|
|||||||||||||||
| Der Tenor Lauritz Melchior wurde am 20. März 1890 als Lauritz Lebrecht Hommel Melchior als jüngster von vier Kindern in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen1) geboren; an diesem Tag erblickte auch der berühmte Tenor Beniamino Gigli (1890 1957) das Licht der Welt. Der Vater Jørgen C. Melchior (1845 1925) leitete eine Privatschule, nachdem die Mutter bei der Geburt von Lauritz verstarb, stellte er die spätere Kochbuch-Autorin Kristine Marie Jensen1) (1858 1923) als Haushälterin/Hauslehrerin ein, die sich um die fünf Halbwaisen, darunter Agnes Melchior (1883 1945), kümmerte. Als die Schule, an der Melchior tätig war, 1908 geschlossen wurde, blieb sie Teil der Familie, zog Lauritz wie eine Pflegemutter auf und unterstützte dessen spätere Gesangs-Ausbildung. | |||||||||||||||
|
|||||||||||||||
|
Das sollte sich ändern, als er
während eines Gastspiels in Großbritannien den berühmten
italienischen Erfinder und Rundfunkpionier Guglielmo Marconi1)
(1874 1937) kennenlernte, der ihm anbot, an einer ersten, weltweiten
Radioübertragung teilzunehmen übrigens gemeinsam mit der legendären
Nellie Melba
(1861 1931). Weitere interessante Kontakte
schlossen sich an, Melchior machte die Bekanntschaft des britischen Schriftstellers und leidenschaftlichen Wagner-Verehrers
Hugh Walpole1)
(1884 1941) der den Sänger nicht nur moralisch, sondern auch
finanziell unterstützte. Melchior arbeitete erneut weiter an seiner
Stimme, perfektionierte diese von 1921 bis 1923 in London bei
dem Gesangspädagogen Victor Beigel1)
(1870 1930), in Berlin bei
dem renommierten Musikpädagogen Prof. Ernst Grenzebach1)
(1871 1936), in München bei der
berühmten Sopranistin der "Wiener Hofoper"1) Anna von Mildenburg1)
(1872 1947)
sowie in Bayreuth1) bei dem Kapellmeister Prof. Karl Kittel (1874 1945). Nun stellte
sich der Erfolg ein, die Witwe des Komponisten Richard Wagner1), Cosima Wagner1)
(1837 1930) und deren Sohn Siegfried1)
(1869 1930) interessierten
sich für den jungen
Sänger, luden ihn 1924 zu den "Bayreuther Festspielen"1) ein und verpflichteten ihn als
Siegmund in "Die Walküre"1) sowie
für die Titelpartie "Parsifal"1); bis 1931 gab Melchior jeden Sommer Gastspiele in
Bayreuth, brillierte in fast allen großen Wagnerschen
Heldenrollen; ebenfalls 1924 ein Jahr später debütierte er an der Wiener
Staatsoper1). Sein Ruf als grandioser Wagner-Interpret brachte ihn 1924 an das Londoner "Royal Opera House"1) in Covent Garden1) sowie 1926 an die New Yorker "Metropolitan Opera"1), wo er seit seinem Debüt am 17. Februar 1926 in "Tannhäuser"1) (u. a. mit Maria Jeritza als Elisabeth1) → archives.metopera.org) bis 1950 in den Opern Wagners Triumphe feierte: Die männliche Titelpartie in "Tristan und Isolde"1) gestaltete Melchior dort seit seinem ersten Auftreten in dieser Partie Anfang März 1929 Quellen zufolge mehr als 200 Mal. Anfangs sangen Gertrud Kappel1), Elisabeth Ohms1), Göta Ljungberg (→ Wikipedia (englisch)) und Frida Leider1) die Isolde, zwischen 1935 und 1941 bildete er mit Kirsten Flagstad das unangefochten beste "Tristan und Isolde"-Paar. Danach trat er vornehmlich mit Helen Traubel1) auf, aber auch unter anderem Marjorie Lawrence1) und Astrid Varnay1) waren seine Partnerinnen. Den Siegfried1) in dem Zyklus "Der Ring des Nibelungen"1) ("Die Walküre"/ "Siegfried"/"Götterdämmerung"1)) interpretierte er fast 120 Mal, brillierte als Titelheld in "Parsifal"1) sowie in "Lohengrin"1), mit dem er sich am 2. Februar 1950 an der Seite von Helen Traubel (Elsa von Brabant1)) vom New Yorker Publikum verabschiedete (→ archives.metopera.org). Nach diesem letzten Auftritt soll er gesagt haben "Jetzt fährt der Schwan den ganzen Weg nach Hause!"; das Archiv der "Mer" weist rund 520 Vorstellungen mit ihm aus → archives.metopera.org (Eingabe "Melchior" bei "Key Word Search").
