Wirken/Repertoire (Auszug) / Filmografie
Der dänische Tenor Helge Roswaenge (auch: Rosvaenge, Rosvænge) wurde am 29. August 1897 als Helge Anton Rosenvinge Hansen in Kopenhagen1) geboren. Zunächst absolvierte der Sohn von Emil Anton Hansen (1871 –1941) und dessen Ehefrau Ane Sofie (1868 –1930) nach dem Abitur an der Technischen Hochschule seiner Geburtsstadt ein Ingenieurstudium, welches er mit der Note "sehr gut" und einem Ingenieur-Diplom der Chemie abschloss. Bereits während dieser Zeit nahm er jedoch schon privaten Gesangsunterricht bei einem ehemaligen Schüler des legendären polnischen Tenors Jean de Reszké (1850 – 1925); seit 1918 nannte er sich Helge Roswaenge/Rosvaenge.
Porträt Helge Roswaenge um 1940; Signierte ELECTROLA-Autogrammkarte (bezeichnet Wien 1941; Druck nach Fotografie); Sammlung der Kostümbildnerin Annelies Rose; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2009-a_0000029); Eigentümer/Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Unbekannter Fotograf; Quelle: www.deutschefotothek.de Sein Bühnendebüt gab der Autodidakt Roswaenge 1921 mit der Partie des Don José in der Oper  "Carmen"1) von Georges Bizet1) am Stadttheater von Neustrelitz1) und verzeichnete erste Erfolge. Ein weiteres Engagement führte den Tenor dann 1922 für zwei Jahre zusammen mit seiner damaligen ersten Ehefrau (Heirat: 24.06.1922), der ungarischen Sopranistin Ilonka Holndonner (1895 – 1985; → OPERSISSIMO), in das thüringische Altenburg1), über Basel1) (1924 – 1926) und Köln1) (1926 – 1929) kam Roswaenge Ende 1920er Jahre auch nach Berlin an die "Staatsoper"1) sowie an die "Wiener Staatsoper"1), wo er bereits am 8. Juli 1927 als Don José in "Carmen" neben Rosette Anday in der Titelpartie debütierte und dann ab Anfang der 1930er Jahre bis 1957 regelmäßig auftrat. Rasch avancierte mit seiner ungemein brillanten Stimme zu einem der bedeutendsten Tenöre seiner Zeit nicht nur im deutschsprachigen Raum – wurde gar als Nachfolger von Richard Tauber (1891 – 1948) gefeiert. Neben Berlin blieb Wien seine künstlerische Heimat.
Bei seinen Gastauftritten an so bedeutenden Bühnen wie am Londoner "Royal Opera House"1) in Covent Garden1), an der "Mailänder Scala"1), am "Det Kongelige Teater"1) in Kopenhagen1), der "Kungliga Operan"1) in Stockholm1) oder "Théâtre Royal de la Monnaie"1) in Brässel1) glänzte Roswaenge vorwiegend mit Titelpartien in Opern von Giuseppe Verdi1), Wolfgang Amadeus Mozart1) oder Giacomo Puccini1), ebenso wie an der "Hamburgischen Staatsoper"1) oder der "Staatsoper Dresden"1). Einen besonderen Erfolg verzeichnete er Anfang der 1930er am "Opernhaus Kairo"1) mit einer seiner Glanzrollen, dem Feldherrn Radamès in Verdis "Aida"1)
   
