Filmografie / Hörspiel
Lil Dagover wurde am 30. September 1887 als Martha Seubert, Tochter eines aus Süddeutschland stammenden Forstbeamten in holländischen Diensten in Madiun1) auf der Insel Java1) (Indonesien, damals Niederländisch-Indien1)) geboren. Um sich zu "verjüngen", behauptet sie später, sie sei am 30. September 1897 geboren. Erst mit 10 Jahren kam sie nach Deutschland zurück, wurde nach dem frühen Tod der Mutter zusammen mit ihrer Schwester von den Großeltern aufgezogen, besuchte Pensionate in Baden-Baden, Schwetzingen, Karlsruhe, Genf und Weimar sowie eine höhere Mädchenschule in Tübingen. 1913 heiratet sie den österreichischen Schauspieler Fritz Daghofer1) (1872 – 1936), aus der Verbindung ging die ein Jahr später geborene Tochter Eva hervor.
Durch ihren Ehemann, von dem sie sich 1920 nach sieben Jahren wieder scheiden ließ, bekam sie Kontakte zum damals noch jungen Medium Film, wandelte ihren Mädchenamen in den Künstlernamen "Dagover" ab.
 
 

Lil Dagover um 1912/13, fotografiert
von Louis Held (1851 – 1927)
Lizenzhinweis siehe hier

Lil Dagover um 1912/13, fotografiert von Louis Held (1851 – 1927)
Lil Dagover 1919; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Ross-Karte Nr. Nr. 265/5 (Ausschnitt); Lizenz: Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. Bereits 1913 hatte sie ein Fotograf in Weimar überredet, indische Tänze vor der Kamera vorzuführen, in einer Inszenierung des Fotografen bzw. Fotopioniers Louis Held1) (1851 –  1927) entstand der Streifen "Schlangentanz" (1913). Mit diesen bis heute erhaltenen Aufnahmen stellte sie der befreundete Regisseur Robert Wiene1) (1873 – 1938) in Berlin bei Filmproduzenten und Regisseuren vor. Es folgten kurze Stummfilme wie "Die Retterin" (1916) und "Das Rätsel der Stahlkammer" (1916). 1919 besetzte sie Fritz Lang1) (1890 – 1976) dann in seinen Leinwanddramen "Harakiri"1) und "Die Spinnen"1) (zwei Teile: 1. Der goldene See / 2. Das Brillantenschiff), doch so richtig bekannt wurde Lil Dagover 1920 mit der weiblichen Hauptrolle der schönen Jane in Robert Wienes1) expressionistischem Stummfilm "Das Cabinet des Doktor Caligari"1) an der Seite von Werner Krauß (Dr. Caligari) und Conrad Veidt (Cesare). Ohne jemals Unterricht genommen zu haben, avancierte die stets geheimnisvoll wirkende, grazile junge Frau zu einer anerkannten Schauspielerin. Lil Dagover wurde zur Protagonistin renommierter Regisseure jener Jahre, drehte mit Fritz Lang oder Friedrich Wilhelm Murnau1) (1888 – 1931) und anderen künstlerisch anspruchsvolle Stummfilmen, die ihr Image mehr und mehr als "vornehme Dame" prägten.3)

Lil Dagover 1919
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons;
Ross-Karte Nr. Nr. 265/5 (Ausschnitt)
Lizenzhinweis siehe hier

