Maria Ivogün wurde am 18. November 1891 als Maria Ida Jolán Kempner und Tochter des ungarischen K.u.K-Offiziers Pál Kempner (1858 – ?) in Budapest1) (damals Österreich-Ungarn1)) geboren; den Künstlernamen "Ivogün" leitete sie seit 1915 von den Initialen des Mädchennamen ihrer Mutter, der Operettensängerin Ida von Günther1) (1864 – 1930) ab. Nach der Scheidung heiratete Marias Mutter den Schweizer Geschäftsmann Friedrich August (Fritz) Meyer (1855 – 1929) und zog mit ihrer Tochter nach Zürich1), wo Maria bis 1908 die Schule besuchte. Bereits mit 16 Jahren begann die junge Maria an der "Wiener Musikakademie" (heute "Universität für Musik und darstellende Kunst Wien"1) ihre Stimme von der Sopranistin und Gesangspädagogin Irene Schlemmer-Ambros2) (1853 – 1943) ausbilden zu lassen, parallel nahm sie Schauspielunterricht.
1913 wurde sie dann von dem Hofkapellmeister und Komponisten Bruno Walter1) (1876 – 1962), der zu dieser Zeit Bayerischer Generalmusikdirektor war, an die "Königliche Hofoper" (heute "Nationaltheater"1)) nach München berufen und debütierte dort mit der Partie der Midinette Mimi in der Oper "La bohčme"1) von Giacomo Puccini1). Rasch avancierte Maria Ivogün als 1. Koloratur-Sopranistin zu einer der führenden Mitglieder der Münchener Oper und feierte auch international Triumphe. Unter der musikalischen Leitung von Bruno Walter sang sie beispielsweise am 28. März 1916 die Laura, Gemahlin des Hofkapellmeisters Wilhelm Arndt (Karl Erb1)), in der Uraufführung der heiteren Oper "Der Ring des Polykrates"1) von Erich Wolfgang Korngold1), ebenfalls 1916 glänzte sie bei der Premiere der Neufassung von "Ariadne auf Naxos"1) als Zerbinetta und beeindruckte damit nicht nur den Komponisten Richard Strauss1). Mit dieser Partie sollte sie später noch sechs Mal (1920–1923) an der "Wiener Hofoper" (heute "Wiener Staatsoper"1)) brillieren, erstmals am erstmals am 17.09.1920 mit Maria Jeritza als Ariadne1) (→ Besetzung3)) und letztmalig am 29.05.1923 mit Lucie Weidt1) in der Titelpartie → Besetzung3).
Am 12. Juni 1917 feierte sie am "Prinzregententheater"1)  in der Uraufführung des Werks"Palestrina"1) von Hans Pfitzner1) Erfolge als Ighino, Sohn des Kapellmeisters Giovanni Pierluigi da Palestrina1) (Karl Erb) – einmal mehr stand Bruno Walter am Dirigentenpult → Besetzungszettel vom 23.08.1919. Ebenfalls 1917 wurde Maria Ivogün zur "Königlich Bayerischen Kammersängerin" ernannt.

Maria Ivogün 1920 als "Zerbinetta"
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber: Atelier Madame d'Ora1) (1881–1963); Datierung: 09.10.1920
© ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204332-D)

Maria Ivogün 1920 als "Zerbinetta"; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber: Atelier Madame d'Ora (1881–1963); Datierung: 09.10.1920; Copyright ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204332-D)
Maria Ivogün 1920 als "Zerbinetta"; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber: Atelier Madame d'Ora (1881–1963); Datierung: 09.10.1920; Copyright ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204328-D Bereits während ihrer Zeit in München gab Maria Ivogün Gastspiele, trat unter anderem an der "Wiener Hofoper" auf, der Bühne, wo sie bei ihrem ersten Vorsingen 1913 einst abgelehnt worden war. Hier erlebte man sie am 19. September 1920 in der Inszenierung von Wilhelm von Wymétal1) und Dirigent Bernhard Tittel1) als Frau Fluth in der von Otto Nicolai1) nach der Shakespeare-Komödie "The Merry Wives of Windsor"1) komponierten, komisch-fantastischen Oper "Die lustigen Weiber von Windsor"1) neben Karl Norbert4) als Sir John Falstaff1) (→ Besetzung3)), am 22. Februar 1921 gab sie in Wien erstmals die Gilda, Tochter des Hofnarren Rigoletto (Ernst Fischer; 1887 – ?) in "Rigoletto"1) von Giuseppe Verdi1) (Spielleitung: Hans Breuer1), Dirigent: Carl Alwin1); → Besetzung3)); zwei weitere Vorstellungen am 22.02.1921 und 11.11.1921 folgten. Am 18.05.1922 und 01.06.1923 trat sie als Konstanze, Geliebte des Belmonte (Karl Erb1)) in dem Mozart1)-Singspiel "Die Entführung aus dem Serail"1) mit Clemens Krauss1) am Dirigentenpult auf → Besetzung3): 18.05.1922), am 31. Oktober 1922 sang sie die junge Witwe Norina in der Opera buffa1) "Don Pasquale"1) von Gaetano Donizetti1), Woldemar Runge1) inszenierte, Franz Schalk1) dirigierte, Richard Mayr1) interpretierte den reichen, geizigen Junggesellen Don Pasquale  → Besetzung3)); fünf weitere Vorstellungen mit Maria Ivogün folgten, zuletzt am 27.05.1923, diesmal mit Karl Norbert4) in der Titelpartie und Clemens Krauss am Dirigentenpult → Besetzung3)) → siehe auch Maria Ivogün bei archiv.wiener-staatsoper.at  