Porträt Helge Roswaenge um 1940;
Signierte ELECTROLA-Autogrammkarte
(bezeichnet Wien 1941; Druck nach Fotografie)
Sammlung der Kostümbildnerin Annelies Rose
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2009-a_0000029)
Eigentümer/© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Unbekannter Fotograf
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
Als Wagner1)-Interpret war er eher selten zu hören, seine wenigen Auftritte, wie unter anderem 1934 und 1936 bei den "Bayreuther Festspielen"1) als Titelheld in "Parsifal"1), hinterließen jedoch stets nachhaltigen Eindruck.
1932 trat Roswaenge erstmalig bei den "Salzburger Festspielen"1) auf und brillierte dort gleich mehrfach, unter anderem als Tamino in "Die Zauberflöte"1) und als Belmonte in "Die Entführung aus dem Serail"1), wurde von Fachwelt und Publikum gleichermaßen umjubelt. Bis 1939 stand er regelmäßig in Salzburg auf auf der Bühne, unter anderem auch als Ritter Hüon von Bordeaux, Herzog von Guienne, in "Oberon, or The Elf King’s Oath"1) von Carl Maria von Weber1) oder in "Fidelio"1) von Ludwig van Beethoven1) als der Gefangene Florestan, mit dem er  1938 auch am Londoner "Royal Opera House"1) das Publikum in seinen Bann zog. Neben seinem Mozart-Repertoire, beeindruckte Roswaenge mit dramatischen Heldenrollen in Werken von Giuseppe Verdi1), beispielsweise als "Otello"1) und als Herzog von Mantua in "Rigoletto"1), er interpretierte den Alfredo Germont in "La traviata"1) oder den jungen Arrigo in "I vespri siciliani"1) ("Die sizilianische Vesper") ebenso grandios wie den ägyptischen Feldherrn Radamès in "Aida"1), den Titelhelden Manrico in "Il trovatore"1) ("Der Troubadour"), den spanischen Infanten Don Carlos in "Don Carlos" oder den Riccardo, Graf von Warwick, in "Un ballo in maschera"1) ("Ein Maskenball"). Roswaenge gab die Titelpartie in "Faust"1) von Charles Gounod1), den Canio/Bajazzo in "Pagliacci"1) ("Der Bajazzo") von Ruggero Leoncavallo1) oder den Rodolfo in "La Bohème"1) von Giacomo Puccini1), überzeugte aber auch bei seinen Ausflügen in die Moderne: So so existiert beispielsweise eine Schallplatteneinspielung (1955) des Werks "Die Dreigroschenoper"1) von Bertolt Brecht1)
Elisabeth Hauptmann1) sowie Kurt Weill1) (Musik) mit dem "Orchester der Wiener Staatsoper"1) unter der Leitung von Frederick Charles Adler1) und Helge Roswaenge mit dem berühmten Song "Die Moritat von Mackie Messer"1) ("Und der Haifisch, der hat Zähne…"), In den Hauptrollen hört man Kurt Preger1) (Macheath, genannt "Mackie Messer"), Alfred Jerger1) ("Bettlerkönig" Jonathan Peachum), Rosette Anday1) (dessen Frau Celia), Liane Augustin1) (deren Tochter Polly) und Frederick Guthrie1) (Polizeichef "Tiger" Brown; → Wikipedia (englisch)) In der Oper "Palestrina"1) von Hans Pfitzner1) sang er den Abdisu1), Patriarch von Assyrien.
   
Helge Roswaenge als Canio/Bajazzo 1951 in der Oper "Der Bajazzo"
von Ruggero Leoncavallo1), an der Berliner "Deutschen Staatsoper"1)
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 1951
Helge Roswaenge als Bajazzo in der Oper "Der Bajazzo" von Ruggero Leoncavallo,  1951 an der "Deutschen Staatsoper", Berlin; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pkm_0000991_018); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 1951; Quelle: www.deutschefotothek.de Helge Roswaenge als Bajazzo in der Oper "Der Bajazzo" von Ruggero Leoncavallo,  1951 an der "Deutschen Staatsoper", Berlin; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pkm_0001127_001); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 1951; Quelle: www.deutschefotothek.de
Quelle: www.deutschefotothek.de
(file: df_pkm_0000991_018)
Quelle: www.deutschefotothek.de
(file: df_pkm_0001127_001)
Quelle: Deutsche Fotothek; © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
    