Lil Dagover feierte bis Mitte der 1920er Jahre Erfolge in zahlreichen weiteren stummen Produktionen unterschiedlichen Genres, etwa in "Phantom"1) (1923) und in der Moliére-Adaption "Tartüff"1) (1925) von Friedrich Wilhelm Murnau sowie als Braut in Fritz Langs altdeutschen Legende "Der müde Tod"1) (1921). Aber auch andere, heute eher vergessene Regisseure besetzten die außergewöhnliche Schauspielerin: Mit Artur Holz (1876 – ?) drehte sie an der Seite von Conrad Veidt das Abenteuer "Das Geheimnis von Bombay"1) (1921), mit Ludwig Berger1) (1892 – 1969) "Der Richter von Zalamea"1) (1920) nach dem gleichnamigen Drama1) von Pedro Calderón de la Barca1), mit Karl Gerhardt1) (1869 – 1931) den Vierteiler "Die Jagd nach dem Tode"1) (1920/21), mit Johannes Guter1) (1882 – 1962) den Krimi "Der Mord in der Greenstreet"2) (1921) und die Romanadaption "Die Prinzessin Suwarin"1) (1922/23), sowie mit Adolf  Licho1) (1876 – 1944) "Tiefland"2) (1922) nach dem Bühnenstück "Terra baixa" von Àngel Guimerà1) bzw. dem Libretto von Rudolph Lothar1) zu dem gleichnamigen Musikdrama1) von Eugen d'Albert1). Der Däne Benjamin Christensen1) (1879 – 1959) realisierte mit ihr und Willy Fritsch die Komödie "Seine Frau, die Unbekannte"1) (1923), Rochus Gliese1) (1891 – 1978) die heitere Geschichte "Komödie des Herzens"1) (1924), Arthur von Gerlach1) (1876 – 1925) den Heimatfilm "Zur Chronik von Grieshuus"1) (1925) oder Lothar Mendes1) (1894 – 1974) das Lustspiel "Liebe macht blind"4) (1925).
 

Lil Dagover vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: filmstarpostcards.blogspot.de
Ross-Karte Nr. 5249/2; Lizenzhinweis siehe hier

Lil Dagover vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: filmstarpostcards.blogspot.de; Ross-Karte Nr. 5249/2
Lil Dagover 1927; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. Nr. 1084/3 (Ausschnitt); Lizenz: Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. 1926 hatte Lil Dagover in zweiter Ehe den um zwölf Jahre jüngeren Produktionsleiter Georg Witt1) (1899 – 1973) geheiratet, der etliche Filme mit ihr in den kommenden Jahren produzierte. Durch ihre Filmefolge war der berühmte Max Reinhardt1) (1873 – 1943) auf die außergewöhnliche Schauspielerin aufmerksam geworden und engagierte sie für die Rolle der "Schönheit" in dem Stück "Das Salzburger große Welttheater"1) von Hugo von Hofmannsthal1) an das "Deutsche Theater"1) in Berlin. Darüber hinaus verpflichtete er sie für die "Salzburger Festspiele"1) (1925) sowie an das Wiener "Theater in der Josefstadt"1).
Ihre letzten stummen Rollen waren die der Kaiserin Maria Theresia1) in dem Historienstreifen "Der Günstling von Schönbrunn"1) (1929) und die der russischen Zarin Katharina I.1) in "Spielereien einer Kaiserin" (1930). Das Biopic "Der weiße Teufel"1) (1930) mit Iwan Mosjukin als Hadschi Murat1), genannt "der weiße Teufel", und Dagover als Nelidowa, heimliche Geliebte von Zar Nikolai I.1) (Fritz Alberti) wurde später teilweise mit Ton-/Spracheffekten ausgestattet → Übersicht (Auszug) Stummfilme.
    
Den Wechsel zum Tonfilm schaffte Lil Dagover im Gegensatz zu vielen anderen Stummfilmstars problemlos, bis zum Ende des 2. Weltkrieges gehörte sie in Deutschland zu den absoluten Publikumslieblingen der Leinwand. Ihre erste Tonfilmrolle spielt Dagover unter der Regie von Erich Waschneck1) (1887 – 1970) in der Kriminalkomödie "Va Banque" als Partnerin von Gustaf Gründgens. Ihr kurzer Ausflug nach Hollywood – dort drehte sie unter der Regie von Michael Curtiz1) das Drama "The Woman from Monte Carlo"1) (1931) – blieb nur ein Intermezzo, sie konnte in Amerika nicht Fuß fassen und kehrte enttäuscht nach Deutschland zurück. Dafür war sie in den nachfolgenden Jahren hier um so gefragter, in zahllosen deutschsprachigen Kinoproduktionen, verkörperte sie vor allem die Rolle der "Galanten Dame", sei es als Kaiserin, Adlige, Künstler- oder Unternehmergattin.
   
