Wirken /Repertoire (Auszug) / Filme (Auszug)
Die italienische Sopranistin Renata Tebaldi wurde am 1. Februar 1922 als Renata Ersilia Clotilde Tebaldi und Tochter eines Orchestermusikers in der Hafenstadt Pesaro1) in recht ärmliche Verhältnisse hineingeboren. Bevor die Tochter des Cellisten Teobaldo Tebaldi und dessen Ehefrau Giuseppina (1889 – 1957) sowie Urenkein der Sopranistin Edvige Tebaldi (1872 – 1909) zu einer international gefeierten Sängerin avancierte, dzrchlebte sie eine schwierige Kindheit, die Eltern trennten sich bereits vor der Geburt – lange Zeit glaubte die kleine Renata, ihr Vater sei tot. Aufgewachsen bei der Mutter im Haus der Großeltern mütterlicherseits in Langhirano1) nahe Parma1), erkrankte sie mit drei Jahren an Kinderlähmung, deren Folgen sie ihr Leben lang nicht vollätändig überwandt.
Zunächst wollte Renata Tebaldi Pianistin werden und erhielt schon als 13-Jährige Klavierunterricht, doch dann ließ sie ihre "voce d'angelo" (Engelsstimme) – wie berühmte Dirigent  Arturo Toscanini1) (1867 – 1957) einmal gesagt haben soll – von Italo Brancucci (1904 – 1958, → Wikipedia (englisch)) und Ettore Campogalliani1) (1903 – 1992) am "Conservatorio di Musica Arrigo Boito"1) in Parma ausbilden, später in Pesaro von Carmen Melis (1885 – 1967, → Wikipedia (englisch)), einer ehemaligen Sopran-Primadonna der "Mailänder Scala"1), die unter anderem mit dem legendären Enrico Caruso auf der Bühne stand.