Das Repertoire des Dänen war äußerst vielseitig, er sang über 100 Partien nicht nur in Opern, auch Operetten und Oratorien zählten zu seinem Wirken. Bei den "Salzburger Festspielen"1) war er beispielsweise 1932 an den konzertanten Aufführungen der "Hohe Messe h-Moll"1) von Johann Sebastian Bach1) (Dirigent: Clemens Krauss1)) und "Die Schöpfung"1) von Joseph Haydn1) (Dirigent: Joseph Messner1)) beteiligt, im Folgejahr an der "Messa da Requiem"1) von Giuseppe Verdi1) (Dirigent: Bruno Walter1)). 1937 sang er die Tenor-Partie in Verdis "Te deum"1) (Dirigent: Arturo Toscanini1)), ebenfalls 1937 sowie 1938 in der "9. Sinfonie"1) von Ludwig van Beethoven1) (Dirigent: Wilhelm Furtwängler1) / Hans Knappertsbusch1)), 1949 trat er in Salzburg erneut in Verdis "Messa da Requiem"auf, diesmal unter der musikalischen Leitung von Herbert von Karajan1) → Auftritte bei den "Salzburger Festspielen" siehe hier
 In Fach der "leichten Muse" gab er unter anderem den Graf Kayserling in "Adrienne"1) von Walter Wilhelm Goetze1), den Prinz Sou-Chong in "Das Land des Lächelns"1) von Franz Lehár1), den Protagonisten Symon Rymanowicz in "Der Bettelstudent"1) von Carl Millöker1) oder den Majoratsherrn Fürst Roderich in "Der Obersteiger"1) von Carl Zeller1). In zwei Erfolgs-Operetten von Johann Strauss1) konnte er ebenfalls beim Publikum punkten, so als Gesangslehrer Alfred in "Die Fledermaus"1) und als der in seine Heimat zurückgekehrte Sándor Barinkay in "Der Zigeunerbaron"1). Roswaenge, der für seine äußerst flexible Stimme bekannt war, trat auch als Liedsänger in Erscheinung und setzte sich besonders für Werke von Hugo Wolf1) sowie die skandinavischen Komponisten ein.
Seine Vielseitigkeit war ebenso legendär wie seine stimmliche Unverwüstlichkeit – eine Roswaenge-Absage gehörte zu den allerseltensten Ereignissen. Er sang nicht nur die Standard-Puccini1)- und Verdi1)-Rollen, sondern auch Mozarts "Tamino" (in "Die Zauberflöte"1)) (…), auf der heldischen Seite reichte seine Spannweite bis zu "Radamès" (jn "Aida"1)) und "Otello"1) (für den Rundfunk) sowie zu "Lohengrin"1), "Stolzing" (in "Die Meistersinger von Nürnberg"1)) und "Parsifal"1). Vor allem aber war er Spezialist für die Rollen, denen seine Kollegen wegen der stimmlichen Schwierigkeiten aus dem Wege gingen – je häufiger und je höher Spitzentöne gefordert waren, desto wohler fühlte Roswaenge sich, und auch vor Ausgefallenem machte er keine Umwege, sei es Aubers "Fra Diavolo"1) oder Berlioz' "Troyens"1). (…) Es bereitete ihm keine Kopfschmerzen, "Manrico" (in "Il trovatore"1)) und "Radamès" (jn "Aida"1)), "Rodolfo" (in "La Bohème"1)) und "Bacchus" (in "Ariadne auf Naxos"1)) innerhalb einer Woche zu singen.2) Und Wikipedia vermerkt: "Zu seiner aktiven Zeit hielt er mit durchschnittlich über 200 Vorstellungen pro Jahr einen Bühnenrekord für einen Solisten, der wohl auch noch heute gilt.
 

Nach dem 2. Weltkrieg bekam Roswaenge zunächst Schwierigkeiten wegen seiner Nähe zum NS-Regime1), am 1. Mai 1933 trat er, obwohl Ausländer, in Graz der NSDAP1) bei ((Mitgliedsnummer 1.615.000)), "wo er sich bereits 1934 für Propagandaveranstaltungen einspannen ließ. 1935 war er Gast bei Görings1) Hochzeit mit Emmy Sonnemann1). Er trat auch später im Rahmen von NS-Kulturveranstaltungen auf, etwa bei Kameradschaftsabenden für "Alte Kämpfer"1) (…) In der Endphase des Zweiten Weltkrieges wurde er 1944 von Hitler auf die "Gottbegnadeten-Liste"1) der unentbehrlichen Künstler gesetzt, was ihn vor einem Kriegseinsatz bewahrte. (…) Bei Kriegsende befand er sich in Berlin in seiner Villa am Wannsee1), sein Haus wurde von den Russen besetzt. Nachdem diese feststellten, dass sie sich im Hause eines bekannten Künstlers befanden, musste er stundenlang für seine ungebetenen Gäste singen. Es wurde das längste Konzert seines Lebens. Als Däne wurde er unter dem Vorwand, nach Dänemark abgeschoben zu werden, von den Besatzern in das Lager Krasnogorsk1) nahe Moskau deportiert, von dort ging es nach einigen Monaten über Leningrad1) nach Helsinki1) und dann nach Schweden bze. Stockholm1)."3)
"Rosvaenge war in politischer Hinsicht eher von großer Naivität, wie er später auch im Umgang mit der DDR bewiesen hat, wo er nicht nur einmal ins Fettnäpfen getreten ist. Tatsächlich blieb er sein ganzes Leben lang dänischer Staatsbürger, alle gegen ihn in seiner Heimat geschürten Ressentiments sind nach genauem Studium seines Lebens und Wirkens daher nicht nachvollziehbar" notiert(e) Wikipedia und merkt weiter an, dass der Tenor in seinem Heimatland so verpönt war, dass man ihn 1946 aus dem dänisches Personenlexikon "Kraks Blå Bog"1) entfernte.3).
  