Lil Dagover 1927
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. Nr. 1084/3 (Ausschnitt); Lizenzhinweis siehe hier
In dem berühmten, von Eric Charell1) inszenierten und aufwendig gedrehten Willy Fritsch/Lilian Harvey-Streifen "Der Kongreß tanzt"1) (1931) mimte sie die Herzogin, glänzte beispielsweise 1932 als Tänzerin Barbara Campanini1) an der Seite von Otto Gebühr (Preußenkönig Friedrich II.1)) in Friedrich Zelniks Film "Die Tänzerin von Sanssouci"1) oder feierte als Partnerin von Karl Ludwig Diehl in dem historischen Drama "Der höhere Befehl"1) von Gerhard Lamprecht1) als junge, französische Schauspielerin Madame Martin Erfolge. In Heinz Hilperts1) Oscar Wilde-Adaption "Lady Windermeres Fächer"1) (1935) verkörperte sie eindrucksvoll als Mrs. Erlynne die Mutter von Lady Windermere (Hanna Waag), in dem Historienfilm "Der alte Fritz"1) (1936) mit Protagonist Otto Gebühr schlüpfte sie in das Kostüm der Marquise de Pompadour1), eine Figur, die sie auch in dem ersten deutschen Farb(kurz)spielfilm "Das Schönheitsfleckchen"1) (1936) von Rolf Hansen1) verkörperte, gedreht nach der Erzählung "La Mouche" von Alfred de Musset1). In Wolfgang Liebeneiners1) hochkarätig besetztem Biopic "Bismarck"1) (1940) mit Paul Hartmann in der Titelrolle des preußischen Ministerpräsidenten Fürst Otto von Bismarck1) sah man Lil Dagover als Kaiserin Eugénie1), in de, Melodram "Dreiklang"4) (1938) spielte sie die Hauptrolle der Pianistin Cornelia Contarini, im gleichen Jahr tauchte sie als Gräfin Franziska von Hohenheim1) in dem von Herbert Maisch1) gedrehten Historienfilm "Friedrich Schiller – Der Triumph eines Genies"1) (1940) auf, der, basierend auf dem Roman "Leidenschaft" von Norbert Jacques1), die künstlerischen Anfänge des von Horst Caspar dargestellten Dichters Friedrich Schiller1) thematisierte.