Maria Ivogün 1920
Foto mit freundlicher Genehmigung
der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber: Atelier Madame d'Ora1) (1881–1963); Datierung: 09.10.1920
© ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204328-D)

Zur Spielzeit 1925/26 folgte sie Bruno Walter1) nach Berlin und gehörte bis 1932 zum Ensemble der "Städtischen Oper" (heute "Deutsche Oper Berlin"1)). Umjubelte Gastspielreisen führten Maria Ivogün unter anderem neben der "Wiener Hofoper" an die "Mailänder Scala"1), das Londoner "Royal Opera House"1) in Covent Garden1) und auch in den USA begeisterte sie an der "Lyric Opera of Chicago"1) und der New Yorker "Metropolitan Opera"1) ihren Partien Kritiker und Publikum. Einigen Quellen zufolge soll sie jedoch niemals an der "Met" aufgetreten sein, weil die damalige berühmte Diva und Sopranistin Amelita Galli-Curci1) (1882 – 1963) dies zu verhindern wusste.
Zu den Glanzrollen der Ivogün zählten, außer den genannten,  beispielsweise die Rosina in "Der Barbier von Sevilla"1) von Gioachino Rossini1) und die Magd Serpina in der Opera buffa1) "Die Magd als Herrin"1) ("La serva padrona") von Giovanni Battista Pergolesi1), die Titelpartie (Lady Harriet Durham) in der komischen Oper "Martha"1) von Friedrich von Flotow1) oder die schwierige Partie der "Nachtigall" in dem lyrisch-phantastischem Spiel "Die Vögel"1), komponiert von Walter Braunfels1) nach der gleichnamigen Komödie1) des Aristophanes1). Als Richard Strauss1)-Interpretin glänzte Maria Ivogün außer der Zerbinetta in "Ariadne auf Naxos"1) als Sophie in "Der Rosenkavalier"1), als Mozart-Sängerin  brillierte sie als "Königin der Nacht" in "Die Zauberflöte"1) ebenso wie als Zerlina in "Don Giovanni"1), als Susanna in "Die Hochzeit des Figaro"1) oder als Hausmädchen Despina in "Cosě fan tutte"1). In Giuseppe Verdis "Rigoletto"1) gab sie eine beeindruckende Gilda, in "La traviata"1) eine hinreißende Kurtisane Violetta Valéry.

Maria Ivogün 1920 in einem Pelzmantel
mit Pelzkragen und Hut
Foto mit freundlicher Genehmigung
der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber: Atelier Madame d'Ora1) (1881–1963);
Datierung: 09.10.1920
© ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204329-D)

Maria Ivogün 1920 in einem Pelzmantel mit Pelzkragen und Hut; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber: Atelier Madame d'Ora  (1881–1963);  Datierung: 09.10.1920: Copyright ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204329-D)
Abbildung Maria Ivogün auf einem Sammelbild aus der Serie "Bühnenstars und ihre Autogramme", die 1933 den "Gold-Saba"-Zigaretten der "Garbaty"-Zigarettenfabrik von Josef Garbáty beilagen; Urheberin:Suse Byk (1884–1943): Quelle: Wikimedia Commons von virtual-history.com; Lizenz: gemeinfrei Auch bei den "Salzburger Festspielen"1) konnte man sie bewundern, unter anderem 1925 (Regie: Hans Breuer1) → salzburgerfestspiele.at) und 1930 (Regie: Martin Zickel1) → salzburgerfestspiele.at) als Norina in den Aufführungen von "Don Pasquale"1), jeweils mit Richard Mayr1) in der Tizelpartie des Don Pasquale und Bruno Walter1) am Dirigentenpult Bei den "Liederabenden der Salzburger Festspiele"1) war sie ebenfalls vertreten, erfreute am 23. August 1925 im "Mozarteum" (→ salzburgerfestspiele.at) zusammen mit (Noch-)Ehemann Karl Erb1) das Festspiel-Publikum mit Arien/Volkslied-Duetten, begleitet von Michael Raucheisen1) am Klavier – um nur Einiges aus ihrem Repertoire zu nennen.
Erwähnenswert ist ihre Mitwirkung an einer Stummfilmproduktion, in dem von Alexander Wolkoff1) gedrehten, französischen Kostüm- und Ausstattungsfilm "Casanova"1) (1927)  mit Iwan Mosjukin in der Titelrolle des italienischen Schriftstellers, Abenteurers und Lebemanns Giacomo Casanova1) hatte sie einen kleinen Auftritt.
 