Über Schweden kam er in seine Heimat Dänemark, wo man dem "Deutschenfreund" bzw. "Nazi-Kollaborateur" die Einreise verweigerte. 1946 brach er nach Las Palmas de Gran Canaria1) auf, feierte dort sein 25-jähriges Bühnenjubiläum mit der Partie des Bauern Turiddu in der Oper "Cavalleria rusticana"1) von Pietro Mascagni1), Dann reiste er aufs spanische Festland bzw. nach Vigo1), betätigte sich dort eine Zeit lang in seinem ursprünglichen Beruf als Chemiker und entwickelte Schiffsanstrichfarben, die Algenbesatz verhindern sollten, sowie sein auf Kartoffelmehl basierendes "HeRos"-Brot. Ab 1948 konzentrierte er sich wieder auf seine Gesangs-Karriere, ging zunächst in die Schweiz und kehrte am 8. Mai 1948 am "Theater Basel"1) mit dem Radamès in "Aida", sowie wenig später unter anderem mit dem Don José in "Carmen"1) am "Stadttheater Bern"1) auf die Bühne zurück.
Diese Auftritte markierten das triumphale Comeback des Tenors, er wurde nach Österreich eingeladen, wirkte seit 1948 wieder an der "Volksoper Wien"1) und an der "Wiener Staatsoper"1) – Rückkehr am 1. November 1948 mit der Partie des Faust in der Oper "Faust"1) von Charles Gounod1) unter der musikalischen Leitung von Otto Ackermann1) an der Seite von Otto Edelmann1) (Méphistophélès) und Esther Réthy1) (Marguerite (Margarethe))  – sowie seit Anfang der 1950er an der Berliner "Deutschen Staatsoper"1), zu deren Ehrenmitglied er 1957 anlässlich seines 25-jährigen Bühnenjubiläums an diesem Haus ernannt wurde.
Während dieser Jahre gastierte er zudem am "Stadttheater Zürich"1), vereinzelt bei den "Bregenzer Festspielen"1) – zuletzt seit der Premiere am 24. Juli 1968 als Gesandter in Paris Baron Mirko Zeta in "Die lustige Witwe" von Franz Lehár –, im Juli 1953 konnte man seine Kunst bei den "Bad Hersfelder Festspielen"1) in der Oper "Fidelio"1) von Ludwig van Beethoven1) bewundern, an der Seite von Birgit Nilsson1) als Leonore alias "Fidelio" gab er deren Ehemann, den Gefangenen Florestan, es spielten die "Wiener Symphoniker"1) unter der Leitung von Robert Heger1).   
Porträt Helge Roswaenge, vermutlich 1951; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pkm_0001127_008); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 1951 (?); Quelle: www.deutschefotothek.de