Lil Dagover als Mrs. Erlynne in "Lady Windermeres Fächer" (1935),
nach der gleichnamigen Komödie1) von Oscar Wilde1)
Foto mit freundlicher Genehmigung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Lil Dagover als Mrs. Erlynne in Lady Windermeres Fächer, einer Literaturverfilmung aus dem Jahre 1935; Foto mit freundlicher Genehmigung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Zu Lil Dagovers Filmen bis 1945 zählen unter anderem Johannes Riemanns Melodram "Ich heirate meine Frau"1) (1934), Veit Harlans Literaturverfilmung "Die Kreutzersonate"4) (1937) nach der gleichnamigen Novelle1) von Leo Tolstoi1)Reinhold Schünzels Drama "Das Mädchen Irene"1)  (1936, nach dem Bühnenstück "Sixteen" von Aimee Stuart (1886 – 1981) und deren Ehemann Philip Stuart) oder Detlef Siercks1) musikalisches Drams"Schlußakkord"1) (1936), wo sie als Film-Ehefrau von Willy Birgel die Herzen des Publikums eroberte; mit Birgel spielte sie auch in der Romanze "Musik in Salzburg"1) (1944). Eine ihrer letzten Arbeiten vor der Kamera während des Krieges war die Komödie "Kleine Residenz"1) (1942) sowie der Propaganda-Streifen "Wien 1910"1) (1943) über die letzten drei Tage im Leben des von Rudolf Forster gespielten Wiener Bürgermeisters und Antisemiten Karl Lueger1), hier trat sie als Luegers Jugendliebe Maria Anschütz in Erscheinung.
1937 war Lil Dagover der Titel "Staatsschauspielerin" verliehen worden, um sich dem Einfluss der NS-Politik bzw. der Mitwirkung in Propagandafilmen zu entziehen, konzentrierte sie sich ab 1937 vermehrt auf ihre Arbeit am Theater. Sie spielte unter anderem in dem Schiller-Drama "Kabale und Liebe"1) und in "König Ödipus"1) von Sophokles1). Während des 2. Weltkriegs war sie auch als Truppenbetreuerin für die Wehrmacht unterwegs, gastierte mit einem eigenen Tourneetheater 1943 an der Ostfront und 1944 auf den von den Deutschen okkupierten Kanalinseln Jersey und Guernsey; für ihren Einsatz nahm sie das "Kriegsverdienstkreuz II. Klasse"1) entgegen.
Szenenfoto von Lil Dagover aus der Komödie "Der Kirschgarten" von Anton Tschechow; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000552_001); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: ungenannt; Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017 Nach Kriegsende stand die Künstlerin zunächst wieder auf der Bühne, spielte an der Berliner "Komödie am Kurfürstendamm"1) und feierte 1947 ein glänzendes Comeback in der Tragikomödie "Der Kirschgarten"1) von Anton Tschechow1), unter anderem mit Gerhard Bienert als Diener Firs. Daneben war sie sporadisch bis in die späten 1960er Jahre auch immer mal wieder für den Hörfunk tätig, die bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier.
Doch schon bald gehörte Lil Dagover wieder zu den vielbeschäftigten Darstellerinnen im deutschen Nachkriegsfilm und konnte an ihre früheren Leinwanderfolge anknüpfen. Zusammen mit Hans Stüwe zeigte sie sich erstmals in dem Zeitdrama "Die Söhne des Herrn Gaspary"1) (1948), mit dem das Auseinanderbrechen einer deutschen Familie während des Nationalsozialismus thematisiert wurde, auch die historische Tragödie "Es kommt ein Tag"1) (1950) nach der Novelle "Korporal Mombour" von Ernst Penzoldt1) mit Dieter Borsche und Maria Schell wies Parallelen zur Nazi-Zeit und den Kriegsfolgen auf.

Szenenfoto von Lil Dagover aus der Tragikomödie "Der Kirschgarten" von
Anton Tschechow, aufgeführt an der
Berliner "Komödie am Kurfürstendamm"
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000552_001)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: ungenannt;
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Ab 1950 lagen die meisten ihrer folgenden Filme im Trend der Kinozeit: Heiter-beschwingte, unkomplizierte und völlig unpolitische Heimatfilme, mit denen sie in das Rollenfach der älteren Dame hineinwuchs. In nachhaltiger Erinnerung ist Lil Dagover sicherlich als spinnerte Hofdame Gräfin Löwenjoul in der Romanze "Königliche Hoheit"1) (1953) nach dem gleichnamigen Roman1) von Thomas Mann1) an der Seite des Leinwand-"Traumpaares" Dieter Borsche und Ruth Leuwerik geblieben – für ihre grandiose Darstellung erhielt sie den "Bundesfilmpreis" ("Filmband in Silber"1)) in der Kategorie "Beste weibliche Nebenrolle". Es folgten Produktionen wie die Ganghofer-Verfilmung "Schloß Hubertus"1) (1954) mit der Figur der Baronin Gundi Kleesberg, in dem Heimatstreifen "Der Fischer vom Heiligensee"1) (1955) mimte sie die Baronin Hermine von Velden und in "Rosen im Herbst"1)  (1955), der Verfilmung des Romans "Effi Briest"1) von Theodor Fontane1), spielte sie die Mutter von Effi Briest (Ruth Leuwerik). In dem Familienepos "Die Barrings"1) (1955) nach dem Roman von William von Simpson1) gab sie die Thilde von Barring und in "Kronprinz Rudolfs letzte Liebe"1) (1956) mit Rudolf Prack als Kronprinz Rudolf1) und Christiane Hörbiger als dessen Geliebte Baronesse Mary Vetsera1), die auf Schloss Mayerling1) den Freitod wählten, Rudolfs Mutter Kaiserin Elisabeth1). Als Alfred Weidenmann1) den berühmten, Literaturnobelpreis1)-gekrönten Thomas Mann-Roman "Buddenbrooks"1) unter dem "gleichnamigen Titel"1) (1959) als Zweiteiler auf die Leinwand brachte, konnte Lil Dagover als Elisabeth Buddenbrook, Ehefrau von Konsuls Jean Buddenbrook (Werner Hinz), glänzen. Unvergessen ist sie wohl als "Die seltsame Gräfin"1) Eleanora Moron in dem Edgar-Wallace-Krimi1) aus dem Jahre 1961 geblieben.
 