Porträt Renata Tebaldi → Info-Karte
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_hauptkatalog_0163358)
Eigentümer / © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek
Quelle: www.deutschefotothek.de;
Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Porträt Renata Tebaldi; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_hauptkatalog_0163358); Eigentümer / Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Quelle: www.deutschefotothek.de
Ihr Debüt gab die Tebaldi noch während des 2. Weltkriegs 1944 mit der Partie der Elena (Helena1)) am "Teatro Municipale" von Rovigo1) in der Oper "Mefistofele"1) von Arrigo Boito1), basierend auf den Goethe1)-Tragödien "Faust I"1) und "Faust II"1); Auftritte in Parma1) und Venedig1) schlossen sich an. Aufgrund der Kriegswirren blieben ihre ersten Auftritte relativ unbeachtet, erst nach 1945 gelang ihr, nicht zuletzt durch die Förderung von Arturo Toscanini1), der Durchbruch als international gefeierte Sängerin. 1946 hatte sie dem Dirigenten vorgesungen und dieser engagierte sie umgehend an die "Mailänder Scala"1), wo die Tebaldi am 11. Mai 1946 mit sensationellem Erfolg in dem von ihm dirigierten Konzert zur Wiedereröffnung der "Scala" unter anderem das Sopran-Solo in der "Messa da Requiem"1) von Giuseppe Verdi1) sang.
Das Publikum des berühmten  "Teatro alla Scala"  feiertte die Sopranistin in den folgenden Jahren in zahlreichen Aufführungen frenetisch, ab den 1950ern trat die Tebaldi an allen führenden Opernhäusern weltweit auf, wurde am Londoner "Royal Opera House"1) in "Covent Garden"1) und an der "Wiener Staatsoper"1) ebenso bewundert wie an der "Deutschen Oper Berlin"1),  an der "Pariser Oper"1), am "Teatro dell’Opera di Roma"1), am "Teatro di San Carlo"1) in Neapel1), in der "Arena di Verona"1) oder am "Gran Teatre del iceu"1) in Barcelona1). An der New Yorker "Metropolitan Opera"1) ("Met") trat sie erstmals am  31. Januar 1955 mit der Partie der Desdemona, Gemahlin des Feldherrn Otello, in der Oper "Otello"1) von Giuseppe Verdi1) auf, Fritz Stiedry1) stand am Dirigentenpult, Mario del Monaco gestaltete den Titelhelden, unter anderem Leonard Warren den Fähnrich Jago; weitere 25 Aufführungen sollten bis Anfang Januar 1973 folgen. In den kommenden Jahren wurde die "Met" zu ihrer künstlerischen Heimat. 17 Spielzeiten lang bzw. in 270 Vorstellungen interpretierte sie ihre herausragenden Partien: Beispielsweise brillierte sie als Verdi-Sängerin mit der Titelrolle in "Aida"1),als  Kurtisane Violetta Valéry in "La traviata"1), als Donna Leonora de Vargas, Geliebte des Don Alvaro, in "La forza del destino"1) ("Die Macht des Schicksals"), als Amelia in "Simon Boccanegra"1) und als Alice Ford in "Falstaff"1). Sie stellte grandios die Puccini1)-Heroinen dar, so die Floria Toscain "Tosca"1), die Midinette1) Mimi in "La Bohème"1), die Cio-Cio-San, genannt "Butterfly", in "Madama Butterfly"1), die Protagonistin in "Manon Lescaut"1) und die Schankwirtin Minnie in "La fanciulla del West"1) ("Das Mädchen aus dem goldenen Westen"). Renata Tebaldi beendruckte in über 20 Vorstellungen als Gräfin Maddalena di Coigny in "Andrea Chénier" von Umberto Giordano1) – erstmals am 23. Februar.1955 neben Mario Del Monaco und letztmalig am 28. Dezember 1970 an der Seite von Plácido Domingo1) in der Titelpartie. Zu ihrem weiteren herausragenden Repertoire an der "Met" zählte die Straßsängerin La Gioconda in "La Gioconda"1) von Amilcare Ponchielli1) und Schauspielerin Adriana Lecouvreur in "Adriana Lecouvreur"1) von Francesco Cilea1). Einen Ausflug in das Fach der "leichten Muse" machte sie am 31. Dezember 1955 in der Operette "Die Fledermaus"1) von Johann Strauss1) und gehörte als eine der Gäste des Prinzen Orlofsky (Jarmila Novotná1)) zur Besetzung; darüber hinaus wirkte sie in etlichen Benefiz-Konzerten/Gala-Vorstellungen mit, zu denen auch das "Konzert Renata Tebaldi" unter der musikalischen Leitung von Lamberto Gardelli1) am 13. August 1966 gehörte → archives.metopera.org.
Renata Tebaldi am 28. September 1962 anlässlich der Preisverleihung des niederländischen Musikpreises "Edison" im Rahmen der "Grand Gala du Disque" im "Kurhaus Scheveningen", wo sie in der Kategorie "Edison Classical Music Award") ausgezeichnet wurde; Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 914-3537); Urheber/Fotograf: Jack de Nijs/Anefo; Quelle (Ausschnitt des Originalfotos): Wikimedia Commons; Lizenz: CC0 1.0 (Verzicht auf  das Copyright) Außer den genannten beherrschte sie zudem unter anderem die Puccini-Partien der Sklavin Liù in "Turandot"1), der Giorgetta in "Il tabarro"1), der Schwester Angelica in "Suor Angelica"1) und  der Lauretta in "Gianni Schicchi"1) aus dem Zyklus "Il  trittico"1),  die Hofdame Leonora in dem Verdi-Werk "Il trovatore"1) ("Der Troubadour") und die Elisabetta di Valois1) in Verdis "Don Carlo"1), die Santuzza in "Cavalleria rusticana"1) von Pietro Mascagni1), die Fürstin Fedora Romazoff in "Fedora"1) von Umberto Giordano1), die Cleopatra in "Giulio Cesare"1) von Georg Friedrich Händel1)1) sowie die Wally in "La Wally"1) von Alfredo Catalani1), basierend auf dem Roman "Die Geier-Wally"1) von Wilhelmine von Hillern1). An ihren seltenen Wagner1)-Interpretationen ist die Eva in "Die Meistersinger von Nürnberg"1), die Elsa von Brabant1) in "Lohengrin"1) und die Elisabeth1) in "Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg"1) zu nennen  → Übersicht Repertoire.