Bis 1957 wirkte der Tenor an der "Wiener Staatsoper", verabschiedete sich am 31. März 1957 mit der Partie des Malers Mario Cavaradossi in der Puccini-Oper "Tosca" an der Seite von Christel Goltz1) als Floria Tosca vom Staatsoper-Publikum. Allmählich zog er sich von der Bühne zurück – nicht zuletzt wegen der Entwicklung bzw. Herbert von Karajans1) neuem Maßstab,  italienische Opern in der Originalsprache aufzuführen. Roswaenge war jedoch auf die deutsche Sprache festgelegt und eine erneute Einstudierung der Rollen lehnte er ab. Er gab jedoch weiterhin erfolgreiche Konzerte mit Arien und Liedern, ging auch auf eine Operetten-Tournee. Als Mittsechziger gab er erstmals in New York eine Vorstellung mit einem Arien-Abend in der "Carnegie Hall"1), trat 1963 noch einmal im New Yorker "Madison Square Garden"1) auf, ebenfalls 1963 erlebte man ihn bei den "Freilichtspielen Tecklenburg"1), wo er einmal mehr mit dem Canio in "Der Bajazzo"1) von Ruggero Leoncavallo1) begeisterte. Seine Stimme behielt bis ins hohe Alter seinen warmen und sonoren Klang, noch mit 65 Jahren sang er eindrucksvoll den Titelhelden Manrico in dem Verdi-Werk "Der Troubadour"1). Die Info bei Wikipedia "Wenige Wochen vor seinem Tod trat er in München am "Staatstheater am Gärtnerplatz"1) in einer zeitgenössischen Oper mit einem kleinen Part auf."3) lässt sich derzeit nicht verifizieren → Übersicht Wirken/Repertoire siehe hier.

Porträt Helge Roswaenge, vermutlich 1951
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pkm_0001127_008)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 1951 (?)
Quelle: www.deutschefotothek.de;
Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Roswaenges Stimme gehört zu jenen, die man unter Hunderten sofort wiedererkennt, nicht aufgrund einer außergewöhnlichen Schönheit ebendieser Stimme, sondern aufgrund eher eines Artikulationsmangels, der hellen und spitzen I-Laute, die aufdringlich hervorstechen. Diese oft parodierte und kritisierte Eigenart seiner Stimme war so etwas wie ein Markenzeichen, ein weiteres waren die leicht angesetzten, enorm tragfähigen Spitzentöne, die an italienische Tenöre wie Giovanni Martinelli1) und Giacomo Lauri-Volpi1) denken lassen.2)
Seinen 70. Geburtsta feierte Roswaenge 1967 an der "Volksoper Wien"1) als Prinz Sou Chong in der Operette "Das Land des Lächelns"1) von Franz Lehár1), unter anderem erlebte man die britische Sopranistin Adele Leigh (1928–2004, → Wikipedia (englich)) als Grafen-Tochter Lisa, Erich Kuchar4) als Graf Gustav von Pottenstein. Das 50. Bühnenjubiläum beging Roswaenge 1971 mit der Rolle des italienischen Operntenors in "Yolimba oder die Grenzen der Magie", einer musikalischen Posse in einem Akt und vier Lobgesängen von Wilhelm Killmayer1) mit dem Libretto von Killmayer und Tankred Dorst1) → Infos zur Urauffü;hrung 1964 bei uni-freiburg.de/musicallexikon. Der britische Musikkritiker und Autor Harold Rosenthal (1917 – 1987) urteilte unter anderem: "Seine Stimme zeigte keinerlei Alterserscheinungen. Sie war warm und klangvoll, gleichmäßig über den gesamten Tonumfang, und brillant und strahlend in der Höhe."
  