Danach machte sich Lil Dagover auf der Leinwand rar, widmete sich ausschließlich ihrer Arbeit am Theater. Bereits ab Anfang der 1950er Jahre stand sie regelmäßig auf der Bühne, überzeugte mit ihrem eindringlichen Spiel Publikum und Kritiker. So bereicherte sie beispielsweise unter der Regie des Initiators und ersten Nachkriegs-Intendanten Johannes Klein (1897 – 1976; → Wikipedia) zwischen 1951 und 1959 die Aufführungen der "Bad Hersfelder Festspiele"1), wirkte unter anderem in Hugo von Hofmannsthals "Das Salzburger große Welttheater" mit. Sie spielte bedeutende Rollen, überzeugte auch auf der Bühne als "seltsame alte Dame", so etwa in "Der Besuch der alten Dame"1) von Friedrich Dürrenmatt1) oder in der Komödie "Eine etwas sonderbare Dame" (1960, "The Curious Savage") von John Patrick1). 1961 gestaltete sie im "Stadttheater Hildesheim" erstmals die Titelrolle in "Die Irre von Chaillot"1) von Jean Giraudoux1), eine Figur, die sie bis zum Ende ihrer Bühnenlaufbahn an verschiedenen Theatern immer wieder interpretierte und die zur Krönung ihrer schauspielerischen Karriere wurde. Ferner spielte sie beispielsweise die standesbewusste Alte Agathe Falsen in der Komödie "Ein Schloss in Schweden" von Françoise Sagan1) und die Herzogin in "Léocadia"1) von Jean Anouilh1)
Ab den 1970er Jahren wandte sich Lil Dagover wieder vermehrt dem Kinofilm zu, feierte große Erfolge in Filmen von Maximilian Schell und Hans-Jürgen Syberberg1). So stellte sie in Syberbergs prominent besetztem Biopic "Karl May"1) (1974) mit Helmut Käutner1) in der Titelrolle des Schriftstellers Karl May1) die Pazifistin Bertha von Suttner1) dar, gab für Schell die Frau Geheimrat Eschenlohr in "Der Fußgänger" (1973) und die an den Rollstuhl gefesselte Mutter des Mörders Richard Gastmann (Robert Shaw1)) in "Der Richter und sein Henker"1) (1975) nach dem gleichnamigen Roman1) von Friedrich Dürrenmatt. Ihren letzten Auftritt vor der Kamera hatte Lil Dagover als Hekene in Schells Verfilmung "Geschichten aus dem Wienerwald"1) (1979) nach dem gleichnamigen Theaterstück1) von Ödön von  Horváth1) → Übersicht Tonfilme.
 
