Filmografie / Hörspiel
Gert Westphal wurde am 5. Oktober 1920 als Sohn eines Fabrikdirektors im sächsischen Dresden1) geboren. Aufgewachsen in einem großbürgerlichen, kulturell interessiertem  Elternhaus entschied sich Westphal nach dem Besuch des Realgymnasiums in Dresden-Blasewitz1) für die Schauspielerei und ließ sich ab 1939 am Konservatorium seiner Geburtsstadt sowie von Paul Hoffmann am "Dresdner Staatsschauspielhaus"1) entsprechend ausbilden. Sein Bühnendebüt gab er 1940 mit dem kleinen Part des zweiten Reiters in dem Goethe-Drama "Götz von Berlichingen"1), konnte anschließend jedoch noch keine Schauspielerkarriere starten, da er kurz darauf zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Die schrecklichen Kriegsjahre überstand er trotz mehrfacher Verwundungen, erst nach 1945 begann er als Schauspieler an den "Bremer Kammerspielen"1). Bereits 1946 arbeitete Westphal zudem beim neu gegründeten Sender "Radio Bremen"1) als Sprecher und Redakteur, wurde zwei Jahre später zum Leiter der Hörspielabteilung berufen. Der Hörfunk sollte eine wichtige Domäne im Schaffen des Künstlers werden, 1953 folgte die Leitung der Hörspielabteilung beim "Südwestfunk Baden-Baden"1), wo er zeitweise auch als Chefregisseur der Fernsehspielabteilung fungierte; bis 1959 nahm Westphal diese vielfältigen Aufgaben wahr.
Gleichzeitig arrivierte er zu einem renommierten Bühnendarsteller, im Laufe seiner langen Karriere spielte Westphal an allen wichtigen deutschsprachigen Theatern, vor allem am "Schauspielhaus Zürich"1) fand er als Ensemblemitglied zwischen 1959 und 1980 seine künstlerische Heimat. Die Bandbreite seines Rollenrepertoires umspannte sowohl klassische als auch moderne Bühnenstücke. Wikipedia führt aus: "Am "Theater der Nationen" in Paris gastierte Westphal im Mai 1963 mit dem "Theaterensemble Oskar Werner"1) mit einer Aufführung des "Torquato Tasso"1) (Anmerkung: 1964 auch TV). Zusammen mit Käthe Gold und Walter Richter trat er Anfang 1965 in Israel auf, wo zum ersten Mal überhaupt mit dem "Totentanz" von August Strindberg1) ein Theaterstück in deutscher Sprache aufgeführt wurde (Anmerkung: auch TV 1965).
  

Gert Westphal als Herman, Präsident des Revolutionstribunals1),
in "Dantons Tod"1) von Georg Büchner1) ("Salzburger Festspiele"1), 1981)
mit Götz George als Georges Danton1) (Regie: Rudolf Noelte1))
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Gert Westphal als Herman, Präsident des Revolutionstribunales in Georg Büchners "Dantons Tod", Salzburger Festspiele 1981; Copyright Virginia Shue
Nach seiner Zeit am "Schauspielhaus Zürich" war er als freischaffender Schauspieler tätig, widmete sich insbesondere seiner ganz besondere Leidenschaft –  der Rezitation und der literarischen Lesung. Der Durchbruch als herausragender Sprecher gelang Westphal 1963 im Hörfunk mit der Lesung der Roman-Tetralogie "Joseph und seine Brüder"1) von Thomas Mann1), an insgesamt 28 Abenden brachte er die Werke im "Norddeutschen Rundfunk"1) (NDR) zu Gehör. Die Resonanz war so enorm, dass der Verlag auf die dringende Bitte der Buchhändler eine preiswerte Buchausgabe auf den Markt brachte.
Sowohl auf der Bühne als auch im Hörfunk und in ambitionierten Audio-Produktionen las Westphal aus Werken von Friedrich Schiller1), Heinrich Heine1), Hermann Hesse1), Patrick Süskind1) oder Gustave Flaubert1), seine absoluten Lieblingsautoren waren jedoch Johann Wolfgang von Goethe1), Theodor Fontane1) und Thomas Mann.
Gert Westphal spricht den Dichter in dem Hörspiel "Das Jagdgewehr" nach dem Briefroman von Yasushi Inoue; zudem führte er auch Regie (EA: 29.09.1965); Foto mit freundlicher Genehmigung von "SWR Media Services GmbH": Copyright SWR / Hanns Tschira (1899 – 1957) Mit seiner ausdrucksstarken und modulationsreichen Stimme sprach Westphal mehr als 200 Texte der Weltliteratur, galt als "König der Vorleser"; zahlreiche seiner einzigartigen Interpretationen sind vor allem bei der "Deutschen Grammophon"1) und "Litraton" veröffentlicht worden und geben noch heute Zeugnis ab von seiner exzellenten Vortragskunst. In einem Interview sagte er einmal "Der Text wird, wenn ich ihn lese, zu einer Partitur. Die Figuren laufen dann vor meinem inneren Auge auf und ab. Dann muss ich ihnen einfach eine Stimme geben." Zahlreichen Autoren hat er den Weg zum Rundfunk geebnet und viele bedeutende Schauspieler-Kollegen für das Medium gewonnen. Seine Hörspiel-Inszenierungen sind Bestandteil des Repertoires bis heute. Sein Name steht für die Qualität des Kulturradios in Deutschland. (…) Im Jahr 1984 bezeichnete ihn "DIE ZEIT" als "König der Vorleser" und qualifizierte seine Vortragskunst als virtuose Inszenierung eines "akustischen Ein-Mann-Theaters". Tatsächlich hatte sich Gert Westphal in vier Jahrzehnten ein Vorlese-Repertoire geschaffen, das seinesgleichen sucht, reichte es doch von Vergils1) "Georgica"1) bis zu Karl Mays1) "Schatz im Silbersee.1)2)