Am Rande sei erwähnt, dass Roswaenge gelegentlich vor der Kamera stand, so übernahm er in dem von Carl Heinz Wolff1) gedrehten Streifen "Verlieb Dich nicht am Bodensee" (1935) die männliche Hauptrolle des Kammersängers Fritz Niehusen. Unter der Regie von Karl Anton1) entstand mit "Martha. Letzte Rose" (1936) die Verfilmung der romantisch-komischen Oper "Martha oder Der Markt zu Richmond"1) von Friedrich von Flotow1), in der er, wie auf der Bühne, als Pächter Lyonel in Erscheinung trat; zur weiteren Besetzung gehörten unter anderem Carla Spletter1) (Lady Harriet Durham (Martha)), Ehrenfräulein der Königin Anne von England1) (Hanna Ralph), und Fritz Kampers (Pächter Plumkett). In den 1960er Jahren zeigte er sich in drei TV-Produktionen und erreichte damit ein Millionenpublikum: In "Die Banditen" (1962), von Ulrich Erfurth1) in Szene gesetzt nach der Opéra bouffe1) "Les brigands" von Jacques Offenbach1), gab er den Räuberhauptmann Falsacappa, Vater von Fiorella (Gertrud Freedmann1)). In "Die Landstreicher"7) (1968) nach der gleichnamigen Operette1) von Carl Michael Ziehrer1) mimte er den Adolar, Fürst von und zu und auf Lohenfels an der Seite von Peter Minich1) und Elfriede Ott1) als das listige Landstreicher-Pärchen Fliederbusch; unter anderem sah man den unvergessenen Heinz Erhardt als Eberhard Puhvogel, Letztlich ist noch unter der Regie von Fred Kraus1) die Adaption "Ein Walzertraum"8) (1969) nach der gleichnamigen Operette1) von Oscar Strauss1) zu nennen, in der er sich neben den Protagonisten Viktor de Kowa (Joachim VIII., Fürst von Flausenthurn), Margit Schramm1) (dessen Tochter Prinzessin Helene), Wolfgang Siesz (deren frisch angetrauter Ehemann Leutnant Niki von Sommerfeld und Peter Kraus (Nikis Freund Leutnant Montschi) als Hausminister Wendolin präsentierte; die Operette basiert auf der Novelle "Nux der Prinzgemahl" aus dem "Buch der Abenteuer" von Hans Müller-Einigen1) → Übersicht Filmografie.
Darüber hinaus war er des öfteren im Rundfunk zu hören, zudem existieren zahlreiche Audio- und Schallplattenaufnahmen von ihm, von denen einige auf CD veröffentlicht wurden, wie beispielsweise "Helge Rosvaenge singt ausgewählte Lieder 1936–1944".
Bis zu seinem Tod war de Künstler als Gesangspädagoge in München tätig, zu seinen Schülern zählten unter anderem Kenneth Garrison1), Peter Gougaloff1),Günter Missenhardt5) (* 1938) und Camillo Meghor6).
    
Helge Roswaenge starb er am 19. Juni 1972 im Alter von 74 Jahren in München1).  Er hinterließ seine langjährige Lebensgefährtin bzw. zweite Ehefrau Gertrud (geborene Beckel) sowie die beiden gemeinsamen Kinder, Tochter Eva (* ca. 1945) und Sohn Ole Dan (* 1949). Aus seiner ersten Ehe mit der strenggläubigen, ungarischen Sopranistin Ilonka Holndonnerz (1895 – 1985), die erst 1948 in die Scheidung einwilligte, gingen vier Kinder hervor, die Söhne Roar Antal (* 1923) und Sven Istvan (* 1928) sowie die Töhter Ilona (* 1930) und Helga (* 1938). Die letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof der  Gemeinde Glostrup1) im Nordosten der dänischen Insel Sjælland1) → Foto der Grabstelle bei knerger.de
Bereits 1945 veröffentlichte der Tenor seine Autobiografie, die er "Skratta Pajazzo" ("Lache, Bajazzo. Ernstes und Heiteres aus meinem Leben") nannte, 1963 erschienen weitere Erinnerungen unter dem Titel "Mach es besser, mein Sohn, ein Tenor erzählt aus seinem Leben"; 1964 publizierte der Sänger einen "Leitfaden für Gesangsbeflissene".  