Abbildung Maria Ivogün auf einem Sammelbild aus der Serie
"Bühnenstars und ihre Autogramme", die 1933 den
"Gold-Saba"-Zigaretten der "Garbaty"-Zigarettenfabrik1) 
von Josef Garbáty1) beilagen.
Urheberin:Suse Byk1) (1884 – 1943)
Quelle: Wikimedia Commons von virtual-history.com
Angaben zur Lizenz (gemeinfrei) siehe hier
Auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes kehrte Maria Ivogün 1932 der Opernbühne den Rücken, gab noch zwei Jahre lang Konzerte und Liederabende, vorwiegend mit Werken von Richard Strauss1) und Hans Pfitzner1). Es wurden Gerüchte gestreut, die Sängerin habe sich von der Bühne verabschiedet, weil sie erblindet sei, eine weitere Geschichte besagt, dass ein schweres Augenleiden sie bewogen habe, ein Gelübde abzulegen, von der Bühne abzutreten, wenn ihr Augenlicht gerettet werde.
Bereits ab 1933 arbeitete die gefeierte Künstlerin als Gesangspädagogin – unter anderem studierte Michiko Tanaka1) (1909 – 1988), die spätere Ehefrau des Schauspielers Viktor de Kowa bei ihr –, nach Ende des 2. Weltkrieges lehrte Maria Ivogün ab 1948 zwei Jahre lang an der "Musikhochschule Wien"1) übernahm dann Anfang Oktober 1950 eine Professur an der Berliner "Hochschule für Musik" (heute: "Universität der Künste Berlin"1). Dort leitete sie die Gesangsklassen, zu ihren Schülerinnen gehörten beispielsweise Elisabeth Schwarzkopf (1915 – 2006), Rita Streich (1920 – 1987), Evelyn Lear1) (1926 – 2012) und Renate Holm1) (1931 – 2022),
1958 wurde Maria Ivogün in den Ruhestand versetzt und verbrachte ihren Lebensabend zurückgezogen mit ihrem zweiten Ehemann in der Schweiz. Nach ihrer Scheidung (1932) von dem Tenor und Kammersänger Karl Erb1) (1877 – 1958), den sie 1921 geheiratet hatte, war sie 1933 eine zweite Ehe mit dem Pianisten und bekannten Klavierbegleiter Michael Raucheisen1) (1889 – 1984) eingegangen.
Maria Ivogün, die seit 1956 ordentliches Mitglied der Berliner "Akademie der Künste" war, starb am 3. Oktober 1987 im Alter von 96 Jahren in ihrem Schweizer Domizil in Beatenberg1) (Berner Oberland1)). Die letzte Ruhe fand die einst gefeierte Opern-Diva und Konzertsängerin an der Seite ihres am 27. Mai 1984 verstorbenen Gatten Michael Raucheisen auf dem "Städtischen Friedhof" von dessen Geburtsstadt im schwäbischen Rain1) (Bayern) → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.
 
Noch zu Ihrem 95. Geburtstag würdigte die "Schwäbische Zeitung"1) die Künstlerin unter anderem mit den Worten: "… werden Erinnerungen wach an eine betörend schöne Sopranstimme, ebenso vollendet in der Exaktheit und der Brillanz ihrer Koloraturen wie in der Feinheit ihres Stilgefühls." Im Münchener Stadtteil Pasing1) erinnert seit 1994 die "Maria-Ivogün-Allee" an die legendäre Sopranistin.
Die Sopranistin Ivogün gilt bis heute als eine der besten und berühmtesten Opernsängerinnen des 20. Jahrhunderts. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen trug sie nicht unwesentlich zum europaweit guten Ruf der Opernaufführungen in Deutschland bei. Zahlreiche Schallplatteneinspielungen (u. a. zusammen mit ihrem ersten Ehemann) runden ihre künstlerische Tätigkeit ab.5)

Portrait Maria Ivogün im November 1965 → Info-Karte
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_hauptkatalog_0163366)
Eigentümer/ © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek
Quelle: www.deutschefotothek.de; Datum: 11.1965
Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Portrait Maria Ivogün; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_hauptkatalog_0163366); Eigentümer/ Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Quelle: www.deutschefotothek.de
Siehe auch Wikipedia (deutsch), Wikipedia (englisch).
"Östereiches Musiklexikon", geschichtewiki.wien.gv.at
Fotos bei Wikimedia Commons, virtual-history.com
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) musiklexikon.ac.at, 3) archiv.wiener-staatsoper.at, 4) Österreichisches Biographisches Lexikon
Quelle: 5) Wikipedia (abgerufen 02.11.2011)
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