Renata Tebaldi am 28. September 1962 anlässlich der
Preisverleihung des niederländischen Musikpreises "Edison"1)
im Rahmen der "Grand Gala du Disque" im
"Kurhaus Scheveningen"1), wo sie in der Kategorie
"Edison Classical Music Award" ausgezeichnet wurde
Rechteinhaber: Nationaal Archief1) (Den Haag, Rijksfotoarchief;
Bestandsnummer: 914-3537)
Urheber/Fotograf: Jack de Nijs / Anefo;
Quelle (Ausschnitt des Originalfotos): Wikimedia Commons
Lizenz: CC0 1.0 (Verzicht auf  das Copyright)
Mitunter konnte man die wunderbare Gesangskunst der Sopranistin auch im Fernsehen erleben, so in Aufzeichnungen/Austrahlungen von Opern-Inszenierungen. Erwähnenswert ist, dass sie in dem von Clemente Fracassi1) nach dem gleinamigen Verdi-Werk1) in Szene gesetzten Kinofilm "Aida"1)  (1953) ihre Stimme Sophia Lrren in der Titelrolle lieh. Ursprünglich hatte man Renata Tebaldi den Part der Aida angetragen, sie entschied sich jedoch gegen einen Aufritt vor der Kamera. Wikipedia merkt an: "Auch Gina Lollobrigida wurde für die Rolle in Betracht gezogen, bevor Sophia Loren gecastet wurde. Loren behauptete, Lollobrigida habe die Rolle abgelehnt, weil diese nicht von Renata Tebaldi synchronisiert werden wollte." → Übersicht (Auszug) Film.
    
Umjubelte Gastspiele und Tourneen führten die Operndiva rund um den Globus, so wurde sie in Südamerika beispielsweise am "Teatro Colón"1) in Buenos Aires1) ebenso gefeiert, wie in an den großen Opernbühnen Europas, und auch in Japan riss sie das Publikum bei ihren Konzerten 1961 in Tokio1) und Osaka1) zu Begeisterungsstürmen hin.
Ab 1973 zog sich Renata Tebaldi mehr und mehr von der Opernbühnekzurück, verließ das Ensemble der "Meropolitan Opers" am 8. Januar 1973 mit der Rolle, in der sie rund 18 Jahre zuvor erstmals an diesem berühmten Opernhaus aufgetreten war – der Desdemona an der Seite von James McCracken1) als Otello in Verdis "Otello"1). Sie konzentrierte sich noch bis Mitte der 1970er vorwiegend auf ihre Konzertreisen, zog sich dann auch aus dem öffentlichen Leben zurück. .Ein letzte Konzert in den USA gab sie im Januar 1976 in der New Yorker "Carnegie Hall"1), wenig später trat im Mai 1976 letztmalig an der "Mailänder Scala"1) auf, wo ihre glanzvolle Karriere begonnen hatte.
Der Tod ihrer Mutter, mit der sie in einer bedenklich innigen Symbiose gelebt hatte, und eine Phase der Erschöpfung führten in der ersten Hälfte der sechziger Jahre zu einer schweren stimmlichen und persönlichen Krise, die sie nur mit einer einjährigen Singpause bewältigen konnte. Als sie auf die Bühne zurückkehrte, war ihre Stimme merklich nachgedunkelt, und die sich schon früher andeutenden Schwierigkeiten in der Höhe wuchsen sich jetzt zu einem echten Problem aus, kurioserweise ganz ähnlich wie bei Callas, von der sie ansonsten doch Welten trennten. Sie setzte zwar ihre breite Plattenaufnahmetätigkeit fort, aber diese Einspielungen aus den späten sechziger und frühen siebziger Jahren sind mit Vorsicht zu genießen. 1973 verabschiedete sie sich mit der "Desdemona" von ihrem New Yorker Publikum (in New York hatte Callas nie richtig reüssiert, ausgleichende Gerechtigkeit), und damit war ihre Karriere auch weitgehend zu Ende.2)

Die perfekte Musikerin wurde häufig mit ihrer Kontrahentin Maria Callas (1923 – 1977) verglichen, doch stimmlich waren die beiden Sängerinnen sehr verschieden: Während die Callas eine expressive, dramatische Ausdrucksweise bevorzugte, zeichnete sich die Tebaldi durch ein deutlich weicheres Timbre aus. Im Herbst 1968 soll die von der Presse immer wieder ausgeschlachtete Rivalität zwischen den beiden Operndiven ein Ende gefunden haben: Es wird berichtet, Maria Callas sei nach einer Aufführung von "Adriana Lecouvreur" hinter die Bühne gegangen sei und Renata Tebaldi zu der brillanten Vorstellung gratuliert habe; beide posierten für die Fotografen und umarmten sich.
  