Porträt Helge Roswaenge → Info-Karte
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_hauptkatalog_0163374)
Eigentümer/© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek
Quelle: www.deutschefotothek.de
Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Porträt Helge Roswaenge; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_hauptkatalog_0163374); Eigentümer/Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Quelle: www.deutschefotothek.de
Roswaenges inzwischen ebenfalls verstorbene Witwe Gertrud (31.05.1916 – 16.06.2012 → gravsted.dk) kam übrigens in der von SPIEGEL TV1)-Autor Michael Kloft1), in Zusammenarbeit mit der Wiener Historikerin Brigitte Hamann1) gedrehten Dokumentation "Hitler und der Wagner-Clan: Götterdämmerung in Bayreuth" (2002) im Rahmen historischer Filmdokumente zu Wort → spiegel.de, IMDb
Am 13, Januar 1983 wurde im Wiener Gemeindebezirk Donaustadt1) die "Rosvaengegasse"9) nach ihm benannt.
Zu Lebzeiten erhielt er verschiedene Ehrungen, so wurde er mehrfach zum "Kammersänger" ernannt, "Preußischer Kammersänger" (1934), "Königlich Dänischer Kammersänger" (1936) und "Österreichischer Kammersänger" (1957), zudem trug er seit 1967 den Ehrentitel "Professor". Unter anderem war er seit 1933 Träger des "Dannebrogordens"1) im Range eines "Ritters" sowie seit 1940 "Dannebrogsmænd"1) ("Dannebrog-Kreuz in Silber"). Den "Goldenen Ring" der "Wiener Staatsoper" nahm er 1951 entgegen.
Siehe auch Wikipedia (deutsch), Wikipedia (englisch); mit Repertoire),
cyranos.ch, OPERSISSIMO, helgerosvaenge.com
Filmografie bei der Internet Movie Database bzw. hier
Fremde Links: 1) Wikipedia, 4) musiklexikon.ac.at, 5) operissimo.com,
6) bmlo.lmu.de, 7) Die Krimihomepage (Spezial). 8) fernsehserien.de, 9) geschichtewiki.wien.gv.at
Quelle:
2) Jens Malte Fischer: "Grosse Stimmen. Von Enrico Caruso bis Jessye Norman" (Metzler, Stuttgart, 1993; S. 200/201)
3) Wikipedia (abgerufen 30.12.2011 bzw. 20.10.2019)
  
Helge Roswaenge als …
Maria Cebotari als Maddalena (Madeleine) di Coigny und Helge Roswaenge als Andrea (André) Chénier, ein Poet, in der Oper "Andrea Chénier" von Umberto Giordano im April 1942 an der "Berliner Staatsoper"; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Körperschaft: Scherl Bilderdienst; Copyright ÖNB/Wien; Datierung: 22.04.1942; Bildarchiv Austria (Inventarnummer S 226/49) Helge Roswaenge als Guido, Herzog von Urbino,  in "Eine Nacht in Venedig" von Johann Strauss, 1939 an der "Wiener Staatsoper" anlässlich der 6. Reichstheaterfestwoche; Körperschaft: Weltbild; Copyright ÖNB/Wien; Datierung: 07.06.1939; Bildarchiv Austria (Inventarnummer P 1508); Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) Helge Roswaenge als Radames in "Aida" von Giuseppe Verdi, 1932 an der "Wiener Staatsoper"; Urheber/Autor: Trude Dietrich; Copyright Trude Dietrich / ÖNB Wien; Datierung: 1932; Bildarchiv Austria (Inventarnummer Pf 3.373 : C (5); Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB)
… Andrea (André) Chénier, ein Poet,
zusammen mit Maria Cebotari
als Maddalena (Madeleine) di Coigny in der
Oper "Andrea Chénier" von Umberto Giordano
im April 1942 an der "Berliner Staatsoper"
Körperschaft: Scherl Bilderdienst;
© ÖNB/Wien; Datierung: 22.04.1942
Bildarchiv Austria (Inventarnummer S 226/49)
… Herzog Guido von Urbino
in "Eine Nacht in Venedig"
von Johann Strauss (Sohn)
1939 an der "Wiener Staatsoper"
anlässlich der 6. Reichstheaterfestwoche
Körperschaft: Weltbild;
© ÖNB/Wien; Datierung: 07.06.1939
Bildarchiv Austria (Inventarnummer P 1508)
…  ägyptischer Feldherr Radamès
in "Aida" von Giuseppe Verdi
1932 an der "Wiener Staatsoper"
 
  
Urheber/Autor: Trude Dietrich
© Trude Dietrich / ÖNB Wien; Datierung: 1932
Bildarchiv Austria (Inventarnummer Pf 3.373 : C(5))
Fotos mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB)
Fremde Links: Wikipedia
Wirken (Auszug)
(Fremde Links: Wikipedia (deutsch/englisch), whoswho.de, geschichtewiki.wien.gv.at,
biographien.ac.at; R = Inszenierung/Regie)
"Wiener Staatsoper" → archiv.wiener-staatsoper.at "Salzburger Festspielen"

"Bregenzer Festspiele"

Weiterhin zählte zu seinem Repertoire
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Fremde Links: Wikipedia, Murnau Stiftung,
Die Krimihomepage, fernsehserien.de; R = Regie)
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