Auch im Fernsehen konnte man die legendäre Mimin bewundern, so beispielsweise als ältere mittellose und einsame Frau Mrs. Gillis in "Der Mann von draußen"5) (1961), als Herzogin in der Anouilh-Adaption "Reisender ohne Gepäck"5) (1963) oder als reizende Lady Cherfield/Mrs. Flowers in dem Stück "Lösegeld für Mylady"5) (1967). So schrieb die "Hörzu"1) (53/1967, Seite 12): "Gute Unterhaltung auf dem Bildschirm ist ein rarer Artikel. Dieses musikalische Kriminal-Lustspiel brachte sie ins Haus. Nicht zuletzt dank einer herrlichen Doppelrolle, der "großen alten Dame des deutschen Films", Lil Dagover, auf den Leib geschneidert. Sie durfte alle Register ziehen und war dennoch immer "Mylady" (…). Neben ihr köstlich aufeinander abgestimmte Spitzbuben-Typen, von Peter Kraus bis Hermann Lenschau1). Das Ganze amüsant und zitatenreich aufgemöbelt, mit witzigen bühnenbildnerischen Einfällen dekoriert und von Georg Wildhagen1) temperamentvoll in Szene gesetzt. Ein Krimical, wie es sein soll." (Quelle: Die Krimihomepage)
Lil Dagover mit Paul Hoffmann in dem Fernsehspiel "Memento Mori" (1975); Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR Sie war die Prinzessin Maria Eleonore in "Unwiederbringlich5) (1968) nach dem gleichnamigen Roman1) von Theodor Fontane1), als Lady Hamilton tauchte sie im zweiten Teil des Krimis "Bitte recht freundlich, es wird geschossen"5) (1969) auf und als ehemaliger Leinwandstar Elaine Winters in "Das Interview"5) (1969). Ein weiterer Krimi war die ZDF-Produktion "Hotel Royal"1) (1969), wo sie die Maharani von Dungapur mimte, sowie "Kolibri"5) (1971) mit der Rolle der reichen Anna Maria Hanssen-Hochheim. Gemeinsam mit Paul Hoffmann spielte sie unter der Regie von Ludwig Cremer1) in "Memento Mori"5) (1975) nach dem Roman von Muriel Spark1) und zeigte sich als die einst berühmte Schriftstellerin Charmian Colston, die einen illustren Kreis älterer Menschen um sich geschart. So urteilt Die Krimihomepage: "Ein makabrer und zugleich amüsanter Film über das Altwerden und den Tod. Die Gebrechlichkeit und die Ängste, mit denen alte Menschen dahinleben, werden nicht verharmlost. Es wird aber auch gezeigt, wie mit Weisheit und Humor die Schwächen und Belastungen des Alters zu bewältigen sind." Letzte Auftritte vor der TV-Kamera hatte sie in als Mutter des Fabrikanten Martin Koenen (Heinz Bennent) in der der Tatort"-Folge "Wodka Bitter-Lemon"1) (1975) sowie als "Höllenchefin" Satania in "Die Teufelsbraut" (1977) nach der gleichnamigen Komödie6) des Tiroler Heimatdichters Franz Kranewitter1) → Übersicht TV-Produktionen.
 
