Filmografie / Hörspiel
Hans Söhnker erblickte am 11. Oktober 1903 in Kiel1) als Hans Albert Edmund Söhnker das Licht der Welt. Der Sohn des gelernten Werft-Tischlers und späteren Buchhändlers Adolph Edmund Söhnker (1865 – 1939) und dessen Ehefrau Maria Magdalene (1868/69 – 1967) wuchs gemeinsam mit vier älteren Schwestern und einem jüngeren Bruder auf. Bereits als Kind träumte er wie viele Jungen von diversen Berufen, war sich nicht schlüssig ob er Trapper oder Marine-Leutnant werden sollte. Sein Vater hatte für seinen Sohn jedoch eine solide Berufsausbildung geplant, schickte ihn nach der Mittelschule zunächst auf eine Höhere Handelsschule; eine kaufmännische Lehre in einem Einrichtungshaus schloss sich an. Schon während dieser Zeit entdeckte Söhnker seine Vorliebe für das Theater.
Hans Söhnker (rechts) mit Hans Leibelt im Februar 1946 im Berliner "Schlosspark Theater" in dem Stück "Zum goldenen Anker" von Marcel Pagnol;  Copyright: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Urheber: Abraham Pisarek; Datierung: 1946.02 / Lizenz CC-BY-SA 3.0. Abends schlich er sich heimlich ins Kieler Schauspielhaus und übernahm dort einige Statistenrollen. Als ihm sein Vater auf die Schliche kam, war dieser wenig erbaut von den Ambitionen seines Zöglings, der einen "anständigen Beruf" erlernen sollte. Zunächst fügte sich Hans Söhnker widerwillig, konnte sich aber doch nicht dem Theater fern halten. Schließlich gab sein Vater nach und finanzierte ihm den Schauspielunterricht beim damaligen Kieler Oberregisseur Clemens Schubert sowie bei Gustaf Gründgens.
   
Hans Söhnker (r.) als Marius mit Hans Leibelt als César im Februar 1946
im Berliner "Schlosspark Theater"1) in dem Stück "Zum goldenen Anker"
von Marcel Pagnol1); Regie: Regie: Boleslaw Barlog1)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000049_038)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983)
Datierung: 1946.02 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
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1922 bekam das junge Nachwuchstalent dann ein erstes festes Engagement, allerdings noch ohne Gage, am "Theater Kiel"1). 1924 erhielt er in Frankfurt/Oder1) ein lukrativeres Angebot, wechselte ein Jahr später nach Danzig1), wo er bis 1929 zum Ensemble gehörte und auch in musikalischen Lustspielen mitwirkte. Hier hatte Söhnker sein Metier gefunden, er nahm einige Gesangsstunden, denn noch hatte er Ambitionen, ein guter Operettentenor zu werden. Doch eines Abends im Jahre 1929 versagte seine Stimme ihren Dienst. Der Arzt stellte Knoten auf den Stimmbändern fest. Nun schien die so erfolgreich begonnene Karriere zu Ende zu sein; qualvolle Monate vergingen, ohne dass eine Besserung eintrat. Hans Söhnker machte eine Periode tiefster Depressionen durch. Es tröstete ihn kaum, dass Caruso an der gleichen Krankheit litt und trotzdem ein großer Sänger wurde. Auch Hans Söhnker wurde wieder gesund, spielte wieder auf der Bühne.2) Es folgten ein Engagements in Baden-Baden1), zwei weitere in Danzig, zur Spielzeit 1930/31 wurde er nach Chemnitz1) sowie Bremen1) verpflichtet, wo er mit der musikalischen Komödie "Ist das nicht nett von Colette?" von Max Bertuch1) auch erstmals als Regisseur in Erscheinung trat.
Auf Empfehlung von Ernst Lubitsch1) bewarb Söhnker sich 1933 in Berlin bei der "Ufa"1), machte Probeaufnahmen und konnte schließlich auf Anhieb die Titelrolle in Viktor Jansons Operettenversion von "Der Zarewitsch"1) als Partner von Marta Eggerth ergattern. Es folgten weitere leichte Streifen im musikalischen Genre, so unter anderem "Schwarzwaldmädel"3) (1933) nach der gleichnamigen Operette1) von Leon Jessel1), erneut mit Marta Eggerth "Die Czardasfürstin"3) (1934) nach der gleichnamigen Operette1) von Emmerich Kálmán1) oder "Jede Frau hat ein Geheimnis"3) (1934) mit Karin Hardt. Rasch avancierte der attraktive "Newcomer" zum Publikumsliebling und ließ mit seiner Eleganz und Leichtigkeit die Frauenherzen höher schlagen.