Mit seinen Wagner-Glanrollen konnte man ihn, wenn auch eher selten, vor allem in den 1930ern auch an der "Wiener Staatsoper"1) bewundern: (Fremde Links: Wikipedia; Quelle: archiv.wiener-staatsoper.at)
"Bis heute ist unklar, warum Melchior seine Bühnenkarriere im Februar 1950 abrupt beendete. Berichte, seine Stimme habe deutlich an Strahlkraft verloren, gehen offenbar auf eine gezielte Desinformation des damaligen "Met"-Intendanten Rudolf Bing1) zurück. Die vorletzte "Lohengrin"-Aufführung ist auf Tonträger festgehalten – die Stimme des 59-jährigen Tenors klingt dort frisch und strahlend." vermerkt Wikipedia. Die Statistik Melchiors, die kursiert, ist atemberaubend, auch wenn anzunehmen ist, dass nicht alle Zahlen stimmen (weil manche in zwei Versionen existieren). Sei dem wie es sei: Als Melchior sich am 2. Februar 1950 als "Lohengrin" von der Bühne der "Met" und allen anderen Bühnen für immer verabschiedete, da war der Manager Rudolf Bing heilfroh. Für ihn war Melchior schon 1939, als er zum ersten Mal die "Met" besuchte, nur noch ein wandelndes rotes Plüschsofa als "Tannhäuser", und als Bing sein Regiment antrat, fand er Melchior entsetzlich dick und gealtert (wenn man die Photos vom letzten Lohengrin anschaut, wird man Bing nicht ganz unrecht geben können); ihm war auch ein Dorn im Auge, dass Melchior zu den Proben nicht mehr erschien und erklärte, falls ein Dirigent glaube, ihm noch etwas beibringen zu können, solle er sich bei ihm einen Termin geben lassen (so lautet jedenfalls die Version Bings). Nun aber die Statistik: 106 Mal "Lohengrin", 81 Mal "Parsifal", 144 Mal "Tannhäuser", 223 Mal (!) "Tristan" (den andere kaum zehnmal überstehen), 183 Mal "Siegmund", 128 Mal "Siegfried" in "Siegfried", 107 Mal "Siegfried" in der "Götterdämmerung" fast 1.000 Wagner-Vorstellungen zusammen. Darüber hinaus ein schmales Repertoire, dennoch breiter, als mancher wohl vermutet, und breiter als das mancher prominenter Wagner-Sänger von heute: 31 Mal "Otello", 25 Mal "Radames", 21 Mal "Canio" (in "Pagliacci"1)), elf Mal "Jean de Leyde", die Hauptrolle in Meyerbeers "Prophète", neun Mal "Florestan", fünf Mal "Turridu" und drei Mal "Samson".2)
Gastspielreisen führten den Tenor im Verlaufe seiner Karriere an alle bedeutenden Opernhäuser weltweit, in Deutschland wurde er neben den "Bayreuther Festspielen"1) an der "Hamburgischen Staatsoper"1), dem "Nationaltheater"1) in München oder der "Berliner Staatsoper"1) umjubelt, ebenso wie an der "Pariser Oper"1), am "Théâtre Royal de la Monnaie"1) in Brüssel1), an der "Mailänder Scala"1), am Londoner "Royal Opera House"1) und an der "Kungliga Operan"1) in Stockholm1). Außer an der New Yorker "Metropolitan Opera"1) feierte er Triumphe an der "San Francisco Opera"1), in San Francisco, am "Grand Opera House" in Chicago1) oder am "Teatro Colón"1) in Buenos Aires1), wo er zwischen 1931 und 1941 in vier Spielzeiten auftrat. Zahlreiche Schallplatten, die Melchior vornehmlich in den Jahren zwischen 1925 und 1945 einspielte, zeugen noch heute von der enormen Ausdruckskraft