Gert Westphal spricht den Dichter in dem Hörspiel
"Das Jagdgewehr" nach dem Briefroman von Yasushi Inoue1)
in der Übersetzung von Oscar Benl1); zudem führte Westphal auch Regie
(EA: 29.09.1965) → ARD Hörspieldatenbank
Foto mit freundlicher Genehmigung von "SWR Media Services GmbH"
© SWR / Hanns Tschira1) (1899 – 1957)

In einem Nachruf schrieb Peter Michalzik1) am 12.11.2002 in der "Frankfurter Rundschau" unter anderem "Wie seine Stimme einerseits nüchtern-prosaisch, andererseits psalmodiernd und modulierend den Text umspielte, wie er die Satzteile vorsichtig ineinanderbog und umsichtig dehnte oder raffte, wie sein Sprechen so das Weiche und das Raue versöhnte, dass man an großen Rotwein dachte, ließ nur einen Schluss zu: Seine Stimme nahm den Klang auf, den die großen Texte für Generationen deutscher Leser gehabt hatten, und brachte ihn in gültige Form."
"Darüber hinaus schrieb er unter dem Pseudonym "Gerhard Wehner" einige Hörspiele. Bei "Radio Bremen" wurden seine Hörspiele "Offene Rechnung" und "Gestern ist lange her" aufgenommen. Sein Hörspiel "Große Konjunktion im Zeichen der Fische" wurde 1971 beim DRS1) und 1973 beim ORF1) (Radio Salzburg1)) aufgenommen." notiert Wikipedia. Eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen als Sprecher, Regisseur und oftmals auch als Bearbeiter der jeweiligen Werke/Texte findet man hier. Eine Auswahl der Hörbücher ist bei Wikipedia gelistet.
  
Westphal machte sich nicht nur als herausragender Charakterdarsteller und Rezitator einen Namen, auch als Regisseur erntete er positive Kritiken. Verschiedene Inszenierungen – unter anderem eine eigene Bühnenfassung des Kafka-Romans "Der Process"1) – trugen seine Handschrift, darüber hinaus führte an den Opernhäusern von Bern, Braunschweig, Düsseldorf, Mannheim und Nürnberg Regie. Beispielsweise inszenierte er für die "Burgfestspiele Jagsthausen"1) das Goethe-Schauspiel "Götz von Berlichingen"1) mit Walter Richter in der Titelrolle des Götz von Berlichingen1) und spielte selbst den Adelbert von Weislingen; die Aufführung wurde 1967 auch im Fernsehen gezeigt. 1975 brachte am "Nationaltheater Mannheimr"1) die Komödie "Sturm im Wasserglas"1) von Bruno Frank1) auf die Bühne, im darauffolgenden Jahr setzte er die komische Oper "Der Bräutigam ohne Braut" ("I due supposti conti, ossia Lo sposo senza moglie" von Domenico Cimarosa1) in Szene.
Für das Fernsehen war er ebenfalls als vereinzelt als Regisseur tätig, führte Regie bei "Der Scheingemahl" (1974, auch Drehbuch) nach dem Roman von Hedwig Courths-Mahler mit Christian Wolff und Herlinde Latzko in den Hauptrollen und fungierte als Erzähler. Auch an den übrigen TV-Verfilmungen der Courths-Mahler-Romane aus dem Jahre 1974 war er als Erzähler beteiligt, so bei "Griseldis"3) (mit Sabine Sinjen), "Die Kriegsbraut"3), "Eine ungeliebte Frau"3) (mit Ulli Philipp) und "Die Bettelprinzess"3) (mit Silvia Reize1)).
Erste Erfahrungen vor der Kamera sammelte Westphal 1955 mit einer kleinen Rolle in dem Kinostreifen "Der letzte Mann"1)  neben Hans Albers und Romy Schneider, einem Remake des gleichnamigen Stummfilmklassikers1) (1924) Emil Jannings.
Gert Westphal in "Der Arzt stellt fest…" (1966); Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich, mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG Im Laufe der Jahrzehnte folgten weitere Aufgaben in diversen Film- und Fernsehproduktionen. Neben einigen Aufzeichnungen von Theater-Inszenierungen erlebte man ihn unter anderem als Justizrat in dem Drama "Der Spielverderber – Das kurze, verstörte Leben des Kaspar Hauser" (1965) über den von Peter Brogle1) dargestellten Kaspar Hauser1), als Kriegsgerichtsrat Paul Jorns1) in der zweiteiligen Semi-Dokumentation "Der Fall Liebknecht-Luxemburg"1) (1969) mit Richard Lauffen als Karl Liebknecht1) und Edith Heerdegen als Rosa Luxemburg1), oder als Oberst Rusch in dem von Tom Toelle1) inszenierten TV-Spiel "Fragestunde" (1969), zu dem Wolfgang Menge1) das Drehbuch geschrieben hatte und Gewissenskonflikte eines deutschen Bundestagsabgeordneten thematisierte; mit Tom Toelle arbeitete Westphal übrigens mehrfach zusammen.
   