Hans Söhnker etwa 1930 fotografiert von Gregory Harlip*) (?–1945)
Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz: gemeinfrei;
weitere Angaben zur Lizenz siehe hier; *) Link: Wikipedia (englisch)

Hans Söhnker etwa 1930 fotografiert von Gregory Harlip) (? – 1945); Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz: gemeinfrei
Anfangs noch mit prägnanten Nebenrollen besetzt wie in dem Rühmann-Film "Der Mustergatte"1) (1937), wo er als "Gegenspieler" Rühmanns in Aktion trat, spielte Söhnker bald selbst die "erste Geige" wie beispielsweise als Kammersänger Hans Weigel in Paul Verhoevens Operettenfilm "Die Fledermaus"3) (1937), als Dompteur Ruda in dem Streifen "Männer müssen so sein"1) (1939) oder als anspruchsvoller Bräutigam in Helmut Käutners1) Komödie "Frau nach Maß"1) (1940) nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Erich Kästner1) alias Eberhard Foerster mit Leny Marenbach als Partnerin. Bis Kriegsende gerieten Filme mit Söhnker zu Kassenschlagern, allmählich hatte er sich vom charmanten Sunny-Boy zum ernsthaften Charakterdarsteller gewandelt, der neben dramatischen Produktionen wie "Brand im Ozean"1)  (1939) vor allem in geistreichen Beziehungskomödien brillierte. Zu nennen sind etwa Helmut Käutners Propagandastreifen "Auf Wiedersehen, Franziska!"1) (1941) mit Marianne Hoppe oder die unterhaltsamen Geschichten "Meine Frau Teresa"3) (1942) mit Elfie Mayerhofer sowie "Liebespremiere"3) (1943) nach Motiven des Singspiels "Axel an der Himmelstür"1) von Ralph Benatzky1) mit Kirsten Heiberg. Erneut als Partner von Elfie Mayerhofer drehte er die Komödie "Ein Mann mit Grundsätzen?"1) (1943), eine schöne Rolle war auch die des Werftarbeiters Willem in dem Albers-Film "Große Freiheit Nr. 7"1) (1944), der am 15. Dezember 1944 vor ausgewähltem Publikum in Prag Premiere feierte aber erst nach Kriegsende am 6. September 1945 öffentlich in Berlin gezeigt werden durfte. Einen seiner letzten Filme während des Krieges, "Der Engel mit dem Saitenspiel"1) (1944), drehte Söhnker unter der Regie von Heinz Rühmann mit dessen Ehefrau Herta Feiler, die von Boleslaw Barlog1) in Szene gesetzte Geschichte "Tierarzt Dr. Vlimmen"3) (1944) blieb unvollendet.
Nach 1945 konnte Söhnker nahtlos an seine Filmerfolge anknüpfen, feierte zugleich gleichermaßen auf der Theaterbühne Triumphe. Am Berliner "Schlosspark Theater"1) trat er erstmals Anfang Oktober 1945 in der Curt Goetz-Komödie "Hokuspokus" in einer Inszenierung von Boleslaw Barlog auf und wurde von Publikum und Presse frenetisch bejubelt, ebenso wie rund zehn Jahre später in "Der Regenmacher" von N. Richard Nash1). An den "Münchner Kammerspielen"1), am Berliner "Schillertheater"1) und am "Thalia Theater" in Hamburg zeigte Söhnker immer wieder seine darstellerische Dominanz, hinzu kamen zahlreiche Tourneen, bei denen er vor allem mit Boulevardstücken wie beispielsweise von Noël Coward oder George Bernard Shaw1) auch im vorgerückten Alter als Charmeur glänzte.
Im deutschen Nachkriegskino war der Ufa-Star nicht wegzudenken, unzählige Filme lebten von der Persönlichkeit des populären Schauspielers. Die Liste seiner Arbeiten für das Kino nach 1945 ist lang, Produktionen wie der Krimi "Der Fall Rabanser"1) (1950), die Komödien "Geliebter Lügner"1) (1950, mit Elfie Mayerhofer) und "Muss man sich gleich Scheiden lassen?"1) (1953, mit Ruth Leuwerik), das Melodram "Ihre große Prüfung"1) (1954, mit Luise Ullrich), die heitere Geschichte "Wenn wir alle Engel wären"2) (1956, mit Dieter Borsche und Marianne Koch), die Romanverfilmung "
Geliebte Corinna"1) (1956, mit Elisabeth Müller) oder die Liebeskomödie "Ich heirate Herrn Direktor"1) (1960, mit Heidelinde Weis) sind nur einige aus Söhnkers Filmografie jener Jahre. Zu seinen letzten Arbeiten für das Kino zählten drei Krimis, "Sherlock Holmes und das Halsband des Todes"1) (1962) mit der Figur des Professor Moriarty1), "Das Phantom von Soho"1) (1964) als Sir Phillip, Chef von Scotland-Yard, und "Der Hund von Blackwood Castle"1) (1968), wo er den Anwalt Robert Jackson mimte → Übersicht Kinofilme.

DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung der heute nicht
mehr existierenden "e-m-s new media AG
"

Geliebte Corinna
Hans Söhnker als Zirkusdirektor Kogler in Salto Mortale; Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR Ab den 1960er Jahren wandte Söhnker sich neben seiner umfangreichen Arbeit für das Kino und das Theater dem Fernsehen zu und konnte hier vor allem mit populären Familienserien und mehr väterlichen Figuren ein neues Publikum erobern. In "Der Forellenhof" (1965/66) mimte er den Hotelier Otto Buchner, in "Salto mortale" (1969–1972) den Zirkusdirektor Kogler, in "Meine Schwiegersöhne und ich"1) (1969/70) das Familienoberhaupt Johannes Rosen oder in "Lokaltermin"1) (1973) und "Beschlossen und verkündet"1) (1975) den Amtsrichter Schröter. Darüber hinaus zeigte er sich mit Episodenrollen in populären Krimiserien wie "Die fünfte Kolonne", "Dem Täter auf der Spur" oder "Der Alte"1) und war in verschiedenen Einzelproduktionen wie beispielsweise in Fritz Umgelters1) Krimi "Vorhang auf, wir spielen Mord"4) (1978) sowie in dessen Gerhart Hauptmann-Adaption1) "Die Weber"5) (1980) auf dem Bildschirm präsent, wo er den Pastor Kittelhaus darstellte.
    
Hans Söhnker als Zirkusdirektor Kogler
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR
Ein TV-Highlight war sicherlich der von Harry Meyen in Szene gesetzte Fernsehfilm "Endspurt"1) aus dem Jahre 1970 nach der Vorlage von Peter Ustinov mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle des greisen, 80-jährigen Sam Kinsale, der auf seine Lebensstationen zurückblickt. Hans Söhnker gab den 60-jährigen Kinsale, Harry Meyen den 40-Jährigen und Willi Kowalj1) den 20-Jährigen →Übersicht TV-Produktionen.
    

Abbildung DVD-Cover sowie Szenenfoto
mit Hans Söhnker als 60-jähriger Sam Kinsale
und Erika Pluhar als Ada Cooney / Clarice 
Mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die
Literaturadaption Anfang Dezember 2015 auf DVD herausbrachte.