des Sängers. Wie schon in den 1940ern unter anderem in populären Rundfunksendungen wie der von Fred Allen1) (1894 1956) und dessen Ehefrau Portland Hoffa (1905 1990) präsentierten "Fred Allen Show" (19421949), setzte er auch nach seinem Abschied von der Opernbühne seine musikalischen Aktivitäten in den USA in beliebten Radio-Formaten oder mit Fernsehauftritten fort, übernahm auch schon mal ein Engagement in einem renommierten Nachtclub. Verschiedentlich beteiligte er sich an musikalischen Hollywood-Produktionen, in denen er seine Sangeskunst präsentieren konnte, gab sein Leinwanddebüt als der beleibte Opern-Star Mr. Nils Knudsen in dem von Richard Thorpe1) mit Esther Williams und Van Johnson1) gedrehten Streifen "Thrill of a Romance"1) (1945, "Flitterwochen zu dritt"). Unter der Regie von Henry Koster1) folgte die Komödie "Two Sisters from Boston"3) (1946, "Erfüllte Träume"), in der er neben den beiden Protagonistinnen Kathryn Grayson1) und June Allison den Tenor Olaf Olstrom mimte → Wikipedia (englisch). Auch in den weiteren Kinofilmen trat der inzwischen ergraute Melchior meist als der nette, humorvolle "Großvater-Typ" in Erscheinung, so als der gefeierte Opernsänger Richard Herald, dessen Sohn Dick Johnson (Johnny Johnston) sich in der Geschichte "This Time for Keeps"1) (1947, "Bezaubernde Lippen") in den Schwimm-Star Nora Cambaretti (Esther Williams) verliebt und nach einigen Turbulenzen dank Vater Richard mit Nora sein Glück findet, erneut in Szene gesetzt von Richard Thorpe1). Regisseur Richard Whorf1) besetzte Melchior in der amüsanten Story "Luxury Liner"1) (1948, "Liebe an Bord") an der Seite von George Brent1) (Kapitän Jeremy Bradford) und Jane Powell1) (dessen Tochter Polly), wo er als Olaf Eriksen einmal mehr einen Opernsänger spielte. Einen letzten Auftritt hatte er in dem von Norman Taurog1) inszenierten Musikfilm "The Stars Are Singing" (1953, "Ein Lied, ein Kuß, ein Mädel"), mimte neben Rosemary Clooney1) und Anna Maria Alberghetti1) den einstigen Opernstar Jan Poldi, der inzwischen ein heruntergekommener Alkoholiker ist. Auch in dieser Produktion kamen etliche Gesangsstücke zum Einsatz, Melchior glänzte unter anderem mit der berühmten Arie des Canio "Vesti la giubba" aus der Oper "Pagliacci"1) ("Der Bajazzo") von Ruggero Leoncavallo1). 1960 gab Melchior anlässlich seines 70. Geburtstages noch einmal ein Konzert und sang in Kopenhagen Partien des Siegmund aus dem 1. Akt der "Walküre"1), Abschied von seinem Publikum nahm er 1966 als Dirigent der Ouvertüre zur Operette "Die Fledermaus"1) während eines Open-Air-Konzerts in San Francisco. Ein Jahr zuvor hatte zu seinem 75. Geburtstag getreu seiner Devise "Heldentenöre werden nicht geboren sie werden gemacht", die "Melchior Heldentenor Foundation" gegründet, die es sich zur Aufgabe machte, die Karriere junger Heldentenöre zu unterstützen. Wie die "New York Times" Mitte März 2010 berichtete, stellte die Stiftung ihre Arbeit ein. Die verbleibenden Mittel gingen an die "Metropolitan Opera"1) zur Förderung von Wagner-Sängern.
