Hrsg. C. Bernd Sucher; Henschel Verlag, 2010, S. 864/865)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) tittelbach.tv, 3) fernsehserien.de, 4) prisma.de, 5)  ARD-Hörspieldatenbank

Stand Mai 2024

   
Theater-Wirken (Auszug)
Quelle (unter anderem): Henschel Theaterlexikon*), www.schaubuehne.de, Agentur Hoestermann

(Fremde Links: Wikipedia; R = Regie, UA = Uraufführung)
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, fernsehenderddr.de, prisma.de, 
deutsches-filmhaus.de, tittelbach-tv, fernsehserien.de, Die Krimihomepage)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
1980er / 1990er / 2000er / ab 2010
(Link: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia (deutsch/englisch)) 
       
Thomas Thieme spricht den Vater  in "Heul doch!" nach dem Roman von Melanie Arns; Deutschlandradio (EA: 24.09.2008); mit freundlicher Genehmigung des Fotografen Sandro Most; Copyright Sandro Most
Thomas Thieme spricht den Vater
"Heul doch!" nach dem Roman von Melanie Arns
Deutschlandradio (EA: 24.09.2008)
Mit freundlicher Genehmigung des Fotografen Sandro Most; © Sandro Most
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