Lil Dagover mit Paul Hoffmann (Godfrey) in dem Fernsehspiel "Memento Mori" (1975)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR; → Artikel bei www.zeit.de
Lil Dagover starb am 23. Januar 1980 im Alter von 92 Jahren in ihrem Haus in Grünwald1) unweit der "Bavaria Filmstudios"1) im Grünwalder Ortsteil Geiselgasteig1) an der Stadtgrenze zu München. Die letzte Ruhe fand sie an der Seite ihres zweiten Ehemannes Georg Witt1) auf dem "Waldfriedhof Grünwald"1) → Foto der Grabstelle bei knerger.de sowie Wikimedia Commons.
Noch kurz vor ihrem Tod hatte sie 1979 ihre Autobiografie "Ich war die Dame" veröffentlicht.
Neben den erwähnten Auszeichnungen erhielt sie 1962 das "Filmband in Gold"1) für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film", 1964 folgte ein "Bambi"1) für Verdienste um den deutschen Film". 1967 konnte sie das "Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland"1) entgegen nehmen. 1995 wurde in Berlin-Hellersdorf1) die "Lil-Dagover-Gasse" nach ihr benannt, der "Lil-Dagover-Ring" in Grünwald trägt ebenfalls ihren Namen.
Lil Dagover zählte zu den brillanten Schauspielerinnen des 20. Jahrhunderts – sowohl auf der Bühne als auch im Film. Im Stummfilm war sie entrückte Schönheit, Urbild der geheimnisvollen Frau, das "Medium" oder die Irre, die indische Göttin, die Spanierin, Kokotte, Prinzessin. Später wandelte sich ihr Image zum Bild der Dame der besseren Gesellschaft, die sich mit leichtem Augenaufschlag und huldvollen Lächeln mitteilt. (…) Kein Star drückte die bürgerliche Sehnsucht nach dem "Guten, Wahren, Schönen" so vollendet aus wie sie.7)
Bereits am 09.11.1938 schrieb die Berliner "Filmwelt" unter anderem: "Das Gesicht von Lil Dagover ist in seiner eindrucksvollen Ausgeglichenheit und vornehmen Stille, in seinem unvergänglichen Scharm und seiner Beredtheit das gleiche geblieben. Was rein innerlich Anlass noch gesteigerter Bewunderung sein sollte, ist das ruhige Glänzen und die suggestive Ausstrahlung ihrer Persönlichkeit. Es scheint fast, als sei es bei Lil Dagover zu einer Reife gekommen, die nichts mit einer stilleren Vollendung ihrer künstlerischen Persönlichkeit zu tun hat, weil diese Persönlichkeit von allem Anfang an ausgeglichen war und feststand. Der heitere Ernst und die schmerzliche Verträumtheit, die überströmende Güte und die zarte Verhaltenheit, das tiefinnerliche Spiel und die ruhige und doch so eindrucksvolle Kraft ihres Ausdrucks sind die gleichen geblieben. Sie haben eine technische Vollendung erfahren, insofern, als das schauspielerische Können sich weitete. Sie sind aber im Erlebnis und von der Kraft der Begabung her von Anfang an gleich geblieben. Dies deutet auf die innere Ausgeglichenheit eines Wesens, das seine schönen menschlichen Werte sich bewahren konnte. Das ist auch das Geheimnis der Jugend, die sich in den Zügen dieses Gesichts und im tieferen Ausdruck ihres Spiels immer die gleiche geblieben ist." 
(Quelle: ns-archiv.national-socialism.org; Seite nicht mehr abrufbar)
 

Foto: Urheber Yva1) (Else Ernestine Neuländer-Simon) (1900 – 1942)
Quelle: www.virtual-history.com; Angaben zur Lizenz siehe hier

Lil Dagover: Urheber Yva (Else Ernestine Neuländer-Simon) (1900 – 1942); Quelle: www.virtual-history.com
Das Kurzportrait enthält einige Textbausteine des LeMO-Projekts (Deutsches Historisches Museum).
Siehe auch Wikipedia, cyranos.ch, filmportal.de, Murnau Stiftung sowie das Interview (1968) bei der "Deutsche Welle"
Fotos bei film.virtual-history.com
Lizenzhinweis: Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, 4) filmportal.de, 5) Die Krimihomepage, 6) theatertexte.de
Quelle:
3) Wikipedia
7) Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzlmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 67
Filme
Stummfilme / Tonfilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
sowie einige frühe Stummfilme bei German Early Cinema Database
(Fremde Links: filmportal.de, Wikipedia, Murnau Stiftung, Die Krimihomepage)

Foto:
Lil Dagover ca. 1925 auf einer Fotografie
von Nicola Perscheid1) (1864 – 1930) 
Quelle: Wikimedia Commons; Lizenzhinweis siehe hier

Lil Dagover ca. 1925 auf einer Fotografie von Nicola Perscheid (1864 - 1930)
Stummfilme (Auszug) Tonfilme Fernsehen
Hörspielproduktionen
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia (deusch/englisch), tls.theaterwissenschaft.ch)
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