Melchior ließ sich mit seiner Familie ganz in den USA nieder und erhielt später auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Der "große Däne", wie Cosima Wagner1) ihn bezeichnet haben soll, starb am 18. März 1973 zwei Tage vor seinem 83. Geburtstag an den Folgen einer Krebserkrankung im kalifornischen Santa Monica1). Die letzte Ruhe fand der 1960 mit dem "Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland"1) ausgezeichnete legendäre Sänger neben seiner zweiten Ehefrau auf dem "Assistensfriedhof"1) ("Assistens Kirkegård") im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro → findagrave.com, knerger.de, Wikimedia Commons (Grabplatte). Bereits am 23. September 1936 verlieh ihm der dänische König Christian X.1) die Verdienstmedaille "Ingenio et arti"1). Zudem war er Träger des "Dannebrogordens"1) (1933: "Ehrenzeichen"1), 1945: "Kommandeur"1)), des"Orden al Mérito de Chile" im Range eines "Ritters" sowie Kommandeur II. Klasse ("Komturkreuz") des "Suomen Valkoisen Ruusun ritarikunta"1) ("Finnische Orden der Weiß:en Rose"). Seit 8. Februar 1960 besaß auch Melchior einen "Stern" (Adr.: 1718 Vine Street) auf dem "Hollywood Walk of Fame"1) in der Kategorie "Musikaufnahmen"1) ("Recording"). Zu Ehren des größten Heldententenors seiner Zeit wurde die seit 2010 meist alle drei Jahre im dänischen Aalborg1) stattfindende "Lauritz Melchior International Singing Competition" (LMISC) benannt, die bis zu deren Abdankung (2024) unter der Schirmherrschaft von Königin Margrethe II.1) stand. Der Gesangswettbewerb hat das Ziel, die besten Nachwuchssänger/-innen der Wagner-Szene weltweit zu entdecken und zu fördern → lmisc.dk. Von der Sopranistin und Gesangspädagogin Shirlee Emmons (19232010; → Wikipedia (englisch)) kam 1999 die Biografie "Tristanissimo The Authorized Biogrphy of Heroic Tenor Lauritz Melchior" auf den Markt; historische Abbildungen und eine von Hans Hamsen zusammengestellte, umfangreiche Diskografie runden die Dokumentation über den Jahrhundert-Tenor ab. Melchiors Sohn Ib Melchior veröffentlichte 2003 das Buch "Lauritz Melchior: The Golden Years of Bayreuth". |
|||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||
|
Siehe auch Wikipedia,
(deutsch), Wikipedia
(englisch) sowie (in rnglisch) cantabile-subito.de Die ehemalige "The Lauritz Melchior Homepage" bei web.archive.org Filmografie bei der Internet Movie Database Fotos bei Wikimedia Commons |
|||||||||||||||
|
Fremde Links: 1) Wikipedia, 3) filmdienst.de Quelle: 2) "Grosse Stimmen" von Jens Malte Fischer (Verlag J. B. Metzeler, Stuttgart 1993, S. 156) |
|||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||
|
Um zur Seite der legendären Bühnen-Stars zurückzukehren, bitte dieses Fenster
schließen. Home: www.steffi-line.de |
|||||||||||||||