Renata Tebaldi, die neben Maria Callas zu den erfolgreichsten Sängerinnen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählt, verbrachte die letzten 25 Jahre ihres Lebens von der Öffentlichkeit zurückgezogen in ihrem Domizil in San Marino1). Dort starb sie am 19. Dezember 2004 nach längerer Krankheit im Alter von 82 Jahren. Sie blieb stets unverheiratet, die letzte Ruhe fand die legendäre Operndiva in einem Familiengrab in Langhirano1) (Privinz Parma1)) auf dem "Cimitero di Langhirano" → findagrave.com.
Am 7. Juni 2014 wurde in Busseto1) (Provinz Parma) das "Museo Renata Tebaldi" eröffnet.
Zu Lebzeiten erhielt Renata Tebaldi verschiedene hohe Auszeichnungen, 1968 ehrte man die Künstlerin mit dem "Ordine al Merito della Repubblica Italiana"1) ("Verdienstorden der Italienischen Republik") im Range eines "Grande Ufficiale" ("Großoffizier"1)) sowie 1992 in der zweithöchsten Ordensstufe "Cavaliere di Gran Croce" ("Großkreuz"1)). Zudem war sie Trägerin des französischen Ordsens "Ordre des Arts et des Lettres"1) (Ordensklasse "Commandeur"1)). Der damalige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani1) proklamierte ihr zu Ehren den 11. Dezember 1995 offiziell zum "Tebaldi Day".
Sie gwann zwei Mal einen "Grammy Award"1), 1959 bei der ersten Vergabe dieses begehrten US-amerikanischen Musikpreises in der Kategorie "Best Classical Vocal Solo"1) ("Beste klassische Solo-Gesangsdarbietung") für das Album "Operatic Recital". 1961 erhielt sie die Trophäe in der Kategorie "Best Opera Recording"1) ("Beste klassische Opernproduktion") für die Partie der Sklavin Liù in "Puccini: Turandot"1), gemeinsam mit Birgit Nilsson1) (Prinzessin Turandot), Jussi Björling (Prinz Calàf), Giorgio Tozzi1) (dessen Vater Timur) und dem Ochester des "Teatro dell'Opera di Roma"1) unter der Leitung von Erich Leinsdorf1). Am 28. September 1962 konnte sie anlässlich der Preisverleihung im Rahmen der niederländischen "Grand Gala du Disque" im "Kurhaus Scheveningen"1) den renommierten Musikpreis "Edison"1) (Kategorie: "Edison Classical Music Award") entgegennehmen. Seit 8. Februar 1960 ist auch sie mit einem "Stern" (Adr.: 6628 Hollywood Blvd.) auf dem "Hollywood Walk of Fame"1) in der Kategorie "Musikaufnahmen"1) ("Recording") vertreten.   

"Stern" für Renata Tebaldi auf dem "Hollywood  Walk of Fame"
Urheber des Fotos; Wikimedia User Sailko;
Lizenz: CC BY-SA 3.0;Quelle: Wikimedia Commons

"Stern" für Renata Tebaldi auf dem "Hollywood  Walk of Fame"; Urheber des Fotos; Wikimedia User Sailko; Lizenz: CC BY-SA 3.0; Quelle: Wikimedia Commons
Siehe auch Wikipedia (deutsch, Wikipedia (englisch, mit Diskografie)
fembio.org sowie den Artikel bei www.zeit.de
Fotos bei Wikimedia Commons
Fremde Links: 1) Wikipedia
2) Quelle: "Grosse Stimmen" von Jens Malte Fischer (Verlag J. B. Metzeler, Stuttgart 1993, S. 362)
  
Wirken (Auszug)
(Fremde Links: Wikipedia, cyranos.ch, bayreuther-festspiele.de; R = Inszenierung/Regie)
"Metropolitan Opera", New York
Die "Met" weist 270 Vorstellungen mit Renata Tebaldi aus → archives.metopera.org.
"Wiener Staatsoper" → archiv.wiener-staatsoper.at Weiteres Repertoire (Auszug)
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Fremde Links: Wikipedia, fernsehserien.de, bayreuther-festspiele.de; 
R = Regie )
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
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