Gert Westphal als Kriminalkommissar in dem Kinofilm "Der Arzt stellt fest…" (1966)
Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich,
mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); © Praesens-Film AG
In den 1970er Jahren sah man Westphal unter anderem in Stücken wie Wolfgang Liebeneiners1) Literaturadaption "Die sieben Ohrfeigen" (1971) nach dem Roman von Károly Aszlányi1), in der "Tatort"-Folge "Frauenmord"1) mit Fritz Eckhardt als Oberinspektor Marek mimte er den "Konsul" Brink. In "Kameliendame" (1978) nach dem berühmten Roman "Die Kameliendame"1) von Alexandre Dumas d.J.1) mit Erika Pluhar als Marguerite Gautierden stellte er den Vater von Armand Duval (Klaus Hoffmann1)) dar → film.at. Zu Westphals letzten Fernsehauftritten zählte die Figur des Dr. Eberhard in Tom Toelles bissigen Satire "Ein Mann von gestern"4) (1980) mit Will Quadflieg, auf der Leinwand spielte er einen kleinen Part in dem Thriller "Schneller als das Auge"1) (1989, "Quicker Than the Eye") von Regisseur Nicolas Gessner1) nach dem gleichnamigen Roman von Claude Cueni1) → Übersicht Filmografie.

Gert Westphal, der seit 1960 neben der deutschen Staatsbürgerschaft auch das Schweizer Bürgerrecht1) besaß, starb am 10. November 2002 im Alter von 82 Jahren in einer Züricher1) Klinik an den Folgen einer Krebserkrankung. Er war seit 1957 mit der Schauspielerin Gisela Zoch1) verheiratet und hinterließ zwei Töchter aus dieser Verbindung. Die letzte Ruhe fand der "Vorleser der Nation" auf dem Friedhof von Kilchberg1) am Zürichsee, nahe der Grabstätte seines Lieblingsautors Thomas Mann → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons. Seit den 1960er Jahren lebte Westphal mit seiner Familie in Nähe von Zürich.
 
Im Verlaufe seiner langen Karriere wurde Westphals Wirken mit Auszeichnungen gewürdigt, neben dem "Bundesverdienstkreuz 1. Klasse"1)  (1982) erhielt er 1988 den "Deutschen Schallplattenpreis"1) und 1991 die "Ehrenurkunde der Deutschen Schallplattenkritik"1). Im Jahre 2001 verlieh ihm der "Senat der Freien und Hansestadt Hamburg" die "Biermann-Ratjen-Medaille"1) für seine künstlerischen Verdienste um die Stadt Hamburg, ebenfalls 2001 durfte er sich in das "Goldene Buch" der Hansestadt Bremen eintragen. Anlässlich des 90. Geburtstages von Gert Westphal am 5. Oktober 2010 wurde vom 1. Oktober bis 7. November 2010 im Schloss Reinbek1) (Schleswig-Holstein) mit der Ausstellung "Der Dichter oberster Mund – Eine Erinnerung an Gert Westphal" noch einmal des Ausnahmekünstlers gedacht; 1995 hatte er die Ehrenmedaille des Kunst- und Kulturzentrums "Schloss Reinbek" entgegen nehmen können → weitere Ehrungen/Auszeichnungen bei Wikipedia.

Siehe auch Wikipedia
sowie den Nachruf bei spiegel.de
Fremde Links: 1) Wikipedia, 3) filmportal.de, 4) deutsches-filmhaus.de
Quellev: 2) radiobremen.de (Artikel nicht mehr online), 
    
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, Die Krimihomepage, filmportal.de, deutsches-filmhaus.de, tls.theaterwissenschaft.ch)
Kinofilme Fernsehen
Hörspielproduktionen (Auszug)

Als Sprecher:

1940er Jahre 1950er Jahre 1960er Jahre 1970er Jahre ab den 1980er Jahren
Als Regisseur 1940er Jahre 1950er Jahre 1960er Jahre 1970er Jahre 1980er Jahre
Als Autor
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia, hls-dhs-dss.ch, whoswho.de)
Als Sprecher (Auszug; wenn nicht anders vermerkt: als Sprecher) Als Regisseur (Auszug) Als Autor
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