"Endspurt": Szenenfoto mit Hans Söhnker als 60-järiger Sam Kinsale und Erika Pluhar als Ada Cooney / Clarice mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche Literaturadaption Anfang Dezember 2015 auf DVD herausbrachte. "Endspurt": Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche Literaturadaption Anfang Dezember 2015 auf DVD herausbrachte.
Zudem stand der Schauspieler immer mal wieder im Hörspielstudio, eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier. Als Synchronsprecher betätigte er sich nur selten, so lieh er seine Stimme Laurence Olivier als Everard Logan in der Komödie "Besuch zur Nacht"6) (1938, "The Divorce of Lady X."), Michael Wilding1) als Viscount Arthur Goring in der Oscar Wilde-Adaption "Ein idealer Gatte"6) (1947, "An Ideal Husband") und Rex Harrison als Sir Alfred De Carter in der Screwball-Komödie "Die Ungetreue"1) (1948, "Unfaithfully Yours") → synchronkartei.de.
Etliche Auszeichnungen belegen die darstellerischen Leistungen des 1968 zum Berliner "Staatsschauspieler" ernannten Hans Söhnker. Neben dem "Joachim Gottschalk-Preis" (1948, für "Wie es euch gefällt"), einem "Goldenen Bildschirm"1) (1960) und einem "Bambi"1) (1966) wurde Söhnker 1973 mit dem "Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland"1) ausgezeichnet, 1977 überreichte man ihm das "Filmband in Gold"1) für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film". 
Seine Memoiren brachte der Schauspieler 1974 unter dem Titel "…Und kein Tag zuviel" heraus.
Hans Söhnker begann als jugendlicher Draufgänger, der augenzwinkernd zur Sache kommt. Dem eleganten Herzensbrecher mit den guten Manieren lagen die schönen Frauen zu Füßen. Mit zunehmendem Alter wurde das verführerische Lächeln weicher, der Liebhaber zur vertrauensvollen Vaterfigur. Er blieb heiter und gelassen, wahrte immer den schönen Schein – so verzieh man ihm, was man anderen angekreidet hätte.7) 
  
Am 20. April 1981 starb Hans Söhnker im Alter von 77 Jahren in Berlin-Grunewald1), wo er zuletzt gelebt hatte. Auf eigenen Wunsch wurde seine Urne außerhalb der 3-Meilen-Zone in der Ostsee vor Travemünde1) beigesetzt. In erster Ehe war der ehemalige Ufa-Star ab 1929 mit Schauspielerkollegin Charlotte Berlow8) (1898 – 1960) verheiratet, die er während seiner Zeit in Danzig kennen und lieben gelernt hatte. Seit 1959 war Ehefrau Inge (verwitwete. Knoche-Lücken) an seiner Seite, die eine Tochter mit in die Ehe brachte.
2018 verlieh die israelische Holocaust-Gedenkstätte "Yad Vashem"1) Söhnker posthum den Titel "Gerechter unter den Völkern"1), ein Ehrentitel für nichtjüdische Einzelpersonen, die unter nationalsozialistischer Herrschaft während des 2.  Weltkrieges ihr Leben einsetzten, um Juden vor der Ermordung zu retten. Söhnker, der unter Beobachtung der Gestapo1) stand, versteckte dennoch zwischen 1943 und dem Kriegsende immer wieder Menschen jüdischen Glaubens in seinem Wochenendhaus am Wünsdorfer See1) in der Nähe von Berlin und brachte sich dabei selbst in Gefahr → "Deutsche Welle", juedische-allgemeine.de sowie www.berlin.de.
Seit Mitte November 1982 erinnert im Kieler Stadtteil "Südfriedhof"1)  das "Hans-Söhnker-Eck" (Verlauf Papenkamp – Harmsstraße) an den Schauspieler, der in der Harmsstraße aufwuchs.
  Siehe auch Wikipedia, filmportal.de, cyranos.ch, deutsche-biographie.de sowie
das Interview (1976) bei "Deutsche Welle"
Fotos bei film.virtual-history.com
Fremde Links: 1) Wikipedia, 3) filmportal.de, 4) Die Krimihomepage, 5) deutsches-filmhaus.de, 8) cyranos.ch
Quelle:
2)  musik-antik-records.de (Seite nicht mehr online)
7) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzlmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 338)
Lizenz Foto Hans Söhnker (Urheber Gregory Harlip): Der Urheber dieses Werks ist 1945 gestorben; es ist daher gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für das Herkunftsland des Werks und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 75 oder weniger Jahren nach dem Tod des Urhebers.
  
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Fremde Links: filmportal.de, Wikipedia, Die Krimihomepage, deutsches-filmhaus.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia, krimilexikon.de)
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